Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- IX (1904)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i .**•4M ן 1 tbonnementspreis (Zusendung Inbegriffen) Vierteljährlich 1 I. daroh die Expedition: •) In Berlin M. —,9a &) nach auswärts M 1,— C) für das Ausland M. 1,50. Im Postabonnomont M. 1,25 hol Sammolbozug durch dlo Ortsgruppo M. —,60. Insorato ie »lergespaltcnc Petiueile 25 Pi Insoratonbeflagon IS M. fWmrnr^! | Mi!'! JÖbKJ 26. Organ der für n r\־־״/ ץ־/ ׳• \ } ( L 1 j 0 KJ Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Perlag SQdisdie Rundschau, E. O. m. b. H. Berlin 1151, Huguslsfrasse Ilr. 49 a, Sprechstunden: *. 4—5 Uhr nachmittags. Redaktion: Dr. Helnrldi üoewe, Berlin IIW. 40, üehrfersfrasse 14/15. Unpcrfangfe IHanuskrlpte werden nur bei Beilegung genügenden Rückportos zurfidiflcsandt. 71' ■.׳:׳.׳t«*am03nMMaK01UMMEaitomaBCto4aa9csua1xju ‘O h Berlin, 1. Juli 1904. 18. Tammuz 5034. ix. Jahrgang. mmtazaem&m1mf^czx£ßii1fiia®n3cmxtm!s&zamx■ : x3aBSa»ers!tf« 1z,,'0asmam2M&T3süj!z~ j^sxai An unsere Frauen ven Mart a B a e r. Unter den vielen Fragen, die uns Zionisten heute vcrliegen, stellt im Vordergründe, trennend und vereinend zugleich, die Frage der Vertiefung, die als Kulturdebatte noch fast auf jedem Kongresse am'tauchte. Viele Wege sind cs, die zu diesem grossen Ziele führen, Wege, die sich jeder auf seine Weise denkt. Die Misrachi nennen eine Vertiefung der Idee ein Kindringen in die Geistesschätze der Vergangenheit und Wicderatifrichten des stolzen Baues jüdischen Glaubens und jüdischen Kultus, was sie anstreben, stellt auf dem Boden der Orthodoxie. Unsere Linke, die Kulturfraktiou, denkt sich in planvoller Gegenwartsarbeit die j Aufgaben des Zionismus, auf der Basis der unbeschränkten Freiheit religiöser Gesinnung modernes , jüdisches Wissen zu verbreiten, aufklärend und belebrend .cinzuwirkcn und die fernsten Winkel des Ostens zu erhellen und beleben. Heute nuieli.e ich mm einen dritten Faktor mit I1eran\ziel1cn, den man nicht ausser Acht lassen darf, wenn man von zionistischer Arbeit, zionistischen Auf- י gaben spricht, einen Faktor, der uns ein reiches Ar- / bcitsteld verheisst und uns schöne Zukimftsaussiclitcn " bietet, ich meine: die intensive Mitarbeit der Frau. Mau kann auf dem fortgeschrittensten politischen * Standpunkt stehen, man kann noch so reaktionär denj , ken, einer Tatsache kann man sich nicht verschlicssen, j 1 nämlich der, dass die allgemeine Frauenbewegung, ob- \ wohl sic dem Judentum so unendlich viel wertvolle Kräfte entzieht, doch uns Juden auch Gutes gebracht | hat, indem sic uns Jüdinnen das Bewusstsein unseres ׳ Wertes gegeben hat und uns anregte auf dem Gebiete 1 des öffentlichen Lcbcnip mitzuarfbeiten und sozialen Aufgaben uns zu widmen. Allerdings trat bei der lebhaften Anteilnahme' mit; der die jüdischen Frauen für die Frauenfrage eintraten. ‘ auch ein Missstand ein, den ich vorhin bereits erwähnte, J der uns geschadet hat, weil massenhaft unsere tüchtigsten Frauen unsere Reihen verlicsscn, für jüdische Fra- Ken alles Interesse verloren und im Streben für Frauenrechte ihre Pflichten gegen ihren Stamm vergassen. ln diese Fpoclie der allgemeinen Fahnenflucht der Frauen traf dann ein ganz neues Ereignis: das jiidisehe Nationalbewusstsein nahm die konkreten Formen des Kcngresszkaiismus an. der den Frauen in allen Parteiangelegcnhciten die Gleichberechtigung gab. ־ Da will ich ankniipien. ~ Nun kann man einwenden, dass mit den gleichen Rechten die Frau ja die gleidien Pflichten übernahm, und dass es deshalb ein Uebriges sei, bei der Frage einer Vertiefung unserer Idee von besonderen Fratienpflichten zu sprechen. Der Finwand ist billig — selbstverständlich denken wir Frauen nicht daran, uns den Pilichten zu entziehen, die uns aus unseren gleichen Rechten erwachsen, sendern wir wollen int Gegenteil zu diesen alten י Pilichten noch neue übernehmen und mit Liebe er- 1 füllen; oder richtiger vielleicht: wir wollen die uns übertragenen Aufgaben in die für uns passende Form übersetzen und so zur erfolgreichen Tätigkeit zugänglicli machen, und uns klar werden, in welcher Form wir am besten unseren speziellen Fraucnpfliehteil gerecht werden können. Denn dass cs spezielle Fraiienpflichten gibt, darüber dürfte sich kaum ein Streit entspinnen, ist doch die Lebensweise der Frau so viel verschieden von der der Männer. Unsere natürlichen Gebiete sind das Haus und die Familie, sowie die Agitation bei unseren Schwestern. Fine andere wichtige Aufgabe ist es, unsere arbeitenden Mitschwcstern zu organisieren. Das sind die Gesichtspunkte, von denen aus ich heute unserer Frage lüihertrctcn will.' Wenn es mir gelingt, meine Schwestern zur Mitarbeit anzuregen, das Bedürfnis in ihnen zu wecken, sich enger zusammenzuschlicssen — dann haben meine Zeilen ihren Zweck erreicht. Dass cs für die moderne Frau ein Bedürfnis ist, an den heutigen Kulturarbeiten tcilzunchmcn, hat wohl am besten der ״Internationale Frauenkongress“ bewiesen, der in der letzten Zeit in Berlin tagte. Auch jüdische Frauen aus aller Herren Länder hatten sich hier zu* sammengefunden und nahmen an der Beratung über allgemeine Fragen mit grossem Interesse teil. Wehmütige Gefühle haben mich in diesen Tagen oft beschlichen, w enn ich diesem glanzvollen Treiben zusali: ich dachte an die Intelligenz, die Tatkraft, die da unsenu Stamm entzogen wird, ich bedauerte die Vielen, die da 1 f 1 ׳1 1 )