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Jüdische Rundschau · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Beilage JUEDISCHE RUNDSCHAU*» ►׳« Aus der zionistischen Bewegung Die Anstellung bezahlter Parteisekretäre Wenn wir *bedenken, wieviel tausende unserer Stammesgenossen Oberhaupt n«>ch nichts oder nur weniges von unseter Bewegung gehört haben und wir uns andererseits fragen, wie das kommt, so haben wir uns leicht diese Frage zu beantworten. Es liegt dies an der allgemeinen Gleichgiltigkeit, die aus der Jagd nach GUicksgüteru het vorgeht und zu anderem schei.ibar keine Zeit lassen will, die aber in vielen Fällen lediglich der Aufrüttelung 1 edari, um zum Interesse umzuschlagen. Wie nun diese vielen Tausende mit unserer Sache bckanntmachen? Die bestehenden wenigen Ortsgruppen und ihre meistens sch n überhäuften Vorstände haben fast stets mit ihren Gemeindet zu tun. biswilen werden einige nahe Plätze, die besonders fruchtbar erscheinen, mitbearbeitet. Aber so wie bisher ka«? 1 und darf es nicht weitergehen. Hunderte von GemeftiJen könnten gute Stutzen werden, wenn sie überhaupt bt• arbeitet würden und sie sind es nicht, w’eil niemand Zeit hat, dort zu agitieren. Tausende von Mark könnten unsere•.! Nationaliond, der PaUistinakommission ctc. mein zugeiüh;••. werden, wenn er den Massen bekannt wäre. Hier müssen \\׳r cinsetzen — wir sollten uns Parteisekretäre anstelle!!. BlciK-1: wir z. B. bei einem solchen Sekretär für Siiddcutschland. Wis kann ein solcher arbeiten in Baden, der Pfalz, Hessen. Bayern. Württemberg und Eisass? W ie viele hunderte von Gemeinden mit jüdischer Bevölkerung von mehr als 20 Familien? Das ״Wie“ der Bearbeitung wollen wir nicht erörtern, es ergibt sich sehr leicht: wir wollen vielmehr die Hauptfragen netrachten, wer und mit welchem Gelde. In Betracht kommen, kann natürlich nur eine Person, welche nicht mir die Bewegung gründlich kennt, sondern auch ein guter R.dner ist und etwas vorstellt. Doch auch eine solche Person wird s'ch, für 1 Jahr finden. Sie müsste einen Gehalt von 150 Mark erhalten pro Monat und bei Reisen, ausser Jcr Fahrt oeen eine Extravcrgütung von 4 Mk. täglich. Dies würden im ganzen, bei 150 Reisetagen, ca. 300U Mk. Unkosten sein. Da nun jede Ortsgruppe iiir jedes seiner Mitglieder 2 Mk. an das Distriktsbureau abführen muss, so müssten bei 3000 Mk. Spesen■ 1500 neue Mitglieder gewonnen werden. Wahrschein־ lieh wird das nicht möglich sein, cs wird also ei!« Defizit entstellen.. selbst wenn auch die ncueii Ortsgruppen die Reise- Spesen . zurn'ckverguten. Die Deckung dieses Mankos muss durch event. prozentuale״ Beizug s 5 in 11 i c!1 e r. z. B. s n d - deutscue.r Ortsgruppen erfolgen, also zuviel, wird auf jede ment fallcN. Aber bedenken wir gegenüber dieses kleinen Risikos die Mehreinnahmen beim Nationalfonds etc. etc. Lassen wir weiter nicht ausser acht, was es heisst, dass wir an Zahl gcw’inneii. denn Zahl heisst Macht und Macht heisst Erfolg und F.riolg heisst Sieg. Was andere kleinere Verbände fertigbringen, das müssen wir auch durchbringen! Machen wir einmal irgendwo, vielleicht in Siiddeutschland. den Anfang, es kommt auf die Probe an. Ich stelle diesen Vorschlag zur Diskussion: sollte er Anhunger linden, so will ich ihn gerne auf dem süddeutschen pelegiertentage vertreten, der in diesem Herbst walirsclicin-' lieh m unseren Mauern tagen wird. Julius W e r t h e 1* m. Mannheim. 1! jp'egenwartsarbeit des Zionismus '• r Von .Rektor.0. Eberhard-Zarrentin * (Schluss.) Auch für die Hausindustrie Hesse sieli unschwer ein neues und weites Feld in der bisher im Lande ver״aehk־bsigtcn Tcppichrnartuiaktiir. und zwar in der Hatidkiiiipfcrei. erschlicsscn. Dessen Anbau s,,tzt freilich neben der technische!! Anleitung auch eine künstlerische Schulung durch Zeichnen und Färber voraus. Hir diese sachlich-künstlerische Erziehung und Ausbildung sollen aber auch eine Kiinstgewerbeschule. eine Abendschule für bereits werktätige Arbeiter und verschiedene SpczialatclicrS für Holz-, 1*011-, Ste:n-, Metall- und Textilabciten eingerichtet werden. So Ist durch die Gegenwartsarbeit bereits manches gcschaffen ־ dem Oenaiuiten liesst sich noch die Schaffung der Qelbaumspende, hinzuiügen. die auf den vom Nationalfonds erworbeuen geeigneten Ländereien Oelbaumpflanzun:e:1 anlege« will. Vieles