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Jüdische Rundschau · 1912-02-09 · Heft 6 (9.2.1912) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XVII (1912)
Issue
Heft 6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 46 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr 6 Der Achter de» jildi»cheu Ruderklub» ״lvrla" (Im J. J» ü. Berlin). erzogener, junger Leute hat auf die Entwicklung des einzelnen in körperlicher und gesellschaftlicher Ihn* sicht, insbesondere aber bei der Erziehung zu bc* wulit jüdischem Denken und Fühlen, einen vorzüg• Hellen Einfluü nusgeübt. Die Adresse für alle Aus* künftc, Anmeldungen u. a, lautet: Arthur Hirsch* 1 feld, Berlin NW., Wikingerufcr I. M, II. j Charlottcnburg. Am Mittwoch, den 21. Januar j sprach im Zionistischen Verein West*üerlin Herr I Redakteur Dr. Julius Hecker über ״Die j Reichst a g s \v a h I c n u 11 d die Juden׳•. I )ic I Anschauungen des Referenten sind ja den Lesern der Rundschau aus einer }׳rolleren Reihe von Artikeln bekannt. Dr. Becker charakterisierte die deutsche Regierung als die antisemitischste, die unter den ge* gebenen zivilisatorischen Zuständen Deutschlands möglich sei; sie bietet das irgend Mögliche an Vexa* torischem; am ziclbewulitcsten von allen Regierungen strebt sic aut eine Auflösung des Judentums hin: das beweist die absolute Ablehnung jeder Naturalisation ausländischer Juden, das beweist die Prämie, die die deutsche Regierung aut die Taufe setzt. So muH der Jude ־unbedingt Oppositionspartei, und zwar radikale Oppositionspartei werden, was die Parteien anlangt, so haben wir aufrichtige Freunde eigentlich gar nicht. Wir können nur sagen, dali man uns bei den c.x* tremen linken Parteien wenigstens Gerechtigkeit ver* spricht. Aber sie fallen dafür in den schweren Fehler des ״Asemitismus": sic suchen die Juüeiitrnge zu übersehen; für sie ist die Jndenfrage eine Frage der Demokratie, des Liberalismus und mit »lein Sieg des demokratischen Ciedankens erledigt; ja, sie liebäugeln leise mit dem Tanfjiidentiiin. Diesen Asemitismu» zu bekämpfen, sollte unsere Aufgabe sein (den Autise* initismus zu bekämpfen ist aussichtslos), energisch die Wahl getaufter Juden nhzulchncu. Dr. Becker re* sümiertc: Fine Opportunitätspolitik, die einzelne Vor* teile aus Bündnissen mit dem Zentrum und den rech* ten Parteien zu erhaschen sucht, ist imzweckiuälSig und unmoralisch. Das allgemeine jüdische Interesse wie auch die wirtschaftliche Stellung der Juden drängt uns zur Unterstützung der Linken. In der lebhaft cinset/endcu Diskussion wurde der Standpunkt der Opportunitätspolitik von Herrn Berger vertreten. Dieser verwart das ewige Fiiitrclen der Jurten für den demokratischen Gedanken, eine Arbeit, die bisher ohne jeden Lrfoig gehliehen ist. Bei jeder Gelegen• heit, wenn man unsere Stimme umwirbt, sollten wir fragen: Was bekomme ich dafür? Fs wäre ein Grund, nicht ein/uschen, warum die Juden nicht auch einmal das Zentrum unterstützen sollten, falls es gewisse Forderungen von uns akzeptiert und durch* zuführen verspricht. Herr Berger wies aut Verhält* nisse Westdeutschlands hin, wo in der Tat in mau* dien Städten die Juden hei der Stadtvcrordnetcnwahl das Zünglein an der Wage wären. Ferner sprachen in der Diskussion die Herren Dr. Fischer, Or. 11 c 1 s o 11 n , I )avis T r i c t s c h , L c v y u. a. Charlottenburg. An seinem 2. Vorlesungs.ibeml über ״F i ״ I c i t u n g in die h c b r ä i s c 11 e L i t c* ratur" sprach Herr Sokolow über den FinfluH der Kabala und über den V-.Uer der wewbebräisebcn Literatur, Mose Chain! Lu/.atto aus Padua. Am 3, Abend sprach Herr S o k