Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1907)
- Date
- 1907-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651513--04523-2661500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Säte 127 getan unter und der .(er Vi »grom noch Plünderung und "dem ßlutvcrgicssen 'zwar Einhalt die Ruht wieder hergestellt. aber die Erregung jüdischen Bevölkernng dauert an. NTch anderen Mitteilungen hatte giösscren Umfang. ...... ,׳-, . __ : Aus Rumänien : . 7 Den rumänischen luden droht jetzt eine grosse Gefahr, ln den Distrikten Botosaniumt Dofoh'ni werden die Bauern von antisemitischen Hetzern gegen die .luden atifgestachelt und fordern von den Ämtern .,E.rdc in Pacht gegen Zahlung von 25 Franken dicEaltsche“ (l Ealtschc ~ 80 Pralim. 56 Prajini 1 Hektar). — einen Betrag, der lächerlich klein ist. im Vergleiche zu״! tatsächlichen Wert des Bodens ■ und Vertreibung der Juden aus den Dörfern. Als erster Sündenh:»ck steht in den Augen der Bauern der jüdische Pächter da. Er und alle jüdischen Dorfbewohner - deren cs bekanntlich nur eine ganz *geringe Anzahl gibt -- tragen nach den Belinmmmgcn der gewissenlosen Agitatoren, die Schuld an der Verarmung ucr Bauern. Infolge dieser Hetzen rotten sielt die Bauern itt grosser Zahl zusammen, überfallen sämtliche jüdische Einwohner und vertreiben sie. — Von den Hauptstädten de. Bezirke ist Militär nach den einzelnen Ortschaften ab!;״;•־- mam'iort worden. Die Bauern geben ־aber nur wenig nach. In T i r g u - F ru nt os sind‘ t bessar.tbisclie Studenten, welche die Bauern gegen Juden ainlietztcn. verhaftet worden. Daraufhin hat die StuJentenschult der Jassver Universität die Sache der Bauern zur ihrigen gemacht, was die Gefahr iür die jüdische Bc.üü.cruag :'cden'cua \ergrössert |!!t Distrikte Botosani zeigt der Präfekt ganz offen seine antisemitische (iesi1׳!mng. Die Bauern habt. 11 Dis letzt revoltiert in den Ortschäften: R ad eiii. M a < 11 t .׳ II ä r i a u . D c IC• 11 i (Bezirk l'otos mik ־ - Von da greift die'Revolution auch in den Jassver Distrikt über, so in die Dürrer: Ceplinita. B a tl c n'i. Den!ul. Ho dura. Co' nnri. —- Einer von den vielen Jud.n. die unter dieser. Verhältnissen stark gelitten, ist auch der bekannte Schriftsteller Rotte tti Roman, der in zv• ei Audienzen dem_ Könige nie Sachlage geschildert hat. Die Regiernng trih't verschiedene Maßregeln, die bis jetzt noch nicht imstande waren, die revoltierenden Bauern zur Ruhe zu bringen. - Inzwischen bat in der Kammer der :mtisemitische Abgeordnete Codrescu einen Gesetzentwurf eingebraeht. v.otnJi Juden das Pawhtcn von Gütern unmöglich gemacht Werden soll. Auf alle Fälle dar! nun aber erwarten. d.!ss auch der blosse AuientE'alt der Juden auf dem Lande, noelt mehr als bisher erschwert werden wird. Allen denjenigen unter uns. welche solche Zustände nicht träumen wollten.־ gehen jetzt die Angern auf! ־־ --lg— Am Mittwoch Abend, dem 13. März, kam es zu einem regelrechten Pogrom in Pgdiil-Iloaie, einem Orte zwischen Paschkany und Jassy. Der Krawall datierte auch Donnerstag noch au. Ein Teicgramm. das der Hilfsvcrein der Deutschen Juden über das Ereignis aus Podublloaie erkalten hat. lautet: Durch eine Plünderung unserer Stadt am letzten Donnerstag sind wir völlig verarmt. Es fehlt an allem, lielit.״ Der Hills• verein der Deutschen Juden hat soiort eine grössere Summe überwiesen, um der augenblicklichen Not zu steuern. Sollte die rumänische Regierung nicht der Polizei und dem Militär strikte Befehle erteilen, die Ausschreitungen energisch zu unterdrücken, so ist zu befürchten, dass die verarnite bäuerliche Bevölkerung die Plünderung der Juden fortsetzen w ird und die russischen Pogrome sich in Rumä liei׳. in verstärktem Masse wiederholen. In Botoschani wollten Bauern in die Stadt eimiringeu. Das Militär feuerte. V ier Bauern wurden getötet, acht verwundet. Die Unruhen im nördlichen Ru tu ä n i e n . die nebst einem agrarischen hauptsächlich antisemitischen Charakter tragen, haben gewaltige Dimensionen angenommen. Im Jassver und Dorobaier Bezirk kam cs zu grosser. Verwüstungen, das von Juden bewohnte Städtchen Botoschau! steht in Flammen. Handel und Verkehr stocken. Unser rumänischer Berichterstatter bestätigt uns. dass die ßaucrnrcvoltc grosse Dimensionen annimnit und dass die Regierung, die nicht um der Juden willen, sondern weil 6ic weiss. dass die Bewegung nicht bei den Juden stellen bleiben wird, t» c r c i t s in e Irr e r c Jahrgänge der Reserven (18°9 bis jetzt) zu den Wauen cinbunfcn lut. Das gaiw.e Regimen־* der Bacauer Uni*! ist fort gegen Pascaui. In der Umgegend von Jassy, besonders itt Bivolari, fanden grosse Krawalle gegen die Juden stau. Alter bereits musste die Regierung criahrcii. dass dort die Ausschreitungen .auf christliche Pächter und Gutsbesitzer sich mitzuerstreckcn begannen, die stark leiden. Die Regierung tut nunmehr ihre ׳ Pflicht. Die• ganze Studentenscbait Rumäniens hat sich de•!