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Jüdische Rundschau · 1924-07-22 · Heft 58 (22.7.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXIX (1924)
Issue
Heft 58 (22.7.1924)
Date
1924-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 420 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58 Die Notwei: asc’ä eil ilpCikiia laer clgccea 13 Palästina V״״ Dipl.-Kaufmann G. Tschcrnowitz, Mannheim. Diivchfülirung unserer Aufhautätigkeit im Lande stellt in ......, «ms vor eine Menge wirtschaftlicher und sozialer Aufgaben praktischer Natur. Wie man zu diesen grundsätzlich Stellung nimmt, ist von untergeordneter Bedeutung. ״ Nicht gleichgültig ist es aber, ob diese Aufgaben tatsächlich ausgeführt werden oder nieist; wird die aus ihnen sich ergebende Richtung nicht eingeschlngcn, so muß notwendigerweise ein sozialer bzw. wirtschaftlicher Rückgang erfolgen. ^Zu den wichtigsten!־'ragen dieser Art gehört auch die Sozialpolitik. Die 'Notwendigkeit sozialer Fürsorge und eines sozialen Schutzes des Schwachen ergibt sich _ bet einer _ bcstimmten wirtschaftlichen Entwicklung. Palästina steht jetzt wohl noch nicht in diesem Stadium; mehrere Anzeichen deuten aber darauf hin, cl׳״״־ binnen kurzem auch diese Frage akut wird. So insbesondere das rasche Ansteigen der Industric in den letzten Jahren, und in der Industrie steckt der Keim der Sozialpolitik. Aber bereits der gegenwärtige Stand macht die tjtlfaltuno edier solchen Tätigkeit auf manchen!Gebieten, wenn vielleicht noch in beschränktem Umfange, erforderlich. Der Mangel einer sozialen Gesetzgebung macht sich jetzt sehr tühibar. Die palästinensische Regierung vorfährt in dieser Beziehung, wie auch auf_ dem Gebiete der Wirtschaftspolitik, nach dem Beispiele Englands: sich so wenig wie möglich in die inneren Angelegenheiten der Arbeitgelier und -nelimcr ein/umischcn und den Dingen ihren freien Lauf zu lassen. Bedenkt inan, daß in Lngland die staatliche Intervention zugunsten der Arbeiter erfolgte, erst nachdem die Mißstande in der Industrie eine unerträgliche Höhe erreicht hatten und die Gefahr der Degeneration bestand, so wird man verstehen, weshalb die Regierung Herbert , Samuels bis jetzt als nicht notwendig erachtete, irgendwelche ■sozinlgesetzpobcrischcn Maßnahmen cinzuieitcn. Die Wirtschaftsgeschichte ist aber nicht da, um bloß die Wirtschaft- ׳liehen Geschehnisse zu zeigen, sondern auch damit man aus ihr lerne, indem man sie kritisch betrachtet. Es wäre einfach sinnlos, wollten wir nun dieselben Fehler wieder- •holen, von deren schädlicher Wirkung die ganze Welt und •die Engländer selbst überzeugt sind. Wir tun besser, uns nach dem Beispiel Deutschlands zu richten, welches in seiner :sozialen Gesetzgebung allen anderen Ländern voranging, und .wo vor dem Kriege der Arbei’terstand in hygienischer und 'wirtschaftlicher Hinsicht uro meisten gesichert war. ׳ Die Regelung der Arbeitszeit — um nur auf einige sozialpolitische Maßnahmen ciuzugchcn, die schon jetzt erforderlich sind ־ - ist besonders wichtig. Beim Fehlen .jedes gesetzlichen Schutzes liegt cs nahe, daß die Arbeiter von einer Ausbeutung nicht verschont bleiben. Die orgauisiertc Arbeiterschaft (1 iistaürut haowdim haklalit) tut wohl alles mögliche, um eine solche Ausbeutung zu verhüten und den Achtstundentag aufrecht zu erhalten. Allerdings gelingt ihr das nicht immer und bei der großen Arbeitslosigkeit, die bis vor kurzem im Lande herrschte, konnte cs ihr natiirfielt noch weniger gelingen. Bei privaten Unternehmungen, namentlich wenn die Arbeiter, der Organisation nicht angc- Iiören, kommt der Einfluß der Histadrut, wenn überhaupt, nur