ist eingelcitct und im Werden. Grösseres noch ist geplant. Mit der uhigen Sicherheit dessen, der positive Arbeit leistet, stellt die Kommission über dem theoretischen Streit der Meinungen und darf wohl auf Grund des Geleisteten für die Zukunftspläne Unterstützung erbitten. Vertrauen beai! Sprüchen. Dieser moralische Erfolg kommt zu der systcmatischen praktischen Arbeit als ein nicht zu unterschätzender Faktor hinzu. Auch Europas Mächte wie die Türkei könnten auf Grund so umsichtiger, methodischer und praktischer Gegenwartsarbeit wohl amangen, Vertrauen zu den! Willen und zu den Fälligkeiten der Zionisten zu iassen. Professor Warburg, eines der Kominissionsrnitglicder, fasste auf dem letzten Kongross diese Gesichtspunkte\verallce111cinernd dahin zusammen: ״Schon unsere bisher geringe Tätigkeit hat giossen Eindruck gemacht auf die nichtzionistische Welt, sowohl auf Juden als auf Niefitjuden. Viele, die unsern weiteren politischen Ideen, d. h. der Erlangung des Charters oder der administrativen Autonomie, fern stehen, erkennen gern die kräftige und ziclbew usste Umsetzung unserer Ideen in die Praxis an, und tragen auch, dazu aufgefordert, ihre Scherflein dazu bei. Sie geben zu, dass sie sich geirrt haben, als sic vor Jahren dachten. der Zionismus sei nur eine Seifenblase, die. gehörig äugeschwollen, zerplatzt, ohne einen wesentlichen Rückstand zu hinterlassen, und beginnen cinzusehen. dass auch unsere Bewegung. wie so viele ähnliche von idealen Gesichtspunkten ausgehende Geistesströmungen, langsam aber sicher in die Bahnen einer zwar ruhigen, aber um so erfolgreicheren Tätigkelt einlenkt.‘־ Sein Schlusswort mag auch den Beschluss dieser Zeilen bilden: -Ein besseres und für die Juden geeigneteres Siedejungsgebiet als Palästina finden wir so leicht nicht. Nur müssen wir arbeiten. Geld sammeln und Geduld /i ab en. wollen wir zum Ziel unserer Wünsche gelangen.“ —! Aus den Ortsgruppen ן-— Berlin, im Juli 1906. Am Dienstag, dem 17. d. Mts. fand ׳ hier eine Besprechung gesetzestreuer Zionisten statt, in der die Gründung einer Misrachi-Gruppe in Berlin ver-! handelt wurde. Die Anwesenden waren in überwiegender; Mehrheit der Ansicht dass der Misrachi für das gesetzcctreue Judentum und den Zionismus notwendig und nützlich sei. Demgemäss wurde eine Gruppe noch an demselben Abend gegrün• det Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an den Vorsitzenden des Komitees Herrn Hermann Struck, Berlin! NW.. Brücken-Allee 33. . In dem Augenblicke, da sich in Berlin eine Misrachi- Gruppe konstituiert hat. halten wir Misraehistea es für-unsere Pflicht, der jüdischen Oeffeiitlichkeit unsere Bestrebungen und Ziele noch einmal in kappen lJmrissen darzulegen. 1. Der Misrachi ist die Organisation cesetzestreuer Zionisten, die auf dem Boden des Basler Programmes steht, und gleichzeitig die Interessen des gesetzestreuen Judentums! innerhalb des jüdischen Volkes wahrt indem sie 1 ״die Aufgaben und Lchenshedinguugen des jüdischen Volkes im Festhalten au Tora und Tradition, in der Uebuug der Gebote und in dem Streben nach dem Lande der Väter sieht.“ (Programm § I.) 2 ׳, Der Misrachi ist dein Zionismus nicht schädlich, weif er* keine Spaltung, sondern nur eine Gliederung desselben ן bedeutet. Die Misraehisteu verbleiben in der zionistischen : Ortsgruppe. Voh einer schädigenden Wirkung des Misrachi ' ist aus Orten, wo seit Jahren Misraelii-Gruppeu bestehen, bisi lang nichts bekannt geworden. 1' ’ 3. Der Misrachi kann dem Zionismus nur nützen, schon allein deshalb, weil nur er die Bedenken, die die Oesetzestreuen vom Anschluss an den Zionismus ahlialten. zu zer streuen vermag. 4. Der. Misrachi will keine Kanipforganisation sein und sucht nur darauf hinzuwirkeu, dass weiterhin die Vorschriften des jüdischen Gesetzes durch offiziell zonistischc Schritte nicht verletzt werden. 5. Der Misrachi sucht für Verbreitung der Lehren des gesetzestreacn Judentums unter den Zionisten zu wirken, und ist daher auch für dieses notwendig und nützlich. Das sind ln Kürze die Erw'ägungeii. die uns zur Gründung einer Misrachi-Gruppe in Berlin veranlasst haben, und wii werden im Anfang des Winters Gelegenheit nehmen, unsere; Anschauungen in der grossen Ocffentlichkcit zu vertreten. 1 I. A.: J a c o b M ö 11 e r.

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