Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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* No. 30!ÜDlSCHtS RUNDSCHAU Seite 497 grösst. wie man überhaupt jetzt hier in allen Kreisen der Oemeinde lebhaftes Interesse für die zionistischen Aussichten im ׳allgemeinen und ihre Arbeiten für das Krziehungswerk in Palästina im besonderen empfindet. In einem Interview, das der Schreiber dieser Zeilen für eine der amerikanischen Tagest 'Zeitungen New Yorks mit Dr. Lewin hatte. äusserte sich dieser sehr hoffnungsvoll über die Fortschritte, die der Plan der Krrichtung eines jüdischen Technikums in Haifa gemacht hat. Er sagte, die neue bchule werde Unterstützungen erhalten aus Kreisen, an die mar. bisher gar nicht gedacht habe und er vertraute bestimmt darauf, dass alle Bevülkerunasklassen der Vereinigten Staaten an der Oegenwurtsarheit in Palästina mithelfe!» würden. Man darr allerdings nicht ausser Betracht lassen, dass die finanzielle Krisis in den Vereinigten Staaten, wenn sie auch teilweise bereits nachgelassen hat. noch nicht ganz vorüber ist. und dass sic dem Vordringe»! des Zionismus, wie auch aller andern jüdischen Gemeinschaftsarbeit. sehr hinuerlicli war. Aber die Verhältnisse sind jetzt dabei, siel! schrittweise zu bessern und man ist daher hier geneigt, zu glauben, das» Df. Lcwin mit seinem liebenswürdigen Wesen und der eindringlichen Rednergabe, die ihm für seine :siche zur Verfügung steht, alle Schwierigkeiten, die ihm entgegenstehen, überwinden kann, und dass seine Hoffnung auf Eriolg hier sehr wohl \erwirklicht werden wird. Dr. Lcwin. der aui seiner ersten Reise durch die Vereinigten Staaten der Mittel- Punkt vieler •grossen zionistischen und jüdischen Kundgebungen war. wird hei seinem jetzigen Besuch lediglich in kleinen Vcr- Sammlungen in den •verschiedenen Städten sprechen, im Kreise von Personen, die ein besonderes Interesse an! Ausbau der l'nterrichtsaustaUen in Palästina nehmen. Auch will er aui privatem Wege mit den massgebenden Personen der jüdischen Ciemeiudeu des Landes Zusammentreffen. Heute Donnerstag, wird er zun! erstenmal öffentlich vor den Juden des Landes auftreten. Lr wird bei einer Theater- \orstcllung zugegen sein, die von der Federation <>i American Ziouists im Windsor Theater veranstaltet wird. Vom asemüischen Geseiz London. Im Unterhause richtete vor einigen Tagen ein Mitglied (Mr. Hunt) eine Anfrage an den Staatssekretär des Innern, cb der Staatssekretär angesichts der Armut, die durch die wachsende Zahl der Arbeitslosen hervorgerufen werde, einen Weg sehe, um eine strengere Anwendung des Fremdengesetzes zu ermöglichen. Mr. öladstone erwiderte: .,Ich bedauere, dass die Anregung des ehrenwerten Mitgliedes kein wirksames Heilmittel für die Beseitigung des Übels der Arbeitslosikeit in diesem Lande enthüllt.“ Beifall bei den Ministericllen.) Mr. Hunt fragte weiter: ״Ist es nicht eine Tatsache, dass die Einfuhr dieser Fremden Einheimische der Arbeit beraubt und die Lebenslage noch schlechter gestaltet?“ Auf diese Frage erfolgte keine Antwort. Unglücklicherweise herrscht in manchen schlecht informierten Kreisen die Meinung vor. dass Fremde nach England .,eingenihrt“ würden, un! dort für billigeren Lohn als die Einheimischen zu arbeiten. Wenn dies vielleicht auch in Amerika der Fall sein mag. so kann kein Beweis dafür erbracht werden, dass solches auch in Eng-!and vorkommt. Aus Gemeinden und Vereinen Berlin. Bezalel. An! Mittwoch, dem 16. Dezember, abends 8 Uhr. findet im Bibltotheks/imincr der ürossloge für Deutsculatul, \\ illielmstr. US. die diesjährige Generalversammlung des Vereins ״Bezalel“ statt. Der Vorstand des Vereins ..Bezalel“. Berlin. Der neue Jüdische ficnicindeveretn veranstaltete am Mittwocl! Abend in den Residenzfestsälen. Landsberger- Strasse 31. eine Versammlung. Reicrem war Herr Dr. Wittkowski über das Thema ״Juden und gut getaufteJudcu“. Anlass dazu boten die Vorgänge bei der letzten Stadtverordnetencrsatzwahl im Potsdamertorviertel, bei welcher Voistanusiiiitglieder des Zcntralvercins uu,d Repräsentanten der jüdischen Gemeinde für den getauften Juden Mugdan eingetreten waren. Der Referent schilderte in treffenden Worten die Gefahren der Taufe für das Judentum und erklärte es für eine Schmach, dass Repräsentanten der Gemeinde »ins Vorsteher von Vereinen, die den Kampf gegen den