Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XV (1910)
- Issue
- Heft 12 (25.3.1910)
- Date
- 1910-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 130, im jüdischen 11,11! Kegen einen jüdischen Schriftsteller auszulasseir). Herr 1)1*. Lessing darf sieh nicht wundern, dall die Glaubwürdigkeit seiner Erlebnisse in Zweifel ge- /•״Keil wird, denn sie bilden, schon äulicrlicli he* (rächtet, fast alle ein seltsames, sehr unwnhrseliein* liebes Zusammentreffen von Einzelheiten, die auf einen Knalleffekt zielen, und er mutet dem tilauben seiner l.eser von Anfang Ins zu Ende, von seiner Vcruechslung eines SO* (!) mit einem S-Markscheiu bis zu dem Vater ״Karfunkelstein" starke Stucke zu. Sulchen Zweifeln gegenüber braucht aber Herr l.essing nicht Machtlosigkeit vorz.uschutzen. Mag er doch beispielsweise den Kalizischen Ort. wo die N'otnrialsgesehichte passiert sein soll, und seinen tiastwin nennen, dann könnte die Wahrheit an den Tag kommen. Allein alle galizisehen Erlebnisse sind ja 5 Jahre alt. das hebt Herr Pr. l.essing w ieder■ holt hei vor, und das soll w ohl einiges entschuldigen, aber dann darf man auch fragen, ob die ,.Eindrücke" im besten!׳'alle noch irgend einen üegenwartsw ert hätten. Und zum Schild! noch eine Hemcrkiing. Herr l>r. Eessiug betont, er habe nicht, ״wie ihm unter• stellt wird", gesagt, dal! am Ercituguhcnd, den er in dem kleinen Gcbctraum einer frommen Sekte vcrbrachte TefilliiT) angelegt wurden. Pas ist richtig. Jas habe ich aber auch nicht gesagt. Wenn er jedoch iornähri. er habe nur erwähnt, sie dort gesellen zu haben, so ö* das einfach nicht wahr; vielmehr sagte er, dal! die Leute, die zuerst in ein dem (iebetraum gegenüberliegendes Waschkabinett gingen. Tefillin und Zizit holten, und ich habe mir seine Worte zitiert. Unser Organisationsstalut Referat /.um IX. Zlouisicn-Kongrcss. Von Pr. M. J. Hodenheime r. (Schluss.) Pc gegenwärtige Eimiehtimg hat überdies zur Eoige geh.ibt. dass in den kongressloscu Jahren die Zahl der j'chekelge'.Jer ausserordentlich zusammen• geschrumpit und so eine ordmmgsmässigc Eiiianzioriing der Bewegung auf ()rund eines Hudgets bis In ute völlig unmöglich gewesen ist. Nur wenn Sie die Bewegung auf eine konstante, stabile Basis siel• len. wie ich sie Vorschläge, w ird es möglich sein, die miulamentulstc Voraussetzung jeder demokratischen liewcgiing zu schäften, dars nämlich die (ieschäfte der Leitung nach einem im voraus geregelten Billiget ci lolgen. dessen (ienehniignt.g dem Kongresse vor• behalten ist. ) Theodor l.essing; ״Samuel zieht die Bilanz". Die Seliaulnilme. Herausgeber Siegfried .Ineobsoim. V|. Jahrgang. Nr. 3 (20. Januar l'Uli) S. (».י. ) Ich schreibe das Wort mm richtig. Herr Dr. l.essing schrieb in seinen ״Eindrücken" ״I eiillim", und schreibt mm noch weit unrichtiger ״T e f f i I i m". Es braucht nicht beansprucht zu werden, dall Herr Pr. l.essing die richtige Schreibung des Wortes keime, aber wenn er es fur die Ocficntlichkei! schreiin. so darf man verlangen, dal! er sich orientiere, wie er es tun wurde, wenn er beispielsweise ein gi :cclnsebec W ort medeiznscliieibcii hatte und seiner Suche nicht ganz sicher wäre. JÜDISCH!' R U N D SC 11 A U Pie (iegner.schuft, welche sich gegen den Plan gellend gemacht hat. ist mir bis heute unverständlich geblieben. Man hat gesagt, dass diese Neuordnung des Statuteneutw urfs die Entwicklung der Bcwe• gung in Oesterreich, speziell (ializion. tiimiögliclt machen wurde. Ein vernünftiger Grund fnr diese Behauptung ist nicht geltend gemacht worden, and ist es mir auch völlig unerklärlich, weshalb es in t )Österreich■ wo es so viele .