Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 60 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 4 lungsgebiet vom territorialistischcn Standpunkte aus. Er besprach die Voraussetzungen der Kolonisation Palästinas in populationistischer, ökonomischer und soziologischer H'nsicht und kam dabei zu dem Schluss, dass die Eigenschaften Palästir.as uns die Sicherheit geben, dass wir dort eine Majorität bilden, d. h. unsere nationale Kultur vollständig ges'chert ist. Darauf behandelte der Referent die Formen der Kolonisation und sprach sich für eine auf rechtliclicr Grundlage beruhende Kolanisatiou aus. die aber jede frtiltcrattou, d. It. jede illegale Einwanderung, atisschlicssen müsse. Die wichtigste kolonisatorische Gegemvartsarbeit sei Ansiedelung der dort schon wohnenden .luden auf dem Lande. Der ganze Vortrag war getragen von dem Gedanken, dass Palästina auch vom Standpunkte des Territorialismus das einzig geeignete Land für die Lösung der Judenfrage in ökonomischer und kultureller De- Ziehung sei. In der Diskussion bezweifelt Herr-R i 11 e r die Möglichkeit einer Kolonisation Palästinas wegen seines unkultivieiten Zustandes, wegen der rechtlichen Zustände in der Türkei und eventueller Schwierigkeiten seitens der christlichen Mächte. Seine Bedenken wurden von Herrn Dr. Levy und in einem glü!1zenderi Schlusswort von Herrn Dr. Pincus widerlegt. Prse». Schon von 3 Uhr ab strömten am H. Januar die Massen zu der von der Zionistischen Ortsgruppe einberufenen Versammlung, und lange vor 9 Uhr musste der grosse Bazarsaal, den weit über 700 Personen Kopf an Kopf füllten, polizeilich gesperrt werden. Angesichts dessen, hob der Vorsitzende in der eröffnenden Ansprache mit Recht hervor, dass das Versatnmlu; gsglück de 11 Zionisten bisher treu geblieben sei. Aber die Sympathie der Massen genüge nicht, der Zionismus bedürfe der tätigen Mitarbeit jedes Einzelnen. Darauf hielt Herr Rechtsanwalt Gronemann-Hannover über das Thctna: ,.Wohin nt;t den russ'schen Juden?*‘ ein einstündiges Referat, in dem sich ruhige Klarhe:t und überzeugungsfrohe Sicherheit mit lebncitcr und vielfach satirischer Darstellung verband. Er schilderte die Zerklüftung der Judenheit. vor dem Auftreten des Zionismus und wie erst diese Bewegung den Juden wieder das Gefühl der Einheit und Kraft und gegenüber der drängendsten Judennot ein festes Programm gegeben habe. Keine Organisation, ausser der zionistischen, wisse eine Antwort auf die Themafrage; alle anderen müssten sich mit immer erneuten Geldspenden und dem widersinnigsten Rat, der Massen-Emigration keinen Vorschub zu leisten, begnügen. Der Plan, für die Judenheit ci r.cig'enes Terrtorium mit nationaler Autononre zu findet!, sei nicht ohne Schwierigkeiten; aber der einige Zusammcn'chhiss des ganzen jüd'schen Volkes würde alles überw inden. Redner schloss mit einem w’armeu Appell für den Beitritt zur zionistischen Organisation. In der Diskussion brachte *ein Redner in unklaren Wendungen seine Zweifel an den polt'schen und wirtschaftlichen Erfolgen des Zionismus vor während Herr J. Rosenthal ausführlicher darlegte, was er bei aller Wertschätzung der Bewegung gegen das Endziel einzttwenden finde. Ihnen erwiderte der Referent eingehend und