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Jüdische Rundschau · 1906-08-10 · Heft 32 (10.8.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Beilage JUEDISCHE RUNDSCHAU j&x1• n°32 ' Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Von den im vorigen ‘Jahre hcrausgegebencu Sehekelblocks sind nur noch wenige hundert vorhanden,, so dass neue Blocks herausgegeben werden müssen. Wir bitten alle Parteigenossen, welche Acuderungsvorschlage zu machen haben, uns diese innerhalb einer Woche zugehen zu lassen. 2. Der Verlag ״Jüdische Rundschau“ hat die Restauflagc des bekannten Vortrages von Mathias Achcr: Die jüdische Moderne, sowie einen Posten des jüdischen Liederbuches von Dr. Heinrich Locwc erworben. Die Broschüre von Mathias A eher kostet 50 Pf., die Ortsgruppen erhalten Buehlüindlerrabatt. Die Liederbiieher kosten «3׳( Pf., bei Abnahme von mindestens 5 Exemplaren 20 Pig. 3. Schliesslich bitten wir die Vertrauensmänner auf das dringendste, uns alle Schekelblocks, die sie für das nunmehr verflossene Scltekeljahr erhalten haben, einschliesslich der nichtausgefnlUen bis zum 17. August zurückzuschicken. Wir brauchen dieselben dringend. Das tVlorgen Line zeitgeinässc Betrachtung. Der zehnte Delegiertentag ist das c11׳c Gestern. Er hat uns gezeigt, dass wir Zionisten in Deutschland genug haben, was uns zum Zusammenarbeit bringen, ja zwingen soll und selbst iber die Punkte, in denen die Ansichten auscinandergehen, haben wir gelernt, sachlich mit einander zu debattieren und uns gegenseitig zu verstehen. Bialystok ist das andere Gestern. Und wenn auch unsere Bewegung ihrem Wesen nach nicht von einer temporaren Notlage Ger Juden abhüugt, so sind wir doch zu gute Juden, um nicht mit von diesem neuen Unglück betroffen zu werden. Hnndcrtemate haben wir gerade in den lagen, wo unser Volk ein Unheil traf, unsere Stimme erhoben und d i e angeklagt, die mit Geld den Tod der besten Söhne unseres Volkes gut zu machen glaubten. ־ - verlangt, dass sie mit ihrer Person cinzutreten hätten in die Gemeinschaft der Unser», dass sie mikYofpli dPitlEahlmaffäff f sk ää aäj däjflfif! die im zielbewussten, zionistischen Streben dem Judentum und derder Judeiihcit die Erlösung zu erringen trachten. Mögen wir in den letzten Wochen, wo wir angesichts der Ereignisse unseren Standpunkt wiederum als den richtigen gefühlt haben, ihn von neuem den andern gegenüber betont haben, der Zionismus ist nun einmal kein blosser Glaube, kein reines philosophisches System auf Grund materialistischer oder nationaler Weltanschauung, ohne uns auf lange Erklärung wissenschaftlicher Art einzulassen, wollyn wir ihn kurz und bündig als die Arbeit kur Erreichung des bestmöglichen Standpunktes des Judentums und der Judenheit bezeichnen. Hannover gibt uns die Möglichkeit der Arbeit, Bialystock ist der k a t e g o r i s c h e I m p e 1 a t i v Drum auf, ihr alle, ob ihr nun mehr den Akzent auf Gcgcnwurtsarhcit im Sinne der einen oder andern zionistischen üeberzcugiing legt, die zionistische Bewegung •ist in Deutschland stark und alt genug, um einmal energisch für sich zu werben! Diese Wintersaisou darf nicht In der Art der Arbeit dec letzten Jahre gleichen. Jeder einzelne muss diesmal wieder in der Front stehen und den Kampf und das Streben für unser Ideal aufuehmen. Herbei, Ihr alle, die ihr euch habt einmal verärgern, ihr, die ihr seinerzeit den Ruf: Gewehr bei Euss! habt erschallen lassen. Frisch auf zur fröhlichen, gemeinsamen Tat! Es gilt allen denen, die