*intlere Vereine gibt, nicht möglich sein sollte, mich Vereine von Schekel• Zahlern zu bilden, welche nicht bloss einmal im Laute von zwei Jahren zum Zwecke der Koiigrellwahl zusammciikoiimieii. sondern regelmässig im Laufe der Zeit in energischer Tätigkeit die Ausbreitung der zioiiistiselieii Idee propagieren. Soviel mir bekannt ist. stein m Oesterreich das Vereinsgesetz solchen Vereinsbddimgen nicht entgegen, und gerade in Oesterreich, wo der Zionismus in so viele verseliie• demütige Richtungen zerfällt, winde die Neuem!ich• tung son grossem Segen sein, da die verschiedenen Richtungen, ohne in einer schckelgruppe vereinigt zu sein und zu Reibereien und Streitigkeiten Vcr• aiilassung zu geben, in einzelnen Vereinen neben• einander sieh glcielibcstrebcml entwickeln könnten. Merkwürdigerweise ha! man gegen diese Einrielilimg auch geltend gemacht, dass ,einzelne Personen aus pi inzipieileu Bedenken ment Mitglieder eines bcstimmten Veieins werden wollen, und demnach nicht in der Lage sein wurden, <a.m Kongress zu wählen oitei gewählt zu werden. Piese Ansicht hat mich befremdet, denn wenn solche piiuzipiellell Bedenken mt Wege stellen, ist cs eben Sache dieser Personen, einen Verein zu schalten, der ilire Prinzipien zum Ausdruck biingt. und wenn das nicht möglich :st. dann ist auch dieses Prinzip nicht lebensfähig. Bann sehe 1 11 mclit ein. weshalb ein solcher Pimzipien• re'ilei* Hieb! so la.igc da* allgemeine zionistische \ er• enisross ן eilen soll, bis er in der Lage ist. seine Pi inzipien in einer l'c‘>>1.deren \ creinsbildimg zu betätigen. Jlas einzige Land, welches mit Recht Bedenken gegen die Neiieruii'C gellend machen könnte, ist k:1sM..1׳.d. Allem nach reilliclicr und ruhiger Prüfung der ge iiissci len schwerwiegenden Bedenken komme ieii zu dem Schlüsse, dnss auch in Russland das neue t)1 gaiiisatiimssiatiit einen I־'« •r ז schrill gegenüber dem Iw stellenden Zustand bedeuten wurde. leb mochte vorab bemerken, dass ich nichts dagi gen eiur.uwemlcn habe, dass in meinen Statnteiitv 11 rf das Orlskontitee des alten Statuts anigenoin• men wird, mit dem einzigen Unterschied, dass sich auch in Russland dieses Ortskomitce aus Mitgltedein der La1!dcsorg׳׳uisat1011 z.usaiiimeusetz.l. Auch das jetzige Statut is: ii! Russhnd nicht anznw enden, und unsere russischen Eicumlc befinden sich in der Zwangslage, cmsc’ieiden zu müssen, ob ihnen die Illegalität au! 01 und unseres Statutes oder die durch Umgehung des Lamlesg1.setz.es sympathischer ist. An diesem Z11s׳.׳ml w ird durch das neue 01 g.iinsa• tionsstatui nichts geändert. Wenn es aber mögiieli si m wird, was im Interesse der Bewegung ausser• ordentlich wünschenswert wäre, unter Oenelimigung du* Regierung zionistische Organisationen in Russ- Imid auf gesetz.lichci (inmdlage cmz.tirieliten, dann bietet der von mir imlerhrcitcte Organisatiouseiit* wmi hierfür ׳eine sichere i.nd annehmbarere (iriimlläge als das frühere Staun. Dm;11־ diese Nolwcmtigkeit. lieben dem SehekU! 1 ... a La;.de:.bei'.!׳.*g ,׳;• •.*!,*;ob'.1 •.׳. v erden aber!neb* i ___ .. No.!2. nur unsere l'maitzen gekraftigt und dei <1ewmjUn, ziigefuhrt, die Lätiüesorgat.isationeii m die Lago vcr' setzt, ihre Aufgaben zu eriullen, solidem es \v;r': auch eine starke Kontrolle des Wachstum , niiser^ Bew egung in allen cin/eliieii Ländern gesell ,!!en, •jj bisher vollkommen mangelte. Wenn ich also die Neuerungen zus.imi.«!.׳״,^, welche in dun Entwurf enthalten sind, s׳, sie 111 folgendem: 1. Die oberste Leitung wird durch die \ou Dezernaten unabhängiger von dem V, der einzelnen leitenden l,׳,!N׳ml1el1ke1te11. ׳;;• die Eiul»vtthehkeit der Leitung dadurch k ,!r,1p. tigt würde. 