Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 179 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 44 treten war ferner die jüngste Schekelzahlergruppc des Vcr-; bandes durch Herrn Dr. Hans Gideon Hcymann-Berlin. Er-! öffnet wurde die Sitzung durch Herrn Rechtsanwalt Leszynski, der einen Bericht über den Gruppenverband gab. Ortsgruppen bestehen danach in Stettin. Frankfurt a. O. und Ebcrswalde; Schckclzahlcrgnippcii in Neustettin. Stolp, Greifswald, Prcnzlau und Strausberg. Ein Vertrauensmann, der aber der einzige Schckelzahlcr ist. ist in Spandau ansässig. Der Eingang des Schekel und Landpsbeiträge zeigt einen Höchstpunkt für das Jahr 1905/06 und einen Rückgang für 1906/07. Es kamen ein im gesamten Gruppcnvcrbande: 19fM/05 83 Mk., 1905/06 133 Mk, und 1906/07 84 Mk. Schekel, 190-1/05 S Mk.. 1905/06 59 Mk. und 1906/07 25 Mk. Landesbeitrag, in Stettin 190-4/05 69 Mk., 1905/06 54 Mk. und 1906/07 46 Mk. Schekel, 1904/05 und 1905/06 je 25 Mk., 19060 07׳ Mk. Landesbeitrag. Ähnlich lauten die Ergebnisse in den anderen Gruppen, am traurigsten in Prenzlau, das etwa 3 Jahre lang nichts von sich hat hören lassen, erst ganz neuerdings einmal 5 Schekel indirekt aufgegeben hat und in Spandau, in dem garnichts ge* schelten ist, trotz Anwesenheit eines Vertrauensmannes. So* dann folgten die int grossen und ganzen ja immer berechtigten und auch üblichen Vorwürfe über mangelnde Unterstützung, die Vertrauensmänner, Griippeiivorstaud und Zentralbüro unter einander austauscliteu. Herr Barth erstattete hiernach ein Referat über den VIII. Kongress und die gegenwärtige Lage fiir die EinzelPropaganda. Er wies insbesondere darauf hin, dass unsere Bewegung jetzt finanziell sich zu regen beginne und dass die Grundlagen hierfür durch Schaffung des Parteifonds gegeben sei. Diesen zu füllen, sei unsere lu'ichstc Aufgäbe. Ferner müssen wir jetzt überall auf Palästina liinweiscn und speziell die Kenntnis des jüdischen Palästina möglichst zu verbreiten suchen. Das Referat wurde sehr beifällig atifgcnommen. Auch wurden von einzelnen Redner noch praktische Anregungen fi!r die Verwirklichung der Palästina-Propaganda gegeben. Insbesondere teilte Herr Rechtsanwalt Leszynski mit, dass das Zentralbüro eine grosse Anzahl Lichtbilder aus Palästina habe!!erstellen lassen, auch Vorträge über Palästina von berufener Seite ansarbeiten lasse und diese Hilfsmittel den einzelnen Gruppen zur Verfügung stelle. Fs wurde dann über die Propaganda in den einzelnen Vereinen gesprochen beschlossen, die Agitationsarbeit in einer ganzen Reihe kleiner pommerscher und brandenburgischer Städte energisch in Angriff zu nehmen. Eine ganze Reihe anwesender Herren vcrsprachen, den Gruppenvorstand ausführliche Berichte über Agitationsmöglichkeiten und Vorbereitungen einzusenden. Im Anschluss hieran wurde folgende von Barth cingebrachtc Resolution angenommen: ״Es ist dafür zu sorgen, dass durch die Ortsgruppen an allen Orten, an denen die Gründung von Vereinen nicht oder noch nicht möglich ist, Schckclzahlergruppen gebildet werden. Zur Aufklärung der Juden an solchen Orten wird das Zcntralbüro gebeten, eine volkstümliche Broschüre über unsere Bewegung herauszugeben.“ Zum Schluss wurde die Wahl des Gruppenvorstandes vorgenommen, die folgendes Ergebnis hatte: Lazarus Barth-Berlin Vorsitzender Dr. H. G. Heymann-Berlin für Brandenburg, Referendar Grcifenhagen-Stcttin für Pommern. Die Verhandlungen haben eine Fülle praktischer Anregungen gebracht, die sich schon in nächster Zeit in die Wirklichkeit umsetzen lassen. Vor allem wird eine ganze Anzahl Herren in kleineren Orten jetzt in engere Fühlung und ständige Verbindung mit dem Gruppenvorstande treten. Wir hoffen, dass cs auf dem jetzt eingeschlagenen Wege gelingen wird, nicht nur die erlittene Einbusse in Kürze wieder wett zu machen, sondern auch noch darüber hinaus unserer Sac*;c recht viele Anhänger zu gewinnen. Am AbenJ des 27. Oktober fand in Stettin in den Räumen der Sehillcrloge eine grössere Versammlung statt, die recht gut besucht war. .Das einleitende Referat hielt Herr Rabbiner Dr. Joseph-Stole. Er knüpfte an die Worte Wolffsohns an, unsere Aufgaben beständen aus drei gleichberechtigten Faktoren: Politik. Vorbereitung des Landes und Vorbereitung des Volkes. Die Politik werde nach wie vor fast ausschliesslich unserer obersten Leitung Vorbehalten bleiben müssen, die Ja jetzt durch die energische Zusammenfassung aller Kräfte, durch ihre Reduzieruug auf drei Männer und durch Schaffung des Parteifonds, den zu füllen unsere nächste Aufgabe sei. aktionsfähiger als ie geworden sei. Die Vorbereitung des Landes liege hauntsächlieh in den Händen der Palästinakommission, der der VIII. Kongross durch seinen Beschluss, ihr ein Viertel aller regulären Einnahmen zu überweisen, erst die erforderliche grosse finanziehe Basis gegeben habe. Das Volk sei