in einem sehr beschränkten Umfange zur Geltung, da die jüdischen Arbeiter dabei einen schweren Kampf zu führen haben, um ihre Existenzberechtigung zu erweisen. Die Organisation muß diesen Umständen Rechnung tragen, wenn sic nicht aus doktrinären Gründen die jüdische Arbeit von der ohnehin starken arabischen Konkurrenz verdrängt sehen will. In den privaten Unternehmungen ist, wie ich aus Palästina informiert bin, die Aclitstundenarbeit eher Ausnahme als Regel. Selbst ein Unternehmen wie das Ruthcnbcrgschc, das ja beinahe zionistisch-öffentlichen Charakter trägt, ließ vor einem Jahre seine Ingenieure zehn Stunden und darüber im Tage arbeiten. Allerdings galt cs damals, das elektrische Licht, gemäß den vertraglichen Bestimmungen der Konzession, mindestens in einem Orte — Jaffa — bis zum bestimmten ■Termin cinznführcn. Hätte denn Ruttienhcrg ■während dieser heißen Sommermonate nicht noch einige ElcKtrotcchnikcr einstellen können? Ich persönlich bin nicht für die restlose Einführung des Achtstundentages in allen Arbeitszweigen, da die Dauer der Arbeitszeit nicht schematisch, sondern entsprechend der Ökonomischcn Leistungsfähigkeit und den hygienischen Anforderutigcn der Arbeit bemessen werden soll. Bei der Schwere unserer Aufbauarbeit und den geringen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, können wir, jetzt mindestens, uns nicht den Luxus einer allzu großen Muße leisten. Aber gerade im Interesse einer rationellen Arbeit, wie sie für-uns wiinschenswert, ist es erforderlich, jede Ucbcrarbeit zu vermeiden. Die Klimavcrhhltnisse, besonders für die Ncticinkoinmcudcn, sind unbedingt zu berücksichtigen, will man den Verhängnisvollen Raubbau verhüten. Eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit würde sich insofern empfehlen, als diese nur die höchste Grenze - - von vielleicht zehn Stunden tm Tag — angeben wird. Darüber hinaus darf nicht gearbeitet werden, wohl aber kann die Arbeitszeit je nach den besonderen Umständen und der Schwere der geleisteten Arbeit herabgesetzt werden (9, 8 Stunden und darunter im Tag), Im eigentlichen Gebiet der Sozialpolitik, in der Sozial- Versicherung tut ein gesetzliches Eingreifen besonders not. Ist doch das Entstehen und Bestehen einer solchen Einriclitimg erst mit einer bestimmten gesetzgeberischen Tätigkeit überhaupt möglich. Eine weitherzige soziale Gesetz.- gcbuiig hat sich auf diesem Gebiete selbst in England nicht entwickelt. In Palästina wurde in diesem Sinne auch noch nichts unternommen. Diese erwies sich aber schon bei der jetzigen unentwickelten wirtschaftlichen Lage des Landes als notwendig. Und so sehen wir die musterhafte Arbeiter- Organisation zum ersten Male und auf eigene Faust die Krankenkasse u errichten. Ihr Erfolg bei der fortdauernden Malaria, der besonders die Chaluzim fast ausnnhmslos in der ersten Zeit zum Opfer fallen, kann nicht hoch genug ciiigcschützt werden. Noch vor einigen Jahren, als darüber zunächst diskutiert wurde, begegnete man diesem Gedanken selbst in maßgebenden Arbeiterkreiseil mit großer Skepsis; heute stellen die Krankenkassen fast keine Belaslung für die allgemeine Organisation dar. Diese Selbststäiuligkeit konnte allerdings nur durch große Opfer erreicht werden und durch Auferlegung von Prämien, die die Vcrsicherten beim geringen Lolin sehr schwer treffen. Aber gerade diesem Z w a 11 g s Charakter verdanken die wertvollen Unternehmungen ihre Existenz. Und in dem Sinne wurde hier ein glücklicher Ersatz für das fehlende Gesetz geschaffen. Die gesetzliche Regelung ganz zu ersetzen vermögen die Krankenkassen nicht, da sie natürlich nur die Mitglieder der ״Histadrut“ erfassen können und es braucht nicht gesagt zu werden, daß die Arbeiterorganisation trotz ihrer Stärke mit der Gesamtheit der - jüdischen Arbeiter in Palästina nicht identifiziert werden kann. Die Nichtorganisierten können aber nur mittels des Gesetzes erfaßt werden. Dabei sei bemerkt, daß der Vcrsicherungszwanp allein, wie er etwa in England besteht, ungenügend ist. Bessere Gewähr für die Organisierung der Massen, auch aus finanziellen Gründen, bietet der in einigen Ländern, namentlich in Deutschland und Dc11t־ch-Ocstcrreich, übliche Kassenzwang, d. h. die Versicherten werden gezwungen, sich auch bei einer be- ׳,stimmten Krankenkasse י־ «ach regionaler Einteilung — zu versichern. Außer der Krankenversicherung ist nichts weiteres au! diesem wichtigen Gebiete geschehen. Daran trägt das Fehlen der hier in Fräse kommenden gesetzlichen Bestimmungen schuld. Die Krankenkassen konnten ohne erhebliche Schwierigkeit tu errichtet werden, weil dies nicht mit unüberwimlliehen finanziellen Schwierigkeiten verbunden war. Tragen ja auch in anderen Ländern die Arbeiter die Hauptlast (so in IXulsi'hlaiid und auch in den meisten anderen Ländern; t’ii die Versicherten und >/s die Unternehmer). Anders liegen die Dinge, bei der Unfallversicherung. Hier werden die Lasten, wenn nicht ausschließlich, wie etwa in Deutsch-!and, so doch hauptsächlich von den Arbeitgebern getragen. Der Arbeitgeber hat schon aus moralischen Gründen für den in seinem Betriebe dem Arbeiter aus dem Berufe ent-;,t.iiideiieii Unfall aufznkommen. Bei den bestehenden Lasten der Krankenkassen ist eine weitere weitgehende Belastung der finanziell schwachen Arbeiterschaft einfach unmöglich. Und so erklärt sich, daß bis jetzt eine Unfallversicherung noch nicht geschadet! worden ist. Sic ist aber unbedingt notwendig, besonders beim Baugewerbe, das beim Umlang der Bauindustrie stark au Bedeutung gewonnen hat. Unfälle, auch Todesfälle, sind nicht selten, und den Beschädigten bzw. deren Hinterbliebenen wird die notwendige Hilfe vcrsagt. Line Aenderuiig kann nur auf Grund gesetzlicher Regelung geschehen, da cs kaum anzunehmen ist, daß die Arbeitgeber die ganze oder auch nur die Hauptlast freiwillig zu tragen gewillt wären. ׳ Dringend ist noch eine Angestellten* und lnva- I i d c 11 - V c r s i c 11 c r u ng. Ein kleiner Anfang ist dazu insofern getan worden, als bei den Lehrern schon seit Jahren ein* Peusiousfouds besteht, der etwa denselben Zweck erfüllen soll, wie die Angcstellicnversiclierung. Tatsächlich ist dies aber fast ohne Bedeutung, wegen der geringen Höhe der Beiträge und auch der Unregelmäßigkeit der Entrichtung, was bei der schlechten, vielfach mit Verspätung erfolgten Besoldung nicht schwer zu erklären ist. Bedenklich erscheint mir dabei auch die Form: die Gelder, soweit sie aufgebracht werden, werden einfach auf der Bank deponiert. Auf diesem Wege können die Gefahren nicht so gut bekämpft werden wie bei einer Versicherungsgesellschaft, die eben durch die exakten Wahrselidnüchkcitsberechtrungen, den zufälligen Cha raklcr der Risiken ausschließt. Auf die anderen zu ergreifenden sozialpolitischen Maßnahmen kann hier nicht weiter ciiigegangcn werden. Vor allein muß gesehen werden, daß die Löhne und Gehälter der öffentlichen und privaten Beamten und Angestellten so hoch sein sollen, daß sie eine angemessene Existenz zu führen gestatten. Die Beamte.nfürsorge im modernen Sinn, nämlich, daß der Beamte während dc8 Dienstes gegen Krankheit und Unfälle und in seinen alten Tagen gesichert wird, wie auch, daß bei dessen Tod für seine Hinterbliebenen gesorgt wird, ist weder der Zionistischen Organisation noch