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Jüdische Rundschau · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIV (1909)
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I * י 1 « 4 -- m mm Abonnement■ *114 die wöchentlich am Frei• t*tf , *״chelnande ״judbcha Randschau" kosten oel der Cxpedltlon und bei allen Post• Imtern vlenel|&hrlleh »,15 M. ausserhalb Deutschlands und Oesterreich• Ungarns 1— Mt lllr Mitglieder jüdischer Vereine Im Samatelbexug durch den VseOl Jfidittb« Runduhau E. 0. m. b. H. •adle SW. SS, Zlminsrttr. 77. üeschlltsstunden: 5 bis 7 Uhr süsser Sonnabend u. Sonntag. ג I I I I t I I I I I J?׳/•׳0 n, n׳: J r Ü u u r Anzolgon kosten IQr die IQnfgctgaliene l'ellltclle Oder deren Kaum 75 PI«.; Stellen• Am'thoie und tieiuche sowie verelnsmit• icilunsrn u. ״Kleine Anrelgen" nur IS Plg. o □ o 0 o 0 o Manuskripte werden, wenn Porio beiliegt, stets TturUck• gesandt. — Redaktionsschluss Mittwoch mittags. Rsdakllon Jüdisch« Rundschau Uerlln-Charlottenburg, BUlbUau-llr. 49, Tat Ch. 981(. ׳ Sprechstunden Dienstag und Donnerstag 6—7 Uhr ,abends. ץ• I ו » a 1 e a e 1 1 I e » « « •J Nummer 10 Berlin, den 5. März 1909 —12. fldar 5669 ITUÜ G XIV. Jahrflanfj Ein Erfolg der Ito W ciin wir mich oft gcntiK gezwungen waren, der litt gegenüber cif« gegnerische Stellung (,;n/imcliincn, so liahcii wir cs doch mit unserer Brrnlcrhewcgung stets mit »;•.,meint und in der rnlciuik eine weise Mnssigung walten lassen. Zionismus und Ito sind zwar feindliche Brüder, .,itLi׳ iuiinerliiti doch Brüder. Vergessen wir .Ls nicht! Wir haben unsern sogenannten l'i iider lange verhöhnt, und wenn er durch die Presse die höchstgeselmiubteu Pläne verbreiten licss und von einem Viicrtcljalir zum andern die ccwaltigsicn Umwälzungen!11 der Judenhcit propliczeite. so lachten wir, und unser ticlüchter erwies allemal seine Berechtigung. Die Schaden- 11 ende ist mm einmal ein wesentlicher Bestandlul der Politik, und wir sind weit entfernt wegen unserer scheinbar gehässigen Gesinnung um \ergebung zu bitten. Das Geschehene könnt•: dadurch nicht rückgängig gemacht werden. Aber wie cs Männern geziemt, wollen wir mit derselben Offenheit, mit der w׳!r einst die uneriulite'i Versprechungen der Ito verspotte,on, ,!neu endlich erreichten grossen Erfolg ancrkennen und gebührend würdigen. Schon lange munkelte man in eingoweiliteii Kreisen, dass Zangwill durch die Vermittelung um Lord Rothschild wieder mit der englischen Regierung in Verbindung getreten sek Am II. .hnmar fand im Ministerium des Auswärtigen «.ine Sitzung statt, an der ausser Mr. Zangwill und Sir Edward Urey auch Lord Rothschild und der Premierminister Asquith teilnahmen. Die Vertreter der britischen Regierung waren bereit noch einmal wegen des ostafrikanisehen Tcrri* loriunis in Verhandlungen zu treten, Zangwiii alicr lehnte mit aller Entschiedenheit ab, da diese Frage durch eine unerhörte Agitation im jüdisollen Volke zu unpopulär geworden sei. Beide Minister zuckten darauf die Achseln, als wollten ne sagen: da f'st guter Rat teuer. Endlich aber stellte Sir Edward Grey einen riesenhaften Glo- Bus auf den Tisch und sprach: ״Meine Herren, wir kennen die traurige Lago. Ihrer Stammesgenossen in der ganzen Welt und empfinden es als eine Schmach, dass das Volk der Bibel' innerhalb der christFchcn Völker eine so unw'ürdigc Stellung entnimmt. Unsere Regierung bat de» besten Willen Ihnen zu helfen. Aber da Sie Ostafrika nicht aimehmen wollen, bleibt 1ms nichts anderes Übrig, als Urnen selbst die Wahl des Territoriums zu überlassen. Bitte, suchen * c sieh auf diesem Globus ein Land aus! Soweit cs in unserer Macht steht, sollen Sie es gegen eine