2. Pas (irossc A.-K. erl.11.gt diejenige . . .!1^״. Aiisgestaltiing, die erforderlich ist, um die! ,!imu!. lut in der Leitung der (ieschäfte zu . und eine Auswahl unter den tnJitigv. serer Gesinnungsgenossen zu trefien. die ^1sind, die (ieschäfte später zu übernehmen. 3. Die durch die gegenw ärtige Porin d! 4״,. rationell bedingten MissMutnl»• werden I!•!p Durch die freie Vereinsbildrng und die M« .ן;^; Her Bildung von Veieins verbänden und 11 ,(,r,׳:•; wird jeder Richtung innerhalb der zioniMiw |׳(l. w egtmg der freieste Spielraum der l.i.luiU, K>.. v.alirt. ׳»bne n.!ss die La11dos.Orgums.il!׳>!,. h;.׳. durch bveiiiträclitigt werden, weil icilis Mit: i ,\• zionistischen Orgams.itio■: ausser dem Sein ' .!׳ ״; den l.anilesbeiir.ig zu crui.li.en hat. 1׳. Dadurch, dass das Wahlrecht und da iissationen der zionistiselimi Bewegung nw! ,״c׳. auf dem Sc! 1 c*sclza111ci. :.midern auf dem , silieii Verein aitfgeliaut w ird und wdei Z1 ׳. gbed seiner Ln:1dcs-Orgnnisülioi! werden 11,11' .«!־׳; eine organische tiliederimg־, eine Kontinuität d. Wicklung und eine ׳.׳CMiiuiete bessere Ausgc•‘ 's;•g der Emanzen ermöglicht. D;׳d1׳rch. dass die I : g; nila im wesentlichen in die einzelnen Vcie! w;. legt wird, wird die Möglichkeit einer gross, gewaltigen Ausbreitung der zionistischen Ide■• ׳!,; dm Massen de. I11.:k׳nl1eit geschaffen. Ich glaube, nach diesen Ausführungen •I .! ‘;eh erübrigen. auf die Beiri.ogulung. die v< .. . scliicdenea Seiten bezugheb lanzelbeiien des יו Entwurfes gemacht voniva sind, des näiiei. gehen. Es ist klar, dass | ,1 Uei Eile, welche . i.r Aiifassung des Statutes obgewalle! hat. und den Umstand, dass später Zusätze mul Ycik gen durch die Mitvjj kung von Mitgliedern des ׳. U und anderen Personen criolgt sind und sul! iidaktionclle Unebenheiten in demselben \1״i.,• Wegen solchei kleinen Mangel des Stils 1 .,ן c■; einzelne (icsimmilgsgeiinssui um ganz tvlu., c!• liehe 1 Heftigkeit dis Statut im ganzen äuge׳:.׳ leb. habe bei genauer Prniang dieser Angriite i •V festsielleu müssen, dass diese Linwurfe davoi. a• rulirteit. dass die betreffenden Kritiker die ik ״ ׳.:• nmiigen des Statuts gar nicht richtig gelesen.!, ׳.׳;;• klls nicht verstanden hatten. Besonders Lei s t.,n hat sich in dieser Richtung ein Herr aus der sich sogar die Muhe gemacht hat. einen ׳ 1׳ neuen Organisaiionsentw arf herzustellen.- van uu ich nur sagen mochte, dass ihm jeder schöpfe 1׳ •h (iedauke fehlt. Derselbe ist lediglich eine v. B’ r• liehe Auswahl aus Bestimmungen des gegenw.0׳ .. n Statuts mul aus meiiicm Entwurf, die ohne l>'1 ׳ ■ ' der Lrfordernisse de׳* Bew cgung zusammeng. Ul' s׳:>.d. ist. der auch l eisen erschüttert .׳׳ Und ich bin schwach und nackt., und weiß nicht aus noch ein. Willst du mich nicht seinen, so stelle dich mir in den Wej*, auf üaß ich kämpfen mul in dir vergehen kamt. . (Sehluis folgt.) Purim im Cheder Von A. I d c I e. Pas waren schöne Tage; Purim und Susan-Purim. Sclum das Einstudieren der Megillah stimmte den Rcbbcii, der sonst für ITühlielikeit mul lustige StirnimitiK höchstens am Simchath-’l lioralt zu haben war, ganz um, mul ihc berauschende Erinnerung an die Triumphe siegte über seine Trübsal, die ihn den ganzen Winter liiitdtircli gefangen hielt. Wir Jungen merkten dies ganz genau. Was fiir ein grobes Pest mul! das sein, ilas den Rebbcn so timslimml! Pie bösen erwachsenen Mitschüler meinten zwar, dal! die I’urim-Ocschcnke, die der Rebbc in diesen lagen erhielt, ihren guten