der palästinensischen Regierung bekannt. Bei Durchführung von Sparmaßnahmen erachtet es die Regierung nicht einmal für notwendig, die abgebauten Beamten (freilich die niederen nur) durch Pensionierung oder andcrw'ärts zu entschädigen! Da■ gegen soll jede Philanthropie beseitigt werden. Diese un■ produktive Hilfe ist dem alten ״Jischuw", in Jerusalem ins besondere, geradezu zum Verhängnis geworden. Und cs ist eines der großen Verdienste des Zionismus, den Kampf dagegen erklärt zu haben. Wenn die Leute unter■ .stützt weiden, so soll dies nicht auf diese entehrende Weise geschehen: den unvermögenden Kranken und Alten, wie auch den Arbeitsunfähigen soll genügende Hilfe gewährt werden, nicht aber denjenigen, die arbeiten können und cs nicht wollen. Sollten wir ztt diesem Zwecke überflüssige Gelder haben (wenn etwa die Chalukkagelder zu unserer Verfügung ständen, so sollen diese nur zur Beschaffung neuer Arbcitsmöglichkcitcn oder als Zuschüsse für Invaliden- oder anderen Versicherungen verwendet werden. Wir kommen nunmehr zu dem schwierigsten Problem, nämlich: zur Ausführung dieser sozialpolitischen Re formen. Lind hier muß eben der zionistische Einfluß zur Geltung kommen. Zunächst soll dies bei zionistischen oder unter unserer Aufsicht stellenden Unternehmungen durchgeführt werden. Eine wesentliche Unterstützung dabei wird die Organisation, wie bis jetzt schon, bei der Arbeiterschaft finden. Das genügt aber nicht, denn, wie erwähnt, verlangen einige dieser Maßnahmen, besonders auf dem Ge biete der Sozialversicherung, eine gesetzgeberische Regelung Das überschreitet bereits den Rahmen unserer Maclit, aa wir trotz Erfüllung staatlicher Funktionen nicht über die Staatsgewalt verfügen. Eine Mitwirkung der palästi nens!scheu Regierung ist In diesem Sinne Uncrläß lieh. Die Zionistische Organisation muß dahin wirken, daß die Regierung ihre unsoziale Gleichgültigkeit aufgibt und mindestens die zu diesem Ende erforderliche soziale Gesetzgchung erläßt, wenn ihr, aus materiellen Gründen, eine tinan zicllc Unterstützung, wie sie in allen Kulturländern üblich ist, unmöglich ist. Ich erachte als eine der wichtigsten Aufgaben der■ zu bildenden J c w i s h»A gc ncy, die Re gierung zu veranlassen, auf diesem Gebiete wie auch in bezug äudern und ... gerade för dernd, so doch zumindest nicht hemmend auf bautätigkeit wirkt, wozu wir auf Grund Mandats ohne weiteres berechtigt sind. auf die Wirtschaftspolitik den alten Kurs zu einen solchen cinzuschlagcn, der, wenn nicht cht hemmend des unsere Art. 4 der Beerdigung wurden öffentliche Protcstvcranstaltungen gegen die Zionisten abgchaltcn. Die intellektuelle Urheber, schaft des Mordes wird der Verhetzung in der Presse zu■ geschrieben. Dr. de Haan erhielt drei Rcvolvcrschür.w mit Dtim-Dum-Ktigeln. Von dem Mörder fehlt jede Spur,‘1 Sic ersehen hieraus, daß wir absolut nicht die Zionistische: Organisation als solche, von der wir sicher wissen, daß sic ebenso wie wir den Mord als politisches Kampfmittel verabscheut, beschuldigten, wohl aber die auch in nichtzionistischcn, aber .־inHgtidistfcclien Organen betriebene maß. lose Pressehetze. Wir bitten Sic, unsere Erklärung in ihrer gcsch. Zeitung zu veröffentlichen.! Zu diesem Schreiben bemerken wir, daß wir die Erklärung tn der von uns gebrachten Fassung wörtlich der ״Zeit“ (Nr. 155 vom 4. Juli), bekanntlich dem Orgpn der Deutschen Volkspartci und des Außenministers Strcsemann, entnommen hatten. Bereits vorher war uns die übereinstimmende Meldung des W. T. B. telephonisch übermittelt worden. Wir konnten dann fcststcllcn, daß die Berliner Ausgabe des W. T. B. Nr. 1379 vom 2. Juli genau