Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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[־־BEIBLATT Nr. 20 [־־BEIBLATT Nr. 20 Ui ״"" 15. Mal 1914 ך־״י, ׳׳*׳״r ^־־ץ "..־-י* r\ \ J ם0םםםם0םם0 INHALT a ם a a o q a Spraclienkainpf und Volk. Von Dr. S. Hem st ein. Die Tätigkeit der jüdischen Aer/tegesellschaft Palästinas. - Bemerkungen zur Vicrtcljaliresstalislik des Jüdische» Nationallouds (Januar März 1011). (Schluli.) Sprachenkampf und Vc׳.״ Von Dr. S. Bernstein l:s gehört nicht zu den leichten Aufgaben, die breiten M issen zum entschiedenen Eintreten für eine Idee zu gewinneu, die außerhalb ihrer täglichen Sorgen und Lebensintcresscn liegt. Und besonders ist dies schwierig bei den jüdischen Massen, die 111 י Osten leben und kämpfen. Unaufhörlichen Verfolgungen ausgesetzt, unter Rechts- Verhältnissen, die jede gesellschaftlich-nationale Tätigkeit fast vollständig verhindern, sind sic in ihrem Existenzkampf den schwersten anormalen Bedingungen unterwerfen. Abgesehen von der allgemeinen rechtlosen Lage der russischen Judenhcit, genügt es, bloß auf die Vcrhältnisse im Königreich Polen hinzuweisen, dessen Grenzen mehr als ein Drittel der Gesamtzahl der Juden des Zarenreichs umfassen. Der nationalistisch-soziale Kampf, der ökonomische Boykott, unter dein die jüdischen Massen in Polen seit Jahr und Tag zu leiden haben, dürfte zu den dunkelsten Erscheinungen gehören, wie sie in solcher unverhüllten Brutalität in der sozialen Gesellschaft des modernen Völkerlebens bisher unbekannt waren. Zieht man diese Lebensbedingungen der ostjüdischen Massen in Betracht, so wird inan cinsclien, daß cs nur außergewöhnliche, in das Seelenleben dieser Massen tiefeinschneidende große Momente sein können, die die Kraft besitzen, die schwer geplagten breiten Bevölkerungsschicliten aufzurütteln und über ihre Alltagssorgen hinauszuheben. Ein solches Moment bildete der Kampf um die hebräische Sprache in Pa- I ä s t i וו a. Gewiß war es nicht zu erwarten, daß die jüdischen Massen des Ostens ihre Stellungnahme zu diesem noch nie dagewesenen Auftreten Palästinas in besonderen Formen der Massenkundgebung zum Ausdruck bringen würden. Dazu fehlt ihnen jede äußere Bewegungsfreiheit, jede rechtliche Möglichkeit. Doch hat die ostjüdisehe Masse selten einen solchen sittlichen Ernst und eine solche nationale Würde bekundet, wie gerade diesmal. Die vornehmen Waffen der Verteidiger der hebräischen Sprache, das hohe Niveau des Kulturkampfes, für unsere Gegner vielleicht der wundeste Punkt, haben 1m Denken und Handeln der breiten jüdischen Bevölkerung ein windiges Echo gefunden. Nicht die geringste unfreundliche Stimmung gegen die Personen, gegen die Wortführer der Institution, gegen die der heiße Kampf gerichtet war. Nach wie vor findet die philanthropische, menschenfreundliehe Tätigkeit dieser Personen die vollste Anerkennung und Würdigung der ostjüdischen Oeffentlichkeit, Das!hindert sie aber nicht, wo es sich um die nationale Weltanschauung handelt, ihre Stellungnahme ganz unzweideutig zum Ausdruck zu bringen. Der Kampf der palästinensischen Gcistespionierc hat in den breiten jüdischen Massen ein lebendiges Interesse hervorgerufen, wie wir es seit Jahren nicht mehr gesellen haben. Es darf hier gesagt werden, daß es der zionistischen Bewegung ge-־ langen ist, hier zu wiederholten Malen den Beweis zu erbringen, wie irrig die Ansicht mancher Kreise ist, daß sieh allmählich der angebliche Pa rt ei Charakter des Zionismus herausgestellt habe und daß zwischen ihm und der breiten jüdischen Masse jeder eigentliche Zu- «samnienhaiig fehle. Die Stimmung der jüdischen Masse wählend des Sprachcnkninpfcs hat klar und überzeugend bewiesen, daß sie in großen, historisch entscheidenden Momenten sich stets mit der zionistischen Idee eins fühlt. Ein beachtenswerter Punkt soll hier aber noch besonders betont werden. Das Verhalten der ostjüdischen Massen zu Palästina, zu allen Erscheinungen des palästinensischen Lebens hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Charakter angenommen. Zeichnete sich das Verhältnis der Masse zum Lande der Väter stets durch seinen national-romantischen Inhalt aus, durch die im Innern der Volksseele lebende historische Anhänglichkeit an Zion, so kam in den letzten Jahren zu diesen Gefühlswerten ein neues maßgebendes Moment hinzu. Nach und nach begann in weiten Schichten der jüdischen Bevölkerung die Ueberzeugung durchzudringcn, daß Erez- Israel in absehbarer Zukunft beginnen dürfte, für die jüdischen Massen eine Mission zu erfüllen: zu einem ö k o n 0111 i s c 11 - s o z i a 1 e n M a c h t f a k t o r zu werden. Schon jetzt weiß die Masse aus ihrem Selbsterhaltungstrieb, daß die täglich zunehmende Emigration nach dem Westen in den nächsten Zeiten vor schwere Probleme gestellt sein dürfte. Gelingt es auch durch das Aufgebot aller erdenkiclien Kraftaiistrengungeii, diesen oder jenen Abspemings- Paragraphen der fast täglich neu entstehenden Fremdenbills zeitweilig lahm zu legen, so besteht für das Vorgefühl der Masse kein Zweifel darüber, daß der Tag nicht mehr fern ist, ^an dein es für den Verfolgten nur die Aussicht gibt, an den Ort gefesselt zu bleiben, der ihn weder leben noch sterben läßt. Wer mit der jüdischen Masse in Berührung kommt, wird wissen, wie stark in ilu־ die Hoffnung lebt, daß all die opferheischenden, schwierigen Arbeiten wirtschaftlich-ökonomischer Natur, die seit Jahren in Palästina im Gange sind, schließlich doch dazu beitragen werden, für große Teile der Bevölkerung eine Zufluchtsstätte zu schaffen. Man sieht in der Palästina-