Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651552-2651603--06124-2663190- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RÜND5CHÄU No. 5t Seite 226 us den Ortsgruppen Berliner Zionistische Vereinigung. Der erste Diskussionsabend, den die Ortsgruppe in diesem Jahre veranstaltete, verlief überaus interessant. Ohne dass ein eigentliches Referat gehalten wurde, ־trat man in eine Besprechung aktueller zionistischer Fragen ein, an der sielt ein grosser Teil der Erschienenen beteiligte und dem die zahlreiche Versammlung mit lebhafter Anteilnahme folgte. Es Es sprachen insbesondere die Herren Dr. Klee, Dr. Taub- I c r. Dr. L ö w e n h e i m, Herr Michel und Herr S c g a 1!. Die Versammlung >yurde pünktlich um 9 Uhr cröfmet und um 11 Uhr geschlossen. Derartige Diskusslonsabcndc sollen nun öiter veranstaltet werden, da sic, wie die Erfahrung lehrt, am meisten geeignet sind, weitere Kreise der Gesinnungsgenossen in die aktive Mitarbeit clnzuführen. Die diesjährige Makkabücrieicr findet am Mittwoch, den 6. Januar, in den Sophien- Sälen, Sophien st r. 17/18 statt und scheint diesmal besonders interessant zu werden. Der Vorstand plant mimlieh die Aufführung eines Oratoriums, das die schönsten Gesangsstficke aus Goldfadens ..Bar-Kochba“ aneinander reiht. Auf diese Weise wird cs vielleicht möglich werden. Im Rahmen einer kurzen Aufführung die Perlen neuer jüdischer Kunst weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Andere Aufiiihrungcn und ein Ball werden iolgen. Koschiuln. Die hiesige zionistische Ortsgruppe leitete ihre Wintertätigkeit mit einer Sitzung aniangs November ein. In dieser wurde beschlossen, mindestens allmonatlich eine Vcrcinssltzuiig abzuhaltcn und nach Erlcdigunfg des geschäftlichen Teils, abwechselnd von den Mitgliedern Vorträge über jüdische Geschichte halten zu lassen, an die sich Aussprachen anschlicssen. — Am 29. November fand im Rahmen der hiesigen jüdischen Gemeinde unter grosser Beteiligung’ und mehrerer Herren aus Zerkow und Borck ein Vortragsabend statt zu welchem Herr Dr. Jeremias. Posen. 1n liebenswürdigster Weise das Referat übernommen hatte und über das Thema: »Was tut den Juden not?“ referierte. Der Vorsitzende. Herr A. Oiock. eröffnete den Vortragsabend mit dem Hinweis auf den vor einem halben Jahre von Herrn Rechtsanwalt Dr. Kollcnscher, Posen, abgehaltencn ersten zionistischen Vortrag, dessen Ausführungen solch eine Begeisterung hervorgerufen, dass sich hierorts eine Ortsgruppe bildete. Herr Dr. Jeremias beleuchtete das Leben der Juden in der Diaspora, den den Qolusiändern Russland und Rumänien usw. und gab ein Bild von den Versuchen mehrerer Philantropen. die Lage der Juden günstiger zu gestalten, die zu keinem Erfolge führten, auch keine haben konnten, weil sie nirgends eine Heimat gefunden die Jedem Volke, also auch den Juden not tut. Der Redner ,erntete grossen Beifall und wurde durch Erheben von den Plätzen geehrt Eine Sammlung für den Nationalfond ergab eine Einnahme von 7,30 Mark. Der Aufforderung des Vorsitzenden, der Ortsgruppe beizutreten entsprachen 8 Damen und Herren, so dass die hiesige Ortsgruppe jetzt rund 20 Mitglleder zählt. Beuthen (O.-Schl.). Am 25. November veranstaltete die hiesige Ortsgruppe im Hotel Sanssouci einen Rezitationsabend. Der gcsinnungsgenössischc Schriftsteller. Herr York- Steiner aus Wien las vor einem für hiesige Verhältnisse zahlreichem Auditorium zwei Novellen vor: ״Die tote Fra u‘\ eine Erzählung ernsteren Charakters aus seiner Sammlung ״Der T a 1 m u d b n u c r“ und eine zweite mehr lummristischcn Inhalts .,Was soll er werden“. Der tici empfundene Vortrag’ der in echt jüdischem Geiste gehaltenen Er- Zählungen fand den lebhaften Beifall der aufmerksamen Zuhörerschaft. Namentlich der Vortrag der ״toten Frau“ war keine Programmnummcr, der man überlegen mit kritischem Ohr huscht, er war ein inneres Erleben, von packender Wirkung. Wie erbärmlich nahmen sieh doch gegenüber dieser furchtbaren Wehklage über die Heimatlosigkeit unseres Stam-, tncs die dürftigen Argumente unserer Gegner aus. B. Duisburg. In zwei hiesigen nicht/.ionistischen Vereinen wurden in den beiden letzten Wochen Vorträge von nationaljüdischem Charakter gehalten. Im ״Verein für jiidisehe Geschichte und Literatur“ sprach Herr Dr. Heinrich Luc w c aus Berlin über ..Kulturelle S t r e i f z ü g c i ni jüdischen Orion t“ und int ..V' e r - ein der jüdischen Jugend“ Herr Dr. Adolf Pinczower - Düsseldorf über ״Dus jüdische Volkslied". Herr Dr. Loewc zeichnete an Hand einer Menge vorziiglicifcr Lichtbilder