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Jüdische Rundschau · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XIII (1908)
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Beilage JUEDISCHE RU NDSOHAU Jg.XIII, No.2 ' Aus der zionistischen Bewegung nittelluitgen der Propaganda-Abteilung des Deutschen Bureaus des Jüdischen ttationaifonds Das neue National io ndsflugblatt ist erschienen. Wir bitten die vcrehrlichen Ortsgruppen und Vertrauensmänner mit Hülfe desselben eine energische! Propadanda für den. Nationalfonds zu entfalten. Die im Sommer d. J. erschienene Zusammenstellung der Nationalfonds-Spenden nach Ortsgruppen hat bewiesen, dass in vieeln Gruppen bisher viel zu wenig für den Nationalfonds geschehen ist. Gerade diese Gruppen werden das neue Flugblatt, das nicht nur an Zionisten, sondern vor allein an Nichtzionisten wendet, sehr gut verwerten können. Das Flugblatt wird gegen Zahlung von 1,50 M. pro 100 Exemplare von uns abgegeben. Zuschriften und Bestellungen sind an unsere Adresse, Breslau VI., Königsplatz 3b, zu richten. —I Aus den Ortsgruppen r-— Zionistische Ortsgruppe Charloitenburg. Am 22. Dezember 1907 iand in den Kaisersälen. Charlottenburg, Bisniarckstr. JH, unsere Makkabäeridcr statt. Die Bemühungen unserer jungen Ortsgruppe, im Westen Gross-Berlins bei einem Publikum, welches allen jüdischen Dingen in hohem Masse entfremdet ist, für den Zionismus Verständnis zu erwecken, war auch diesmal von gutem Erfolg begleitet. Wir sahen in unserer Mitte wiederum eine grössere Zahl von Personen, die offenbar zum ersten Male an einer zionistischen Veranstaltung teilnahmen. Die Feier nahm einen höchst stimmungsvollen und würdigen ycrlauf. Der Festredner. Herr Referendar Fischer, bemühte sich, seinen Hörem den Zionismus vor allem als Lösung des Westindischen Kulturproblems aufzuzeigen: er gab der Ueberzeugung Ausdruck, dass der Kampf des Jüdischen Volkes gelingen müsse, wenn das hcranwachsende Geschlecht bereit sei, den Makkabäern gleich die ganze Persönlichkeit einzusetzen für die als notwendig erkannte Aufgabe. Es folgte eine Reihe vorzüglicher musikalischer Darbietungen. Herr Bcrtbold Fehvel, der uns den Vortrag einiger neuer ostjüdischcr Dichtungen zugesagt hatte, war leider durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Dafür bot einen erschütternden Einblick in das Leben unserer Brüder im Osten Hcyermans Schauspiel ״Ahasver". das wir bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal in Berlin zur Aufführung brachten. In knappster, fast Skizzenhafter Form zeigt hier der Dichter an dem Schicksal einer jüdischen Familie, wie es fast täglich sich im heutigen Russland abspiclt, das Schicksal des ganzen, ewig umhergetricbenen, heimatlosen Volkes. Die vorzüglichen Darsteller, deren Mit- Wirkung wir der Vermittlung eines unserer Mitglieder verdanken, brachte die düstere Tragik der Szenen zum ergreifenden Ausdruck. Erst allmählich wieder, nachdem wir an der Kaffeetafel unsere zukunftsfrohen jüdischen Melodien gesungen liatten. kam die f;öh!ichc Stimmung zum Durchbruch, die einer Makkabärfeier geziemt. Tanz und Tombola und allerhand heiteres Treiben hielt dann die Anwesenden noch bis zur frühen Morgenstunde beisammen. Eine Saalpost, deren jüdische Ansichtskarten, frankiert 1uit Nationaliaudsmarkeu. in grossen Mengen im Saale versandt wurden, brachte dem Nationalfonds einen guten Qcw’inn. Die Ortsgruppe verzeichnet den Gewinn einer Reihe neuer Mitglicdr und hat vor atlm den guten Ruf ihrer Veranstaltungen wiederum befestigt. Sogar einige grosse Tageszeitungen brachten, veranlasst durch die Aufführung des Hcyermanschen Schauspiels, recht anerkennende Bcsprechungen. So dürfen wir auf weitere fruchtbare Arbeit rechnen. Allen Mitwirkungen und denen, die in angestrengtester Tätig- Krit das Gelingen der Feier ermöglicht haben, sei hierdurch nochmals unser herzlichster Dank ausgesprochen. Ab. b. S. Königsberg I. Pr. Ein Makkabäerfest als Jüdisches Volksfest Im besten Sinne in der ״Stadt der reinen Vernunft“ zu feiern, ist kein ieichets Unternehmen: w׳er die Königsberger Verhältnisse kennt, wird es verstehen, mit welchen Schwierigkelten die Veranstalter eines solchen Festes hier zu kämpfen haben. Die Makkabäerfeier, die die hiesige zionistische Ortsgruppe am 8. Dezember veranstaltete, nahm unter der bewährten Leitung des Herrn Arthur Cohn einen in jeder Hinsicht glänzenden und würdigen Verlauf. Mehr als 700 Personen w׳aren erschienen, sodass der grosse Saal des alten Schützenhauscs, der mit