zeigte sich dabei als hervorragender Debatten Wiederholter stürmischer Beifall lohnte se'ne Mühe. 30 neue Mitglieder waren der Erfolg dieser imposanten Versammlung, die um Vil2 Uhr ihr Ende iand. Filehtte. Am Sonntag Abend veranstaltete die hiesige zionistische Ortsgruppe im Aarhus'schen Saale einen Volksunterhaltuncsabend.. welcher von fast der ganzen jüdischen Gemeinde besucht war. Nach herzlichen Begriissunes- Worten des Vorsitzenden Salingcr an Herrn Rabbiner Dr. B a m be r ec r -Schönlanke nahm dieser das Wort zu seinem mit grosser’Begeiferung angenommenen Vortrage ״Aus finsteren Zelten". Der Referent schloss seinen Vortrag mit den Worten, dass wiederkommen möge die Ze׳t. wo ..von Zion ausgehe die!.ehre und das Wort Gottes von Jerusalem“. Frau Koplowitz erfreute uns durch einen Klaviervortrag, Herr Alfred Saling er durch Vorlesung .Jn stiller Stunde" und .,Jerusalem" und last not least. Herr Kantor Rehfeld mit seinen jüdisch-deutschen ״Alif Beiss und des Mtihlners Trären". Die Sammlung für die russischen Waisenkinder ergab den •Betrag von 10,80 Mk. Ilp. Moschin. Am Sonntag, den 21. Dezember 1905, fand hier eine öffentliche zionistische Versammlung statt, die von etwa 100 Personen besucht w׳ar. Herr stud. med. Hecht- Breslau sprach in etwa einstiindiger glänzender Rede über: ״Die Grundlagen des Judentums" und kam zu dem Schlüsse, dass die hauptsächlichste Grundlage stets die Hoffnmg auf eine bessere Zukunft des jüdischen Volkes gewesen sei. Diese Hoffnung bedingte aber eine Arbeit in der Gegenwart für dieselbe. So kam der Redner auf den Zionismus zu sprechen, erläuterte das Wesen desselben und schloss mit einem feurigen Appell an die Anwesenden, sich der Organisation anzuschliesscn. An den Vortrag schloss sich eilte rege Diskussion, an welcher sich neben OHsangchörigcn auch Posener Zionisten beteiligten. Der Erfolg des Abends waren 6 Anmeldungen. Nationalfondsatnmlung und Broschürenverkauf und ist begründete Aussicht vorhanden, dass unsere Bewegung am hiesigen Orte noch weitere Fortschritte macht. Herrn stud. med. Hecht sei an dieser Stelle nochmals gedankt. Tilsit. Die hiesigen Zionisicn, ebenso wie das hiesige Schutz-Komitee des Hih'svercitis der Deutschen Juden haben durch Tod des Herrn K. L. Kallenbach einen schweren, kaum zu ersetzenden Verlust erlitten. Schon vor Errichtung des Kommitees hat Herr Kallenbach durch Sammlungen und aus eigenen Mitteln mit Rat und durch die Tat der Not und dem Fl_end der jüdischen Auswanderer mit Erfolg abgeholfen; nachdem das Komitee *errichtet und unsere Auswandererherberge geschaffen war. stand er im Mittelpunkt unserer Tätiw^cb. Smn praktischer Blick und sein gutes Herz bessert ihn auch in den schwierigsten Fällen einen gangbaren Weg finden. Seine letzten Lebensjahre hat er nur unserer guten Sache gewidmet. Wir werden den edlen Mann nicht vergessen, sein Wirken wird tms stets vorbildlich sein. Kallenbach war ein eifriger und pflichttreuer Gesinnungsgenosse. Freiburg I. B. Auf Einladung der zionistischen Ortsgruppe referierte am 27. Dezember Herr Dr. Klausner. Redaktcur des השלוח aus Warschau, z. Zt in Lausanne, über die Lage der russischen Juden im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen. Der