angemessene Entschädigung eihalten." Lord Rothschild besann sich nicht lange, sondern legte seinen Zeigefinger auf die Insel Malta. Zangwill aber erhob sofort den zweifellos berechtigten B'invand, dass dieses Gebiet fiir das jüdische Volk viel zu klein sei, und erbat sich soinerscits das East End von L011don, und zwar den Teil, der von Mile End bis Aldgatc und von Shorcditch bis Walbrook reicht. Walbrook i’ege zwar bereits in der City, aber du sich in dieser Strasse die Jüdische Kolonialbank befinde, müsse man die Grenze schon so- "eit ausdehnen; denn cs wäre flloyail, wollte man die einzige national-jüdische Institution Londons im Exil zurilcklasscn. Die' Minister berieten eine We'lc, und darauf gab Mr. Asquith folgende Erklärung ab: ״Dem Herzen der eng- , ..Der Zionismus ersuebt für das Jüdlsdio Volk dlo Scliallun« einer OffcMlIeh-rcclitllelt «ilchorlcn Hclmnille In PaiaMina," Unclcr Programm. ׳ ßüs £2e5 Inhalt El« Erfolg ücr Ho. — Reprliaentantendtzuu« In Krähwinkel. -- Dlo liullselio Kumt geht «ael» Urot. — Der Streik der Schnorrer. Vom V e r - hisser, - Em1li*clt-üe11ü>cl1-Jiidl*cher Hrlel aus Ostafrlku, Von Mhwnpwu .111 nt ho. Hüuptliiig a. D. - An mein Volk! Vom Herrn Rcdnk* t c 11 r. - Au» aller Well. — Zionistische Bc* w’ttfiimu. —־ Vom ״Bezahlen." ״• Literarischer Ratgeher. ־ Zionistischer Stillstand. — Vortrau Ile 11 cs Zlrknlnr dos Zentral• bureans der Zionistischen Vorei 111• nun« iiir Deutschland. — Feuilleton׳. Der Umweg 1116 Freie. Hysterischer Roman von Arthur WitzTcr. 198. mul 99. Kapitel,) -־ Eine traurige Geschichte, Von Lazarus Harth. — Gedichte, •- Preisausschreiben, .- ■■■--■-.- .- ■—. lischeu Regierung liegt nichts näher, ais dem jüdischen Volke zu helfen. Aber da die beiden Repräsentanten der Judenhcit über das in Besitz zu nehmende Land uneinig sind, muss iFc Rcgienmg beide Vorschläge abiehnen, um nicht durch die Hevorzugimg des einen den andern zu verletzen. Um aber ihren guten Willen zu zeigen, wird die britische Regierung nichts dagegen eiiiwcndeii, wenn die Ito sielt bereit erklären sollte Deutscli-Siidwest-Afrika anzunthinen. Bedenken Sie,“ schloss Mr. Asquith seine Ausführungen, ״dass es zwar kein Land ist, wo Milch und Honig flicsst, aber ein Land, dessen Sandkörner aus Diamanten bestehen." Rothschiid und Zangwill erklärten diplomatischerweise natürlich nicht sofort ihr Einverständnis, sondern baten, die Antwort am 2. Februar erteilen zu dürfen. Damit hatte die denkwürdige Sitzung ein Ende. Am 1. februar war mm die Entscheidung im povtivcn Sinne gefallen, am 2, wurde sic dem Ministcrrat mitgcteilt. am 3. hatten die Vertre.er der Judenhcit eine Audienz im Schlosse zu Windsor, und am 9. reiste König Eduard nach Berlin! ... Wie wir aus bestinfornnertcr Quelle wiisscn, war Eduard VII. von seinem Aufenthalt ln der Hauptstadt des dcutsehen Reiches aufs höchste befriedigt, und sowohl die englischen als auch die deutschen Zcitungen billigten die Absichten, die den König zu seiner Reise vcranlasston. Wir wissen ferner, dass Eduard sowohl den Fürsten Billow als auch den Staatssekretär Dcrnburg wiederholt ins Gespräch gezogen hat. Wenn auch Einzelheiten aus diesen Unterredungen noch nicht zu unserer Kenntnis gelangt sind, so können wir doch heute nnmerhin schon soviel sagen, dass der Ito ein grosser Wurf gelungen Ist. Das Ist das erste praktische Resultat — abgesehen von der Spaltung des Zionismus —, das sie seit ihrer Gründung erreicht hat, Wir sind die letzten, die cs ihr mlssßörmcn, und die ersten, die Ihr dazu von Herzen Glück wünschen. J. Repräsentanten-Sitzung in Krähwinkel Auf der Tagesordnung steht der Antrag Dagesmacher und Genossen auf