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Jüdische Rundschau · 1907-12-13 · Heft 50 (13.12.1907) · page 18

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 220 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 50 ־. ״ * Schekclgeldern wurden 95 Mark abgeführt. Die Einnahmen der Gruppe betrugen 6S\25 Mk. Davon sind 17*1,60 Mk. aui das Abonnement •der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, die jedem Mitgliedc von der Ortsgruppe aus geliefert wird, und 49 Mk. für die Pogromwaisen verwendet worden. Das Ergebnis der Büchsensammlung war etwa 90 Mark. Der neue Vorstand bcstellt nus folgenden Herren: Heinrich K o p 1 o w i t z, Rechtsanwalt R 0 m a n n , Emil E r ä n k c 1, Theodor T i c h a u e r . S a I o Bloch, Dr. E r ä n k c 1 und Referendar Hamburger. Zu Mitgliedern der Nationalionds-Kommission wurden Herr Oberkantor Wittenberg und die Damen Johanna E i s n c r , Rose Stern und .1 o h a n n a Politzer gewählt. Den nicht anwesend gewesenen Mitgliedern unserer Ortsgruppe wird hierdurch zur Kenntnis gebracht.‘ dass unsere regelmässigen Zusammenkünfte jeden Sonnabend nach dem 1. und 15. des Monats im ״Graf Reden“ abends 8L! Uhr stattfinden. Nach den bisherigen Erfolgen unserer Arbeit darf der Fortbestand der Gruppe als gesichert gelten. f. Filelinc. Die zionistische Ortsgruppe Eil eh ne voranstaltete am Sonntag Abend eine überaus wohlgelungenc Makkabäerfeier. Der geräumige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Vorsitzende, Herr Alfred Sa 1 in ge r eröiinctc die Feier mit einer Ansprache, worauf ein allgemeiner Gesang'..Auf, r ein Volk, zu edlem Tun“ gesungen wurde. Die Festrede hielt Herr Dr. jur. Mn nasse aus Posen. Reicher Beifall wurde dem Redner gespendet, als er die Jugend aufforderte, sich unserer Almen würdig zu zeigen. Hierauf folgten Klaviervorträge unseres Gesinnungsgenossen Mot'tek aus Schönlar.'-.e und Gesangsvorträge des Herrn Kantor Rchield. Der zweite Teil wurde mit einem Prolog eröffnet. Das Chanukkah-Fcstspiel ,.Die drei Wünsche“ wurde von den Kindern in grasartigster Weise aufgciiihrt. Den Schluss bildete wieder ein allgemeiner Gesang: ״Mit vollem Klang aus freier Brust — Lasst uns die Freiheit preisen. — Die Freiheit, die in Jugendiust — Wir uns'rem Volke weisen. Besonderen Dank verdient aber Fr!. Kelly Arndt für .ihre.Bemühungen um dr-s gelungene Fest. as. . Sander. Don Reigen der Vorträge ln dieser Saison eröffnete Herr D r. K o 11 e 11 s c!1 e r aus Posen am 10. er. mit einem hochinteressanten Vortrag über den VJ11. Kongress im Haag, welcher allgemeinen Bei';;!! fand. U. a. wies der Redner aui die Sammlung zum Parteifonds hin. was auch von Erfolg war. Fis wurden zu diesem Zweck 35 Mk. gespendet. Aui Anregung des. Herr Dr. K 011 e n s c 11 c r wurde beschlossen, Leseabende zii veransttiltcu. wozu einige Damen und Herren zur Leitung derselbengewählt würden. Hannover. Am Mittwoch,5 den. 20. November, abends זא.