• Bauernbewegung angeschlossen. Sicher ist cs. dass die Liberalen, die ..jetzige Opposition“ der Regierung, die Hand im traurigen Spiel haben. In PoduMfoaiei litten die Jude!! besonders stark, so dass die ganz.e jüdische Bevölkerung sielt nach Jnssv flüchtete.; ’ aus Bukarest «lassen erkennen, das* organisierten ..I u d e n h c t z e 11 in 1 russischem erden eiirig Weitere Depeschen die von den Liberalen Rumänien genau nac« werden. Die Pogroms Lnudes planmüssig gct:*c;>en und die mit grosser Grausamkeit durcligefiihrt. ,Landes biissten viely Juden Andere wurden schrecklich g furchtbare Verletzungen, die sic Muswr durcbgciülirt. in vielen Teilen י\י.יס Verfolgungen wenden* In allen liegenden dev ihr Leben c i 1!.: e martert und erlitten 11־ b e 11 s! ä n gl i e 11 .zu der Krüppeln machen. Die Grösse und der Unifam Judenverfolgung lässt sich noch nickt übersehen. Die Regierung' triff! jetzt energische Mussregeln zur Unterdrückung der Unruhen. Verwüstungen fanden ferner statt in Baslul, Bulinschi, Budurieui, Lespe/j nid Ncgreschtl. Itzkany und andere Von Juden bewohnte Städte sind völlig zerstört. Bei Suczawa kampieren Tausende s:׳n Jliiltii auf freiem F׳.ldc. Viele Tausende k׳ imten fiäc.htcr J .die oster;viel.isclic Grenze erreichen, wo ihnen der t cDcrtritt c!kräht w urde. in Czernowltz. und andern J!1denstnd:en der Bukowina treffen mit allen Zügen Tausende von fiüclitig׳.:! Juden ein. f~1 Sprechsaal3־ Für die Mitteilungen an dieser Steile übernimmt die Redaktion nu^die pressgesetzüchc Verantwortlichkeit. Berlin. In der JÜDISCHEN RUNDSCHAU vom s. März heisst cs im Leitartikel, in Marburg hätten sieh S׳/i;.!Je::: ):rate;׳ und Nationaliibernle z.11>.!!i-.111en!.;uaa. um den Je!:t>.c!1• sozialen Dr. Böhmegegen den Kandidaten der Freisinnigen Vereinigung H. v. Gerl ach durch/.'ibringen. Dies ist!!:•• richtig. Schon die blossen Zahlen der abgegebenen Stkninei zeigen cs. Es erhielten in der Hauptwahl Dr. Böhme 2**77 G e r 1 a c h •1306. der Z e n t r u m s k a n d i d a t 2371, S: 1551 N: H'7•!; DaSS 11 wegen, weil in der Stichwahl Böhme Id •415־, Gier lach >273*־! •krateii Gerlach imtcrstüizteu, geschah desvon allen Liberalen ihnen am midisten steht eie Sozialdcn er Die natiVinaliibeiale Parteileitung hat wie in WalJcck-Pyrmont. so auch in Marburg Parole iür den Kandidaten der Freisinnigen Vereinigung gegen den Antisemiten ausgegebeu. Die Partei, welche Böhme die neuen lüod Stimmen zimihrtc. war das Zentrum, w elches strikte Stimmenabgabe iür Dr. Böhme proklainierie, sadnss schon vor der Stichwahl mehrere Blätter den sicheren Sieg der Antisemiten vorhergesagt haben. Was den Wahlkreis Giessen anbetrifft. so lautete dort nach einem Telegramme von Herrn Dr. David die sozhlde'mokratische Parole für der. Nationalliberalen Hevligeiistädt. Der Wortlaut des Tekg1.1;1::nes wurde’aber gefälscht, sodass die Sache ein gerichtliches Nachspiel haben w ird. Die VOSSI- SCIIE ZEITUNG berichtete darüber in einer der letzten Abendnummern.׳ In Atsf old-Lauterb ach endlich haben aller Wahrscheinlichkeit nach die Sozialdemokraten ebenfalls nicht für den Antisemiten gestimmt, sondern entweder der Stimme sich enthalten, da der frühere Abgeordnete Dr. Wallau ein sehnrfer Gegner der Sozialdemokraten wai. oder die 17 586 Stimmen mit auibringeii helfen, die der Abg. Wallau in der Stichwall! gewonnen. Ferner hätten die Liberalen beinahe einen imgctaufteii Juden in der Person des Dr. Weill (Karlsruhe)י) in den Reichstag gebracht. Komisch wirkte es. dass im Wahlkreise Göttingen Le ein (N.) und lievmann(S.) gegen einander standen, wobei dann allerdings ein Herr mit etwas germanischerem Namen Gütz von Olcnhausen der tertius gauüeiis war. Fritz Joelsohn. *) Weill hat seine Kinder taufen lassen. (Red.) Mit der nächsten Nummer unseres Blattes schliesst das!. Quartal des Jahres 1907. Wir werden uns daher erlauben, dieser Niutinier eine Aufforderung zuui Abonnement der Zeitung belznlegcn und bitten diejenigen Leser, welche bisher noch nicht Abonnenten der JÜDISCHEN RUNDSCHAU sind, die Ahonnomentsaultordeniiig aii&zulüllen. EJUS