o I o w über Moses M c 11 d e I s o 11 n , den Hebraisten. München. Es war für uns Münchener Zionisten ein interessantes Experiment, in der Nachhargeineimlc Augsburg, die von der ganzen modern-jüdischen Be* j wegung bis jetzt völlig unberührt blieb und deren 1 Verhalten in jüdischen Dingen selbst in München unangenehm empfunden wird was doch gewiil etwas heifien will eine Agitntioiisvcrsaiumhmg. zu veranstalten. Der Erfolg war, wie man ilm nicht gröber erwarten konnte. Während cs sonst schwer fällt, für einen jüdischen Vortrag 20 Leute zusammen zu bekommen, *war diesmal ״ganz Augsburg" an* wesend und folgte den tiefgründigen, etwa ein• ständigen Ausführungen Kurt BI u m e n f« I d s mit Interesse und Spannung, obwohl der unglücklicher• weise mangelhaft geheizte Saal ziemliche Anforde• rungen an die Ausdauer des Publikums stellte. In der Diskussion sprachen der Kultuspräsident und der Rabbiner natürlich gegen uns. Sic brachten die uns sattsam bekannten I.iiiwünde, die von Bltimcnfeld im ScliltilSworl mühelos widerlegt werden konnten. Um '12•״ Uhr scliloll der Vorsitzende der hiesiger« Ortsgruppe, Herr Dr. Straus, die Versammlung mit der Ankündigung, dali wir wiederkommen w ürden. - Wir konnten nicht erwarten, mit eiuem Vortrag in Augsburg Zionisten zu schaffen. Alles was w׳ir erhoffen konnten, war, Interesse für den Zionismus iu Augsburg zu wecken. Dies ist in reichem Malle gelungen, und auf dieser Basis werden wir dort weiter arbeiten, J, R. München. Nun hatte auch München Gelegen* heit, Professor Dr. Werner S o m b a r t zu hören. Der Besuch des Vortrags am 1. Februar war ein starker; nahezu 800 Personen füllten den grollen Festsaal des ,,Bayerischen Hofes“ bis auf den letzten Platz und laiiseliteii den eineiulialhstiiiidigeii Ausführungen des Redners mit der grollten Aufmerksamkeit. Da diese Blatter bereits früher über Soinbartsclic Vorträge ein* gehend reieuerteu, erübrigt es sich, den Inhalt seines Themas: ״Die Zukunft der Juden" ausführlich wieder* zngeben. Die Seliliilifolgcntugen Sombarts, die sieh ja zionistischen Ideen nähern, lassen es begreiflich erscheinen, dali assimilatorische Kreise S. um jeden Preis bekämpten. Demonstrativer Beifall dankte dem Redner, dessen Auseinandersetzungen die Ortsgruppe am 8. Februar einen eigenen Diskussionsabend widmet. Dnrmstndt. 1111 Aiiscitlull au den Vortrag des I lerru Kurt B I u m e 11 f e I »I wurde beschlossen, regel* mäliige Diskusslousahcudc zu veranstalten. Da von den Anwesenden eine Anzahl als Mitglieder der Schvkelzalilcrgrnppe heitraten, konnte schon am Sonn* abend, den 27. Januar, die erste Mitglicdcrvcrsainm* luug staufinden. Es wurden die Herren B. Gans, B, B o cl e n h e i m e r, E. Zedner, R. Schub, coml. areli., sowie Herr M. Rose 11 stock in den I.okalausselijill gewählt. Alsdann wurde beschlossen, allwöchentlich im Restaurant Stamm eine Zusammen• kuiift zu veranstalten, iu weicher jeweils ein Mitglied einen Vortrag halten sollte. Nach Besprechung einiger interner Angelegenheiten wurde die Versammlung ge* schlossen. Essen (Ruhr). Vor einem zahlreichen Publikum, das sich zum grollen Teile ans den besseren Kreisen der hiesigen Gemeinde rekrutierte, sprach Herr Julius Simon aus Mannheim über ״Die deutschen Juden und 11 e r Z io 11 i s 111 u s". Vielleicht war es der Hinweis auf die Zugehörigkeit des Referenten zum Grollen Aktions-Komitee, der eine gröbere Zahl von Zuhörern herbeigelockt hatte, als wir sie sonst bei imserei; Veranstaltungen ge* wohnt sind, es darf aber ruhig vorweg gesagt werden, dali wohl niemand in seinen Erwartungen getäuscht worden ist. Schon nach den