Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XVII (1912)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1912)
- Date
- 1912-06-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Telrj,1,1,01 Amt UliUml HiS. ן S|>mi1«tun1t1-n f)ien»l»j uml Danneritaf 5-0 Uhr nxiimilla^t, maJ ף p ("״׳ C~ O ׳ ד־ \ 1 1 i J Nummer 23 XVII. Jahrgang Ausweis Sclickd: Frankfurt;1. M. 0, , Hannover , ,()ל ל! וווו•.!!,-, Marburg 9, , Wiirzlmrg l,- , Wagenfrlil I, ־, Uedem •I,—, Königsberg i. |»r. H), , l’ftlit» 1,50. Landcsorganisntlonsbeitrüge: 1, Ortsgruppen: Frankfurt a. M. 21. , I Inn• ii .ur 23, -, Monn 2$,—, Marburg 18,--, Fulda l־JS,—, Wur/burg 12,—. Köln (Eiiizelbcitrag) 3,—. 2. Einzelpersonen; J. Ginsburg, Halen• 'tc 0, ־, Rechtsanwälte Georg Sclitit/, Theodor Heilb.tin, Willi Grebenhagen, Merlin, je ל,—, Dr. 111״'. >tem, Oppeln 3,-, Gustav Kiigelinann, Wngcufcld '׳. . IV. Tugendrcicli, Hcrlin-GrimewaUl 15, , l)r. jnr. Jaeohi II, Königsberg i. Pr. 10, , Dr. Emil «.<•!111, Kiel 10,—. i. V e 1 s e 11 i e ü e 11 c S p e 1111 e 11: Kaltowitz 21,50. Eingang vom 25. Mni bis 5. Junis •Seitekel: 11' i,5ü M., L a n d c s o r g a 11 i s a t i 11 ״ s b e i 1 r ii 1׳ e: 112,50 M. K Gesamteingang: Schekel: '3$■17,50 M., 1. a n fl e s a r « a n i s a t i o n s b e i t r ä « e: U 621 ,SJ M. Adresse für Geldsendungen: Zionistische Vcreinigung für Deutschland, Merlin W. 15, Sächsische Strailc 8. Postscheckkonto: Berlin 8091, Bank• kontoi A. H. Heymann & Co., Merlin, Unter den Linden 59. Weg und Ziel Epilog zum Posener Delegiertentag. Dem rückschauenden Betrachter von einst wird der Posener Delegiertentag für die Cie• schichte der deutschen Zionisten mul des Zio• nismus überhaupt vor allem deshalb bemerkens- Wert sein, weil in Posen die — wie wir heute mit Recht hoffen dürfen — letzten Gefechte statt fanden zwischen den Anhängern zweier grundverschiedener Anschauungen über die Wege zum Endziel des Zionismus. Unsere utopistisehe Epoche ist nunmehr gewesen. Nachdem der X. Kongreß nach jahrelangem, erbittertem Ringen im vorigen Jahre uns den äußerlichen Frieden gebracht hatte, ist cs durch den XIII. deutschen Delcgiertentag zur Gewißheit geworden, daß die fortschreitende politische Erkenntnis jener vcrmeintlich hochpolitischen Richtung, die gegen unsere praktische Arbeit noch immer Argumente zu finden wußte, den Boden fast völlig entzogen bat. Stimmenzahlen sind nicht immer absolut beweiskräftig. Wenn aber auf einer von 130 Dolegierten besuchten Tagung der deutschen Zionisten, die noch dazu gerade in Posen statlfand, sich der Umschwung in den Ansichten so nahezu einhellig dokumentieren konnte, wie wir es am '27. Mai ׳,riebt haben, so darf man!entstehen: diese Schlacht ist entschieden, und dieser Streit darf nun begraben sein. Wir haben wieder einen Zionismus, der sowohl im Hinblick auf sein Ziel, wie in Ansehung seiner Mittel und Wege das Beiwort politisch mit Fug und Recht führen darf. Das war ja im Grunde immer nur ein Mißverständnis, welches allein der durch Leidenschaft getrübte Blick nicht zu erkennen gestattete, daß man ״politisch“ nur d e 11 Zio* nismus heißen lassen wollte, der sich auf die Anwendung politischer Macht mittel heschränkte, Jetzt haben die Vertreter der deutschen Zionisten mit überwältigender Mehrheit anerkannt, daß die vom gegenwärtigen Aktionskomitee vcrtretene Richtung nicht minder politischer Zionismus ist, als jene, die sich früher ausscliließ-!