Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIX (1914)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651869-2651889--09625-2666965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kr. 18/19 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 47 l!Wir Vor- 1 I cm Vtr* tlit.it ftvil I i von ligcr lllllls Oden V erbillig «lern *eben altur- }I an Ideen wirk- ,Olksmtlik׳ diieh. frei- 11 ist tanicc : voll- Überlssi'11. S die leihen önnc, sifclte se - t will. * ״ist ms״e- , sehr Form tz als e das; den heilte •lisclic i auch legen- {)eichman ibnen Jiilicn, JKlwie ,'enden ligion, U der Jegenilisdic mpfiniupten, (ltanis• .׳ יו en be- ג werändern tisch alt 8 man spricht t־. das, Degens;ltz darstclit, ist gar kein solcher, sondern ein Gegensatz gCJTC11 die personal geschlossene Gemeinschaft, soweit diese cj״c l.ebensciiilicit darstclit. Nicht seiner Religion wegen, sondern weil das Judentum eine Lebenseinheit bedeutet, erregt je!■ Jude Widerspruch, mag man nun diese Lebenseinheit national nennen oder nicht. Vollends werden (luttnrnniis Ausführungen ein Voltigieren mit begriffen, wenn er die Richtung der gegenwärtigen Ent* Wicklung behandelt. Mit mannigfachen Zwar mul Aber legt er dar, dali das Verhältnis des Juden zu seiner Umwelt ״wand- Iniigslähig“ ist. Natürlich ist es das, und wie wellig das Natioiialjudeiitiirn davon ausgehl, aus dem Wesen des Judentums ergebe sich mit Notwendigkeit die Unmöglichkeit eines erträglichen Zusammenlebens, zeigt die Theorie des Alljudentuir.s: hier wird ja ein erträgliches Zusammenleben erstrebt. Nicht von Notwendigkeiten gehen wir aus, sondern von den geschichtlichen und gegenwärtigen Erscheinungen. Aber gerade diese sucht Outtmann Begriffen unterzuordnen. Dad die Juden nur in Ländern, in denen sie einen geringeren Prozentsatz darstellen, mehr Rechte haben, füllt ihm wohl ein, aber er tröstet uns nüt dein Gedanken: der Unterschied der Zahl ist gradueller, nicht prinzipieller Natur. Das ist sicherlich eine sehr philosophische Auffassung. Es ist dehselbe Grund, aus dem einst die Eleaten leugneten, daß es Bewegung und Masse überhaupt geben könne — —■ —. VI. Ich fasse zusammen: Die jüdische Religion hat ihre ge* meiiisehaftsbildende Kraft für die Gcsamtjudeiihcit verloren, der Glaube an das Volkstum eine solche Kraft noch nicht ge- Wonnen. Gemeinsame Inhalte für die deutschen Juden sind der gemeinsame Gegenwartskampf und das Bewußtsein gemeinsanier Geschichte. Diese Inhalte können nur darum einigend wirken, weil die seelische Struktur der Juden gleichartig ist und sie trotz der verschiedenen Inhalte ihres Berufslebens und ihrer Lebensanschauung kulturell verbindet. Wie kräftig ein auf diesen Faktoren beruhender Zusammenhalt an sich sein würde, ist zweifelhaft; in der Gegenwart aber erlebt die Judcnheit eine neue Spannung ihres Gemeinschaftsgefühls, wie sie in der Geschichte die Voraussetzung eines jeden fruchtbaren Lebenswillens gewesen ist. Da diese Spannung eine nicht nur durch Blut und Geschichte, sondern auch durch kulturelle Baude zusanuncngchaltcnc Gemeinschaft erfüllt, reden wir von einem Nationaljudentum und suchen dessen Erfüllung im Zionismus. t Dieses Nationaljudentum zu bejahen, dazu bestimmt uns in letztem Sinne nicht die Beobachtung einer Wirklichkeit, sondern ein Werturteil. Nicht aber daß cs sich darum handelt, wie hoch wir die nationalen oder die religiösen oder die deutschen Faktoren werten, sondern noch allgemeiner um die Frage: Ist uns das Judentum überhaupt crhalhmgswcrt? Die Intensität unseres jüdischen Erlebens aber zwingt uns, die letzte, einfachste, natürlichste Form des Judentums, das Volkstum, zu bejahen. Was so in der Seele des gegenwärtigen Nationaljuden hcrauskommt, ist ein Stückchen — Primitivität, Eine Erlösung aus der Skepsis. Der Verstand und seine Werte sollen nicht mehr die Führerrollc