Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1908)
- Date
- 1908-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 No. 3 dankt das Judentum der positiv historischen Reform. *Nach dieser Richtung war. ihr ein unbestrittener Sieg beschieden. Gescheitert sei die praktische Reform, der Ausgleich von Lehre und Leben, gescheitert seien die Rabbiner-Versammlungen, weil sic den nationalen Gedanken vernachlässigen zu können glaubten und vergasscn, dass Nation und Religion nur zwei Ausdrucksformen des Judentums seien und weil sie die Zeichen der Zeit, die nach einer Umwandlung des Kulturbildcs vom kosmopolitischen ins nationale, nicht richtig zu deuten verstanden. Unserer Zeit wird es obliegen, durch den nationalen Gedanken zu einer Revision der Reform zu kommen. Reicher Beifall und eine rege Diskussion, an der sich Oberkantor Bimbäum, Rabbiner Dr. Perles, Dr. Hoppe, cand. jur. Blumenfeld und Lehrer Sandler beteiligten, folgte den geist- und gedankenreichen Ausführungen. Leider war infolge des sehr schlechten Wetters der Besuch ein verhältnismässig schwacher. Es wurde deshalb allseitig der Wunsch geüussert. dass Dr. Pinczower den Vortrag im Druck erscheinen lassen möge, damit er einem weiteren Kreise zugänglich gemacht werde. H. Kattowltz O.-S. ..Der Untergang des indischen Staates“ lautete das Thema, über welches Herr Kantor Blitz-Dessau einer am •1. d. M. stattgefundenen ״ff ent* liehen Versammlung referierte. Der Vortrag ist au dieser Stelle inhaltlich schon wiederholt gewürdigt worden; es erübrigt sich, hinzuzufügen. dass er auch diesmal seitens einer sehr zahlreiche Zuhörerschaft beifällige Aufnahme fand. In der hierauf folgenden Diskussion, die sich ausserordentlich lebhaft, stellenweise sogar erregt gestaltete, wurden die sattsam bekannten, vorniärzlichcn Einwändc gegen unsere Bewegung von Gegnern aus den verschiedensten Lagern wieder einmal zum Ausdruck gebracht. Den Einen betonen wir das nationalc .Moment zu stark, den anderen das religiöse zu wenig: einen Dritten wiederum hindert die eingestandenc Unkenntnis unserer Sache nicht, sie als Utopie zu bezeichnen. Unser Standpunkt wurde von Ge. Dr. Cassircr sachlich und klar und von R.-A. Dr. Dobrzynski-Beutiien mit dem Ihm eigenen Schneid gewahrt. Im Schlusswort nahm unser Vorsitzender. Herr Arnold Wiener, der die Versammlung mit bewährtem Geschick leitete, Gelegenheit, in einigen überaus fein pointierten Bemerkungen das Verhältnis von Zionismus und ׳traditionellem Judentum zu beleuchten. Den positiven Erfolg des Abend bildeten eine Nationalionds-Sammlung und einige Beitrittserklärungcn aus konservativen Kreisen״ die uns bisher fernstanden. R. Nicola! O.-S. Unser Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete am 29. Dezember v. J. in Neumanns Hotel einen Vortragsabend, der Infolge ungünstiger äusserer Umstände nicht sehr zahlreich besucht war. Herr Louis Berger, der rührige Vorsitzende, begrüsste die Erschienenen. Indem er über die geringe Teilnahme sein Bedauern aussprach und ln markigen Worten für eine stärkere Betätigung des zionistischen Interesses plädierte, und erteilte hierauf Herrn Rechtsanwalt Dr. Dobrzynski -Beuxhen das Wort zu seinem Vortrage: ״Der VIII. Zionlstenkongrcss im H aa g“. In lebhaften Farben entrollte der Redner ein Bild von dem Leben und Treiben auf dem Kongress, teilte die wichtigsten Beschlüsse mit unter Erläuterung der Einrichtungen der zionistischen Bewegung und schloss mit einem warmen Appell an die Anwesenden zur Mitarbeit für die Ehre und Zukunft des Judentums. Seine Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der nun folgenden Debatte wurde seitens des Vorsitzenden und aus der Mitte der Ver- Sammlung Aufklärung über die Stellung des Zionismus zum traditionellen Judentum verlangt, die der zufällig anwesende Herr Kantor Blitz-Dessau in erschöpfender Weise erteilte. Er wies nach, dass der Zionismus das gesetzestreue Judentum nicht nur nicht gefährdet, sondern ihm in unserem Lande erst die unbegrenzte Möglichkeit schaffen wolle, sich auszulebcn und zu entwickeln. Seine Worte wurden von stürmischer Zustimmung begleitet. — 26 Damen und Herren (gegen 10 Im Vorjahre) entrichteten den Schekel, fünf von ihnen schlossen sich der Kattowitzer Ortsgruppe an. ** Rosdzln-SchonolnUx. Die zionistische Bewegung hat nun auch in unsere Gemeinde ihren Einzug gehalten. Ein vorbereitendes Komitee, dem ausser Mitgliedern des Engeren Aus- Schusses vom Gruppenverband Obcrschlesien die Vorsteher des hiesigen KuHusvereins, die Herren Abraham W c i s s - Eichenau und David Tichauer -Wilhelmlnenhütte