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Jüdische Rundschau · 1910-12-16 · Heft 50 (16.12.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 50. .1 Ul: DISCHI: RUNDSCHAU Seite 573. * —1« I tr 5* ei ts- IC rt- >- 1: I. d n d 1• r i n f. » 11!1 g II i- 1• fl r h 1 n 1, c 1f s!1 d n e z 0 d s 0 e 11 it it 11 g e n g c n x c d s n c It 1: ß h 11 c I* n 1e .s 1!, I , (•' 1, it u L ment emternt einen Me« der traditioncll-dcmokrati-; wlien Koalition in Berlin erwarten, und dal! in j Posen die «leiclie Koalition vor einem Jahr von 1030 j Stimmen •175 510 am' ihre Liste vereinigte, mul! '׳ unter den geschilderten Verhältnissen beinahe ein j Wunder scheinen. Kommen nun noch zu diesen; taktische» Unstimmigkeiten gelegentlich heilige Prell- I ,!ugiiife orthodoxer Prinzipienreiter, so mag manj dun 1 Zionisten der Wimseh nahe liegen, von den j •.latiirliehen Bundesgenossen los/.ukonmten. Hätten י wn •las l'roi'oitioiiahvalilreeht. so konnte dies, ohne . Veilctznng gemeiasainer Interessen, wohl gosehehen, d»e •\nistdluug eigener zionistischer Kandidaten ne dann dnrchaiis die Regel. So lange die reakst ndre Listenwahl aber bestellt, würde die reinliche .vUeiduug zwischen Religiös-Traditionellen und Na- \ 1: 1׳.!!-Traditionellen der Auslieferung der Gemeinden J , ׳ die Areligiös-Anationulen gleiehkommeit. So j!;u׳,c heim es also, einen möglichst vollkommenen i 11.11!s vivendi mul modns procedendi zwischen den j ihlverwaiidten•‘ Gruppen linden, Wie? Bureli! du; hlolle Praxis des Ztisautmen.irhcitcns ־־ nicht mir vor den Wahlen, sondern auch in den Jahren da- ׳v isJten und durch das erziehende Beispiel fester, disziplinierter Organisation, die allein Bundesnvve bieten und gewährleisten kann. Br. Karl Jeremias- Posen. Zu Dr. Hirsch j Hildesheimers Tod i l>r. Hirsch I lildeslteimers Tod ist in allen Kreisen der jiklisclien Palästinaireunde schmerzliehst empfunden worden. Hr ^alt als einer der hervorragendsten Kenner des Heiligen Landis und mit unermüdlichem Interesse folgte er allen Praxen, die in irgend einem Zusammenhang mit Palästina stehen. Oft genug äußerte er im Kreise der ihm nahe Stehenden seinen Schmerz darüber, daß es ihm nie vergönnt Krewesen sei. P.rez Israel mit eigenen Anteil zu sehen. — Ps ist selbstverständlich, daß ein soleher Mann für die zionistische Bewegung das größte Wohlwollen empfand; mit ganzem Herzeit verfolgte er namentlich alle Fortschritte unserer praktischen Palästina-Arbeit. Die Bedenlnntf unseres Volksseliatzes, des Jüdischen Nationalfoiuls, würdigte er nach Verdienst. So war es eine seiner letzten Freuden, als Verwandte und Freunde durch die Pflanzung eines Hirsch-Hildesheimer-Oelbaum-Garl. ns seinen Namen im Lande seiner Sehnsucht zu verewigen beschlossen, und das Diplom über.die ersten fünf Bäume, die ihm gestiftet wurden, erhielt sofort einen lihrcnplatz in seinem Arbeitszimmer. Wir glauben, daß sein Tod uns erst recht ein Ansporn sein muß, das begonnene Werk fortzuführen. Was als eine wohlverdiente Flirung für den Lebenden gedacht war, soll jetzt ein würdi- *׳es Denkmal für den Toten werden! Wir richten deshalb an alle unsere Freunde die Aufforderung, beizusteuern zu einem Fonds für die Oelbauinpflan/.un^ auf Hirsch-Hildesheimers Namen und in ihren Kreisen nach Kräften für diesen Zweck zu wirken. Fs wird wenige Juden in aller Welt geben, die Hirsch-Hildesheimers Name nicht zu einer Spende für Firez-lsrael veranlassen wird. Wir werden die einleitenden Summen in kurzer Zeit!