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Jüdische Rundschau · 1907-06-28 · Heft 26 (28.6.1907) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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So. 26 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 273 bedingt werden, lassen es dringend wünschenswert erscheinen, dass ein grösserer Fundus ihn der Sorge entheben würde, die schwankenden Hinnahmen mit den feststehenden liir drei Jahre iestgelcgten Ausgaben in Kinklang zu bringen. Der Bericht schliesst mit Worten des Dankes an alle, ־die bisher durch Beitrüge und werktätige Arbeit die Bestrebung», des Vereins unterstützten. Posen. Die zehnte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogcn-Gcmeiuden des Regierungsbezirks Dosen fand iru Reprüsentanten-Sitzungssaalc der Synagogen- Gemeinde hier statt. Vertreten waren folgende Gemeinden: Buk, ürätz, Jarotschin, Kosehinin, Lissa. Posen, Schwersenz und Wrcschen. Der Verbandsvorsteher, Herr Ign. Gold Schmidt, begriisste die Krschietienen und erstattete den Jahresbericht. Im Berichtsjahre haben sich dem Vcrbandcd 7 Genieinden neu angcschlossen und eine Gemeinde ist ausgeschieden. Zur Zeit gehören dem Verbände folgende 35 Gemeinden an: Birnbaum, Bojauowo. Bonist, Buk. Dobrzyca. Grätz, Jaratschcw •>, Jarotschin. Jutroscbiii, Kobylin, Koschmiu, Kosten, Kostscliiu. Krotoschin, Lissa, Moscbin, Neustadt bei Pinne, Ostrowo, Pir.ne, Pieschen, Posen, Rakwitz, Rawitseh, Sumtcr, Sautomisohel, Scluniegel, Schritnni, Schroda, Schwerin a. W., Schwersenz, Zduny. Im Jahre 1906 wurden insgesamt jstil,67 Mark vereinnahmt: verausgabt zusammen 2152,09 M. Herr Rabbiner Di. Bloch ersticht in! Namen des Kuratoriums des jüdischen Gesamtarchivs in Berlin, der Verband möge dahin wirken, dass die im Bezirke vorhandenen Archivalien »der deren Abschriften oder wenigstens Verzeichnisse derselben dem Gcsamtarchiv übersandt und die zur Auüiiidur.v. von Archivalien deputierten Herren i:1 entgegenkommender Weise von den (jemeindevorstäuden hei ihrer Tätigkeit unterstützt werden. Dem Krsucheii soll, so weit als angängig, entsprochen werden. Durch die Hinrichtung der Bezirksnbbinate wird sowohl eine Ucbcrwachung und Verbesserung des Religionsunterrichts und der sonstigen religiösen Hin•11: '׳- timgcu herbcigcfiilirt. als auch das Genicinddebcn nach jeder Richtung hin gefordert. Infolge der ungünstigen pekuniären Verhältnisse der kleinen Geinemden sind aber fast überall Zuschüsse seitens des Verbandes erforderlich, welche bisher auch durch die Beiträge der grösseren Gemeinden und den Mim Deutsch-Israelitischen Gemeindebuud pro 19116 bewilligte!; Zuschuss von 300 Mark geleistet werden konnten. In die Kommission zur Prüfung der Jahresreehnung pro 1906 werden gewählt eie Hetrcn: Herzog-Posen. Lippniann-Buk. Goldsclunidt-Lissa. Nachdem die Rechnung geprüft und richtig beiim.dcn wurde, wird die Entlastung ausgesprochen. 6 Aussdmssniitglicder, die Herren Justizrat Salz. Geheimrat Herz, M. Weruer-Posen. Leopold Lippmann-Buk, Rechtsanwalt Boldschniidt-Ostrowo und J. Goidschmidi-Lissa werden aut 2 Jahre vicdergcwälilt. ln die Kommission zur Förderung des Religionsunterrichts usw. werden gewühlt die Herren (iemeinderabbiner Dr. Feilehenfeld-Posen. Rabbiuer Dr. Bloch- Posen, . Silberberg-Posen, Rabbiner Dr. Lew in-Wreschen. Alfred Markus-Pinne Lehrer enter. Grfmield-Seliwerscnz. Der \on Herrn Rabbiner Dr. Lewin-Wreschcn ausgearbeitete Lehrplan wird der Fachkommission zur Vorberatung überwiesen. Die Generalversammlung pro 1907 soll aus Anlass der zehnjährigen Wirksamkeit möglichst zeitig abgehalten werden. Landeck. Herr Geheimer Kommerzienrat Hugo Sonnenthnl aus Dessau feiert am 1. Juli d. J. sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjiibilüum als Vorsteher der jüdischen Gemeinde Dessau. Wenn es auch nicht die Aufgabe eines Parteiblattes ist, Vorgänge, die nur lose mit den Parteihestrebungen Zusammenhängen, zu registrieren .so soll hier eine Ausnahme gemacht werden, um der Verdienste willen, die sich der Jubilar um seine Gemeinde und zum gewissen Teil auch um unsere Sache erworben!tat. Herr Gcheirurat Sonnenthal war vor 25 Jahren in das Vorsteheramt berufen. Damals war das Dessauer Gemeindewesen aus alteingesessenen ehrwürdigen jüdischen Familien zusannnengefügt. Durch die wirtschaftliche Umwälzung hat sich das Gefüge gelockert. Viele Familien waren verstorben, viele verzogen. Neue kamen hinzu. Das Getneindebild bekam eine ganz andere Physiognomie. Unter den veränderten Umständen bedurfte es einer starken Hand, um das Gemeindewesen zusammen zu halten. Herr Sonneuthal leitete es mit festem Willen. Seiner Besonnenheit und seiner Ruhe war cs zu verdanken, dass Störungen in der Gemeinde