Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXIII (1918)
- Issue
- Heft 58 (31.12.1918)
- Date
- 1918-12-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 458 J U EDI SC HE Nr. 58 .UN DSC HAU m,n~ li ״..I . ■ f 7־‘/ ü «SbJ \lJ► /.\ r.*> ־; / ־ , . / ך-- i .־1 »J *. _«/ V *■־י«*״—« » ך,׳״״? יי*י «"ן ^*״־•, s־־'^ י i 0^0 Li U L'<k tl B** w i» y \'׳^J vl ftpjM \*U’J *u » ■HEftAliJSGEGEDEH V0:3 DAVIG TRtET&C&l Den Wiedereintritt der Juden in die Weltgeschichte will unsere Zeitschrift in ernster Mitarbeit begleiten. In ihr sollen ״ Volk und Land", — das heisst die g e samt e j ü d i s di e Welt und ihre grossen Wander- und Mcdelungsbcwcgungcn in Palästina und anderwärts — behandelt werden. *Von allen bisherigen jüdisäien Zeitschriften unterscheiden wir uns dadurch, dass weder religiöse noch parteipolitische, weder literarische nodi allgemein kulturelle, sondern lediglich wirtschaftliche, politische und soziale Interessen — also Fragen der J u d e n h e i t, nicht des Judentums — ihre Erörterungen finden werden. Dieses bisher viel zu wenig beackerte Feld braudit ein eigenes Organ. Die bedeutenden Umwälzungen, die sich aus dem Zerfall Russlands, Oesterreich * Ungarns und des osmanischcn Reiches, aus der Entstehung der neuen Staaten der Polen und Ukrainer 'der Litauer, Kurländcr und der Tschecho-Slowaken, aus der Vergrösserung Rumäniens und der Bildung eines Gross-Serbien, sowie aus den weitgehenden Veränderungen in zahlreichen andern Ländern ergeben, stellen auch die Judcnheit vor eine ganz neue Lage, die einer eingehenden Behandlung bedarf. In den lezten Jahren ist cs der Welt immer klarer geworden, dass die Juden mit ihrer Gesamtzahl von gegenwärtig mehr als 15 Millionen, mit ihrem grossen Anteil am Unternehmertum im allgemeinen, an Handel, Industrie und Verkehrswesen, sowie mit ihrem Vorwiegen an den widrigsten Punkten des Weltverkehrs und Welthandels einen wirtschaftlichen Faktor ersten Ranges darstcllcn. Neben dem, was die Juden bisher schon in Handel und Wandel geleistet haben, interessieren uns besonders auch die neuen Berufe, denen die Juden sich aller Wahrscheinlichkeit nach zuwenden werden. Die erhöhte Bedeutung der Landwirtschaft wird bereits von weiten Schichten der Judcnheit gewürdigt. Die Notwendigkeit verstärkter Produktion auf allen Gebieten wird diejenigen Berufe beeinträchtigen, die ein reines Mittlertum darstellen. Hieraus dürften sich gerade für die Juden bedeutende Umschichtungen für die nächste Zukunft ergeben. Einen weiten Raum werden auch die sozialen Fragen und A u f g a b e n der Judenheit in unserer Zeitschrift einnehmen. Der Zusammenbruch vieler Millionen von Existenzen bedingt durchgreifende Massnahmen und Hilfsak t i on en, Es gilt einen Wiederaufbau zahlloser Existenzen, der sich keineswegs immer in den alten Formen und in den bisherigen Wohnländcrn der Betroffenen vollziehen lassen wird. Es steht eine Massenwanderung von bisherungeahnten Dimensionen bevor, denen die bisherigen Reiseziele nur in sehr beschränktem Masse offen stehen dürften, während andererscits in Palästina unter der Zustimmung aller Mächte ein neues Gebiet für eine Masseneinwanderung sich eröffnet. Alle diese Fragen erfordern politische, wirtschaftliche, organisatorische und soziale Massnahmen, von deren zwecken!