Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1907)
- Date
- 1907-02-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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■9•!•»ד״נזדיד־־ג'.י :.ד. Cיי »!ל•:?.: Beilage JUEDlSCHfE RU N DSC H AU JS• xll> N°• 6 Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland I. Die Monatsschrift ALT-NEULAND, welche seit dem I. Januar unter dem Titel PALÄSTINA erscheint, hat den Abonnementspreis für die Abonnenten der JÜDISCHEN RUND- SCHAU auf 2,50 Mark herabgesetzt. Bestellungen nimmt der Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU. Berlin N. 54, August- Strasse 49 a. entgegen. 2. Palästinabeiträge. Die Spendenhefte für Palästinabeitrage sind nunmehr fertiggestellt und stehen den Ortsgruppen und Vertrauensmännern zur Verfügung. Jedes Heft enthält 20 Quittungen über ie I Mk. —I Aus den Ortsgruppen ן— Charlottenburg. Die zionistische Ortsgruppe C h a r - lottenburg veranstaltet am Montag, dem 18. d. Mts., eine öffentliche Versammlung mit dem Thema: ״Die hntwick- Jung der Juden zu״! Z i o 11 i s m u s“. in der D r. Elias Auerbach das Referat halten wird. Berlin. 2t». Januar.4) Gestern abend fand in der erst kürzlieh gegründeten hiesigen Misraelii-üruppe. d e bereits über 4U Mitglieder zählt, eine Mitgliederversammlung statt. Der Vorsitzende, Herr Hermann Struck, begrüsste die Vcrsanuulung und in ihrer Mitte Herrn Rabbiner Reines. Sohn des Führers der Misrachi-Bewegung und erstattete dann Bericht über die bisherige Tätigkeit des Vereins. Herr stud. jur. Müller referierte׳ hierauf über die Ziele des Misrachi und hetonte die Notwendigkeit einer intensiveren Arbeit und Verticfimg der Misrachi־ldee vor allem in gesetzestreuen, nichtzionistischen Kreisen, dann aber auch bei den nichtgesetzestreuen Zionisten. Eine lebhafte, und anregende Aussprache, die sich hieran anschloss, führte zur Einsetzung einer Propagandakommission, deren Aufgabe besonders in der Ausarbeitung praktischer Vorschläge zur Verbreitung des Misrachi bestehen sollte. Der Vorstand, der dann neu gewählt wurde, setzt sich nunmehr aus folgenden Herren zusammen: Hermann Struck, Dr. Erlanger, stud.׳ für. Möller, Edmund Lewy ,Harry Geis, eand. phil. Lescynsky ur.d Arthur Marcus. Der Vorsitzende teilte noch mit. dass fortan regelmässige Mitgliederversamm- Imigen stattfinden werden und eine zweite öffentliche Werbe- Versammlung in Aussicht genommen sei. Beitrittserklärungen, auch aus der Provinz, nimmt Herr stud. jur. Möller, Berlin C., Gr. Hamburgerstrasse 40 entgegen. Leipzig. In der am 31. v. M. abgehaltenen Gene rat.•er- Sammlung erstattete der Vorsitzende Herr Dr. E.Chamizer den Rechenschaftsbericht, aus dem besonders das Anwachsen der Mitgliederzahl um .35 neue Mitglieder hervorzuheben ist. Nach Erteilung des Absolutoriiims wurden in den neuen Vorstand gewählt: Dr. E. Loebl als erster. Rechtsanwalt Löffler als zweiter Vorsitzender und die Herren T. S c h I e s s J. T 0 e k e 1, R. C 11 a m i 7. e r. J. Katzencllcnbogen und J. Asche r. Cöthen. Am 1. Februar veranstaltet der Akademische Zionistische Verein .,T c h i o*‘ einen Vortragsabend, zu dem auch Gäste geladen waren. Unser Vereinsbruder cand. chem. N. K a t z sprach über ״Die Zionistische Konferenz in H eising tors und. ihre Ergebnisse“ Der durchaus sachlich gehaltene Vortrag fand vielen Beifall und gab zu einer regen Diskussion Veranlassung, an der sowohl unsec Mitglieder als auch die Gäste teilnahmen. M. L. 1 Königsberg I. Pr. In d i s c 11 e Kunst lautete das Thema eines interessanten Vortrages, den Dr. Julius Moses- Berlin am Dienstag Abend in der K ö u i g s b e r g e r Z i o!1 i s t i ־ sehen Vereinigung in der Bürgerressource vor einer zahlieichen Zuhörerschaft hielt. Der Vortragende wandte sich zunächst gegen die von verschiedenen Seiten erhobenen Vorwüric. dass das Judentum kunstfeindlich sei. Wem die Juden im Mittelalter noch keine Künstler auizuweiseii haben, so sei das nicht verwunderlich: ihre Beschäftigung mit der bildenden *)■•.unlieb verspätet eingesamii. Kunst sei erst neueren Datums, sie datiere, erst seit der sozialen Besserstellung der Juden. Doch sei cs keine j ü d I -?c h ״ K״nst gewesen, die die Juden zunächst ausübten. weil ihre Produktion ausschliesslich von ihren nichtjüdischen Nachbarn angeregt wurde und weil sie sich nicht mit jüdischen Motiven beschäftigten. . Man sei