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Jüdische Rundschau · 1908-05-08 · Heft 19 (8.5.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Das Gericht lehnte diesen Antrag kostenpflichtig ab. mit der Begründung, dass die Änderung wenig geeignet seit! würde, die Lage eines unterdrückten grossen Volkes zu verbessern. Wir haben den Prozess also verloren, wie viele voraussagten, wie die meisten fürchteten. Der englische Richter ist der Tradition der englischen Rechtsprechung treu geblieben und hat, bei dem Widerspruch einer zwar nicht grossen, aber doch relativ erheblichen Zahl von Aktionären, die beantragte Änderung der Statuten des Jewish Colonial Trust zurückgewiesen. Was ist damit sachlich geändert? Nichts! Die Jüdische Kolonialbank, die nach dein Willen . ihres Gründers das finanzielle Instrument der zionisti- J sehen Bewegung sein soll, wird auch jetzt nicht in j Marokko, nicht in Texas kolonisieren. Die Jüdische ן Kolonialbank wird auch jetzt das finanzielle Werkzeug ן des Zionistenkongresscs sein und bleiben. Niemand hat; das Recht, und niemand kann anders als durch den Zionistcnkongress die Macht erlangen, die Bank zu Kolonisations-Experimenten auf einem der zwölf Territorien des Herrn Israel Zangwill zu missbrauchen. Von enier Rechtsfrage — und dass wir Zionisten nun im Unrecht geblieb;•!! seien — kann hier gar keine Rede sein. Das mag, um kommender Tatsachenvcrdrehung vorzubeugen, gleich hier bemerkt werden. Man spricht beim Zivilprozess, wie bei einem Spiel, ruinier noch von ״verlieren“ und ״gewinnen“. Herr Zangwill und seine Genossen haben ״gewonnen“. Man kann ihnen das gönnen, trotz der finanziellen Schmerzen des Verlustes. Denn sic sind dadurch um eine Märtyrer- Pose gekommen, in der sie sich fast lieber gesehen hätten, als in der Rolle des ״Siegers“, Was hätten wir alles hören müssen, hätte der englische Richter anders entschieden. Au aller Unauffindbarkeit und Unerschliessbarkeit irgend e:ncs von der ״geographischen Kommission“ der ״Jüdischen Territorial-Qrganisation“ vorgeschlagenen Gebietes hätten wär selbstverständlich dit• Schuld getragen. Jedes vom ersten Anfang ver« pfuschte Beginnen wäre auf unser Debet geschrieben worden, weil ja die Jüdische Kolonialbank, die ״zu solchen wahrhaft im Interesse des Jüdischen Volkes gelegenen Zwecken dascin sollte“,. Wir kennen die Weise, wir kennen den Text, wir kennen auch den Vcriasser. . . Nun sind wir dieser Sorge ledig. Zwar müssen wir es; teuer bezahlen, ’ aber nun kann Herr Zangw ill w en'gstens 11 n s keinen Vorwurf machen, wenn er etwa nach e'nigen weiteren Jahren der Existenz seiner zu einer grosszügigen nationalen Politik gegründeten Ge- Seilschaft sich im stillen Kämmerlein die Verse Faust's rezitieren wollte und bekennen: ״Da steh’ •:ch nun, ich armer Tor! Und bin so klug, als wie zuvor.“ Ein Wort nach der anderen Seite! Mussten wir dtesfcn Prozess führen? Nein! Die Jüdische Kolonialbank wäre das finanzielle Instrument der zionistischen Bewegung geblieben, ob in den Statuten dies oder jenes stand. Da wir wussten, dass wir mit einem Gegner zu tun haben, dem jedes wirkliche und ernste, nationale Interesse seinem Eigensinn und seiner Rachsucht gegenüber Hekuba ist, so mussten wir die kleinliche Prinzipienreiterei lassen. Dass für uns p isehe Konsequenzen nicht auf dem Spiele standen, issten wir. Auch den Exaltados des Prinzips auf un erer Seite kommt ein Teil der Schuld zu, dass sie nicht sehen wollten, was doch oft genug gesagt wurde, dass diese Sache fast aussichtslos sei, und vor allem zwecklos! Aber was wäll diese Kiirzssichtigkeit besagen, gegenüber der blinden Wut, die man drüben an den Tag legte! Da waren nicht mehr Zionisten und Antizionisten, da gab cs nur noch Freunde und Feinde der Statutenänderung. Eine alles lahm legende Verhetzung, von der wir freilich in Deutschland n'chts merkten, die unwillkommene Erinnerungen wachrief. Friedens- Schalmeien tuns aber diesmal nicht. Entweder man ist Zionist und hält die primitivste Diszi p 1 i n de r Pa r te i, oder man ist kein Zionist und zieht die Konsequenzen! Solange der Prozess schwebte, wollte da niemand eingreifen. Nun aber ist es an der Zeit, Klarheit zu schaffen. Schliesslich können wrr nicht bei jeder wichtigen Sache erst dariiben diskutieren, ob diesmal die Parteidisziplin massgebend sein soll, oder ob einzelne ״auch anders können“. Das ist e:n unserer Bewegung uicmswürdiger Zustand, der beseitigt .werden muss!

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