vorzubereiten durch Verbreitung der Kenntnisse über Palästina und unsere Bewegung. Redner wandte sich dann den Einwendungen zu, die uns vom politischen und religiösen Standpunkte aus gemacht werden. Die Furcht, nicht für einen guten Staatsbürger gehalten zu werden, halte viele vom Zionismus fern. Dcmgegenüber wies Redner auf den sympathischen Standpunkt hin. den der jüngst verstorbene Grossherzog von Baden den! Zionismus gegenüber cingemnnmcn habe, wie sich der Deutsche Kaiser, der König von Italien, die englische Regierung zu ihm verhalte, Persönlichkeiten, die sicherlich für diese Frage kompetenter seien als ein jüdischer Professor, der verlange, man solle den Zionisten die Staatsbürgerrechte nehmen. Redner nahm sodann scharf jenen lächerlichen Missionsgedanken unter die Lupe, der nirgendwo in der Welt Ahklang finde als auf den Kanzeln einiger deutscher Rabbiner. Er wies nach, wie utopistisch die Erartung sei. ein Volk, das zerstreut unter den übrigen Völkern Icive. infolge seiner Zersplitterung schwächer als sie alle, ein Volk, das sich selbst verachte, werde grosse und starke, stolze und selbstbewusste Nationen zu seinem Glauben bekehren können. Er forderte die Anwesenden auf. sich der zionistischen Bewegung anzuschlicsscn. die das Heil weder von Wundern noch von der Grossmut der Wirtsvölker erwarte, sondern nur von der bewussten Arbeit eines einigen Jüdischen Volkes. ..Erst wenn wir uns selbst entschlossen helfen, dann wird auch Gott uns hclien.“ Langandauernder Beifall folgte den oft von Acnsserungen der Zustimmung unterbrochenen Worten des Redners. Sodann berichtete Herr Dr. Hcymann über den gegenwärtigtn Stand unserer Arbeit in und für Palästina. Herr Rcchtsanw. Leszynski zog interessante Parallelen zwischen der jüdischen und zionistischen Tätigkeit in Deutschland und in anderen Ländern und Herr Barth gab uns aus dem reichen Schatze seiner Erinnerung an die verflossenen Kongresse einige stimmungsvolle Bilder, die reichen Beifall aus!ös:cn._ Eine P;skussion folgte, in der sich zunächst Herr Rabbiner Dr. Worms- Stettin über den Ton beklagte, den Herr Dr. Josef gegen die antizinnistisclien Rabbiner in der Stadt des Dr. Yo-gclstein angeschlagen habe. Er selbst sei Gegner des Zionismus. Weshalb, das wollte Herr Dr. Worms nicht sagen, weil man über Weltanschauungen nicht in Versammlungen diskutiere. Diese Anschauungen, die Herr Dr. Worms mehrfach zum Ausdruck brachte, wurden von den übrigen Rednern des Abends, den Herren Rabbiner Dr. Josef. Rabbiner Dr. Lcvy-Neustettin. Dr. H. G. Hcymann und Rci. Greifenhagen energisch zurückgewiesen. Mit Recht wurden den! Herrn die Angriife ־ entgegengehaltcn. die grade von der Seite, die Herr Dr. Worms verteidige, seit Jahren gegen den Zionismus und gegen zionistisclie Rabbiner, deren Boykott empfohlen werde, geschleudert würden, gegenüber welcher die die engsten Grenzen vornehmen Taktes innehaltende Abwehr von seiten des Herrn Dr. Joseph noch viel zu milde erscheine. Der weitere Verlauf des Abends gestaltete sich zu einem vollen Erfolge für die Settiner Ortsgruppe. Nachdem noch Herr Brandt namens des Jüdischen Turnvereins die Anwesenden zu detn Stiftungsfest desselben, das am 12. November stattändet. cingeladert hatte, schloss Herr Barth die Diskussion. Gäste und Mitglieder der Stettiner Ortsgruppe blieben dann noch längere Zeit gemütlich zusammen und wurden durch Rezitationen von Frl. Lotte Boetzcl und Herrn Fritz Greifenhagen erfreut. Diese Veranstaltung, die auch materiell für die Stettiner Ortsgruppe und den National- Fonds recht befriedigend auslief. wird hoffentlich die glückbedeutende Einleitung zur erfolgreichen Winterkampagne des Zionistischen Gruppenverbandes Brandenburg-Pommern bilden. Nationalfonds fräs Hatiptbureau des Jüdischen Nationalfonds hat an die Zionistischen Landesorganisationen folgendes Zirkular versandt: Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Im Anschluss an das beiliegende Zirkular, dessen Beantwortung uns sehr erwünscht ist. gestatten wir uns. Sie, falls hei Ihnen eine Nationalfondssammclstellc •bereits eingerichtet ist, noch um folgendes zu bitten: Teilen Sic uns gültigst mit, sofern dies noch nicht ge- .schehcn sein sollte, in welchen Zeitungen diese Sainmelstelle ihren Spendenausweis veröffentlicht, und sorgen Sie bitte dafür, dass uns diese Blätter regelmässig zugeschickt, werden. Die künftige Gestaltung des Spendenausweises für den Nationalfonds denken wir uns folgendcrinasscn: In jedem grösseren Bezirk wird eine Nationalfondssammelstclle errichtet, welche, sofern sie nicht von sich aus ihr unterstehende Distriktkömitets oder Nationalfonds• komnüssionen cinsetzt, allein berechtigt und ermächtigt sein soll, die Spende nzahlungcn ihres Landes oder Bezirks von den Nationalfondskommissionen oder Distriktskomitees oder direkt von den Spendern entgegenzunehmen, und diese