$ Uhr, fand in der Börse eine von etwa 200 Personen besuchte öffentliche Versammlung statt, in der Herr Dr. Elias A u c r b a.q 11 filier ״Ta'u f e 11 und Mischehen unter den Juden‘‘ sprach. Der Redner wies daraus hin, dass in Deuschlaiid erst seit der Emanzipation Taufen in nenneswerter ■Zahl'Vorkommen. Man glaubte derzeit, in der Assimiüation;die Lösung der Judenfrage gefunden zu haben und in der Tat: für diese Juden, die ihr Judentum in Harnackschcr Beleuchtung keimen lernen und in affenartiger Nachahmung der •Sitten. und Gebräuche ihrer Umgebung ihr Heil sehen, ist •mit. dem Taufakt die Judenfrage gelöst. — Erst im letzten Jahrzehnt blieb es dem Zionismus Vorbehalten ,in die breiten Massen der deutschen Juden die Erkenntnis zu tragen, dass die glorreiche jüdische Tradition nicht nötig hat, durch sklavischer Nachahmung fremder Sitten sich zu verleugnen und .dass mir ein Schwächling und Feigling eine Minderheit in Zeiten der Not verlässt. Die Taufe entzieht dem Judentum *־-ך wie der Referent an Hand einer langen Liste bekannter Namen nachwies — gerade die fähigsten Elemente, wenn man auch der •Meinung sein kann, dass dieser Vorgang in!noralischer Beziehung eine Läuterung des Volkskörpers bedeutet und ־Tals solche notwendig ist. Der Umfang der Taufbewegung lässt sich aus den •verschiedensten Gründen statistisch gar nicht fcststellen, immerhin ist sic dem Judentum noch nicht so gefährlich wie die Mischehen, die nach den Ermittelungen des zuverlässigen Statistikers Ru pp in etwa ein Sechstel aller jüdischen Ehen in Deutschland, in Berlin aber gar ein Fünftel derselben umfasst. Der schädigende Einfluss für das Judentum wird durch die ebenfalls statistisch nachgewlcscnc Tatsache erhöht, dass nicht 50 Prozent, sondern 90 Prozent der aus diesen Ehen hervorgegangenen Kinder dem Christentum zufallen. Da schru: ihre Zahl anfäiigt, effektiv abzunehmen, ist cs zweifellos, dass der Jude in Deutschland, wenn nicht grundlegende Aenderimgen cintreten. bereits auf dem Aussterbeetat stein und dass dieses Faktum den Taufen und •Mischehen. zuzuschreiben . sei. Der Vortragende kam dt|1m darauf zu sprechen, dass die Juden unter allen Völkern die einzigen seien, die ihr Volkstum gegen ein vages kos-;unpolitisches Ziel einzutausclicn bereit seien, und verwies demgegenüber auf das Schillcrsche Wort: ״Indessen bis den Bau der Welt — Philosophie zusammcnhält, — Erhält sic das Getriebe — Durch Hunger und durch ,Liebe." Redner sieht ein Mittel zum’ Einhalt der Taufen- und Misehchenbcwegung in einer gut jüdischen Erziehung. Das noch vielfach kolportierte Wort, das die Zerstreuung dcr_ Juden mit der angeblichen Mission unter den Völkern rechtfertigen will, ist haltlos. Die Mission kann doch höchstens erfüllt werden, wenn das Judentum eigene Kulturwerke schafft, und das ist nur auf eigenem Boden möglich. Die einzige Zukunftsmöglichkeit ist aus all diesen Gründen der Zionismus. Bereits heginnt sich auch in Palästina wieder jüdisches Leben zu regen: das erfreulichste ist wohl, dass dort die hebräische Sprache wieder zu einer lebendigen geworden ist. zu einer so lebendigen, dass sich die Kinder auf den Strassen schon mit liebraisehen Schinipfworteii bedenken. Damit schloss der Redner rach etwa Inständiger Dauer unter dem stürmischen Bcifaü der Zuhörer seine Ausführungen. Herr Dr. Auerbach verfügt über ein klares, ausdrucksvolles Organ, das im Verein mit der edlen, wahrhaft formvollendeten Sprache imd der ruhigen, würdigen Haltung den gut durchdachten Ausführungen des Vortragenden einen so grossen Erfolg verschafften, der den Dank der Zuhörer ־ am besten zum Ausdruck brachte. Nach einer recht lebhaften Diskussion schloss um etwa 11 Uhr der Vorsitzende die Versammlung, die ohne Misston in würdiger