Teil dazu beitrügen ״der gar der Haltende Semeslerschlull. •— Aller das war wirklich nur Verleumdung und Ungezogenheit. Mögen Geschenke auch alle Menschen umstimmen, den Rebbcn kann nur Purim heiter machen. Wie hat er cs verstanden, die Bedeutung dieser Tage uns klar zu machen; wie, diu Situation uns zu vergegenwärtigen. Nicht durch Vergleiche mit dem Antisemitismus der heutigen Zelt - denn sowohl der Rebbc als auch die Schüler kannten diesen Begriff nicht, sondern durch seinen echten Haß gegen die ״Sone .lillrocil", die feinde Israels, .suchte er auf uns cinziiwirkcii. I >1 ci Wochen dauerte das Eiustudicrcu der Megillah. und tagtäglich wurde bei der Erwahmmg des Namens Jlaiiiaini" mit den l'iillen getrampelt und gestampft. Um diesen Moment wirkimgsvoller zu gestalten, stand der Rebbc rechtzeitig auf und gab, sobald der Name ausgesprochen werden sollte, mit seinen schweren Wintcrsiiefeln den ersten Schlag. Daun setzten w ir Jungen ein. dal! Tische und Bänke dröhnten. Wir sahen wirklich den Hamann in die Erde sinken durch die (iewalt unseres Trampeius. Sobald das Stampfen nnfhörtc. fragte der Rebbc mit prüfendem Blick, ob auch alle mitgehalten hätten. Pie bejahende Antwort liel! sein Gesiebt vor Kraule erstrahlen. Wenn wir den Namen bloli erspähten, legten wir die kleinen, diiimcn l'ingerchen schon auf dieses Wort, um nur ja rechtzeitig einzufallen; und nie machte aus das Vorw’ürlskommcn so viel Ercuile, wie beim Lernen der Megillah. Wir sahen in dem Rebbcn das Bild des Mordcciiai, und es kam uns vor, als hätte er die Megillah selber geschrieben. Und wirklich, seine Er/.ühlungen und Erlütitertmgen trugen eine so persönliche Note, dal! man es glauben nmllte. Wie strahlte sein Gesicht, als er tms von dem Rechenfehler Hamanns erzählte. ״Lange Zeit," so sagte er, ״zerbrach sich Hamann den Kopf, an welchem Tage er wohl seinen verruchten Plan, die Juden zu töten, durchführen könnte. Er wollte einen Tag finden, an dem die Juden hei Gott schlecht ungeschrieben wären. Und dann fiel er bei der Wahl des 14. Adar ja doch herein, wie sich später herausstellte." Er bekräftigte die Richtigkeit dieser Erj Zahlung mit H.iiiJcklatsclieii. Wir umreit 1 r<> 1. ■ ־er diese schlechte Rechnung Hamanns. ״Nicht 1 rechnen konnte der ״Goij•־," s.,gtc der Rabb, b er unsere Zufriedenheit mit seiner Erklärung s.u Am meisten aber ergriff uns die Erzählung .1> Rebbcn, dal! Hamann an jedem Purim w iedci;!!'• erstellen will, um seinen giftigen Plan aiiszui.. , Und stieben wir nicht au jedem Purim schon b• ,1.1 Erwähnung des Namens mit den Eubeii mäciitn, .״׳! den Boden, su könnte es ihm vielleicht noch geh! -oi. Pas genügte. - - Sobald der Name sieh beim l.t 111׳ wiederholte, wollte das Trampeln gar nicht autln;s■s. Wir wollten das imscrigc Um. um Hamann das 0 1• erstehen unmöglich zu machen. Wenn wir nach < ״ Lernen auf die Stralle kamen, stampften wir c marschierende Soldaten auf den Boden, denn •n jeder von uns hörte noch immer den Namen Ham.« > in seinen Ohren klingen. Wie ein kleiner Sieger trat ein jeder in die M 0־ seiner Litern, und über den Grund der iibenmiti'.ii Stimmung befragt, gab man zur Antwort: ״M.1 haben gelernt die Megillah.‘• Pas Stampfen wurde auch im Zimmer ioruc• setzt, und meine Mutter kaufte mir deswegen eme ״Klapper"; denn, sagte sie. diese täte diesellua Dienste Hamann gegenüber. Aber obwohl der Rebbc auch der Ansicht war, dal! auch diese Maschine seinen Zweck erfülle, zog ich doch das Trampeln v.1״ ״Hamann soll eingestampft werden," sagte ich um! glaubte in dieser Beziehung auch dem Rebbcn nicht einmal. —