Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVIII (1913)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements ,ul die wöchentli«* »01 Freitag «UJ Ute wvw•••*•■“־ "— ־ ®t* Khcinend* ״JOdleche Rundechau“ ko«trn hei der Eepedition und bei ellrn!’״•limtern vierteljährlich euBeriielh DeutxhUnde und Oester• reich-Ungerne 2,— M,! für Mitglieder ludi’dier Vereine im Sammelbe: durch den Verein 1,— M. Varlag JUdlecha Rundadina E. O. m. b. H. ר¬! I I «lug f I _ ... t I BERLIN W.1S, Slchalach« StraSat. j | Telephon t Amt UhUntl 845. ן * GescfiÄ^tMtundrnj 9—X und 4—7 Uhr, ן | außer Sonnabend und Sonntag. /O ן!ייי# חיר־ס ח r ) K Nummer 20 V. ך, y ך־׳. --ך v | | 0tm!ß U u ח ■J Lu ‘ U ע n ח ד־/ ן. u ל ü c ) v ר׳ 1 LJ Anzeigen koiten fÖr dl• *edh!jj«*«p1 s«ile ©dar deran Raum 40 Pf.ן Stell•©- Angebot« und •Geauchi» •©wie Varalot• Mitteilung«© und ״Kl*in• Aniaigeo* D O nur 30 Hanoif. O □ Manuskripte werden, wenn Port« h«11»*ft, itcla curürkgesandt RedakUonaadoduB! MiUwcnA vorailUgt. Ridaktloa JQdladsn Rundacli«■ BERLIN W. 15, S&duUd»© Straft© ft. Telephon t Amt Uhlaod 845. r und Donaeratag Sprechatundrn Dienstag 5״־Ä Uhr ftmAmHUg•. ||»P ..11f,% 4ha» , a■# f*\ Berlin, den 16. K £441 9. Ijar 5673 XVIII. Jahrgang Ausweis w<ö) •/!%> Schekel: Merzhausen 4,—, Halberstadt 6,—, Hamm i. W. 2,—, Buschwcilcr i. E. I,~, Offen• bach 21,—, Messingwerk 7,— Mark. Landcsorganisatlonsbciträgc! 1. Ortsgruppen: Merzltausen 3,—, Halber• ilatll 5, •״, Hamm i. W. 4, -, Offcnbacb 4(),—, Mcssingwerk 20,— Mark. 2. Einzelpersonen: Dr. Eduard Lcszynsky, Berlin, 25,—, l>r. Heimami, Elberfeld, 10, , Ciym• nasiallelirer Edmund Strauß, Buschweiler, 5, Mark. J. VersehicdcncSpendcn: Hamburg 1 Mark. Eingang vom 8. bis 13. Mai 1913: Schekel: 41, M., Landesorganisationsbeiträge: 113, Mark. Gesamteingang: Schekel: 2278,25 M., Laudesor gan isa t io n s bc it r ii g e: 7140,32 Mark. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Sächsische Straße 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bankkonto: A. H. Heymann & Co., Berlin W56, Hinter der Katholischen Kirche 1. Ideale und Prinzipien Die Delegierten Versammlung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in Frankfurt a. M. Wir Zionisten glaubten immer, unerläßliche Voraussetzung für die Entfachung einer bedeutsamen Bewegung, für die Gründung einer starken Organisation sei ein großes ideal. Hier sahen wir die Wurzeln der Kraft, die nicht nur unseren zionistischen Vereinen, sondern z. B. auch den nationaljüdischen Turnvereinen innewohnt. Allein wir mußten erkennen, daß tut• sere Anschauung nur bedingt richtig ist. Einige jüdische Referendare aus Westdeutschland zogen — es mögen jetzt sechs oder sieben Jahre her sein — Vereine gründend durch die deutschen Lande und predigten eine funkelnagelneue Lehre: daß es nicht darauf ankomme, ״zu den Problemen einseitig Stellung zu nehmen“, d. h. einem zum geistigen Besitz gewordenen gewissen Ideal zu leben, sondern, daß cs leicht und verdienstlich zugleich sei, solche Vereine zu gründen, die an ihre Mitglieder nur eine Reihe von Einzelforderungen stellten; Vereine also, bei denen die Stelle des einen großen Ideals ein ganzer Kranz von Idcälcltcu einnimmt, die nur zusam* mengchalten werden durch ein Prinzip - das Prinzip der Neutralität. Wir schüttelten die Köpfe, nicht nur unwillig, weil wir in den Verkündern der neuen Lehre persönliche Oegner unserer Sache erkannten, sondern vor allem auch ungläubig, weil uns der geplante Versuch aussichtslos schien. Indes in dieser Beziehung täuschten wir uns. Der Oedanke der Neutralität war zwar geistig völlig unfruchtbar — schon weil er als formaler Begriff keiner Entwicklung fähig war — aber das hinderte nicht, daß die Vereine, die ihn prokla• mierten, wie die Pilze aus dem Boden schossen und daß in wenigen Jahren eine äußerlich ganz imposante Organisation — der Verband der jüdischcn Jugcndvcrcinc Deutschlands — erstand. Da sagten sich Ule deutschen Zionisten, daß das Prinzip der Neutralität immerhin auch ihre Betiitigung insofern ermöglicht, als cs jedenfalls antizionistische Machenschaften ausschlicßt. Dem* gemäß traten in vielen Ort cp Zionisten in die Jugcndvcrcinc ein, Auch die zionistische Organisation brachte der Jugendvereinsbewegung Interease entgegen, wenn sie auch — insbesondere ״Der Zlontcmua mratxdht för da• JQcüsdio Volk dl® Schaf?!sag einer ßffoBt• I!cl1*rceIitl*cJi gccM1<?rica Usl-nctÄtto ln Brisofcr Prosrnmia. III. Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Jugendvereine in den Beschlüssen des Poscncr Delcgicrtentages — die Mitarbeit in den zionistischen Jugendgruppen und in den der Jüdischen Turnerschaft angehörigen Turnvereinen für die vornehmste Pflicht der Zionisten erklärte. Die Tätigkeit der Zionisten, die sich der Jugendvereinsarbeit widmeten, war höchst dornenvoll. Vorgänge der verschiedensten Art ließen alsbald ahnen, daß man dort unter der Neutralität nicht auch die Neutralität gegenüber dem Zionismus verstand. Völlige Klarheit hierüber hat jetzt die Dclegicrtcnvcrsammlung geschaffen, die Pfingsten in Frankfurt a. M. stattgefunden hat. Das kam so: Dem Vorstände des Verbandes der Jugendvereine gehört — mit beratender Stimme der Zentralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an. Diese bcdeutsamc Stellung in dem neutralen Verbände ist dem Zentralverein selbstverständlich nur deshalb zugewiesen worden, weil er selbst als ״neutral“ galt; die bösen Zionisten widersprachen dem allerdings bereits bei׳ der Gründung des Vcrbandes. Nachdem nun der Zentralverein durch die auf seiner letzten Hauptversammlung gefaßte Zionistcn-Resolution das Recht, sich neutral zu nennen, verwirkt hat, verstand es sich von selbst, daß dem Zentralvercin der Vorstandssitz im Jugend verbände genommen werden müßte Mit den hierauf gerichteten Anträgen hat sich die Frankfurter Delegiertcnversammlung bc schüfligt und sie mit großer Majorität abgc I e h n t. Die Ablehnung ist nach einer Rede des Verbandsvorsitzenden erfolgt, in der er nicht nur den Nachweis versuchte, daß der Zentralvercin trotz seiner Resolution neutral geblieben sei, snn dern sogar die Resolution sachlich verteidigt! Mit dieser Stellungnahme hat sich der auf dem Prinzip der Neutralität aufgebaute Verband der jüdischen Jugend vereine den Todesstoß versetzt, zugleich aber ist mit ihr die Voraussetzung fortgcfallen, unter der der Zionismus an der Ju gendvcreiiisbcwcgung interessiert war. Das Prin zip der Neutralität, das zwar dem einzelnen selbst verständlich niemals ein Ideal wie das zionistische zu ersetzen vermochte, das aber immerhin der Organisation auch vom zionistischen Standpunkt aus eine gewisse Existenzberechtigung verlieh ist damit in so grober Weise durchbrochen wor den, daß cs unmöglich noch als das maßgebende Prinzip der Jugend Vereinsbewegung anerkannt werden kann. Die zionistische Organisation wird zu der hierdurch geschaffenen Situation Stellung nehmen müssen. Denn, wenn cs auch vielleicht nicht ausgeschlossen erscheint,' daß in diesem oder jenem Jugendvercin ein Zionist in der bis hcrigen Weise weiterzuarbeiten vermag, so bietet doch die Jugendvereinsbewegung als solche den Zionisten jetzt keinerlei Gewähr mehr für eine ungehinderte Betätigung, Für die zionistische Organisation kann die Jugendvcreinsbewcgung kein Interesse mehr haben. Und aufatmend kehren wir zu der Einsicht zurück, daß eine Bc wcgiuig, wenn sie auch Innerlich gefestigt und lebenskräftig «:in soll, in der Tat stet« mehr als ein leeres Prinzip braucht: ein Ideal ln den Pfingstfcicrtagen fand in Frankfurt der III. Delcgicrtcntag des Verbandes der jüdischen Jugcndvcrcinc Deutschlands statt. Die außerordentlich stark besuchte Versammlung nahm zunächst den von Frl. Berliner erstatteten Geschäftsbericht