Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XIII (1908)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage JUEDISCHE RU NDSOH AU Jg.XIII, No. 1 Aus der zionistischen Bewegung Parteisteuer Die Delegierten am 8. Zionistenkongress im Haag haben lange darüber debattiert, ob die ״Praktische Arbeit" in Angriff genommen oder ob die Propaganda einfach fortgeführt werden soll, bis die Zionisten mehr Aussichten für das Oelingen der zu unternehmenden Arbeiten haben und die inzwischen erworbenen rechtlichen Grundlagen gesichert sein werden. — Die ..Vorsichtigen" wurden überstimmt durch die ..Praktischen‘4. Nachdem die Frage im Prinzip erledigt war. brachte der Vorsitzende. Herr Wolffsohn. einen Antrag ein, wonach in diesem Jahre jeder Zionist als Parteisteuer mindestens fünf Franks zu zahlen hat. Die Delegierten fanden den Antrag so selbstverständlich, dass er ohne Debatte und mit Einstimmigkeit angenommen wurde. Das war ein schöner Erfolg. Die Delegierten zeigten die Fähigkeit, die logische Konsequenz ihres Beschlusses zu ziehen. Ohne Geld kann nichts gemacht werden. Das weiss jeder Mensch. Sogar die Antizionisten wissen das und verweigern uns gerade deshalb nicht nur ihre tatkräftige und moralische Stütze, sie geben uns. um uns nur sicher nicht zum Ziele zu verhelfen, für zionistische Zwecke prinzipiell keinen Pfennig. Und die Zionisten? Die Frage ist gestellt, das war leicht. Aber die Antwort? Sie ist nicht leicht zu geben. Eigentlich muss ich nicht antwarten. Die Zionisten sollen die Antwort geben, aber warten wir ab. bis die Antwort eingelaufen sein wird. Ich bin ein Jude. Ich werde weiter tragen. Wenn aller Orten nach vorauigegaiigencr. jahrelanger, mühevoller Propaganda endlich zionistische Vereinigungen existieren, wenn die Zionisten Zusammenkommen und für je 200 einen Delegierten nach dem Kongress entsenden mit Weisungen und Aufträgen, und die Delegierten lange beraten und im besten Wissen und Gewissen einen unumgänglichen, dringenden Beschluss fassen? Müssen dann die Zionisten die Beschlüsse des Kongresses achten und ratifizieren oder nicht? Diese Antwort ist leicht. Selbst ein Antizionist wird ant- Worten: Ja. das müssen sie! Sicher. Aber tun sie es? Mau möchte glauben, nachdem die Zahl der Zionisten verhältnismässte nicht sehr gross ist. dass diese in jedem Fall nicht nur die weitsichtigsten, selbst- und zielbewusstesten, sondern auch die opferwilligsten Juden sind. Man sollte meinen, es werde jeder Zionist von selbst kommen und mit Freuden die Parteistcuer nach Massgabe seiner Kräfte leisten. Aber was ist bis jetzt geschehen? Der Präsident. Herr Wolffsohn. hat ein schönes Beispiel gegeben und 5000 Mark als Parteisteuer gezahlt. Einige Wenige sind ihm in weitem, sehr weitem Abstande, aber doch gefolgt. Die grosse Masse der Zionisten hat bis jetzt trotz der Kongressbeschlüsse und ungeachtet des gegebenen Beispiels die Parteisteuer nicht abgeführt. Das Aktionskomitee hat wiederholt einen dringenden Mahnruf ergehen lassen. Die Masse der Zionisten hat sich noch nicht aufgerafft, die Partei- Steuer, w'elche schliesslich doch mit Ach und Krach gezahlt werden wird, schnell und prompt zu zahlen. Es wird wieder notwendig werden dass die Führer im Zionismus, die ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Gesundheit, ihr Leben der, Sache widmen, dass diese von Mann zu .Mann gehen, jedem einige lange und breite Reden halten, bis sie erst ein Versprechen und dann später die Gabe erhalten. Inzwischen hat das Aktionskomitee das Geld nötig. Wenn wir zw׳ei Jahre mit dem Inkasso der Partcisteuer verlieren, j .wie können wir dann in derselben Zeit praktische Arbeit aus-; führen? j Mit welchem Recht werden die Zionisten von den Führern. } die Delegierten des Neunten Kongresses von der Leitung 1 Rechenschaft fordern? Mit welcher Begründung w׳ird dann l die Frage gestellt werden: Was habt Ihr an ..Praktischer Arbeit“ geleistet? Wie verträgt sich das mit unseren Prinzipien, mit unserem Ehrgefühl: wenn die Leitung nicht sofort in den Stand gesetzt