wie sie ein solchcc« Wechsel naturgemäss hätte mit sieh bringen können, ausblichen. Sein vornehmes Wesen und seine Friedfertigkeit hewirkten es. dass alle Parteien Vertrauen zu ihm fassten. So konnte sich die Dessauer Gemeinde auch unter den veründerten Verhältnissen gedeihlich entfalten und eine Blüte erreichen, die ihr den Namen sichert, den sie von altcrshcr besass. Auch um die Gemeindefinan/.en hat er sich viele Verdienste erworben. Bei seiner Übernahme derselben waren sie in Un- Ordnung. Er brachte musterhafte Ordnung hinein. Für durchgreifende Neuerungen auf dem Gebiete des Kultus war er nicht zu haben. Den Kultusbcamlcn kam er leutselig entgegen und man kann nicht sagen, dass er je harsch oder gar beleidigend den Beamten entgegengetreten wäre. Auch unserer Sache gegenüber zeigte er sich weitherziger als viele andere Gemeindevorstände. Bei Beginn unserer Bewegung haben viele jüdische Vorsteher jede zionistische Tätigkeit unterdrückt. י Herr Geheimrat Sonnen thal tat cs nicht. Kr ■ist kein begeisterter Anhänger unserer Bewegung. Aber er hat die zionistische Arbeit in seiner Gemeinde nicht gestört, eher gefördert. Seit einigen Jahren zahlt er regelmässig einen jährliehen Beitrag für den N a 11 o n a I i o n d s. So rüstet sich die ganze Gemeinde ohne Parteiuntcrscliiede zu .seinem Jubcltag. um ihm Anerkennung und Dankbarkeit zu zeigen. Möge es dem Jubilar vcrgfmnt sein, noch recht lange an der Spitze der Gemeinde zu stehen und somit zur Entwickelung des Gesamt Judentums beizut ragen! B. in L. Kleine Mitteilungen Halhcrsiadt, 19. Juni. Mitte voriger Woche starb liier plötzlich der Klausrabbiner Satomon Cohn 1צ ל im 77. Lebensjahre. Sein Tod versetzte nicht nur seine Angehörigen, sondern alle Gcmcirdcmitglicdcr und nicht zum wenigsten unsere Ortsgruppe, in auirichtig-ernste Trauer. Hatte der Verstorbene es doch in hohem Masse verstanden, während seines mehr denn 25jäl1!igcn Wirkens sich die Bewunderung und Zuneigiing aller zu gewinnen. Seine immense talmudiselie Geklirsainkcit, von der sein bei jüdischen Gelehrten hochbewertetes Werk •י:;* דד C'2 beredtes Zeugnis ablegt, paarte sich mit gründlicher Bibel-Kenntnis und mit einer unvcrgieichliehen Meisterschaft im Gebrauche der licbr. Sprache: seine unerschütterliche, vorbildliche Frömmigkeit hatte aus einem reifen Erfassen aller modernen philosophischen Probleme und Gedanken nur neue Nahrung und Stärkung gesogen: an: meisten aber zierte ihn seine unendliche, nimmer ermüdende Menschenliebe, die ihn zum treuen aufrichtigen Freunde all derer befähigte, die den Umgang und Verkehr des beseheidenen Mannes suchten. Neben seiner unbegrenzten Liebe zu Zion und Jerusalem mag cs wohl vorzüglich dieses echtjüdische Geiiilil der Zusammengehörigkeit und gegenseitigen Verantwortlichkeit aller Juden gewesen sein, das ihn dem Zionismus in die Arme führte und das den greisen Gelehrten bewog, sein stilles Studierzimmer zu verlassen und in oifentlicher Versammlung zu erklären, dass sein streng-religiöse.. Standpunkt durchaus nicht hindere, sich dem Zionismus anzuschliessen. Das Fortschreiten unserer Bewegung hat er stets mit warmem Interesse verfolgt und den Zeitpunkt ersehnt, au den! er selbst noch den Beginn der praktischen Arbeit in Palästina erleben könnte. Mit seiner Eintragung ins ״Goldene Buch des Nationalfonds’' hatte unsere Ortsgruppe ihm eine verdiente Ehrung und eine aufrichtige Freude bereitet. Territorialistische Lebenszeichen Die Konferenz der russischen Territorlalistcn hätte um die Mitte vorigen Monats in Wilna stattfinden sollen, wurde aber plötzlich untersagt, weil die Organisation in Warschau legalisiert sei. weshalb die Konferenz dortseihst tagen müsste. Da jedoch alle Vorbereitungen für Wilna getroffen wurden, und es der Föderations-Exekutive daran gelegen ist. die Konierenz möglichst im Zentrum des Ansiedhmgsravoiis abzuhalten, wurde beschlossen, dieselbe bis zum Spätsommer zu verschieben, um inzwischen die nötigen Schritte einzuleiten, damit das Miuistrium seine Verfügung zuriiekziehc. Bern. Die jüngst in Zürich abgehaltene 2. Jahrcskonkreuz der schweizerischen Territorialisten hat folgende mehr als in einer Hinsicht bemerkenswerte Resolution einstimmig angenommen: ..Die Jahreskonfercnz lehnt jede Verantwortung für jedwedes Unternehmen des Itodirektoriums. das nicht unmittell:;»r auf die Kireiclumg eines autonomen Territoriums abzielt ab. so lange nicht ein allgemeiner Itokaugress dieses als in dem Rahmen des Itoprogramms gelegen anerkannt hat.“ Von anderer Seite wird mit gutem Grunde dagegen geltend gemacht, dass die Jto im eigensten Interesse ihrer Existenz keinerlei Kongress abhalten könne oder solle.

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