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Jüdische Rundschau · 1910-04-15 · Heft 15 (15.4.1910) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XV (1910)
Issue
Heft 15 (15.4.1910)
Date
1910-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 15. jU EPISCH E RUNDSCHAU .,,I der Verwendung dos wilde״ Weizens durch llI1Cr1k;uuM־he Getreidezüchter haben l)r. Galloway Chei des amerikanischen Bureaus für Bebauung* IrJustrie veranlaßt. Dr. Atironsohn um Abfassung ,'״es Bcrit’hls /.u ersuchen, welch letzterer sich bc* (Cj!s im Bruch befindet und in ausführlicher Weise üic lUvu-lmmj seiner palästinensischen Studien zu jtn /alilicchen landwimüiaftlichcn Problemen in jc(J Veieinigten Staaten enthält. Während es der Zweck des Institutes ist. den ״.jjsclicM Kolonisten und Bauern Palästinas sowie Jtr peii.vlilmrtcii Kolonien den landwirtschaftlichen strich m rationeller und fortschrittlicher Weise zu tfiiiogiicJicn. wünscht Herr Aaronsolm ein nach Mdg- IichKci: vollständiges Material für die offiziellen lud"11!*»,!laftlichcn Publikationen der Vereinigten S.1.UC1;1s.1mmenzntr.1gen. Bank dem Hingegendes Bureaus iiir Versuchsstationen und der lachte י verschiedener staatlicher Stationen und!.juerst- : durch private Beiträge und Ankäufe, hat llcrr ״■, ץsolm das wahrscheinlich vollständigste )Uten. '•:! Berichten und Bulletins über amerika-;1,<cl1e ' ci -uchsstationen gesammelt, das in der ״Heu ' .'־• zu finden ist. Hs ist sein aufrichtiger Wims.' ■iicsc Sammlung amerikanischer Versuchs- .!,iti!'!' Hi icluc bis zur letzten Vollendung zu ver- .. ח, und Jede iluu zu diesem Ziel gewähl te!;He ״, י von ihm mit Dankbarkeit begrübt werc״t ׳ das Studium der Pilanz.cn•Pathologie in; -j.1s; .!och gänzlich unbekannt ist, hat Herr iijiiij. u als (irundstciu seiner Arbeiten auf patliocis-d : Gebiet die Sammlung des verstorbenen IVdcs' ' W. A. Keller m a n n von ca. 24 00Q l':l/.1r׳a . .״!gekauft, und' die landwirtschaftliche K.imnu at 111111 eine Hrgänzimg derselben durch : 'vml weitere Exemplare angeboten. Diesen ,,nert ■■ '■eben Spezies will Herr Aaronsohn seine iicenc ־ inmlmtg agronomischen, botanischen und ...n Materials liinzufiigen, und die ganze K.illtk'a; wird von unseh.it/ba1em Nutzen für die \crclea■ aden Studien sein, die durch die Station /üseei;• : v. etilen sollen.;1;!, \aronsohn wünscht ferner ein Laborato- >,,:111 im: den dazugehörigen Bcqtiomliehkeilsvor-;,chtnnuci. für (Kiste cinzurichtcu. das entsprechend v.'r'.Miicr'u lirdigen Besuchern von aullcrhalb zur \criug1mc stehen soll. \Yu jemals Gebrauch von Kn v.iiii, 1.-1 vollen Hrloielitcnmgen der /»logischen «utii 1 Neapel gemacht hat, wird wissen, was ״t* 1״r .nt Land wie Palästina hcdeutet. wo nur wenige erleichternde Vorrichtungen für die AissensJur.lichc Forschung bestehen. Herr A. roiisdm will die Jahresberichte seiner M.iünii in 1 iglischcr Snrachc veröffentlichen, wähienJ n.tiuri .11 seine Zirkulare und Bulletins über J!e praktischen Resultate hauptsächlich hebräisch, u.rkisc!! u;;,i arnhiscit abgcfallt werden sollen. Pie (iimidung dieser neuen Station in den öst-;!.heit .M1!;dn1ecrlä1:dcrn mit reichlicher finanzieller l'nterstat/ung wird stark dazu beitragen, amerikar.sciie Mcdioden des Studiums agrikulturellcr Pro-;־::ne ai ,!en ganzen Mittclmccr-Ländcr-Üebicten zu verbreitet, und den Austausch von Pilanzcu-ln- Jusinea zv. isdien diesen Gegenden und den Vorvmgtcn M.iateii zu erleichtern, wie dies bereits von K׳n l.niJ״ irtscltaftlichcn Mitarbeitern des Ministetiuiits in! von Männern wie Dr. L. Irabut, dem Rccierung'dJmamkcr von Algerien ungebahnt wurde, a.d sc. inr beide Gebiete .ds wesentliche gegen- 'utige , uterstützung erwiesen hat. David Fairchild. 