׳lcichzeiti{' zum Ausweis bringen. Auch die zahlreichen in dieser Woche eingc* uangenen Spenden haben wir bis zu diesem Zeitpunkt zurikk^estellt. Unsere Freunde erfüllen eine zionistische Pilicht, wenn sie das Andenken dieses Verstor- Lenen, der zu den besten Söhnen seines Volkes gehörte, durch die Tat ehren. Jüdischer Nationalfonds Zentrale für Deutschland :: AUS ALL6R WCLT n Deutsch/and Die Schechilafragc und das Zentrum Wir haben uns an dieser Stelle oftmals mit »!ehr nd׳:r minder verblümten judcnfcindlichcp Ausfüllen Jener politischen Parteien unseres Vaterlandes beschäftigen! müssen, deren Programm eine Ver- piliclitung zum Antisemitismus nicht enthüll. Diese Feststellungen erschienen uns wertvoller als die jedesmalige Abwehr der plumpen und geschmacklosen Anrcmpelimgeii der cingcschworcucu anlisemitischen F.lirenmäiiuern. Denn sie zeigten immer "ieder. wie unklug cs von uns wäre, uns auf irgend eine Partei fest/.ulcgen und ihre unbedingte Geft'lgsehafl zu leisten. Deshalb betrachten wir auch feile jüdische Presse für ein Unglück, die sich zu einer Bepcudenee unserer freisinnigen Publizistik!•ergibt und von Uneingeweihten nur allzu leicht als der berufene Sprecher der deutschen Judeuheit hetrachtet werden kann. Die alljährliche Gegenleistung war ja denn auch jedesmal eine recht geringe: Mit pünktlicher Regelmäliigkeit sagte irgend ein Frei- Sinnskämpe uei den verschiedenen l'.latsberatungcn sein Sprüchlein her, olme ernst genommen zu werden. weil er sieh selbst nicht ernst nahm. Auf der :•»deren Seite sahen sieb jedoch alle Feinde des Liberalismus in ihrer Jiulcnfeindschaft bestärkt. Diese Rulle der .Inden als Prügelknaben kann bereits eine alte Tradition• für sieh beanspruchen, ist aber durchaus nicht imitier unverdient und könnte bei einiger politischer Hinsicht allmählich beseitigt werden. Seltener als jene Gelegenheiten, hei denen wir den Optimismus in der großen politischen Kinderstnhe unserer ,.Glaubensgenosse»" zerstören nniiltcn. sind jene, bei denen sielt zeigen Willi, dall uns gelegeuilieh an den verschiedensten Stellen ein natiir* lieber Bundesgenossen erwachsen kann. Nicht tun unserer schönen Augen willen. Sondern einfach deshalb, weil es ein Minimum au Prinzipien gihf. ohne das mau selbst im politischen Leben nicht auskommen kann. So hat sich das Zentrum - weil es selbst im Glashatisc sitzt durch die kulturkämpfrischen Allüren unserer ״repräsentativen“ Juden nicht ahlialten lassen in der Schachtfrage eine gerechte Stellung cinztuichmen. Auch bei der bevorstehenden Beratung der Novelle z u in S t r a f g e s c t z b u 0 h wird cs zu einer Diskussion dieser für das deutsche Judentum lebcnswichtigen Frage kommen: /׳.um S 300 Abs. 3 hat das Zentrum beantragt, die folgende Vorschrift einzustellen: ״L a n d e s r e c h 11 i c h e B c s t i in m u u g c tt, welche in die rituellen Vorschrift teil einer R e I i g i 011 s g c s c 11 s e 11 a f t über das Schlachten von Tieren e i it g r e i f e 11. s i n d tut z u I Ü s s i g." Bas Schicksal dieses Antrages, der■ wohl zunächst auf die sächsischen Verhältnisse gemünzt ist, ist kaum vorausziisagcn. Jedenfalls wird wird man ihn nicht im vorhinein als ״nicht ernst gemeint" ahtuu können, da sielt die Partei damit in Gegensatz zu ihrem konservativen Blockbrtuler setzt, auf dessen Betreiben das sächsische