mit beredten Worten anschaulich das Leben im Orient und besonders die Entwicklung, die ״die neue Bewegung“ in Palästina gezeitigt hat. — Herr Dr. P i n c zo - wer führte die Zuhörer mit viel Verständnis und grosser Begeistcrung in das Wesen des jüdischen Volksliedes ein. Er verurteilte mit scharfen Worten die Rcformbcstrcbungen im synagogalen Gesang und zeigte an vielen ernst'*» und heiteren Jargonliedcrn die Schönheiten einer eigenartig jüdischen Volksmusik. Die Ausführungen der Redner wurden von dem an beiden Abenden zahlreich anwesenden Publikum mit grossem Beifall at!fgcnon״**c,1. Pas reifere Verständnis für die leitenden Ideen der beiden Redner unter den Hörern zu wecken. Blich jedoch trotz der klaren Ausführungen den hicsigen Zionisten Vorbehalten. hl. Ichenhauscii. Der Hauptlchrcr dieser grossen Markigeincinde. die über 100 jüdische Familien zählt. Herr Bruder, übernahm in bereitwilligster Weise das Arrangement eines zionistischen Abends. Obwohl . Iclicnhaiiscn hei Ulm liegt, hatte es doch die Münchener Ortsgruppe auf sich genommen, einen Redner zu entsenden. Es sprach denn auch Herr Felix T h e i 111 a b c r vor einem;iiisscrst zahlreich versammelten Publikum über Erez Israel, über das ״jüdische“!.and. Nach der mit starkem Beifall aufgenommenen gefühlvollen Rede, deren Inhalt wir aus Raummangel nicht wiedergeben können, versicherte der Herr K u 1 - 11! s p r ä s i d c n t den Redner seines weitgehendsten Palästinainteresses und der Freude, die er über das Gedeihen der indischen Arbeit in diesem Lande habe. Als weiterer Redner drückte Herr D r. mcd. Mainzer seine Sympathien mit den vom Redner vorgetragenen Ideen aus und betonte besonders die Wichtigkeit der infolge ries Zionismus bedingten Arbeitsänderung (in nationalem Sinne) des Hilisvereins und der Grossloge. Herr Brader. der die Versammlung auch vorzüglich cingclcitct hatte, verlas einige Worte aus einem Artikel des Herrn Dr. Carlcbacli. an die er eigene Bctrachtnngen ankniipfie. Nach einem längeren Schlusswort des Herrn Referenten, in dem besonders der Unterschied der Palästinaarbeit des Zionismus, von der der Cballukkah. der Alliance etc. deutlich hervorgehoben wurde, wurde der Vortragsabend gcschlossen. Einer zu gründenden Ortsgruppe ist eine günstige Prognose zu stellen, nachdem sielt aebcu Herrn Hauptlehrer Brader. Herr Dr. me d. M a in z e r, u. a. auch der zweite Kultusvorstand. Herr Aron S. Heller, für die Bildung eines zionistischen Vereins ausgesprochen hatte. Die ganz privatim zirkulierende Liste ergab denn auch schon eine erfreuliche Zahl von Herren die sich einer Ichenhäitser Gruppe nnzuschlicssen gedenken. Es ist wünschenswert, dass bald wieder ein Redner Jebenhausen besticht. Hohenclbe. Der Zionistische Volksvercin ״Theodor Hcrzl“ in Traiitenau veranstaltete am!3. Dezember 1. J. in Hohettelbe in der dortigen Betstube eine ernste Wandcrver- Sammlung. Den Vorsitz führten die Herren Dr. Carl Löwy und Carl Nettl. Herr Dr. Emil Margulics erstattete das Referat über das zionistische Programm, und hatte auch im weiteren Verlaufe der Versammlung Gelegenheit. Anfragen aus der Mitte des Publikums unter dessen Beifall zu beantworten. Im Anschluss an das Referat erbat sich Advokat Herr' Dr. Carl Löwy das Wort und bekannte sich in längeren Ausführungen zur zionistischen Idee, indem er erklärte, dass es für den Juden heute nur zwei Wege gebe: den der vollständigen Assimilation unter Hinwegsetzung über alle Bedenken und Ziehung der letzten Konsequenzen, oder das offene stolze Bckenntnis zu seinem Volke und die Pflichterfüllung gegen dieses. Dieses aus tiefer, innerer, erkämpfter Ucbcrzcugtmg abgelegte programmatische Bekenntnis, in vornehmer Schlichtheit vorgebracht, übte auf die Versammlung einen tiefen Eindruck und auf die Aufforderung des Referenten und des Vorsitzenden meldete der grossere Teil der Versammlung sofort seinen Beitritt au. » ==־ Nationalfond ——— Jammlungcn für den Nationalfond und andere zionistische Zwecke sind ausschliesslich zu senden an den Schatzmeister des Zentratbureaus, Herrn Max Wotlstelner, Charlottenburg *sxsmmmummmm bei Berlin, Sy b01«t fOHNO 50. Der Jüdische Nationalfond Ist dazu bestimmt, palästinischen Boden «In OcMam(el(;enCu1n driJtldhchcuVolkcii zu erwerben und auf ewige Zeiten zu erhalten. Vom 5. Zionistenkongross 1901 gegründet, besitzt gr heute ein Vermögen von über I1/, Millionen Mark. (L.) Nanoy Auerbach gratuliert Georg G e r s o a tum Referendar.. . 0,50 Mir. (L.) Salo Transiateur, Berlin, statt Telegramm zur Makkabäerfefir in Wronk• ... 0,50 ״