denselben Wortlaut der von uns abgedruckten Meldung der Aguda enthält. Wir überlassen es der Palästina-Zentrale der Agudas JisrocI, den Unterschied zwischen ihrer oben angeführten Fassung und der des W. T. B, aufzuklären bzw. den Verantwortlichen für die Abänderung fcstzustcUcu. Zur Verhütung von Milklcutuii• gen empfiehlt sich auch jetzt noch restlose Aufklärung, die übrigens längst, wenigstens in Form einer Richtigstellung an das W. T. B., von der Aguda hätte veranlaßt werden sollen. Auf* des Aas 4er ifltUscben Well Das LeldietibcgSnfjiils de Bsais Herr M, Sambursky in Danzig schreibt uns: Mein Sohn teilt mir aus Palästina mit, daß die Nachricht, die in der ,Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht war, daß sich an der Beerdigung de Haans 5000 Personen beteiligt hätten, unrichtig und übertrieben ist. Nur zirka 200 Personen haben sich an der Beerdigung beteiligt." ♦ Hierzu möchten wir bemerken, daß wir die in Nr. 54 der ״J. R.“ veröffentlichte Angabe ausdrücklich als , agudistischc Meldung" gekennzeichnet haben. Die in obiger Zuschrift enthaltene Richtigstellung stimmt übrigens auch mit einer Nachricht des ״Doar Hajom" überein. Die Nacliricht der Acuta über die Eraordßng de D3ses Von der Pa 1 äs 1111 a-Ce ntralc dcr Agudas Ji*. rocl, Frankfurt a. M., erhalte« wir nachstehende Zuschrift: In Nr. 55 Ihrer gesell. Zeitung berichten Sie über eine Mittcilung unseres Büros an die Wolff’schc Agentur über die Ermordung de Haans;. Wir nehmen an, daß Ihnen diese unsere Mitteilung nicht im Wortlaut Vorgelegen hat, da Sic dieselbe gerade in den entscheidenden Punkten unrichtig wiedergeben. Unsere Mitteilung lautete folgendermaßen: ״Wie uns von dem hiesigen Hauptbüro der Palästinazentrale der Agudas Jisröel nutgetcilt wird, ist Dr. de Haan, d« prominentes Mitglied der streng orthodoxen Juden (Agudas JisrocI), Holländer von Geburt und Vertreter des ״Allgemeneii 1 iandeisblaod". Dr. de Haan war von zlonistlscher Seite stark angefeindet gewesen. Die Beerdigung wurde streng bewacht; ungefähr 5000 Personen nahmen aaiaa teil, fast die gesamte Prthodoxic Jerusalems. Während Ein Bcdulncnstamm, der den Namen A f S h m a I n i führt und jetzt in der Nähe von Sa f e d sein Lager aufge• schlagen hat, wandte sich an die palästinensische Regierung mit dem Ersuchen, die Angehörigen des Stammes darin zu unterstützen, daß sic zum Judentum übertreten können. Sie seien nach ihren Traditionen Nachkommen von : Juden und wünschen nun, zu dem Glauben ihrer Väter : zurückzukeitren. Die Ansicht, daß ein Teil der gegenwärtigen arabischen Bevölkerung Palästinas von Juden abstammt, die im Lande geblieben waren und im Verlauf der Zeit die herrschende Religion angenommen haben, wird von vielen; Juden und Arabern in Palästina geteilt. Dr. J. Klausner weist in einer kürzlich erschienenen Artikclreihc darauf hin, daß die Araber Palästinas vom anthropologischen Gesichts• , punkte aus, sowie nach ihren religiösen Gebräuchen charakj tcristische Merkmale jüdischer Herkunft zeigen. Wie Monsignore Barlassina, der lateinische Patriarch; von Jerusalem, der Pal. Tcl.