Scliüclitvcrbot erlassen wurde. Sollte er durchkommen, so hätten damit die deutschen Juden von Zciitrumsseitc eine Förderung erfahren, v ic sie ihnen seitens der Liberalen, trotz treuer Gefolgschaft, seit Jahrzehnten nicht geworden ist. Unsere Sache ist cs jedenfalls, dieser Partei ihre Stellungnahme nicht durch Ungehörigkeilen, wie sic sich .,muentwegte" jüdische Liberale zu leisten pflegen, zu erschweren. Wie die Beratungen auch ausfallcn mögen, das eine ist sicher: Ball liier ein Oebict ist, wo matte Resignation für uns nicht am Platze ist. Dal! die Aufklärungsarbeit, die der verstorbene Hirsch II i I d e s 11 e i in e r mit so außerordentlicher Hncrgie taul Umsicht geleistet hat. fortgesetzt werden muH. Ball die Gefahr groß, alter nicht unabwendbar ist. In Berlin ist soeben die erste Nummer eines neuen Itchrüfsclicn Wochenblattes ״Haibri" erschienen, das sich die Aufgabe stellt, im Geiste des nationalen und historisch-überlieferten Judentums olme parteiische Hinseitigkeil die Interessen der Gesnmijndenlieit zu vertreten und die jüdischen Kulturschütze aus Vergangenheit und Gegenwart den weitesten west- und ostjüdisclien Kreisen in Volkstumllclier Weise näherzubringen. An der Begründüng der neuen Zeitschrift haben sich eine Reihe nahmhafter Persönlichkeiten beteiligt, so u. a. Dozent Br. F.. ü.mcth, Baron David Gtinzburg (Petersburg). Dr. M. Hildesheimer. Professor Sulzbach (Frankfurt a. M.), Hermann Gumpcrz (Hamburg), Chachantbaselii Jakob Meir (Saloniki). Prof. n. Mittwoch. Prof. Margolis, Prof. I. Friedberg (New Yor), Rahbincr K! k (Jaffa), Hermann Struck u. Zahlreiche 1 bekannte Gelehrte und Schriftsteller haben dem j neuen Blatte ihre Mitarbeit zugesichert. | Unser Petersburger Korrespondent schreibt uns: 1 Die russische lieamteitwillkiir wendet sich in letzter I Zeit insbesondere gegen die hiesigen jüdischen Handwerker. die gezwungen werden, sielt einer abermaligen Prüfung zu unterziehen und neue Atteste zu erhalten. Nach dein in Rußland herrschenden Gesetze werden solche Handwerks- und Lehrlings- Zeugnisse nicht von jeder Innung, sondern von den Handwcrkszcntralcn ausgestellt. Vor vier Jahren gelangte jedoch die hiesige Zentrale zur Überzeugung, dall diese Art der Zeugnisausfertigniig nicht_ praktisch sei: und der Stadil.'auptmnna erteilt aus eigener Vollmacht den einzelnen Innungen das Recht, Atteste aiis/ustellen. Vor kurzem erhielt plötzlich die hiesige Mandwerkszcnlrali• vom Stadthauptmaiin eine Verfügung, wonach das bisheiige Veiiahren 1111gesetzlich wäre und künftighin Zeugnisse nur von der Zentrale ausgestellt werden sollte. Biese Be- Stimmung sollte sich eigentlich nur auf die Zukunft beziehen. Denn was können die Handwerker und Lehrlinge dafür, dal! man ihnen bisher durch Verschulden des־ Stadihauptnianns Atteste in nicht vorschrif'.smäüigcr Weise ausgestellt hat? Der Stadthauplmaim seihst ist aber anderer Meinung darüber. Hr fügt in seinem F.rlasse hinzu: ״Die jüdischen Handwerker, die ihre Zeugnisse von einer Innung erhalten haben, müssen jetzt von der Zentrale im laufe von zwei Monaten neue Atteste erhalten, wenn sie in Petersburg verbleiben wollen Die Zahl der jüdischen Handwerker und Lehrbngc in Petersburg zählt nach Tauset.Jen. Sie wurden sämtlich zur Polizei beordert, wo ihnen die neue Verfügung bekannt gegeben wurde. Die Zentrale bemnht sieh um eine Verlängerung der erwähnten Frist. Zugleich stellt sie