jüdischen Emblemen und in den jügisehen Farben reich dekoriert war. kaum für die Menge der Qüste ausreichte: und w׳enn auch die Wortführer unserer füdsehen Gegner dem Feste fern bteben, ihre Frauen, Söhne.und Töchter waren, wie schon oft .bei unseren Veranstaltungen, so auch diesmal, nicht mehr so ganz vereinzelte Erscheinungen. Das Fest wurde von Dr. Arthur Pelz durch eine temperamcntvollc Festrede eingclcitet, der sodann eine• gute und eindrucksvolle Aufführung des Simonschcn Festspiels folgte. Der zweite Teil brachte Gesangsvorträge von den ersten Kräften des Stadttheaters, und von Herrn Kantor Behr. der einige larogonlieder vortrug, der dritte Teil eine Tanzaufführang ״Die Töchter des Volkes begriissen die heimkehrenden siegreichen Makkabäer“, worauf die Festversammhmg gemeinsam .,Hatikwoh" sang. Den Beschluss machte ein Ball. In den Pausen wogten die Festteilnclmier in freudiger gehobener Stimmung durch die zahlreichen, originell geschmückten Neben* räume, wo sich an den Buiicts lind mancherlei Verkaufsbuden ein buntes, fröhliches Treiben entfaltete. Das pekuniäre Ergebnis war auch diesmal wieder ein erfrculichcs: Aus gern Ueberschuss wurden Beträge an den Bezalei und den Partciionds abgeiührt und Morris Rosenfeld ln das goldene Buch des Nationalfonds eingetragen. st. Samter. Am 1. Januar hielt in unserer Ortsgruppe Herr stud. pliil. S e 1111 a r Rosen borg einen Vortrag über ..Ein Beitrag zur Frauenbewegung". In geistreich durchdachter Weise schilderte der Redner die Stellung der indischen Frau gegenüber der nichtjildischen. Das jüdische Volk habe die Frauentage von Beginn an theoretisch und praktisch gelöst. Der Redner wies auf die von feinem psychologischem Gefühl beeinflusste Gesetzgebung der Bibel hin. Mit der Aufforderung an die jüdischen Frau, die Liebe zur heiligen Religion Israels und zum alten Judenvolk zu pflegen, schloss der Redner. Lang anhaltender Beifall folgte den Worten. Alsdann rezitierte Herr stud. jur. Max Rosenberg einige fungjiidische Gedichte, u. a. ״Der Sturm“ von Morris R o s e n f e 1 d. und im An- Schluss daran folgte eine längere, begeisterte Agitationsrede. Mit überzeugender Beredsamkeit forderte er zum Beitritt zum Zionismus auf. Auch Gegner, die bis dahin nicht zu überzeugen waren, schlossen sich ais Mitglieder an. Ein gemütliches Zusammensein nebst Tanz folgte alsdann. Herr Lehrer Jakob Auerbach aus Posen erfreute uns durch einige vorzügliche musikalische Vorträge. Der grosse Erfolg des Abends w׳ar die Neuaufnahme von 18 Mitgliedern. — Am 28. Dezember fand ein Leseabend, um den sich auch die Herren stud. Rosen borg verdient gemacht haben, und w׳ir sagen hiermit den beiden Herren für ihre grosse Mühe herzlichen Dank. II. Rybnlk. Am 5. Januar, nachmittags •Pi Uhr, hielt in der hiesigen Ortsgruppe Herr Kantor Blitz aus Dessau einen sehr interessanten und lehrreichen Vortrag über das Thema ..Der Untergang des jüdischen Staates“, in fast einstündiger Rede gab er die Ursachen, die zu demselben geführt haben, an: vor allem die gewaltige Uehermacht der Römer und Verrat durch eigene Volksgenossen. Trotzdem, so führte der Redner aus. hat sich die indische Nation noch bis zum heutigen Tage erhalten und müssen wir daher darauf hinarbeiten, wenn auch mit mehr geistigen Waffen, unser altes Heimatland wieder zu erobern. Allgemeiner Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Amerika. St. Louis. Gelegentlich der Feier des zehnjährigen Be- "na‘ Zion-Vereins in St. Louis bringt •der VOR- STEHER, das in jüdischer Sprache erscheinende Tageblatt dieser Stadt, eine! interessanten Artikel über die zehnjährige Oeschichte des Zionisums in St. Louis, dem wir folgendes entnehmen: Die Juden von St. Louis waren unter den ersten Juden Amerikas, bei denen der Aufruf Dr. Herzls ein Echo fand. Zur selben Zeit, als in Wien die ersten zionistischen Zirkel sich bildeten und der Zionismus eben begann in die lndisehen Kreise Europas langsam Einzug zu halten, kam auch in St. Louis eine zionistische Gruppe zustande. Es w׳ar im Hause des seligen Dr. Friedman, wo sich eine kleine Anzahl für den Zionismus begeisterter junger Männer zusammenfand, dfe bald eine lebhafte Agitation für den Zionismus und die nationale Idee entfaltete. Die Entw’iälung dieser kleinen OruDDc zu einem mächtigen Verein, In dem heute die Zionisten von St. Louis zusammengeschlossen sind, gino nicht ohne Schwierigkelten von statten. Insbesondere die orthodoxen Juden wehr- V י V yy* 1 T

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