1 י Departement of Argieulturc.!Pli und die deutschen flörarier ’ficli'.hden" lesen wir: ' . neue italienische Ministerpräsident Luigi! V!t /.war in seiner politischen Laufbahn eine ■■ ■ de Versatilitüt bekundet, ist aber doch wie ׳- teil seiner Rassengenossen aullcrhalb des ו Reiches im Grunde seines Herzens ein 1 •'.liiedencr Ücutschteind. Luigi Luzzatti ,5‘ 1 iuilien. was der verstorbene Abg. Bambcr- ׳! Deutschland war, ein Affilierter der Hoch- 1' at der Alliance Israclitc Universelle. Schon m ׳M־r ikoo versucht« Herr Luzzatti als Abgc* ’• und zugleich als fanatischer Anhänger des 1'wtcrtiiim, in Verbindung mit französischen iivliiM hen Gesinnungsgenossen, eine girnden mit der Aufgabe, die H •ticrimentc" und die ״obrigkeitlichen Bevor* 11"«svcrstichc insbesondere in Dcutscntana 7.u 11m'en und für die unverminderte rrcincit aer ■iiwitlichen Bewegung cinzutreten. Das gelang Bontais nicht. Inzwischen hat er י "®“®*"י cineindlichc Gesinnungen bekundet, zuletzt vor ,"״«I Tag, als er sich erlaubte, in einer ver 1'Giung die deutschen 0A*r“rJ.eJu ab‘c! gcfriittiirctun aller Rassen zu oc u״i“t־ W«1 L״z/,;l״i wurüc deshalb auch vom ״ucri. lagebl. auscrscltcn, sich über die Frage der ucutseh-üalienisclicn Beziehungen zu äußern.“ nr1.1.81‘»‘“**“״״״ ia,ullcr‘!lnKs ״fcht der erste, der derartige Ansichten über die deutschen Agrarier üullcrt Aber es ist bezeichnend, mit welchen Lappalien man abtut Man״ VÜ״ dcr Hcdc״,un* Luzzattls einfach « AUS ALL6R W€LT:: Deutschland Die Mischehen in Preussen Das soeben zur Ausgabe gelangte Stutist i s c 11 c J a 11 r I) u c h für d e n P r e u II i sc 11 e n Staat 1909, enthält u. a. eine sehr interessante Statistik der jüdischen Mischehen. Unter den für den ganzen Umfang der preußischeu Monarchie fcslgcstclltcn 380594 Mischehen, die bei einer Gcsumtbevölkcrung von .17 293 324 Seelen zu verzeichnen sind, entfallen auf die 409 5» l jüdischen nicht weniger als 5117 Mischehen. Während so der Anteil der Juden an der Ocsamtbevülkermig l.l Prozent nusmueht. ist der Prozentsatz, der jüdischen Mischehen im Verhältnis der Gesamtzahl der Mischehen 1.3 Prx/.em. Nach den einzelnen Provinzen verteilt, enuallen auf die Provinz. Posen nicht mir asolut, sondern auch relativ die bei weitem wenigsten Mischehen. Bei einer jüdischen Bevölkerang von .10 433 Seelen weist die Provinz Posen nur insgesamt 3.1 Mischehen auf, während deren Anzahl z. B. in Hannover, wo die Zahl der Juden nur etwa die Hälfte, nämlich 11181 heträgl, die Mischdien das Vierfache wie in Posen, nämlich 138, ausmachen. Die höchste Zahl der Mischehen ergibt sich für Berlin, wo sic nicht weniger als 2147 beträgt. Das dürfte, da die jüdische Bevölkermig des Stadtkreises Berlin, für welche diese Ziffer der Mischehen fcstgestcllt ist. 9s H93 beträgt, fast 10'׳ aller jüdischen Hlien überhaupt ausmachen. Auch für den übrigen Teil der Provinz Brandenburg mit ihren 40427 jüdischen Bewohnern, ergibt sieh eine erschreckend hohe Zahl von jüdischen Mischehen, nämlich 992. das ist relativ ungefähr das Zwanzigfache der Zahlen für die Provinz Posen. Wie sich im übrigen die jüdischen Mischehen über die ein- /.einen Provinzen des preußischen Staates verteilen, ergibt sieh aus folgenden Daten. F.s betragen die jüdischen Mischehen in der Provinz. Ostpreußen 00. in Westpreullon 50. in Brandenburg (ohne Stadtkreis Berlin) 992, im Stadtkreis Berlin 2147, in Pommern 00, in Posen 31. in Schlesien 318, in der Provinz. Sachsen 