״Der DiüüL'.r.iua erntrebt für daa I jüdisch» Volle caa Dchu.fun״einer Ml'fout• I Ilels-roc’T.t'ueb goolchorlcu I»'<dmni״tto In I Baaelor Programm. I ״־**■■־™riMMir —wr״:i;• ifi— -t irrT ־■ lieh so nannte, mul es hat nur unter dem sttirmisehen Widerspruch dieser Mehrheit gesagt werden dürfen, daß dieser praktisch-politische Zionismus ein kleinerer sei als der, den früher einmal eine Mehrheit vertrat, und .der jetzt nur noch wenige Befürworter fand. Dazu muß aber — vor allem, um bei unseren Gegnern jedes Mißverständnis und jede allzu vorlaute Freude unmöglich zu machen — laut und vernehmlich erklärt werden, daß diese ganze Dillereu/ienmg im Zionismus, was auch bei uns in der llit/o des Gefechts früher oft übersehen wurde, mir auf verschiedenen Anschaumigen über den Weg beruhte, das cinheitliehe Ziel dagegen zur Voraussetzung hatte. Das wird durch nichts deutlicher bewiesen als durch die Tatsache, daß der Posener Delegiertentag in vollkommener Einmütigkeit das natio« n a I c M om e 111 in den Vo rde r gr und unserer Arbeit gestellt wissen wollte. Zwar stand keine Diskussion über unsere Stellungnahme zu den uielitzioiHstiseheii jüdischen Organisationen :nif der Tagesordnung, aber gleichwohl gab es diese Diskussion. Umi mit seltener Schärfe wurde von allen Rednern der Standpunkt vertreten, daß alle unsere bisher zuweilen erprobten Kompromisse uns nur kompromittiert haben, daß alle kleinen Erfolge, die wir etwa hie und da erzielt haben oder erzielen könnten, uns nur geschadet haben oder uns schaden müßten. Alan nimmt unsere Phraseologie an, aber man vcrleugnet das Wesentliche unserer Idee. Der Zionismus indessen begibt sich seiner besten Kraft, wenn er die Grenzen zwischen sich und den anderen verwischen läßt, wenn er das, was ihn vor den anderen aiiszeichuct, die nationale Idee des Judentums, verwässern läßt und nur in vcrselnvoinmener Form da und dort zur Geltung bringen kann. Nur durch die radikale Propagierung des national-jüdischen Ideals hat der Zionismus einst die Jugend gewonnen, nur dadurch hat er in diesen fünf zehn Jahren sieh idealistische und opferwillige Anhänger geschaffen, und es war durchaus berechtigt, wenn in Posen gesagt wurde, daß, wer die Jugend gewinnen wolle, ihr ein ganzes Ideal gehen müsse. Wie sehr das die Ansicht des gesamten Delegiertentages war, gebt daraus hervor, daß die Resolution über die Schaffung zionistischer Jugend gruppen einstimmige Anualunc fand. Freilich ist ־ mit der Anerkennung dieses zweifellos einzig gesunden Grundsatzes die Frage der Anteilnahme von Zionisten an nichtzionistischeu Organisationen im allgemeinen noch nicht gelöst, aber diese Frage wird theoretisch vcriiältnismäßig einfach dahin zu beantworten sein, daß die Zionisten sich auf eine kontrollierende und informative Tätigkeit in den anderen Organisatioiien beschränken sollen. Die praktische Durchführung dieses Prinzips wird der Landesverstand zu regeln und zu überwachen haben, und bei verständnisvoller Mitwirkung der Ortsgruppen kann es nicht schwer sein, ihm binnen kurzem überall Geltung zu verschaffen. Damit wäre erreicht, daß wir nicht nur unsere Kräfte nicht zersplittern, sondern daß wir auch davor bewahrt bleiben, Kompromisse einzugehen, die wir eines Tages schwer bedauern müssen. Wir sind an Zahl unserer Anhänger und ganz, gewiß in organisatorischer Hinsicht stark genug, um nach dem Worte• zu handeln: ״Der Starke ist am mächtigsten allein.