Weise verlaufen war. Möge sie dem Zionismus gute Früchte tragen. Stargard i. P. Am .Mittwoch, dem 4. Dezember fand hier die erste öffentliche zionistische Versammlung statt. Herr Referendar G reifen 11 a g e u - Stettin hielt das Referat über den Zionismus und seine Gegner. Er skizzierte knapp die Molive, aus denen der Zionismus entstand und besprach die Ein- Wendungen, die von Seiten der Gegner gemacht zu werden pflegen. Natürlich konnte das nicht verhindern, dass dieselben Lin wände gleich darauf von den Diskussionsrednern. Herrn Rabbiner Dr. Silberstein. Justizrat Moses und Justizrat Dr. Meyer, doch wieder vorgebracht wurden. _ Insbesondere war es natürlich der alte Schlager, der Zionismus vertrage sich nicht mit dem Deutschtum der deutschen Juden, der hier eine neue Auferstehung feierte, nachdem er doch an anderen Orten zumeist schon glücklich zum 'alten Eisen gelegt worden ist. Auf alle Gegenargumente, die Dr. Becker- Berlin verbrachte, um zu zeigen, dass von einem Gegensatz zwischen Zionismus und Deutschtum gar keine Rede sein könne, wusste man nichts zu erwidern als die alten Dekla-!national. Kurz vor Schluss.der Debatte wurde eine Resolution vorgelcgt, die man schon fix und fertig in die Versammlung mitgebracht hatte, und über die nun abgestimmt werden sollte. In dieser Resolution wird der Zionismus für ״antinational und schädlich“ erklärt, und als Auigabcn des Judentums werden bezeichnet ״lediglich die Verkündung des reinen Gottesgedankens und der uneingeschränkten Menschenliebe". Als jedoch der Vorsitzende über diese Resolution die Debatte wieder eröffnen wollte, protestierte man dagegen, worauf natürlich der Vorsitzende auch die Abstimmung über die Resolution nicht zuliess. Angesichts der hier herrschenden Beeinflussnng der ganzen, fast vollzählig erschienene״ Gemeinde durch einige prominente Mitglieder war an der Annahme der Resolution nicht zu zweifeln, zumal diese Beeinflussung in einem zu unserer Kenntnis gekommenen Falle sogar zu einer Denunziation geführt hatte! Der Gruppenverband Brandenburg-Pommcrn, der diese Versammlung veranstaltet hatte, an der aus Stettin die Herren Brandt und Pintus teilnahmcn. Int hier noch ein grosses Arbeitsfeld vor sich. Hier gilt es noch. Bresche zu legen in die ältesten Vorurteile, denen man anderwärts nur noch selten begegnet. — Die beiden hiesigen Tages- Zeitungen brachten über die Versammlung einen offenbar von jüdischer Seite eingesandten gleichlautenden ..Bericht", in dem gesagt wird, dass die Resolution den Veranstaltern der Ver- Sammlung ״augenscheinlich sehr 'unbequem“ war. Wir hoffen zu beweisen, wie wenig das der Fall ist. indem wir Anfang Januar zur Diskussion dieser Resolution eine besondere Ver- Sammlung cinbcrufcn werden, für die Herr Rechtsanwalt Groncmann-Berlin das Referat übernommen hat. Chemnitz. Am 4. Dezember fand eine gut gelungene M a k k a b ä e r f c i e r statt. Musikalische und deklamatorische Vorträge wechselten ab. Die Festrede hielt Herr Kantor Bl i t z - Dessau. Anwesend waren ca. 120 Personen. Tanz. Sehr lohnender Postkarteu-Verkauf fand statt. Die Büchsen für den Nationalfond waren ausgestellt. Köln. In der zionistischen Vereinigung sprach am verflusscneii Samstag Abend Herr Max Goldreich über ״Strömungen im Zionismus". Dem Vortrage folgte

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