15f». in Schleswig-Holstein 122, in Hannover 138, in Westfalen 135. m Hessen Nassau 310, in der Rheinprovinz 500 und unter den 4(19 Juden Hohenzollcrnschc Lande I. Nur in sechs Provinzen, nämlich in Wcstpremka. Posen. Schlesien. Westfalen. Hessen-Nassau mul Rheinprovinz, über wiegt die Zahl der Mischehen zwischen jüdischen Frauen und andersgläubigen Müimvrn. in den anderen l’rovinzen die Zahl der Mischehen, wo der Mann jüdischen Glaubens ist. Während aber die Differenz, im allgcmeinen kerne allzu grolle ist. übersteigt in Berlin wie in der Provinz Brandenburg die Zahl der Mischdien, in denen der Mann lude ist, ganz erheblich die Anzahl der Mischehen, die jüdische Franc״ eingchcu. So beträgt die Zahl der Mischehen jiidischer Männer in Berlin IH4. diejenige jüdischer Frauen aber nur 833. und in Brandenburg ist da! Verhältnis (!55 zu 337. Unter den Rcgicrimgsbezirken weisen die höchste Zahl jüdischer Mischehen außer Berlin und Potsdam die Regierungsbezirke Breslau (230) und Wiesbaden (300) uuf. die niedrigstet! Ziffern die Regierungsbezirke Allcnstcin (3), Stralsund (5) und Osnabrück (0). Diese Ziffern bieten in der Tat kein sonderlich erfreuliches Bild. Sic zeigen, dal! der Prozentsatz der Mischehen eine bc• denkllchc Höbe erreicht hat. WM man annehmen, da» es bei der jüdischen Gcsantlbcvolkcrun* Preußens von 409 501 Seelen, etwa 100000 Ehepaare gibt, eine Zahl, die eher zu hoch, als zu niedrig geirriffen ist, so ergibt sieh das ernste und bemer- Kc. swerte Bild, dal! reichlich fünf Prozent aller lihcn. die von Juden abgeschlossen werden. Mischeben sind. Am 14. Anril trat in München die konstituicrende Versammlung des Vereins ״SchweStern- 1, ״im•■ ■/immnicn. um definitiv die Gründung einer •!dlsclien ciilurgHcltcn Klinik zu beschließen. Die Hcrinnn-Sehmidt-Straltc 5 wird zum genannten Zweck umgebaut und das jüdische Sc iwcstcrheim hinein verlegt. Die V c r w a 11 u n g des Hauses biSibt i den Händen der jüdischen Schwestern und eines ärztlichen Beifates. Die Kosten werden außer aus den Mitteln Tue Verein« Jüdisches Schwesterhelm" mittels Subvention der U. 0.. B. B. - L,0 8:e und durch AiixvnR.« 4 Prozent. Anleihe Kcucckt« Seite 173. Russland ln einem soeben in Warschau erschienenen Auf* ruf wird die Notwendigkeit des VVIcdcrcrschclnens der ״Hozcllrah“ unter der Leitung N. Sokolows dargetan und das hcbräischlescndc Publikum zur Förderung des Planes aufgerufen. Die hebräische Tageszeitung ״Hazefirah", die vor einigen Jahren infolge der politischen Verhältnisse in Rußland ihr Erscheinen cinstcllcn mußte, hat bekanntlich unter der ausgezeichneten Redaktion Soko 10ws jahrzehntelang an der Spitze der hebrüischcn!,resse gestanden und einen außerordentliehen Einfluß auf die ganze iüdischc Welt in- und außerhalb Rußlands ausgeübt. Unter den Unterzciclmcrn des Aufrufs finden sich die Namen der ersten Vertreter der hebräischen Literatur und Wissenschaft, Bialik. Lcvinski. Dr. Poz. - iianski. Dr. Klausner usw. Der Aufruf besagt u. a., daß bereits ein Fonds von Uber 20 000 Mark ziisummcngckommun ist, und daß die Unterzeichner sich verpflichten, ihn bedcutend zu erhöhen, wenn sie der Anteilnahme des Publikums gewiß sind. Vorausgesetzt dal» bis dahin 5IKX) Abonnementsbestcllungen cingclaufcn sind, soll die erste Nummer des neuerstandenen Blattes am 1. Juli dieses Jahres erscheinen. * Das ChlesMu-r Krdsgvriclil Italic s. Zt. die liidischon Advokaten Hrodsky wegen Führung eines iremden Namens 7.11 einer Strafe von hundert Rubel verurteilt. Das Kassationsgericht hat nun dieses Urteil aufgehoben und den Angeklagten