“ Beseitigen wir euergisch die Gefahr der Verwischung vorhandener Gegensätze, eine Gefahr, die nur für uns, nicht für die anderen bedrohlich ist! Und fürchten wir uns nicht vor den allerlei Vorwürfen, die wir dann wieder zu hören bekommen werden! Wir sind cs ja auch heute gewöhnt, Reaktionäre und Chauvinisten genannt zu werden, und haben gut daran getan, uns darüber immer noch am wenigsten nufzurcgcii. Demi eine Bewegung, die in so wenigen Jahren ihres Wirkens die ganze Judenheit mit einem so kräftigen Ruck aufzurütteln mul vorwärts/ureißen verstand, braucht sich nicht getroffen zu fühlen, wenn berufsmäßige Leisetreter sie reaktionär schimpfen. Ebenso unsinnig muß jedem Denkenden die Be* haunttmg erscheinen, die zionistische Idee berge auch mir eine Spur von Chauvinismus in sich. Chauvinismus ist die Entartung nationalen Ge* fiiliis zur Mißachtung und Unterjochung alles Fremden. Wie sollte der Zionismus dieses fana* tischen Geistes sein, wo doch die Zionisten nur positiv am Wiederaufbau eines nationalen Judentums arbeiten mul gerade die entjudcteii Renegateu und ihr jüdisch-liberaler Anhang es nur allzu häufig sind, die zum ärgerlichen Schaden der jüdischen Gesamtheit am lautesten in das Horn eines freindnationaleii Chauvinismus stoßen. — Der Posener Delcgiertentag hat wohl daran getan, in allen seinen Beschlüssen und Reso* lutionen scharf die Scheidelinie zu markieren, die Zionisten von Nichtzionistcn trennt, und wir begrüßen deshalb mit besonderer Freude die* jeuigcti Beschlüsse, die auf eine energische Betoniing unseres Endziels gerichtet sind, und darunter hauptsächlich jenen einstimmig und mit lebhaftem Beifall angenommenen Antrag, laut welchem es der Delcgiertentag für die Pflicht aller Zionisten, in erster Reihe der wirtschaftlich unabhängigen, erklärt, die Ucbcrsicd lung 11aeli Palästina in ihr Lebensprogramin aufz.imchnien, in jedem Falle aber tür sich per sönliehe Interessen in Palästina zu schaffen. Am erfreulichsten erscheint uns an diesem Beschluß noch der Umstand, daß er gefade von jener Seite angeregt und befürwortet wurde, die bislang als der praktischen Arbeit in Palästina weniger wohlgesinnt galt. Diesen Unterschied werden wir in Zukunft, wie eingangs ausgeführt, im Zionismus nicht mehr zu machen brauchen. Dafür, daß Differenzen auch innerhalb der zionistischen Bewegung hoffentlich nie fehlen werden, wird die fortschreitende Entwicklung selber sorgen. Vorerst aber dürfen wir jedenfalls das eine mit Genugtuung feststelleii, daß die Leitung der Zionistischeu Vereinigung für Deutschland und ihr Vorsitzender Dr. H a 111 k e auf dem Posener Dolegiertentage die einmütige Billigung aller dort versammelten Vertreter der deutschen Zionisten gefunden haben, und daß wir danach hoffen dürfen, die zionistische Bewegung werde in Deutschland auch in den kommenden Jahren dieselben und noch größere Fortschritte machen wie diejenigen, die wir seit dem Breslauer und dem Frankfurter Delegiertenlage konstatieren durften. Um so begründeter ist diese Hoffnung,