ersten Sätzen des Redners las man auf allen Gesichtern die gespannte Erwartung des Kommenden. Der gedankenreiche, formvollendete mul iu vornehmer Redeweise zu Ge* hör gebrachte Vortrag hat noch seine Wirkung nicht verfehlt. In überzeugender Weise wies Herr Simon naeli, (lall das Judentum unter den gegenwärtigen Dnscinsvcrhälmisscn keine Aussicht mehr auf dauernden Bestand habe, dali cs unsinnig sei, das Judentum nur als eine Religionsgemeinschaft zu he* trachten und (lall nur von einem Siege des nationalen Gedankens und der Verwirklichung seiner Ziele eine bessere Zukunft für 1ms Juden zu erwarten sei. Er ging nebenbei mit den Rclormbcstrebungeii der ״uta. «lernen" Rabbiner scharf ins Gericht mul wies die Inhaltlosigkeit ihrer Lehren nach, die absolut nicht geeignet smd, ihre Anhänger ans Judentum zu fesseln In der darauf folgenden, interessanten Diskussion wurden die absolut nicht stichhaltigen Eiiiwände einiger Gegner und Zweifler widerlegt. Der Abend endete mit einem vollen Erfolge unserer guten Sache, mdeni 10 (jcmeiudcmiigücder ihren Beitritt zur Ortsgruppe meldeten Herrn Jul. Simon sei an dieser Stelle der herzliche Dank unserer Ortsgruppe aus* gesprochen. ‘ 1912 Wochcnkalender 5672 חרע״ב ־ Februar Sch’bat Freitag 9 בא 21 Sonnabend 10 בב 22 )ulifo, יתדו Safta,-, ,ן שבת J> A.ij.ih 6,1 7.6 u. 9,'$) ׳ מות *סלך rov*״' עודר,ו Sonnlag n כג 23 Montag 12 כד 24 Dienstag 13 בד. 25 Mittwoch 14* בו 26 Donnerstg. 15 בז 27 Freitag 16 כח 28 Sonnabend 17 כט 29 Mi«rl1|mll111,H Srh'k.ilim שבח ב׳ שקלים«טששטים Niulil <1,8 11» א tmiml vork mul ׳״;,ו,* טברבץ החורש II. K<>1i1«:o 12, 1 1, MOM«) %»■%*•# •יי w O m . w #«* m Hannover. Am 28. Januar hielt Herr Dr. R. L e s/. c y 1! s k i. Berlin, einen Lichtbildervortrag über ״Die jüdische Kolonisation in Palästina". Die ca. 300 Zuhörer folgten mit grollen! Interesse den ein• zelnen wolilgelungenen Bildern und den sehr inler• es»,inten Ausführungen des Referenten. Am Schlüsse dankte der Vorsitzende Dr. Seliöiieuiami dem Redner für seine so beifällig aufgeiiomineiien AVorte und wies noch kurz auf die Bedeutung hin, die ein wur/el• festes jüdisches Volk für die Juden in Palästina und für die Juden in allen Ländern haben könnte. Jfulisclie Gemeinde, Berlin Gottesdienst 1 Freitag, de » <). F e bruar, abends: in allen Syn* agogen 5' ן l Mir. Predigt: Neue Synagoge Rabbiner Dr. W a r s e h a u e r. S o n 11 a b e 11 d , d e 11 10. F e h nur ,vormittags: in der Kaiser- und Rykestr.•Synagoge: 0 Uhr; in der «Neuen. LimJeiistr.• und Liil/owstr.*Synagoge; F r ü h g o 11 c s d i c 11 s t: 8 Uhr. H a u p t g o 11 e s d i c n s t: 10 Uhr. Predigten! Synagoge Kaiserstr., 10 Uhr: Rabbiner Dr. Rosenzweig. Synagoge Rykestr., 10 Uhr: Rabbiner Dr. Stier. S y n a g o g e L ü t z o w s t r., 101״׳• Uhr: Rabbiner D'r. Bergmann. Synagoge Linden st r., 1t)1״׳• Uhr: Rabbiner Dr. Hoch* leid (Schrifterklärung). Jugendgottesdienst! Neue Synagoge, nachm. •I Uhr: Rabbiner S. Gans. Abendgottesdienst: 5 Uhr 51 Min. Gottesdienstanden Woche ntagen:mor* gen 8: in der Kaiserstr.* u. Rykestr.-Synagogc 7 Uhr, in den anderen Synagogen 71/2 Uhr. ~ Abends: in allen Synagogen 5 Uhr. Die Alte Synagoge ist baulicher Veränderungen wegen geschlossen. JS^, Adressen - Aenderungen!! Bei Adressen• Aenderungen während des Quartals beliebe man bei der PostansUdt des allen oder des neuen Wohnortes die Ueber- Weisung an die neue Adresse zu bcan ragen. Irgend eine Mitteilung an die Expedition hat k■ inen Zweck, da diese in derartigen Fällen niemals direkt etwas unternehmen kann. Verlag ״Jüdische Rundschau“.

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