an der Spitze zionistischer oder nationaler Gruppen stehen, der Ruf, ein festes Programm aufzustellcn, alle, die sic in dem Kampf für die Ausbreitung der Idee unterstützen können, zu, gewinnen, sich mit Vorräten (Aktien, Büchern, Broschüren ctc.) zu versehen. In den Tagen des Oktobers aber mögen sich die Vcrtreter der einzelnen Gruppenverbände, aber auch aller, treffen und die gemeinschaftliche Aktion zu besprechen. Schon jetzt gi*t cs allgemach ans Werk zu gehen, alle Stellen, die für Natkiiialiond-, Sammclstcllcn-, Sharcs-Aemter etc. zu besetzen, sind, zu vergeben, die Vorsfandschaft in den ersteu Tagen des September zu versammeln und das Winterprogramm energischst durchzuberateri. Schon jetzt soll die Zentrale Redner für die kommenden Monate engagieren. Unsere Erauengruppen, Jugend-, Studentenvereine, die nationalen Turnvereine wie die Volksvcrcinc, sic alle sollen diesmal mit vereinten Kräften ans Werk gehen. Binsenweisheit mag’s sein, was hier aus diesen Zeilen zu den Lesern sprechen mag. Wer aber drin in dei Agitation steht, der weiss, wie sehr es unserer Bewegungfehlt, dass einmal in einem Jahre wieder Allüberall fest gearbeitet wird, der weiss, dass wir nur für kurze Zelt an Jedem Ort geeint und unterstützt von allen Zionisten (wie viele entziehen sich nicht selbst der geringsten Arbeit) um ein gut Stück weiter zu kommen. Vor einem Jahre erkiaitg uns der Ruf: Gewehr bei Euss! für einen Teil der Zionisten; mag drum für dieses Jahr von den hohen und höchsten Stellen aus dem Volke und aus der zionistischen Ueberzcugung jedes einzelnen laut und vernehmlieh die Parole erklingen: ״Auf zur Tat!“ Ben Jordan. Der Zionismus in Russland Über den heutigen Stand der zionistischen Organisation in Russland gibt ein privates Zirkular der zionistischen Leitung des Odessaer Rayons ein Bild, in dem es heisst: ״Die zion'stischc Organisation macht etzt eine neue Krisis durch, welche sehr schwer zu ertragen sein wird. Zwei Drittel der Organisation entbehrt eder lebendigen Arbeit. Trotzdem besteht nur für die Organisation die Gefahr des vollständigen Zerfalles, aber nicht für die bewegung: In den Volksmassen ist eine verstärkte zionistische Stimmung fühlbar. Wenngleich die zionistischen Vereine sich nacheinander auflüscn, so bleibt die grosse Masse doch treu unserem Ideal, und wartet nur auf ein lebendiges Wort, das geeignet ist, sie zur Arbeit aufzumuntern. Dieser kritische Zustand wurde durch verschiedene Ursachen herbeigeführt. Dip Mittelklasse hat während der Jahre, da der politische Zionismus en voguc war. in dem Glauben gelebt, dass das zionistische Ideal in kurzer Zeit werde durchgeführt werden können. Als aber das Leben ihnen bewies, dass der Zionismus viel Mühe und Opfer erfordere, da begannen die schwachmutigen Anhänger allmählich von der Organisation abzufallcn. Fast in allen unseren Vereinen ist nur die Jugend zurückgeblieben, welche an unser Ideal unerschütterlich glaubt, vor gar keinen Schwierigkeiten und lliiidernissen zurückschreckt, und bereit ist. die Opfer zu bringen, welche man!von ihr fordert. Die selbstbewusste Jugend vereinigt sich in Gruppen de! ״Zclre-Ziön״. ..Hatcliijäli“. ״Jung-Juda“. ״Poaly-Ziön“ usw׳. Ausser der angeführten Ursache. welehcTn der Entwicklung unserer Idee liegt, bilden auch die politischen und Ökonomischen Bedingungen, unter welchen w׳ir seit nunmehr drei Jahren leben, einen Grund für den Verfall unserer Organisation. Der

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