Redner, der da־; zahlreich erschienene Publikum bis zur letzten Minute seines 2V1 ständigen Vertrags zu fesseln verstand behandelte zuerst die Geschichte der Juden Russlands von der Chazarenzeit an. wobei er besonders d:c Bedeutung der judaTs'crcnden Sekten bervorhob. Er ging dann zur Zeit Katharinas II. über, in de־׳ Russland durch die Einverleibung Polen: und anderer Gebiete eine Judenfrage bekam und charakterisierte die Stellungnahme der amc:ra״dcrio!gcndcn Regierungen zu derselben bis zur Acra Pobiedonoszews. Hier beginnt von dem mehr passiven Widerstand gegen Alexander I. und Nikolaus 1. abgesehen, die politische Betätigung' der Juden, d:c der Redner int zweiten Teile seines Vortrags eingehend behandelte und kr:tis׳erte. Besonders hob er zwei Fehler hervor. d;c auf Seiten der Juden gemacht wurden. Der eine, der in detn Glauhen besteht dass die Ursache alles Uebels »n der geeenwärt:gen Rcgicrunestorm zu suchen sei. trieb die jüdische Jugend früher dem Nihilismus und jetzt de״! revolutionären Sozialismus in die Arme. Hal>e!1 nun die Zionisten wohl diesen Fehler mcht nutgemacht. «0 haben doch auch sie bisher verabsäumt, wie die andern Nationalitäten im russischen Reiche, jüd׳sch־n׳>t!o־ nale Forderungen zu erheben. Wie man den Juden den Kampf für die AUgcmcmheit entgelten lioss. haben wir leider in allzu frischer Erinnerung. Nationale Forderungen, w׳e Gemeinde- Autonomie, jüdische Volks- und Mittelschulen. Vertretung im Parlament müsset» also, wie der Redner hervorhol), das nächste 7.iel jüdischer Arbeit in Russland sc׳n. Und an die Juden anderer Länder richtete er die ernste M־»b.1vn׳g. geschlossen für d:e Solidarität mit den russischen Juden einzutreten. K. Fürth in Bayern. Als der Prophet zu Isai kam. um nach Auftrag e:ncn sc׳ner Söhne als König zu salben, glaubte er, :n dem ältesten, der körncrüch sehr hervorragend war. den richtigen gefunden zu haben, doch wurde ihn» der Bescheid, dass der imschembar an«seh1!ulc jüngste Sohn David König werden solle, denn der Mensch sie’»t wohl auf das Acns.scrc, der Herr aber ins Herz. Hin Wör^rkrü \\יי׳:|יזיי״.יוו?י׳״ון 1יי0־•"«^ aber im Herzen desto wackereres Mitglied hat die hiesige Orts- ״rupne an Herrn J״l»tts Amson-^iirnberg verloren. c'ncn Mann, der es s»ch als Vergnügen und Fbre anrcclmetc. für und in der zionistischen Sache arbeiten zu dürfen und zu können: das gebt schon daraus hervor, dass er an allen S:tzuncen regen Anteil nahm und auch die Materaliensammlung übernommen hatte, wofür er flcbs'g tätig war: auch der Nationalfond und die Selbstwclir hatten an ihm einen cifreen Förderer. Herr Dr. Bloedc brachte die Trauer der Ortsgruppe bereits bei der am 1. Januar staUechindcrcn Beerdigung zum Ausdruck, doch sei Herrn Amson an dieser Stelle nochmals der beste Dank für sein ideales Handeln ausgerfrOrW: ״mge er m Frieden ruhen. Zionismus und Italien Anlässlich der Landc'-Konfercnz der italienischen Zionisten wurde deren Präsident, das Mitglied des zionistischen Akt'ons- Komitees, Advokat Felice Ravenna, vom König von Italien in längerer Audienz empfangen. Der Kötug der schon Theodor Herzl Beweise seines herzlichen Wohlwollens 1v11״ jי yvv «jp—wj-ii-i'jy'j »■ 11 u, pg^fi.» jwuww■י*יי*«י,m. ״. ׳ t ׳ .«■«■י.,!-