die Frage: Warum fordert der Herr Stadthauptmanu neue Atteste nur von den Juden und nicht auch von den anderen Handwerkern? tzng/anü Der englische Wahlkampf und die Juden (Von unserem Londoner Korrespondenten.) Die Juden in F.ugland sind in ihrer iibcrwiegeiiden Mehrheit liberal, und ihre Sympathien sind dementsprechend auch in dem großen, historisch bedeutsameu Wahlkampf, der gegenwärtig ausgefuchten wird, auf Seiten der liberalen Partei. Daran ändert auch wenig der Brief Lord Rothschilds an ke jüdischen Wähler in Manchester, die er ersucht•״*, für den konservativen Kandidaten zu stimmen. In Whitechapel haben die Liberalen den bisherigen jüdischen Parlamentsabgcordnelen Samual. einen Bruder des Postmeisters, mifgcstellt. Hier worden häufig Wahlversammlungen in Kirchen und Schulen ahgchaltcn. Als aber eine Wsiltlcrvcrsammluug anberaumt und augekündigt war. in der Mr. Samual mul andere liberale Redner sprechen sollten, da wurde auf Veranlassung der Konservativen in samtliehen Kirchen und Schulen die Abhaltung der Ver- Sammlung nicht gestattet, so dall dieselbe auf der Straße neben einer Kirche stattiiiulcn mußte. Gleichzeitig wurde das rigorose Verhalten der Kons.rvativen in Flugblättern und Anschlägen aufs schärfste kritisiert. In Manchester hat der konservative Kan- Jidat den Juden keinerlei Verheißungen gemacht, wahrend der liberale Kandidat das ausdrückliche Versprechen abgab. seinen ganzen fünfluß zugunsten der Juden, namentlich in der!•'rage der Sonntagsruhe, anzuwenden. In Leeds wurde eine spezielle jüdische Wählcrvcrsammhing abgehaltcn. in welcher der Vorsitzende die jüdischen Wähler auffordei te, für die liberale Partei zu stimmen: ״Vergessen wir nicht, daß in der liberalen Regierung drei jüdische Minister sitzen, was die Stellung der liberalen Partei zu den Juden klar und deutlich kennzeichnet.״ Hin anderer Redner erklärte: ״Von der konservativen Partei haben v.׳ir bisher nichts gehabt, außer der!:inwanderiingscinschränktmg, wofür wir ihr sicherlich nicht Dank wissen . . . .“ Die Versäumthing beschloß sodann einstimmig, die liberale Partei in den Wahlen zu unterstützen. Die angeführten Äußerungen charakterisieren die Grtmdstiinimmg fast der gesamten englischen Judenbeit. Diese Auffassung wird nicht wesentlich dadurch beeinflußt, daß auch die Unionistcn 16 jüdische K:\mJUV.Ucn (gegen 19 Liberale jüdische Kandidaten) aufgcstcllt haben. Türkei Rabbi Jakob Meir und Dr. Nasim BeJ, der Sckretär des Komitees ״Union et Progrts״, haben sich gegenseitig Besuche abgestattet, und bei dieser (ic- Icgcnhcit kaut es zwischen ihnen über die hebräische Sprache zu einem Meinungsaustausch. Dr. Nasim Be! erklärte, daß man mit größter Bereitwilligkeit den Unterricht der hebräischen Sprache an den Staatsschuld! entführen würde, vorausgesetzt nur, daß die Gemeinden bereit wäre״, die Kosten der Honorare für die Lehrer aufzuhringen. Einem andern jüdischen Besucher gegenüber äußerte Dr. Nasim Bcj sein großes Befremden, daß die türkischen Juden noch immer das Spaniolischc reden, die Sprache des Landes, das sic vertrieben habe. Br erkenne zwar an. dal! diese Mundart in Abnahme begriffen sei: leider aber nehme das Französische den freigewordenen Raum ein. F.r würde cs viel mehr begrüßen, das Hebräische das ihre nationale Sprache sei, unter den Juden sich verbreiten zu sehen, als das Französische.

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