sogar jüdischen Problemen geflissentlich aus dem Wege gegangen. Heute dagegen könne man wohl von einer nationaljüdischen Kunst sprechen, wenn sie auch noch nichts in sich Fertiges und Vollendetes sei. Der Vortragende führte darauf jüdische Künstler der Gegenwart an, deren Werke echt jüdisches Wesen atmen, so den Altmeister der holländischen Maler. Joseph Israels. Max Liebermann, einen der bedeutendsten Maler der Gegenwart, Lcsser Uri, den originellen Schwarzweisskünstler Ephraim Moses Lilien, der in neuerer Zeit daran gehe, die ganze Bibel mit Illustrationen zu schmücken. Jehuda Epstein, Leopola Horovic, Isidor Kauffmann. der eine Menge köstlicher Genrebilder geschahen hat, den Radierer Hermann Struck, den jungjiid'schenMaler Pasternack u. v. a. und gedachte dann einiger bedeutender zeitgenössischer jüdischer Bildhauer, wie Henry Glicenstein. des vor kurzem verstorbenen Markus Antrokolsky usw. Die bedeutendsten und bekanntesten Schöpfungen der vor! dem Redner angeführten Künstler wurden in wollige- Juugenen Lichtbildern vorgeführt und von Erläuterungen begleitet. Zum Schluss wandte sich Dr. Moses der jüdischen Dichtkunst zu. die er eingehend behandelte. Reicher Beifall leimte die Ausführungen des Redners. Königsberg i. Pr. Am 30. Januar!eierte der Hebräische Sprachverein Ibria das Pflanzungsfest 15״. Schewat”. Nach alter Sitte wurden Früchte gegessen und verschiedene Vorträge gehalten, selbstverständlich in hebräischer Sprache und auch des Herzlwaldes wurde gedacht. Der Verein ״Ibria”, welcher wöchentlich eine Versammlung ahhült, ist sehr populär gcworden imd wird regelmässig \on 40—50 Teilnehmern besticht. Die hebräische Sprache ist den meisten Teilnehmern geläufig geworden; zumal wir solche Hebraisten wie Wilkausei (A. 1 Zion:) Krieger. Klein u .a. besitzen. Dann ist in diesem Verein I das Interesse für die hebräische Sprache bei den Herren wie! bei mehreren jungen Damen sehr rege geworden; leider nur | bei den unmittelbar aus Russland stammenden. Wir wollen ‘ henen. dass auch die westliche Jugend, insbesondere der j V.J.St. der Sprache mehr Interesse entgegenbringen werden, i S. j Posen. Jddischer Diskutier-Klub. Dem jüngst! stattgefundenen öüentlichen Vortrag des Herrn Dr. C. Kassel; über ״Was brachte uns die Judenemanzipat'on?" entnehmen j wir folgende Ausführungen: Der Reformator Luther brachte 1 eine ,neue Auffassung von Wert und Wesen der Untertanen, j Aus den Hörigen wurden Bürger. Das Aufblühen des Schul-. 1 weseits sorgte für die Verbreitung des Gedankens von der Würde des freien Mannes. Auf Luther ist also der Keim des Liberalismus zurückzuiiihren. über die Juden führte er eine harte Sprache. Aber sein Werk sollte gar bald auch Ihnen zu gute kommen. Die Freiheitsidee liess sich nicht mehr aufhalten. Nach manchen Schwankungen und Wandlungen brach sie sich Bahn. In Frankreich brachte die Revolution einen grossen Fortschritt in der Emanzipation der Juden. Und was das gute Herz Ludwigs XVI. begonnen, setzte das Genie, der Hersteller der Ordnung, Napoleon fort. Der Gedanke der Judenemanzipation stammte aus Preussen. Job. Christ. Dohm, ein Freund Moses Mcndelsohas. hatte durch sein Werk ״über die bürgerliche Verbesserung der Juden" die Frage aufgerollt. Malerherbes. Mirabeau und später Napoleon schöpften aus ihm. ״Mit der unbilligen und ünpolitisehen Behandlung der Juden werden auch die üblen Folgen derselben verschieden. — In kurzen Zügen verfolgte der Vortragende die Entwicklung der Emanzipation in Freussen, wo jeder Schritt versuchter liberaler Strömungen von Regierung uid Volk, jede Verschlechterung der Reaktion zuzuschreiben. Er ging nun auf den Begriff des Liberalismus ein. welcher in den letzten Jahrzehnten bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde. Für die Juden ist diese Frage von grösster Bedeutung, weil ihre Massen wieder einen politischen Boden brauchen, den sie seit Jahren verloren haben. Das Entstehen neuer politischer Gruppierungen aui vaterländischem Boden, mit rein-liberalen Grudsätzen ist die Frage der nächsten Jahre. Der Vortragende prüft die Stellung der Juden zu den politischen Parteien in den letzten zwei Jahrzehnten und kommt zu dem Resultate; dass sie es nicht verstanden haben, ihren Einfluss dahin zu,benützen, die‘Entstehung des altehrwürdigen Gedankens des’UberaÜsir.us zu verhindern. Die Juaeuieindschaft zieht ihre Kreise bis