Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1907)
- Date
- 1907-10-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Jg.XII,N0.41 Bei.age JUEDISCHE RUNDSCHAU Aus der zionistischen Bewegung Vom Ernst unseres Woüens schreibt Hugo Schachtel in der WELT ein Vorwort für die Arbeit für den Parteifonds. Er vergleicht die zionistische Opferfreude mit der der deutschen Sozialdemokraten: Es gibt in Deutschland organisierte Sozialdemokraten: Mitte 1906 — 384 000, Mitte 1907 — 530 000. Als Jahrcsdurchschnitt können wir also 457 000 annchmcn. Eiir diese wurde von den Einzel- (lokalen) Organisationen nach Abzug der lokalen Agitationskosten und anderer Ausgaben an die Zentralkassc abgeführt 570550 Mk. — das heisst pro Kopf ungefähr 1,25 Mk. Vergleichen wir damit die zionistische Organisation. In dieser waren in derselben Zeit (19f>6/07), wenn wir die Mprk Schekel gleich einer Person setzen (in Wirklichkeit sind cs ja noch mehr) 88 100 Organisierte. Für diese wurde an die Zcntralkassc 58 700 Mk. abgefiilirt, d. h. pro Kopf 0.66M! Mk. Der Zionist bringt also im Jahre für die Zcntralkassc seiner Partei ungefähr die Hälfte von dem auf. was der Sozialdenmkrat der seinen zukommen lässt. Dieses Verhältnis würde sich noch verschlechtern, könnten wir die Zahlen vergleichen, die die Einnahmen der lokalen Organisationen darstellcn. Jeder organisierte deutsche Sozialdemokrat zahlt jährlichen Beitrag ungefähr 4 Mark, sehr viele Zionisten aber nicht mehr als die eine Mark Schekel. Nun wird der eine oder der andere kommen und ein wen den: Ja. aber der Nationalfonds, die Oelbämnc. der Palästinaschekel, ihr Morris Roscnfeld, für die russischen Pogromiolgen usw. Wir haben leider keine Zusammenstellung für die ganze zionistisehe Organisation, aus der man Schlüsse zielten könnte. Nehmen wir aber Deutschland als Beispiel: cs soll Länder geben, in denen noch weniger aufgebracht wird. Da sind im letzten Jahre an Nationalfonds ' und Oelbamnspende und anderen zionistischen Sammlungen insgesamt 31 793 Mk. zusammengekommen, d. h. bei 6000 Schckclzahlcrn pro Kopf sage und schreibe fünf Mark. Demgegenüber bringen die Sozialdemokraten in Deutschland jährlich für die Gewerkschaft allein pro Kopf bis über das Zehnfache unserer Leistung für den Nationalfonds (der vielen so heilig ist. dass sic ihn durchaus nicht vermehren wollen) auf. Die Notenstecher zahlen 55.67 Mk., die Lithographen 44,32 Mk., die Bildhauer 42,55 Mk.. die Holzarbeiter 46.48 Mk. u. s. f. Zu diesen Beträgen kommt aber immer, noch ein mindestens eben so hoher Betrag durch indirekte Bestcnerung und Umlagen für besondere Zwecke, ergibt also für den deutschen Sozialdemokraten das Zwanzigfache von der Leistung des deutschen Zionisten. Und der sozialistische Arbeiter gehört häufig ausserdem noch einem Fachverein an. muss Krankenkassen- und Invalid!- tätsbeiträge zahlen und hat — wohl ein nicht so hohes Einkommen oder gar Vermögen wie der Durchschnitt der ״bourgeoisen“ Zionisten. Wir sind aber mit der Betrachtung damit noch nicht am Ende. Das Parteiorgan der deutschen Sozialdemokraten, der VOR- WÄRTS, ein Tageblatt, ergab im letzter! Jahre einen Uebcrschuss von 171000 Mk. — das Parteiorgan der Zionisten, deren Organisation den vierten Teil der deutschen Sozialdemokrat!- sehen ausmacht, ergibt aber nicht etwa ein Viertel dieses Überschusses, auch nicht ein Achtel oder Zwölftel, wohl aber ein Defizit von über 15 000 Mk.