- spredrender Planung und Durdiführung es übhängen wird, ob die weltgeschichtliche Chance, die - neben allem Unglück — der grosse Krieg den Juden gebracht hat, zu einem wundervollen Aufbau oder zu neuen Katastrophen führen wird. — Der Weltkrieg hat die Entscheidung der jüdischen Fragen beschleunigt. Noch während der letzten Friedensjahre konnte man beobachten, wie die politische Geltung der Juden und die Bedeutung ihres Kolonisationswerkcs in Palästina mehr und mehr Anerkennung fand. Es ist bekannt, wie während dieses Krieges die Sympathien der Judenschaften der verschiedenen Länder um* worben worden sind. Zahlreiche Proklamationen sowohl von Seiten der Mittelmächte wie seitens der Entente wollten den Juden zeigen, dass ihre berechtigten Interessen Verständnis finden und voll berücksichtigt werden würden. Galt dies hauptsädüich von den nationalen Rechten starker jüdisdwr Minderheiten, so bezogen sich eine Reihe besonderer Regierungserklärungen auf die Wiederherstellung Palästinas als jüdisches Land. Hieraus werden sich wiederum umfassende Aufbauarbeiten ergeben. In ganz kurzer Zeit wird dieses Gebiet eine weitgehende Europäisierung erfahren Sdion während des letzten Menschenalters hat die neue jüdische Kolonisation in Palästina die Verhältnisse dieses Landes wesentlich beeinflusst. Vor dem Kriege zeigte Palästina bereits mehr als das Dreifache an Aussen handel gegenüber dem Durchsdmitt des Türkischen Reiches, und gegenwärtig sichen wir vor einer starken Beschleunigung dieser Entwicklung. Jetzt ist die Zeit des Handelns! Die ganze Welt ist in einer gewaltigen Umformung begriffen. Zahlreiche Völker machen ihre Ansprüche geltend und sind im Begriffe, den unnatürlichen Bedingungen, unter denen sie bisher lebten, ein Ende zu machen. Auch für den besonders schwierigen Fall der Juden winkt eine Lösung. Bei dieser können wir es als besonders glücklich betrachten, dafi die Mächte auf beiden Seiten des Abgrundes, den der Weltkrieg aufgetan hat, ü b e r e i n s t i m m e n d sich für die Wiederaufrichtung Palästinas als jüdisches Gemeinwesen erklärt haben. Gelingt es, aus den Trümmern der von dem Krieg verheerten Hauplwohngebiete der Juden ein jüdisches Palästina aufzubauen und hier diejenigen sozialen und wirtschaftlichen Zustände zu schaffen, die man der besonderen Be* gabung der Juden Zutrauen darf, so wird damit auch die Stellung der gesamten Judenheit, die zu ihrem weitaus grössten Teil weiter in den Ländern des europäisdren Kulturkreises bleiben wird, eine gewaltige Stärkung erfahren. Das Verständnis für alle diese Dinge will unsere neue Zeitschrift unter Juden und Nichtjuden verbreiten helfen, erbitten wir die Mitwirkung aller derer, die an einer gedeihlichen Entwiddung der jüdischen Zukunft Interesse nehmen. Hierzu Redaktion und Verlag von r .1 1 ף «r^ juCii, Berlin W. 35, Kurfürstenstr. 150. Aus dem Inhalt der ersten Nummer: Grundlagen jüdischer Weltgeltung von Davis Trietschf - Gedanken und Vorschläge zur Frage einer völkisch-jüdischen Kolonisation in Palästina von S. Dyk. - Die technischen Aufgaben Palästinas von Dipl.-Ing. M.'Hecker. - Die amerikanischen Juden'und ihr Berufsleben von John Foster Fraser. Bezugspreis 6.- M. vierteljährlich. (Durch alle Postämter zu bestellen.) Einzelhefte je 60 Pf. Postscheckkonto Well-Vcrlaä• Nr. 28219 Berlin. ־“