Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage JUEDISOHE RU N DSOH AU Jg.XIII, No.18 ,■_ Aus der zionistischen Bewegung _׳ Deutscher Delegiertentag 1908 Der 11. Delegiertentag findet am Montag, dem 8. (Pfingsten) und Dienstag, dem 9. Juni in Breslau, Hotel ״Vier Jahres־ zelten“, Gartenstr. 66/70 statt. Dem Delegiertentage wird eine Sitzung des Zentral־ komitees am Sonntag, dem 7. Juni vorausgehen. Wir bitten daher sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensmänner dringend,die notwendigen Vorbereitungen für die Wahlen schleunigst zu treffen und zwecks Feststellung des Wahl־ rechtes der Ortsgruppen die Schekel und Landesbeiträge umgehend an Herrn Max W o 11 s t e i n e r abzuführen. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 50 Schekelzahlern 2 Delegierte und Ortsgruppen von über 100 je einen Delegierten für jedes weitere angefangene Hundert. Die Mitglieder des Zentral־ komitees haben Sitz und Stimme auf dem Delegiertentag. Herren und Damen, welche bereit sind, ein Mandat ausserhalb ihrer Orts־ gruppe anzunehmen, wollen uns dies baldigst mitteilen. Weitere Mitteilungen über die Tages־ Ordnung und die sich an den Delegiertentaganschliessenden Veranstaltungen folgen noch. Zionistische Vereinigung für Deutschland Zentralbureau. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland €9 O 1. Wir machen wiederholt daraui aufmerksam, dass die Auflage des Anfang Mai erscheinende» Zionistüsehen A־B־C־Buchcs nur eine sehr kleine ist und daher bald vergriffen sein dürfte. Wir bitten daher alle Ortsgruppen und Vertrauesinünner dringend, diejenige Anzahl von Exemplaren, auf die sie reflektieren, baldigst bei uns zu bestellen. Da das A־B־C־Buch die beste Infortnationsquelle über alle politischen und sozialen Fragen der modernen Judenheit darstellt, bitten wir besonders auch in ,nicht-zionistischen Kreisen für das Werk Propaganda zu machen. Prospekte stehen allen Interessenten zur Verfügung. Der Preis des Buches beträgt 2,75 Mk. für das broschierte und 3,50 Mk. iiir das gebundene Exentplar. Der Versand erfolgt nur gegen Vorcinsendüng des Betrages an unsere Adresse: Cliarlottenburg 2, Bleibtreustr. 49, zuzüglich 60 Pf. fiir Porto. 2. Die bereits mehrfach angckii,ndigtc Broschüre ., W i r t s c 11 a f 11 i c 11 e T ä t i g k e i t in Palästina“, die ein Agitationsmittel ersten Ranges darstellt, liegt nunmehr fertig vor und wird von uns zum Preise von 10 Pi. pro Exemplar abgegeben. 100 Exemplare kosten 6 Mk., von 500 Exemplare an 5 Mk. pro 100 Stück. Be- Stellungen erbitten wir ebenfalls baldigst an unsere Adresse. i.; Mt* I—, Aus den Ortsgruppen!—I Hamburg. In der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg- Altona hielt D r. Willy Unna-Kiel einen Vortrag über das Thema: ״Volk und Boden". Der Redner legte in seinen wissenschaftlich durchdachten Ausführungen den Zusammenhang zwischen Boden und Gestaltung der Kultur und des Charakters eines Volkes dar und beleuchtete von diesem Standpunkte aus auch die Judenfrage. Lebhafter Beifall folgte seinen Ausführungen. Eine Diskussion fand nicht statt. Hierauf ergriff D r. Israel Auerbach das Wort, um sich über unser Verhältnis zur deutschen Gesamtpolitik zu äussern. Ebenso wie in der Sozialdemokratie bat sich auch hei uns ein Umschwung vollzogen. Wie dort die Verclendungstheorie gefallen ist. sind auch wir zur Einsicht gelangt, dass die jüdischen Massen zum Kampfe für den Zionismus mehr Schwungkraft und Energie tnithringen. wenn ihre gegenwärtige Lage menschenwürdiger wird. Wenn man uns früher mit den Antisemiten verglichet! hat, so konnte uns das gleichgiltig sein, denn die scheinbare Identität des Zieles, die Erlangung Palästinas 1ür die Juden, hatte ja verschiedene Motive. Aber in unserer Presse müssen Äusserungen unterbeiben. die den Anschein erwecken, als hätten wir ebenso wie die Antisemiten keine Freude daran, wenn sielt im Parlament eine Stimme für uns erbe!