Antisemitismus aui ihre Fahne geschrieben haben, als Schildträger eines getauften Juden im politischen Kampfe sich betätigten. In der Diskussion sprachen Herr Dr. Julius Moses in gleichem Sinne, desgleichen Herr Dr. Kalisch, Herr Flatow u. a. Für Dr. Mugdan und die Seinen trat ein Herr Lesser ein. ein Mitglie-i der freisinnigen Volkspartei. Es gelangte niit allen gegen eine Stimme eine vorn Referenten eingebraehtc Resolution zur Annahme. Die Versammlung war von etwa 600 Personen besucht. Der Gemeindcvercin verzcichncte einen sehr beträchtlichen Zu* wachs an Mitgliedern. Wesel. Im V’ctcin Harmonie hielt Dr. Heinrich l.ocwe am 29. November einen Vortrag über ״Kulturelle Streifzii^e durch den jüdischen Orient”, in dern er mit vielem Humor ein umfassendes Bild der neuen Jüdischen Arbeit int Lande »sael gab und zugleich in Lichtbildern das Land vorführte, in den! sich die alte Geschichte der Hebräer abspielte. Duisburg. Dr. Lncwe hielt hier vor grosser Vcrsammhing im Verein tiir jüdische Geschichte und Literatur einen Lichtbildervortrag iilrer Palästina mit etwa 130 Lichtbildern, in den: er besonders dem Gedanken, der ölbautnspende und des Palästin.ipflanzungs'.ercins warme VN orte widmete. Aachen. Im Aachener Kuriiausc sprach am I. Dezember Dr. Heinrich Loewc vor zahlreicher Ver- Sammlung über das Thema ,.Zwei Jahrhunderte jüdischer Heldenkümpfe". Mülheim a. d. Ruhr. Am 2. Dezember hielt Dr. Heinrich Loewc int Verein rär jüdische Geschichte und Literatur einen Lichtbildcrvortrag über ״Streiiziige im jüdischen Orient“, in dem er w jeder eine Reihe ganz neuer Lichtbilder vorführte, die er bei nnJcren Vorträgen noch nicht gezeigt hatte. Hi1!en Teil dieser Bilder verdankt er der Güte des Herrn Rabbiner Dr. Emil Lewy. der dies, auf seiner diesjährigen Reise in Palästina erst vor ganz kurzem aulgenommen hat. Kleine Mitteilungen ... fc» 1—1 ■ »■!>׳—— Berlin. Line Stiftung von 210 000 Mark ist ans dem Nachlass de» Rentiers Arnold NN e iss der Berliner Jüdischen Gemeinde zugeiallen. Sie soll, zu Ehren des Vaters des Stiiters. den Namen ..Dr. Bernhard Weiss-Stlitung“ iülircn und zur Halite der Unterstützung mittelloser jüdischer Zöglinge technischer und gewerblicher Anstalten dienen. Die andere Halite wird, nach dem NVi1!en des Erblassers, für die Wohltätigkcitsanstalten der Gemeinde uitd die Lehranstalt tiir die Wissenschaft des Judentums Verwendung finden. Berlin. Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde hat in der Zeit vom 23. bis 26. Novmeber die staatliche Prüfung von sieben dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zugehörenden Schülerinnen stattgefuaden. Sämtliche siebet» Schwestern!iahen die Prüfung mit dem Prädikat ..sehr gut“ bestanden. Berlin. Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin (E.V.). Das 9. Stiftungsfest des Vereins findet am Sonnabend, dem 2. Januar 1909. in der Phi! h a r וזו o n i c , Bernburger Str. 22/23, statt. Berichtigung Das in No. 4$ unseres Blattes abgedruckte Interview mit Dr. Max Nordau entstammt nicht der CROMCA ISRAKLITE. sondern unserem geschätzten Bucarestcr Parteiblatte CURIERUL ISRAELIT. Oh'cnbacli a. M. Die israelitische Religionsgcmeiiide hat den Bau einer neuen Synagoge beschlossen. Königsberg. Die Köuigsberger Blätter veröffentlichen die folgende Erklärung: Seit länger als 50 Jahren auf den! Boden des liberale:! Judentums stellend, als Schüler von Abraham Geiger, lege ich hierdurch entschieden Verwahrung gegen die von Herrn Dr. Karpeles in der gestrigen öffentlichen Versammlung gcmachten Ausführungen ein. Zu dieser Erklärung bin ich dadurch veranlasst, weil eine Diskussion ausgeschlossen war. Königsberg, den 30. November 1908. Obersekretär M. Klein. Eiiie Erklärung dieser Erklärung erübrigt sich. Tausend Pfund für einen Renegaten ״Die Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden", die jetzt aut eine b Kühlinge Tätigkeit /uiückblickt, verausgabte in dieser Zeit 60 Millionen Mark für ihre Zwecke. Es wurde berechnet, dass eine Renegat die Gesellschaft tausend Pfund Sterling (20 500 Mark) kostet. Die englischen Blätter werfen die Frage auf. ob es nicht besser wäre dieses Geld für wohltätige Zwecke auszugeben. Wir können uns dieser Meinung nur anschliessen. weil tatsächlich die russische Art die Juden zu bekehren, durcii Bedrückungen und Zurücksetzungen aller Art und durch die