freigesnrochcn. Brodskv war bekanntlich in Odessa /.um Dumaabgeordneten gewählt worden, wogegen der dortige Stadtluiuntnuimi Tolmatschow Einspruch erhob, weil sich Brodskv ..Arkadi Jciituowitseh" mit Vornamen nennt. Brodskv hat dann auf sein Mandat verzichtet. In der letzten Gerichtsverhandlung führte Brodskv u. a. aus: ..Die ganze Angelegenheit hat für mich etwas sehr Bedrückendes, da die Vermutung auftauchen könnte, daß ich mich durch den christlichen Namen von meinem Volke und seinem bitlcrcn Schicksal absonderte. Aber, meine Herren Richter! Der Christliehe Name hat mich auch nicht um einen Schritt dem Range eines vereidigten Rechtsanwalts näher gemacht und mich nicht vor dem Los eines Juden gewahrt, vorher neunzehn Jahre als Gehilfe zu dienen: dteser Name hat mich der endlosen Schwierigkeiten und Hindernisse bei der Aufnahme meiner Kinder in Staatsschulen nicht überhüben. Der christliche Namen hat auch meine Kinder nicht davor geschützt, in überanstrengender Weise lernen zu müssen, um goldene Medaillen zu bekommen, da ihnen sonst die Pforten der Hochschulen verschlossen bleiben würden." Aus Kiew kommen fortwährend die traurigsten Nachrichten. Am 15. April a. St. müssen ca. 610 Fa* milien d. 11. über 2700 Personen die Stadt verlassen. Dies bedeutet 1!ir alle Betroffenen den vollständigen Ruin. Nur für die Handwerker unter ihnen besieht eine entfernte Möglichkeit, anderswo in nicht allzu langer Zeit neue Erwcrbsnuiglichkeiteu zu finden, während die anderen direkt am H u n g e r t u c 11 c werden nagen m ii s s c n. da die Kürze der Zeit es ihnen nicht ermöglicht, ihren Kargen Besitz zu v »rüußcrn. Alle Eingaben und Eitlen um A 11 f h c b 11 n g dieser grausamen Maßregel blieben absolut erfolglos. England Die Tageszeitungen haben bereits über den Brand des Auswainlorerdampfors ״Calrnrona“ bcrichtet, der am Mittwoch Nachmittag von London nasU Portlaud abgefahren und mitten im Kanal in Brand geraten ist. Auch über die wilden Schreckenszenen. die sich bei der Rettung der mehr als 1000 Pasagiere des Dampfers abspieltcn. wobei über 20 Personen mein oder weniger schwer verwundet und ein Kitul gelötet wurde, haben die Zeitungen ausführliche Meldungen gebracht. Verschwiegen haben sic indessen die Tatsache, daß sich unter den Passagieren eine große Anzahl jüdischer Aus- Wanderer befand und daß gerade dieser Umstand den IbuuUuwhM ־/.w vier Erregung der Passagiere wurde, die das Rettungswcrk außerordentlich erschwcrtc und cs beinahe unmöglich gemacht hätte. Wie nämlich jetzt bekannt wird, waren die Schrcckenszcncn auf nichts anderes, als auf schwere antisemitische Ausschreitungen des Gros der Passagiere z.urückzuiührcn. die sich mit Gewalt der Rettung der Juden widersetzen wollten. Als nämlich die Matrosen ganz natürlicherweise zuerst an die Rettung der Frauen schritten, die zum größten Teil aus Jüdinnen bestanden, wurden die polnischen und armenischen Auswanderer w'iitcnd und wollten dies verhindern. Es entstand eine Schlägerei und die Matrosen wurden gezwungen, Waffengewalt anzuwenden. Die nicht jiidi scheu Passagiere mit Ausnahme der Engländer und Amerikaner benahmen sich in der abscheulichsten Weise. Auch nachdem die Emigranten gerettet waren, fanden Reibereien zwischen Juden und Polen statt, an denen sich in erster Linie auch die ,unter den Auswanderern befindlichen deutschen Frauen beteiligten. Selbst nach der Landung In Dover mußten die Emigranten auseinandergehalten und die Juden zu Ihrem Schutze In abgetrennten Abteilungen untergebracht, werden.

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