Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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vo Vi יו ({ II A lU ׳_ C~ 7 v J yr7 PilS )/׳’AS LJ \J U U \J Abonnementsprefs (Zusendung Inbegriffen) vlerWJIfcffick: I. durch di• Exptdlüsa: •) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus• wirts 1,— Mark, c) für das Ausland 1,90 Mark. & 1■ PotUbannatn«nl 1,2$ Mark. Insertlonsprels dl« vfergespallene Petit-Zelle oder, deren Raum 25 Pfennig. Organ $ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: VtHag JQdiicho Rundtchxu, E. Q. m. b. R, Berlin N.54» Aujutütr. 49a. Oeachiftastaadea der Expedition! täglich (ausserSabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uhr. Adresse der Redaktion: Bariln N W. 62, UeianchthomtrttM 4. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 27 Berlin, 7. Juli 1905 4. Tammüz 5665 X. Jahrgang Bibel und Babel Unser Baseler Programm, das historisch gewordene Programm des Zionismus, möchten verschiedene Leute gern in einem anderen Sinne ״historisch“ werden lacsen. Früher war auch ihrem Zionismus da5 Baseler Programm die Bibel, auf die sie schweren. Mit 'den Argumenten, die ihnen das Baseler Programm gab, bekämpften sie ihre Gegner, nahmen wenig Anstand, gelegentlich diesem oder jenem die vorgebliche Verletzung dieses Programms zu einem schweren Vorwurf zu machen. Mit uns waren sie überzeugt und bewiesen es den Ungläubigen, dass Palästina das bestgeeignete Land, ja das einzig in Betracht kommende Land für eine Lösung der jüdischen Frage sei; mit uns wussten sie, warum es mit Argentinien und Kanada nichts sei, warum deshalb der erste Z'onlstenkongress sich auf Palästina einigte, wussten, dass man mit guter Absicht und in klarer Erkenntnis der Sachlage Palästina zu einem vollwertigen Drittel*! des ganzen Programms gemacht hatte neben den Begriffen ״Jüdisches Volk“ und ״öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte“, mit denen zusammen es das organische Programm darstejlt, das der Ausdruck des Zionismus ist. Denn so ist es, und nicht umgekehrt! Das Baseler Programm ist die Interpretation des Willens unserer tum acht Jahre alten Bewegung. Jede noch so kleine Arbeit, die geleistet, jeder Piennig, der als Schekel oder für den Nationalfonds oder sonstwie gegeben wurde, war einzig bestimmt für den Zionism u s, — und dass dieser ״das alte Judenreich in Palästina aufrichten wolle", davon fabelten ja selbst diejenigen unserer Gegner, die unser Programm wahrscheinlich nie gelesen hatten. Zionismus und Palästina — das waren eben jedem untrennbare Begriffe.! Nun aber kommen neue Leute, oder vielmehr teilweise alte Leute mit neuer Weisheit. Weil unser Grösster, als dessen treueste Gefolgsmänner sie sicli immer gaben, ein Anerbieten glaubte nicht ohne weiteres ableimen zu dürfen; weil er meinte, dass im Falle der Brauchbarkeit dieses angebotene Stück Land doch durch die Vermittelung des Zionismus einer Anzahl wandernder Juden Brot geben könnte, deshalb bauten sie zu dem, was der Führer tat, gleich eine neue Theorie, proklamierten sie den ״Territorialzionismus". Als ob nicht der Zionismus ׳als solcher eine territoriale Bewegung wäre, nur mit dem Vorzug eines bestimmten territorialen Zieles, das der ganzen Bewegung eben etwas Festes, Zielsicheres gibt. Aber — wo die Könige, bauen, da haben immer die Kärrner zu tun. Aus jenem Hobelspahn, der von unseres Grossen Arbeitstische fiel, zimmerten sie, die sich nun voll citeler Ucberhebung ״Territorialzioiiisten“ nennen — eine Bezeichnung, die nur Verwirrung zu stiften geeignet ist — ein ganzes Haus. Ein Haus, gemacht aus einem Hobelspahn! So nimmt sich in d,er Tat das luftige Gebäude aus, in das uns jene Warschauer März-Konferenz einlädt, die jetzt auch die Zionisten Westeuropas mit Aufruien und Manifesten überschwemmt. Da wird einfach gesagt: ״Die Möglichkeit,der Erwerbung Palästinas und der Verwirklichung unseres Ideals in diesem Lande er,- scheint als die unwahrscheinlichste und problematischste.“ Welche andere Möglichkeit den Herren wahrscheinlich ist, darüber schweigen sie sich wohl lediglich aus dem Grunde aus, weil sie das zur Zeit selbst noch nicht wissen. Daiür dekretieren sie dann gleich weiter, dass aus allem Gesagten logisch hervorgehe, dass ״weder die Faktoren, welche den Zionismus hervorriefen, noch seine Verwirklichung ausschliesslich mit Palästina verbunden sind“. In dem ersten Teile dieses Satzes steckt eine absolute Wahrheit, weil das nämlich aus der Begründung, die dort gegeben wird, natürlich nicht hervorgeht. ״Erläutert“ werden diese Behauptungen mit Bemerkungen, die anscheinend e.neni schlecht geführten Kollegheft über Nationalökonomie entstammen. Was soll man sagen, wenn z. B. über die öffentlich-rechtliche Sicherung des Territoriums folger.Ue — Weisheit verkündet wird: ״Die Geschichte der modernen Kolonialpolitik kennzeichnet, dass die Metropolien immer den Forderungen ihrer Kolonieen betreffs autonomer Rechte nachkommen; darauo geht hervor die! völlig mögliche Erreichbarkeit unserer territorialautouiomen Bestrebungen.“ In diesem Tone ist die ״Begrür.dung“ des ״Territorialzionisrnus" gegeben! Und das sind die Leufp, die das Baseler Progiamm ändern wollen, die gern Bank und Anglo-Palastine Compaq lahmlegcu möchten, die sich für die Vertreter des grosskolonisatorischen Prinzips ausgeben, das sie, wie klar ersichtlich ist, nicht einmal verstanden haben. Das sind die Leute, die den Kongress beschliessen lasnert wollen, ״die Mitglieder des A.-K. im allgemeinen und das russische Kollegium im besonderen dem Parteige rieht zu Übergeben.“ י-. ויי" ■״״ >׳««;*j״*״ f Vי vT«׳׳r«׳ נ v. / < 1 י- »י V