*) Aber noch mehr: Die deutschen Sozialdemokraten haben noch drei Organe: DIE NEUE ZEIT. GLEICHHEIT und WAHRER JAKOB, die zusamnien einen Ueberschuss von 54 000 Mk. abw'crfen. denen wir höchstens HAOLAM mit dem Defizit von über 5600 Mk. gcgenübcrstellcn können. Unser WAHRER JAKOB, der SCHLEMIHL. hat sich leider gar nicht halten können. Auch grössere Spende!! finden wir in dem sozialistischen Kassenbericht verzeichnet, insgesamt etwas über 40000 Mk. Bei uns noch nicht 7000 Mk. Die Fonds der deutschen Sozis ergaben im letzten Jahre 30 700 Mk. Zinsen. Wir zahlten ca. 3500 Mk. Nun nur noch einige interessante Zahlen aus den Ausgaben der Sozialdemokraten in Deutschland: Allgemeine Agitation 189000 Mk., Wahlagitation 459 500 Mk., Parteischule 66 600 Mk., Gehälter und Verwaltung 34 600 Mk.. Parteikorrespondenz 35 500 Mk. Es erübrigt sich, dem noch viel hinzuzufügen. Die Zahlen sprechen zur Genüge für sich selbst. Wenn Hugo Schachtel diesen Vergleich zieht, wenn er darauf hinwfeist. dass es eine Schande w׳äre. w׳enn wir nicht zu antworten wTisstcn, wenn uns den Leistungen deutscher Arbeiter gegenüber die geringere Opferfreudigkeit deutscher Zionisten entgegengehalten werden könnte, so wollen wir jetzt die Gelegenheit ergreifen, die sich uns bietet, zu zeigen, dass wir nicht minder begeistert für unsere Sache sind, als die Angehörigen irgend welchen Volkes oder Standes für die ihrigen. Die Sammlung für den Parteifonds, die eine Lebensfrage der Partei ist. wird den Beweis liefern, dass wir nicht bloss in den Versammlungen für den Zionismus zu sprechen r,׳ermögen, sondern dass wir gern und freudig die materiellen Opfer bringen, die die Sache von uns heischt. Wer unter uns im bcsonderen politische Betätigung will, muss wissen, dass diese gerade am meisten Geld erfordert. Und wer sich der praktischen Arbeit widmen will, weiss nicht minder, dass sie ebenfalls ohne Geld und wiederum Geld eine absolute Unmöglichkeit bleibt. Darum muss jeder Zionist, ganz gleich W'clchcr Richtung des zionistischen Weges er insbesondere betont wissen will, für den Parteifonds sammeln und nacl! Massgabc seines Könnens reichlich spenden. Mitteilungen des Zentralburcaus d:f Zionistischen Vereinigung für Deutschland Das Zcntrnlburcau beabsichtigt auch in diesem Jahre die Vermittlung von Einzelvorträgcn und Agitalionsturnecen in die Hand zu nehmen. Es werden daher diejenigen Damen und Herren, wcüche zur Uebernähme von Vorträgen bereit sind, ersucht, umgehend dem Zentralbureau sich unter Angabe ihrer Themata, der Zeit, in der sie zu reisen bereit sind etc. zu melden. Dfc Gruppenverbände und Ortsgruppenvorstände bitten wir, uns solche Damen und Herren ihres Bezirkes, die zum Halten von Vorträgen bereit und geeignet sind, aufzugeben. Aufruf Im Laufe dieses Studienjahres feiert die akad. Verbindung ״Kadlmah“ ihr fünfzig-semestriges Stiftungsfest. Der Generalkonvent des Jahres 1907 hat beschlossen, dieses Fest, würdig der grossen Bedeutung die es für die Geschichte der jüdischen Renaissance hat, zu begehen. Das Jubiläum der ״Kadimah“ soll ebenso w׳ie ihre Gründung ein ragender Markstein auf dem Wege zur jüdischen Selbstbefrelung sein. Deshalb richten wir an alle, die jemals mit der .Kadimah“ In Verbindung oder Verkehr gestanden sind, das Ersuchen um Einsendung ihrer Namen. Adressen undMitteilungen. damit wir sie über alle Massnahmen der Festkomitees verständigen können. I. A. d. A. C. Der Ferialleiter: Ing. A. Löw־enstein. (XX, XXX). I. Kommers-Komitee: Dr. Isidor Schalit. Dr. M. T. Schnircr. Dr. Max Bernhardt. II. Ball- Komitee: Dr. Schwan. Dr. Josef Feingold. Dr. J. Weiler. III. Pcstseit r ift-K 0m 11ce: Dr. Nathan Birnbaum. Red. Julius Uprimny. Akad. Mater Karl Josef PoIIak. IV. F i n a n z -K 0 m i t e e: Bankier J. & A. Brecher. Dr. S. Wassermann, cand. iur. L. Rosenhck. Alle Zuschriften sind geil, an das Sekretariat der ״Kadimah“, Wien, IX., Grüne Torgasse 19a, zu richten und mit dem Vermerk ״L Semester" zu versehenl *)In Wirklichkeit leider an 30000 Mk. I!