Anstellung christlicher Organisten in den Orgelsynagogon. u ■v«v ׳; Der Antragsteller begründet ihn wie folgt: in allen unseren Massnahmen lassen wir uns von den» richtigen Gesichtspunkt leiten: Was tun unsere , christlichen Mitbürger? (Bravo! links.) Und wir werden unsere altbewährte Methode dual» keine Higenbrödelei verdrängen lassen. Wird je eine I Kirche einen andern als einen christlichen Orga• nisten anstellen? (Sehr richtigI Schon aus diesem Grunde müssten Sie tmserm Anträge zustimmen. Aber noch eins: Richard Wagner hat in lichtvoller Weise dargelegt, dass das Judentum in der Musik nichts geleistet hat. Sollen wir Organisten heran• ziehen, die nichts leisten? Sie selten also, wir haben recht vom politischen und vom musikalischen Standpunkte aus, und das sind die einzigen fiir die Gestaltung des Gottesdienstes in (•'rage kom• tnenden Gesichtspunkte. Zum Ueberfluss aber hüben wir die Herren Rabbiner um ihr Gutachten ersucht. •Vielfache Zurufe: Wozu die Rabbiner?) Warten Sic ab, meine Herren! Diese Gutachten liegen vor, und iclt kann Ihnen zu meiner Genug• tuung sagen, dass sich die Mehrzahl der Rabbiner für die Beibehaltung jüdischer Organisten ausge• sprechen hat. Also entspricht es nur unseren bewährten Traditionen, das Gegenteil zu tun. (Lebhafter Beifall. Redner wird beglückwünscht.) Herr Sch muss er führt demgegenüber aus: Sie wissen, wir von der Rechten sind nicht so schwarz, wie man uns gewöhnlich malt: kaum dass wir etwas ins Gräuliche schillern. Aber diesem Anträge können svir nicht zustimmen. Der Grund, dass die Verjudung unter den Gemeinde• beamten zu sehr uin sich greife, ist nicht stichhaltig; es gibt ja grosse Gojim darunter. Hs ist allerdings dringend notwendig, stell schon jetzt die jüd selten Beamten zu sichern. Wenn unser glorreicher Kampf um die Gleichberechtigung durchgeführt ist, wird aus den Kreisen unserer Glaubensgenossen eine solche Abwanderung in den Offiziersstand stattfinden, dass wir nicht mehr genügend Personal finden dürften. Lebhaftes Sehr richtig!) Herr U m c I» a i n beginnt: Meine Herren, alle Beamten, die bei uns in Lohn und Brot stehen — -- (Der Vorsitzende unterbricht ihn mit der Bernerkung, dass der Etat der Rabbiner nicht zur Tages• Ordnung gehöre.) Herr Nachcsfrcsscr: Die Rabbiner sagen, vom Schulchan Aruclt sei das Musizieren ain Sabbat den jüdischen Organisten verboten. Ich weiss zwar nicht, wann der Herr Aruch gelebt hat,*) nehme aber an, dass dies vor dem Judengesetze von 1847 gewesen ist, in dem die gesamte Juden• gesetzgebung abgeändert wurde. (Sehr richtig!) Herr Hfschermeyer: Die Hauptsache ist die Einigkeit. Ich habe einen Antrag zu stellen, der den Streit schlichten wird. (Hört! hört!) Wenn das Orgclspielen nicht durch Juden gemacht werden soll und anderseits die Mitwirkung nicht• jüdischer Organisten bekämpft wird, dann gibt es nur ein Verfahren, das wir mit gutem Erfolg bereits bei der Gemeinde-Bibliothek cingeführt hatten. Man nehme Kandidaten, die nicht Christen und nicht Juden sind, nämlich solche Glaubensgenossen, die vor der Taufe stellen, also sich nicht mehr um religiöse Bedenken zu kümmern haben und ander• seits uns nicht als fremdes Element stören können, da sie uns ja sehr nahe stehen. (Grosser Beifall.) Antrag Efschermeyer wird mit grosser Mehrheit angenommen. Schluss der Sitzung. Auf der Tagesordnung , für die nächste Woche: Resolution Fiedler: Die Versammlung erklärt, dass der Zionismus auch nach der Einführung der türkischen Verfassung dem Geiste der jüdischen Religion widerspreche. _ B. «clboCThtma? öcrlln,r KePf4,cn‘*n1«n-Vtrsammluu| Uber das• 1 I

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