•:. Wir hatten ein Recht dazu, daraui hinzuweiseii. dass der blorse Anschluss an die freisinnigen Parteien nicht zur Wahrung unserer jüdischen Interessen genüge, wir müssen aber, da diese Parteien im Parlamente ihre Stimme für uns erheben, diese Leistung als eine politische empfangen und werten ohtie dankende Unterwürfigkeit. Unsere Beteiligütig am öffentlichen Leben erfordert nicht den Anschluss an eine bestimmte Partei, sie nötigt uns aber, alle Mittet zu benutzen, die geeignet sind, die rechtliche und soziale Lage der Juden zu verbessern. In diesem Kampfe müssen wir trotz prinzipieller Gegensätze mit den anderen Juden und ihren Organisationen Hand in Hand gelten. Eine selbständige jüdischnationale Politik wie in Oesterreich ist in Deutschland nicht, angebracht. Diese Grundsätze müssen auch in unserer Presse‘ zur Geltung kommen: sie darf sich nicht mit der von uns als richtig anerkannten Taktik in Widct Spruch setzen, sondern muss das Prestige des Zionismus wahren. D r. jur, Oscar Nathan tritt daifir ein, dass wir mit den deutsch-jüdischen Organisationen, besonders dem Zentralerem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Zusammengehen und sie von innen zu reformieren suchen. Er wie D r. Kalmus wenden sich gegen die JÜDISCHE RUNDSCHAU und sprechen ihr lebhaftes Bedauern über einen in ihr enthaltenen Angriff auf den Abgeordneten Dr. Kopsch aus. der im Reichstage die Frage der Zurücksetzung der Juden itn Heere zur Sprache gebracht hatte. Ebenso peinlich sind die Angriffe auf Dr. Mugdan empfunden worden. Michael tritt dem entgegen. D r. Ha Ipern führt aus: Es ist richtig, dass die anderen sich uns genähert haben, denn sie haben gelernt, politisch zu denken. Wir müssen jedoch stets beachten, dass die Assintilation ein Prograinmpunkt der jüdischen Organisationen und der linksstehenden Parteien ist. Alle Beteiligung am jüdischpolitischen Leben in Deutschland liegt ausserhalb des Jüdisch- Nationalen. Wir müssen uns davor hüten, uns mit den Anschaumigen dieser Gruppen zu identifizieren. Der Gedanke, sic von innen heraus zu reformieren, ist angesichts unserer geringen Stärke zu optimistisch. Das wäre eine Taktik, von der nur der Stärkere einen Gewinn hat., Breslau. Am 4. April hielt Herr Dr. Sandler in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung einen Vortrag über .. J ii di sch cs Kunstgew׳erbe in Palästina und seine wirtschaftliche Bedcutun g.“ In einstündigen Ausführungen behandelte der Redner die Entwickclung und den heutigen Stand des orientalischen Kunstgewerbes vom künstlerischen wie vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, besprach die für häusliche Kunstindustrieen in Palästina vorhandelten Chancen, um endlich die Bezalcl-Idec zu entwickeln und das bisher Erreichte durch die Schilderung eines Besttchcs in der Bezalelschule zu illustrieren. Nach dem Vortrag, der von dem Vorsitzenden. Herrn Professor Badt, mit einer Vorrede wirksam eingeleitet worden w׳ar. traten 26 Mitglieder dem Verein ״Bezalel*' bei. so dass die Breslauer Gruppe des Bczalel-Vcreins nunmehr gegen SO Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von etwa 450 Mark zählt. Wir benutzen diese Gelegenheit, um den Ortsgruppen zu empfehlen, die bisher arg vernachlässigte Agitation für den Verein Bezalel in dem