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Jüdische Rundschau · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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y״'״: ja-< f| Abonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) *itrfeijihrficb: 1 durch die Expedition: a) In Berlin —.90 .Mark, b) nach aus• wärts I,— Mark, c) für das Ausland 1,5י Mark. 2. |n Postabonnement 1,25 Mark. Insertionsprefs die vlergcspaltcnc Petit •Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. & Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vertag Jüdische Rundschau, E. G.m. b.H., Berlin N. 54, Auguststr. 49s. Oeschäftsstunden der Expedition: täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—I, nachmittags 5-7 .Uhi־, Deutschland. Adresse der Redaktion: Berlin N W. 52, M.-Ianchthsnstmse 4. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHEN’ RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet. Kummer 6 Berlin, 10. Februar 1905 — 5. Adar 5665 X. Jahrgang Zur Situation im Zionismus Von 1) r. TI1 e 0 d 0 r Z1 o c i s t i. Hs wäre nicht nur dumm, cs wäre geradezu verh ä n g n i s v 011, wenn man an der Lage den Zionismtis und den Verhältnissen im Zionismus sorglos vorüberschritte. Denn kritische Tage ziehen herauf; und düstere werden noch folgen. Darüber muss sich jeder klar werden, dem der Zionisnms nicht in einer lauten Volksversammlung zugeflogen ist als ein Idealchcn für den eventuellen Bedarf in einer toten Stunde. Wer im Zionismus lebt, wer den Zionismus lebt, dass er zur stärksten Triebkraft seiner Seele, ihm höchste Sehnsucht und letzte Erfüllung zu- . gleich geworden, der soll sich jetzt mit Sorgen plagen und peitschen. Nur die Schwachen könneu dann mürbe werden. Die Starken werden wachsen; und neuer Siegesstolz wird — wie immer die Würfel fallen! — den Zionismus schwellen. Wer die schwunghafte Entwickelung unserer Bewegung im letzten Jahrzehnt verfolgt und schafiend in und mit ihr yorwärtsgegangen, den kann die jetzige Lage nicht wie ein urplötzliches Ungewitter überrascht haben. Es ist eben alles gekommen, wie es kommen musste. Und man muss schon mit sträflich-naiven Augen historische Geschehnisse betrachten, wollte man die erwachsenen Schwierigkeiten einfach durch das Hinscheiden unseres kraftvollen Führers Theodor Herzl erklären, ganz abgesehen davon, dass die Anfänge dieser Kalamitäten sich in vollster Deutlichkeit schon bei seinen Leb- . Zeiten und auch vor seiner Erkrankung bemerkbar machten. Wenn es schon immer misslich ist, aus dem post hoc ein propter hoc, aus dem zeitlichen Nacheinander ein ursächliches Nacheinander zu konstruieren, so hiesse es in unserem Falle die ganze Stelung des Zionismus verkennen. Denn die Tatsache, dass der Zionismus allgemach zu einem realen Faktor .in der Judenheit geworden, zu einer geschichtlich wirksanten Macht, — ist wie das Verdienst seines Ideengehaltes, seine Arbeit ebenso auch die Quelle seiner Nöte. Solange er der grosse, goldige Traum der ״reinen Toren“ war, die glitzernde fata morgana in den Blicken . seliger Romantiker, ging alles gut. Als aber grosse Massen die Schönheit unseres Gedankens zu empfinden .begannen und nun für die zetschmetternde Wucht der Wirklichkeit die seelische und leibliche Erlösung darin suchten, da wuchsen nicht nur Aufgaben empor. Ueberali, wohin man sich richtete, sprossten auch neue Probleme. Für unsere Führung war das schwierige Dilemma getchafien: Den zionistischen Gedanken in seiner Reinheit zu propagieren und seine Durchführung als eine Möglichkeit erscheinen zu lassen — und auf der anderen Seite an der Uebervindung der clümborassohaft aufgetürmten Schwierigkeiten zu scharfen. Wir wollten ja eine irdische Wirklichkeit erreichen. Die Brücke sollte geschlagen werden zwischen Wollen und Können, zwischen Traum und Leben, diesen Polen, die die spezifische Tragik des Menschengeschlechtes überhaupt charakterisieren. Wenn jemand Herzl einen Vorwurf machen wollte, so wäre es nicht der, dass er die Schwierigkeit verkannt hätte — er hatte genugsam Gelegenheit, all ihre Schrecken zu spüren —, sondern dass er einem Atlas gleich die ganze Last der Durchsetzung unserer Ziele sich allein aufgebürdet und dem zionistischen Heerbann nicht die Erkenntnis der Schwierigkeit gehörig eröffnet hat. So notwendig es vielleicht war, Mut und Hoffnung rege zu halten (und das auch in vorsichtigster Weise, denn wir haben es mit Sprungbereiten Massen zu tun), und so agitatorisch wichtig es war, keine Entmutigung oder gar stumpfe Verzweiflung aufkommen zu lassen, so leicht machte Herzl es den Besserwissern und Neunmalweisen, sich den Anschein zu geben, als könnten sie im Handunidrehcn erreichen, worum sich Herzl mit so ungleich stärkerem Tateifer und so gründlicherem Wissen mühte. Die Judenfrage, die wir ihrer Lösung näher führen wollen, indem wir die causa incipiens beseitigen, ist ebensosehr eine Sache der Juden, wie der andern Völker. Das waren Hcrzls Grundgedanken und die Leitmotive seiner Arbeit. Das Judenland, das wir erstreben, ist ebensosehr unsere Sehnsucht, wie das Besitztum eines a n d e - reu, der vielleicht für Deutschland, Russland, Frankreich, England ein kranker Mann ist, für uns aber von einer vorläufig recht festen Gesundheit. Somit ergab sich eine Arbeit, die an drei Punkten ansetzen musste; Einmal die Hebung der wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse der Juden im heiligen Lande, zum zweiten die Ein- Wirkung auf die mehr oder weniger an der Judenfrage interessierten Mächte; in naher Beziehung dazu die Verhandlung mit dem Sultan — und zum dritten: die Erziehung des Volkes für sein Zukunftsland — in dem

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