angehörten, veranstaltete am Sonntag, den 5. d. M.. im Freundsehen Saale eine öffentliche Versammlung, in welcher Herr Arnold Wiener-KattowRz Über das Thema: ״Was will der Zionismus“. referierte. In einstündigen. inhaltsreichen Ausführungen gab er einen Ueberblick Über die Entwicklung des Judentums in den letzten Jahrzehnten, schilderte die politische und wirtschaftliche Lage der jüdischen Massen und entwickelte in überzeugender Weise das zionistische Programm. Der Vortrag wurde mit wärmstem Beifall aufgenommen. Einigen von verschiedenen Versammlungsteilnehmern geäusserten Bedenken trat hierauf Herr Dr. Stahl- Tarno* witz in temperamentvoller Rede entgegen. Auf Vorschlag von Herrn D. Tichauer, der die Versammlung musterhaft leitete und in seinem Schlusswort den Rednern dankte, wurde iiir die weitere Arbeit eine Kommission, vorläufig aus Frau S. Bänder und den Herren D. T i c h a u c r und Salo Kutncr bestehend, gewühlt. In die ausliegenden Schekelzahlerlisten zeichneten sicli etwa 20 Damen und Herren ein. von denen eine Anzahl der Ortsgruppe Kattowitz beitraten. Ratlbor. Am letzten Sonntag sprach in unserer Ortsgruppe Dr. A. Cassircr- Gleiwitz mit Bezug auf die von Dr. .Moses veranstaltete Umfrage über ״bekannte Zeitgenossen über die Lösung der Juden frag e". Die fesselnden Ausführungen des Rcierentcn erweckten eine sehr lebhafte Debatte, an der sich die Herren Apotheker Bose 11 w i t z. Referendar R e c 11 n i t z. Ludwig Mandowski. Rechtsanwalt Brauer, Zahnarzt Block und Dr. Cassircr beteiligten. Nachdem nochmals der Referent die gegnerischen Einwände in ruhig-sachlicher Weise widerlegt hatte, schloss um Mitternacht die interessante Ver- Sammlung. Hameln a. d. Weser. Am 1. Januar 08 riefen zur Zeit liier weilende Zionisten eine Versammlung für die jüdische Jugend ein. Der Refeient, Herr cand. jur. S. Goldstein aus Güttingen sprach geragezu meisterhaft über die ״Entstehungsgeschichte der Bewegung, sowie über die Lösung der Judenfrage durch den Zionismus. Frl. H. Lübkc aus Hamburg erklärte sodann die nähere Bedeutung unseres Prograimns und wandte sich dann besonders an die .Mädchen der Stadt, sie zur Mitarbeit auffordernd. soweit dies für Hameln angebracht sei. Die darauffolgende Diskussion war eine rege. Es beteiligten sich (ausser Herrn Bachrach und Herrn Michaelis) die Herren Schnelling und Schleissner aus Hannover, die eigens dazu hergereist waren. An dieser Stelle sprechen wir ihnen nochmals unsern Dank aus. — Die starke Beteiligung zeigte uns, dass Interesse vorhanden Ist, und wäre es jetzt der rechte Moment, dem Nationalgedanken in Hameln einen festen Platz zu schaffen, wenn man mit einer Agitation dort sogleich beginnen würde . L. Köln. Der neu gegründete ..H e r z 1 - KI u b“ veranstaltete Samstag, den 11. d. M.. einen ..Jungjüdischen A bend“. bstehend in musikalischen. Gesangs- und deklamatorischen Darbietungen. Nach einem kurzen einleitenden Referat über das Wesen der jungjüdischen Literatur seitens unseres Mitgliedes Herrn Pollak rezitierten Frl. Cosmann, Frl. Loewend a h 1 und Herr L i s s a u e r Gedichte modern-jüdischer Autoren. Frl. Schmuckler sang einige Arien, darunter die Hatikwah. Frl. Dannenberg und Herr P o r g e s spielten Klavier und Cello. Zum Schlüsse las Herr Pollak ״Die Uhr" von Scholem Aleicheni und das ,.Armenmahl“ von Spector vor. Die Mitglieder des Klubs sowie die erschienenen Gäste folgten mit sichtlichem Interesse׳ allen Vorträgen. Der gute Erfolg dieser ersten öffentlichen Veranstaltung des Klubs, der die Propaganda unter der jüdischen Jugend Kölns sich zur Aufgabe gesetzt hat, veranlasste die Leitung, im Laufe der Wintersaison eine Reihe ähnlicher Abende in Aussicht zu nehmen. SLH. Rumänien Am 7. Januar tagte in B r a i l a der zweite Kongress der von Heinrich Rosenbaum, dem Präses der rumänischen zlonistisehen Federation, ins Leben gerufenen .Organisation der jüdisehen Lehrerschaft. Der Kongress war beschickt von verschiedenen Städten des Landes, so von: Jassy, Botosani, Bacau״ Braila, Tecuci. Börlad, Tg.-Frumos, Moinesti, Romau, Galatz. Mihaileni und Stelannesti. In Abwesenheit des erkrankten Leiters der Vereinigung eröfrnete Frau Regine Schwarz den Kongress durch eine längere Ansprache, in der sie besonders die Verdienste des Herrn Heinrich Rosenbaum um die jüdische Lehrerschaft bctonte. Die Rednerin würdigt den Zweck der Organisation und beweist, dass deren Erhaltung als eine Existenzfrage für die gesamte jüdische Lehrerschaft betrachtet werden könne. Nach F/au Schwarz ergreift Herr Dr. med. Nestoreanu das Wort zu seinem Referate über die finanzielle Lage der