-Agentur mitteiit, hat er An- Ordnungen zur Organisierung einer weite Kreise umfassenden Pilgerfahrt nach Rom getroffen, damit seine Glaubensgenossen aus allen Teilen Palästinas an der Feier des heiligen Jahres (1925), das kürzlich vom Papst proklamiert wurde, teilnehmen. Mgr. Barlassina teilte weiter mit, daß in Aegypt c n tmd in den benachbarten Ländern Vorbereitungen zu einer ähnlichen Pilgerfahrt getroffen werden. In Jerusalem erscheint eine hebräische Ausgabe des pa• läatincnsischcn Handbuchs von Harry Charles Luke, dem vormaligen Hilfsgouverneur von Jerusalem, tmd Edward Kcith-Roach, dem früheren ersten Hilfs-Sekretär der palästinensischen Regierung. Die Autoren schrieben ein Geleitwort, in welchem sie mitteilcn, daß in der hebräischen Ausgabe Acnderungcn und Zusätze gemacht worden sind, die das Jahrbuch bis auf den heutigen Tag fortfüliren. Die hebräische Ausgabe enthält nach dem Geleitwort ״eine umfassende Darstellung der jüdischen Arbeit in Palästina" und erkennt die ״jüdische Leistung für das Nationalhciin‘‘ lobend an. Herbert Samuel hat zu der hebräischen Ausgabe eint Einleitung geschrieben. Sie wurde von Isaac A. A b b a d y, dem Hauptdolmctschcr der Rcgicrungsbüros in Jerusalem, ins Hebräische übertragen. ln Tei-Awiw hat sich eine Gesellschaft unter dem Namen ״Hiszaion“ gebildet, die sich die Erbauung eines Theaters für Dramen und Opern zum Ziel gesetzt hat. Begründer sind der Stadtrat von Tel-Awiw und die Herren Ch, N. Bialik, 1. L. G old b erg, 1. Ros off u. a. Die Palestinc Land Development Company hat ein wertvolles Besitztum erworben, das 16 000 Dun am Land zu Afulch im Emek JisracI umfaßt. Die Gesellschaft hat bereits 8000 Dttnatn an den American Zion Commonwealth und 8000 Dunam an eine Oruppe von Juden in Bdlarabien verkauft. Die Delegation, die unlängst von den arabischen und jüdischen Handelskammern ln Jaffa und dem kaufmännischen Verein in Tel-Awiw ernannt wurde, um die Errichtung des geplanten Palästina• Hafens in Jaffa zu betreiben, ist am 16. Juli nach London abgereist. Sie setzt sich aus Juden, Christen und Mohammedanern zusammen. Sollte die Delegation ihr Ziel beim Kolomalamt nicht erreichen, sö ist sie ermächtigt, die Erlaubnis zur Schaffung eines Hafendamms in der Nähe von Jaffa zu erbitten, für den die Gemeinden Jaffa und Tei-Awiw allein die Kosten tragen sollen. Die Bewohner von neunzig arabischen Dörfern ln der Umgebung von Tulkerem, Nablus und Jen in haben an den Gouverneur des Distrikts ein Schreiben gesandt, in welchem sie der palästinensischen Regierung ihre Ancr• kennung für die Verhaftung Salim Abdul Rachmans, des Führers der mohammedanischen christlichen Vereinigung in Tulkcram, aussprcchcn. Sic glauben nun, vorder! Angriffen der Räuberbande, deren Führer er war, sicher zu sein. Die Londoner ״Zeit“ berichtet aus Jerusalem: ״Hier verlautet, daß 'die christliche Frau Dr. de Haans nach Jerusalem kommen wird, um das Erbe nach ihrem toten Gatten anzutreten. Die Frau Dr. de Haans, eine Aerztin, die der Verstorbene noch vor seiner Bekehrung zur Orihodoxie geheiratet hatte, ist eine gebildete holländische Dame. Ihr Mädchenname ist van Marseveen.“ Deutschland In1 Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages kam der völkische Antrag auf Ausschluß der Juden aus den öffentlichen Aomtcrn zur Beratung. Im ein• zclncn fordert der Antrag: Angehörigen der jüdischen Rasse dürfen Namensänderungen nicht mehr gestattet wer• den Es ist fcstzustellcn, wie viele luden im Staatsdienst bc• schäftict sind und ihr Judentum in den Beamtenlisten ist besonders zu vermerken. Die Zahl der Jüdischen Stu• denten ist 1*} kontingentieren. Ausländische Ju* ®!,)d •י1י den Hochschulen nicht mehr zuzulassen. Ebenso sind jüdischcHochachuIlchrer nicht mehr zu dulden. Juden dürfen im Staatsdienst nicht mehr angestcllt werden. Der Erwerb von Grund und Boden ist gegen Rassenfremde sicherzustellen. Die seit 1914 elngewanderten Juden sind aus zu weisen und ihr Vermögen zu beschlagnahm cn, soweit cs ihren Besitz bei der Einwanderung übersteigt. Der deutsch nationale FraktloasfUhrcr Doktor Hilpert erklärte die gruodsitl«

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