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Jüdische Rundschau · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIX (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Die öffentliche Meinung schreitet siegreich vorwärts und bcgai'igt sich nicht mehr mit Brosamen, ja sie erhebt zuweilen ihre Stimme und vuft gebieterisch nach Ganzheit, Ganzheit im Leben und Ganzheit in der Schule. Es blieben dem Hilfsverein also nur zwei Wege offen: er mußte entweder mit der Zeit fortschrcitcn und den Uebergang in die neue Epoche, die Epoche der vollen Renaissance miimaeheii, — oder den Rückzug antreteu. Der deutsch-jüdische, philanthropische Hilfsverein mit seinem Ucbergangsehnrakter konnte unmöglich der Fahne des Wiedergeburtsgedankens, die in Wahrheit die!:ahne des Zionismus ist, ewige Treue schwören. Ist er ja nicht umsonst seinem innersten Wesen nach eine Kompromiß-Organisation, eine Organisation, die die Negation der Ganzheit, der Unbedingtiicit auf ihre Fahne geschrieben hat. Charakteristisch ist, daß selbst in dem Lehrplan der Hilfsvorcinssclnilen die Unterrichtssprache gar nicht erwähnt ist. Der liiifsvcrcin hat eben keine ״Fahne“, er kennt keine bestimmte Unterrichtssprache für seine Schulen, sondern alles hängt von den zeitlichen und örtlichen Umständen ab. So trat denn der liiifsvcrcin den Rückzug an. Es ist wohl eine feststehende Tatsache, daß er für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Palästina viel geleistet hat, aber er hat sich verrechnet. Er hatte sich eingebildet, daß er die Kraft haben würde, dem Hebräischen Schranken zu setzen und unserer Sprache •zu diktieren: Bis hierher und nicht weiter. Er bedachte aber nicht, daß der Geist sich nicht reglementieren läßt, daß er, einmal entfesselt, keine Herren über sich duldet. Und gerade deswegen, weil die Leiter des Hilfsvereins die Uebcrzeugung erlangten, daß sie selber, durch ihre Zugeständnisse dem Hebräischen gegenüber, die gewaltige Gältrung auf dem Gebiete des Erziehungswesens hervorgerufen hatten, erschraken sie vor ihrem eigenen Werk und wollten die Geister, die sie riefen, wieder l״s werden. Damit vcrrechnetcn sie sich aber ־zu zweiten Male. Sie hatten geglaubt, da sie nunmehr an die Eröffnung einer Hochschule gingen, wurde es ihnen gelingen, mit Hilfe pädagogischer und kultureller Scheingründe die hebräische Sprache bis zur völligen Verbannung aus der Hochschule und bis zur Anweisung eines bescheidenen Plätzchens in der Vorhalle dieser Hochschule zurückzudrängen. Sie hatten geglaubt, daß der bloße Umstand der Eröffnung •einer jüdischen Hochschule in Palästina die öffentliche Meinung, blenden und sic alle Fehler übersehen lassen würde. Wohl versuchte man, den Leitern des Hilfsvereins während vieler Jahre begreiflich zu machen, daß ihnen auf diesem Wege heim׳ l.orheern blühen werden, wohl versuchte man auch י um dem unausbleiblichen Kampfe zu entgehen, nach f Möglichkeit Konzessionen zu machen, allein alle | Vorstellungen, alle Warnungen und alles Entgegenkomf men war vergeblich Die Herren bildeten sieh eben ein, Palästina werde sich beugen. Palästina hat sich nicht gebeugt, weil cs an die Macht des Wiedergeburtsgedunkeiis und an die Macht unseres Volkes glaubt. Es glaubt fest und unvcrbrürhlieh, daß ein Volk nicht von Wohltaten lebt und daß die nationale Renaissance nicht auf dem Boden der Philanthropic erblühen kann Und Palästina, der lebensfrische, zukunftsfrohe neue Jischub, unsere wackeren Pioniere rufen uns zu: Nehmt wenigstens von der Ferne an unseren! Renaissance-Werk teil! Alle Spenden sind uns verhaßt, wir fordern von Euch eine Steuer, die Steuer für unsere Wiedergehurt, gewissermaßen die Militärsteuer, zu deren Ahgäbe alle diejenigen verpflichtet sind, die nicht sei״.! aktiv im Heere dienen. * Laßt uns in so ernster Stunde nicht an Perssm! denken, laßt uns diesem heiligen Kampfe• nicht die '•־.d!׳. nicht die innere Schönheit und Weihe rauben! Vj, haben hier auf der einen Seite eine tiefe Tragödie vor uns, auf der anderen Seite ein erhebendes his;<>;;.:׳״׳ Schauspiel, wie wir es vielleicht seit zwei Jahrtaiuen־' ,< nicht in gleicher Größe und Feierlichkeit erlebt r.Uv Eine Organisation des Ucbcrgangs, die auch <:i:u: bessere Zeiten gesehen hat, schwindet vor unseren Augen hin und verliert allmählich die Daseinsberechtigung. In ihrer Erbitterung macht sie verzweifelte Anstrengungin, um die Widerstände, die sich ihr cntgcgenstcllcn, zu überwinden. Wir müssen nun bedenken, daß auch tue Organisation für Handlungen, die sie in einem derartig 11 Scelenzustaiule begeht, nicht voll zur Verantwortung ge- .zogen werden kann. Mögen die verzweifelt um ihren Fortbestand Kämpfenden nach Herzenslust Märchen ersinnen, mögen sie unwahre Beschuldigungen at'sstreueii, mögen sie sich einzelne Personen, die nach ihre! heschränkten Meinung den ganzen Sturm hervorgerufe» haben, zur Zielscheibe für ihre Geschosse wählen. .Sie sind nun einmal nicht befähigt, in den Kern der Dinge einzudringen und sich über den Standpunkt kleinlicher Intrigen zu erheben. Unsere Aufgabe kann es nicht sein, ihnen Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Die neue Aera oder der neue Zeitabschnitt in der Epoche der nationalen Renaissance, dessen Wahrzeichen die Allein־, herrschaft des Hebräischen sein wird, legt uns die j׳c• bietcrische Pflicht auf, an der Zukunft unseres Volkes unermüdlich und ohne Unterlaß zu bauen. Mögen du Kleinmütigen unter uns, die Aengstlichen und ewig Zweifeinden uns nicht sagen, daß wir uns damit einen Zustand der Vereinzelung schaffen, uns gewissermaßen selbst einkreisen. Unserem Volke ist auf seine alten Tage ein Lieblingskind geboren Worden, ein Schmerzenskind, an dem es mit aller Inbrunst seiner Seele hängt: der neue Jischub. Und wie Jakob einst von seinem geliebten Sohne sagte: ״Mein Sohn wird nicht mit Euch hinabzielien,“ so sagen wir: Es soll jenen Herren nicht glücken, das neue Palästina zu sich hinabzuzichen, sie werden vielmehr zu ihm, zu uns emporsteigen müssen I V<r«utwtrU. B«Ukt 1 Hugo Harmima, WUm«r«dorl. V*rl»c 1 Jadl •oh. KaiuUakku O.abb.lL,tl«rU• W.14. Drooki H!*g(ri*d ■akalM», *•rUa-ltaMn•!»«

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