wird, einen oder mehrere Versuche zu machen? Mit welchem Recht beklagen wir Zionisten uns über unsfere Gegner, die all unserem Bitten und Flehen zum Trotz, all unseren Erklärungen und Erläuterungen zum Hohn verstockt bleiben und uns ihre Unterstützung verweigern, wo es gilt, dem jüdischen Volke das Höchste zu geben: seine Heirrat. die Freiheit! Zionisten! Erinnert euch doch des bitteren Gefühls, welches unsere Gegner euch verursachen, so oft ihr im öffentlichen oder im privaten Leben es versucht, die Hartnäckigen, die Indifferenten zu überzeugen. Könnt ihr. wollt ihr eurem Fiihrern dieselben Bitterkeiten bereiten? Nein! Zionisten wollen das nicht I Es liegt nun einmal in der Judenheit. dass Jede Gabe, jede Spende als w־eggeworfenes Geld betrachtet wird. Von diesem Empfinden w׳erden wir uns noch lange nicht befreien. Selbst die Zionisten, die im allgemeinen sehr viel geben, tun dies nicht in ungezwungener Weise, geben nicht zur richtigen Zeit und nicht in gehöriger Form. Das Geld ist nicht da. wenn man es haben muss, und die Zeit vergeht. Spesen werden gemacht, und am Ende ist das Erreichte nicht dem geopferten Gcldc und der Mühe an Wert gleich. Freilich, um die Ueberzeugung zu gewinnen, dass unsere Gaben nicht verloren gegangenes Geld sind sondern eine Anläge für die späteren Generationen, musste man deutlich und greifbar sehen können, dass mit dem Geld etwas Nützliches gemacht wird. Die Leitung muss sich auch bestreben, unter allen Umständen etwas Konkretes in Palästina zu schafien. aber eben um dieses fertig zu bringen, ist Geld nötig, und dafür ist die Parteisteuer beschlossen worden. In Anbetracht der Wichtigkeit der Sache muss jeder nach seinen Kräften geben. Das Minimum von fünf Franken kann jeder zahlen. Wir sind solche Sklaven des Hergebrachten, der Gewöhnheit, dass w ir viel schneller in die Tasche greifen, wenn ein Bettler — ein wirklich Bedürftiger oder ein Berufsschnorrer - uns um die Gabe angeht, als wenn das Volksinteresse cs fordert. Die oberste Leitung der einzigen wirklich lebensfähigen jüdischen Partei, zu der wir gehören verlangt die zugestandene Steuer, und wir zögern mit dem Zahlen!! Wenn wir schon so weit wären, einen Staat zu haben, unseren Bürgern eine Steuer aufz.uerlegen. die wir nötigenfalls zwangsweise eintreiben könnten, wie es die anderen Völker tun. dann wäre ja diese Frage erledigt. Aber wir haben gar keine Macht, um unsere Volksgenossen zur Zahlung der Steuer zu zwingen, und sind au! den guten Willen unserer Gesinnungsgenossen angewiesen. Höflich und inständig bitten wir: Zahlet die Parteisteuer, und bald. Aber Nichtzionisten! vergesst nicht, dass wir nicht für uns sondern auch für euch bitten, betteln und arbeiten. Für euch und eure Nachkommen *sowohl als für die unserigen. Machet uns. wir bitten auch darum, die Arbeit nicht zu schwer. Bedenkt, dass auch die Führer!Menschen sind, die müde werden können, bedenkt, dass sie keine Belohnung für ihre unbezahlbare Mühe erhalten, dass sie den Spott und die Feind- Seligkeit unserer Gegner zu ertragen haben, und keinen anderen Trost finden, als die Hoffnung, unser Ideal zu erreichen: das jüdische Volk aus seiner unhaltbaren Lage zu befreien und unseren Nachkommen eine unserer glorreichen Geschichte w׳flrdige Zukunft zu bereiten. Aus: DIE WELT. Jean Fischer. Für den Parteifonds sind bis Jetzt folgende Beträge eingegangen: Parteifnnda. III. Ausweis. Dr. W'tter Munk, Berlin.50,— Mk. rand. Wolf Co bl in er, Berlin .... 10,־— , K. Z. V., Rerlin, München. Freiburg I: Eugen Kisch. Georg Gorion, H. Sch mul. Max Rosenbaum, R. Lichtheim. Dr. E. Edelstein, L. Aron, H. Wohlfahrt, A. Woll* stein, K. Kaiser, W. Jacob* sohn, Fernbach, J. Loewen* thal, O. Treidel, S. Nathan I, Lichtenataedter, H. Rote□־ bäum, Joseph, J. Jaoobsohn, Guter, Frost, H. Levy, M. Nathan IH, Wunderlloh, Scbönomann, W. Fis0h• r, Rotenxweig, Brünn, Kaufmann, Laodaberg, Rüben, Dr.E. Roaenberg, Dr. Bieberfeld, Schwarz, E. Gereon. Koerber, K ahn, Th ellhab er, Be n J a min , Schochau, L. Sztenzel, Phillppsteln, D. Taobauer,