spielen. Diese Generation ist von der ihrer Großväter sehr verschieden. Jene hatten auf allen Zweigen europäischer Kultur ihr Wesen getrieben, neugierig und vermessen, spielerisch und ernsthaft: die heutige nationaljüdische Jugend kann fast von dein Vorwurf einer gewissen Kulturlosigkeit, zum mindesten einer kulturellen Einseitigkeit nicht freigesprochcn werden. Aber es gilt eben zünächst wichtigere Dinge, als das, was man gemeinhin Kultur zu nennen pflegt, und was doch meist nur Kultiviertheit und Bildung war, Es gilt zunächst etwas sehr Einfaches: Vcr* trauen zu gewinnen, zu uns, und zu den natürlichen Kräften, die uns tragen. Auch das ist ein Werk, der Arbeit einer Generatiott wert. Und erst auf ihm kann sich ernsthafte Kultur erheben. Diese Vereinfachung des Daseins wird nicht in einem Schritte erreicht, sie erwächst ays einer Gegensätzlichkeit, wie sie den Grenzen zweier Zeitalter eigentümlich ist. Bindungen, die fest und sicher waren, erscheinen auf einmal gelockert. Eine innere Unruhe ergreift die Menschen, eine Sehnsucht nach Freiheit erfüllt sie, doch was sie Freiheilslust nennen, ist nur ein Suchen nach einer neuen Einfügung, Von einer ähnlichen Doppelstimmung ist das Nationaljudentum getragen. Alle Behaglichkeit und Bequemlichkeit sind seine natürlichen Gegner, sic mögen den Suchenden nicht. Der Suchende selbst aber fühlt, wie er aus Uimuhc, Spannung, Verwirrtheit, Aufwühlung einer neuen Sicherheit ruhig entgegenwächst. Bemerkungen zur Vierteljahresstatistik des Jüdischen Nationalfonds . (Januar—Mürz 1914)' Bei einem Vergleich des Sammelergebnisses der ersten drei Monate d. J. mit denjenigen des ersten Quartals 1913 fallt auf, das die Steigerung nur 6000 M. (gegenüber 25 001) M, im Vorjahre) betrügt. Es ist dies ein relativ ungünstiges Ergebnis, und wir können auch der Steigerung nicht froh werden, da sie nur einigen vvenigen Ländern zu verdanken ist, während die anderen einen bedauerlichen Rückgang aufweisen. Wir glauben, daß der Stillstand der N. F.-Sammlungen in manchen Ländern doch in mangelnder Organisation, vor allem in ungenügender Arbeitsteilung und mangclndcr Spezialisierung der Vertrauensmänner für die N. F.-Arbeit begründet ist. Der N. F. kann auf dauernde Erfolge nur dann rechnen, wenn sich ein Heer von Vertraucnsniünncrn dauernd und ausschließlich der N. F.- Arbeit widmet. Diese Spezialisierung der organisatorischen und propagandistischen Tätigkeit wird auch den Sammelstelle I. Vierteljahr 1014 1, Vierteljahr 1913 1. Russland .... 62 127.69 42544.22 -1 683.37 0־ 2. Nordamerika . . , 27 800.66 28 040.67 H -1850.08 3. Oesterreich . , 14 470.16 19 613 95*) 048.80 6־ 4. Deutschland . . , 13 915.70 21021.74 -7 106.04 5 Galizien .... 9 824.19 -9 824.19 6. Südafrika .... 7 396.62 2 605.16 -4 791.36 7. Rumänien .... 2 918.81 2805.78 - 608 03 8. England .... 2 «70 «0 3 937.62 -1200 92 9. Belgien. 2 •260.63 2 616.55 - 295.02 10, Ungarn. 2 093,11 2 081.01 - 62.10 11. Türkei. 1 763.69 1169.61 p 584.08 12. Griechenland . . , 1 601.80 1 113 80 - 891.- 13. Argentinien . . , 1 230.04 83.49 -1 202 66 14. Siidslnvlsche Linder 1 106.22 680.91 - 425.81 15. Schweiz .... 1 057.33 167 80 - 890.03 16 Ostasien .... 844.66 948.94 - 104.88 17. Frankreich. . . . 705 19 1287 11 - 491.92 18 Holland .... 714 42 1 898.62 -1 184 20 19. Italien. 454 30 416.89 - 38.41 20, Serbien ..... 029.70 — 829.70 ־ 21. Aegypten .... 270.10 163,80 - 106.80 22. Australien .... 217.2(1 669.24 - 851.98 23 Brasilien .... 183.02 133.02 ־4 24. Schweden .... 102.16 86.87 f 16 70 25 Canada 16.47 8 844.82 -8329.86 26, Dänemark .... 63 67 - '63.07 27. Portugal .... — - 12.— ״.12 - 146 692 51 189 406.47 *) Im Jahre 1913 noch mit Oalizlen. «1t- '־ lern :11er litte ige-;den!den *;1 ר.ן!zu- Per |ari- 'von neu, vor- «»־'; ״1 er und Wite war ran-׳' )che teil-׳ I die jvidzig *nt *crifi!-ז 1 1