entgegen. Von 25 Vereinen mit 300 Mitgliedern vor 4 Jahren sei der Verband gewachsen auf 113 Vereine mit 14 500 Mitgliedern, worunter 11 000 aktive seien. Für die künftige Arbeit schlägt sie drei Punkte vor: Die Körperpflege systematisch durchzuführen, staatsbürgerliche Erziehung zum Kampf um die Gleichbercchtigung und größere Ausbreitung der Organisation auf brauen und Landgemeinden. Auf Antrag Apfel trat man nunmehr sofort in die Diskussion über die von Berlin und Kiel gestellten Anträge ein, die dahingingen, den Ausschluß des Zcntralvcrcins aus dem Vorsitz des Verbandet zu beschließen, da dieser Verein durch seine bekannte Zionistcn-Resolution sich außerhalb der Reihe der neutralen Organisationen gestellt hat. Der Antrag Kiel wurde zunächst von Herrn Goldschniidt eingehend begründet. 111m entgegen trat Dr. Apfel- Berlin, der die Resolution des Zcntralvcrcins lediglich als eine durchaus sinngemäße Interpretation des § l der Satzungen des Zcntralvcrcins hinstclltc. Es liege seines Erachtens kein Ncutralitätsbruch vor. wenn nach wie vor dem Z. V. Stimme im Vorstand verbleibe. Die Mitarbeit des Z. V. bedeute für die Jugendbewegung eine Lebensfrage allerersten Ranges, und die Interessen der Bewegung müßten für die Entschließungen der Delegierten allein maßgebend sein. Man dürfe um so weniger den Z. V. fahren lassen, als man die feste Uebcrzeugung hegen müsse, daß sich auch dadurch nichts im Verhältnis der ztonistischen Organisation zur Jugendbewegung ändern würde. Dieses Verhältnis sei denkbarst schlecht. Durch die Posener Beschlüsse insbesondere habe die offizielle zionistische Organisation ihr weitgehendste! Desinteressement an der Jugendbewegung bekundet. Auf Mitglieder, die Mitarbeiter nur in zionistisehen Jugendgruppen sein wollten, im neutralen Verein aber nur ״den Fuß behalten“ wollten, müßte man durchaus verzichten. Auch die zionistische Presse, voran die ״Jüdische Rundschau“, gönne der lugendbewegung kein Wort der Anerkennung, gibt dagegen jedem Gegner Raum auch zu den schärfsten Angriffen. Er empfiehlt dringend die Ablehnung. R.-A Simon, der nun das Wort ergriff, stellte fest, daß Dr. Apfel den Spieß herumgedreht habe Die Zionisten hätten mit größtem Eifer in der Bewegung gestanden, bis man ihnen ihre Arbeitsfreude durch sich stetig mehrende Zionistcnriechcrci verdorben habe und hinter jedem unbefangenen Wort zionistische Agitation witterte. Die Beschlüsse in Posen seien miflvcrstandcn worden. Auch die Angriffe gegen die ״Jüdische Rundschau“ seien ungerechtfertigt; jede Nummer zeige durch ihre zahlreichen Berichte z. H. vom Berliner Verein ihre Bereit- Willigkeit, die Bewegung zu fördern. Der Z. V. habe dagegen zweifellos die Neutralität verletz), die Antrüge aus Berlin und Kiel seien daher im wohlverstandenen Interesse der Bewegung anzunehmen. Nach längerer Debatte wurden die Anträge mit 132 gegen 36 bei 7 Enthaltungen abgelchnt. Es sprachen zu diesem!,unkt von zionistischer Seite R.-A. Dr. Moses- Berlin, Rfr, Dr. B a d t Breslau, von der Gegenseite Justizrat Brodnitz, Rfr. Halm-Köln, Herr Dr. Simon gab darauf im Namen seiner zionistischen Freunde dem Bedauern über die Bc- *chlußfassung Ausdruck. Sic bedeute einen Bruch des Ncutralitiitsprin/ips, das bisher gleichsam als erste Existenzbedingung des Verbandes gegolten hat. Er bedauere den lksentuß um so mehr, als er im Anschluß an die Ausführungen des Herrn Dr, Apfel erfolgte, In denen eine unverkennbare Spitze gegen den Zionismii* und die Im Verband organisierten Zionisten enthalten war. Dieses Bedauern werde bcgründet durch die Voraussicht schwerer Folgen, die aut den Beschlüssen dem Verbände erwachsen können, Insbesondere könne er keine Garantie dafür geben, wie *eine politischen Freunde In der Provinz *ich zu diesen Beschlüssen stellen würden, Rechtsanwalt Meier. Bonn sucht die Erklärung des Herrn Dr. Simon einzuschrinken. 1