Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VIII (1903)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51. JÜDISCHE HUNDS CH AU. Seile 557 i l 1 nber die Sachlichkeit des Referenten Ausdruck, bestritt aber die Ausführbarkeit der Idee, während Dr. Wolff diese sogar als gefährlich hin.stcllte. Der Referent war in seiner Erwiderung überaus im Vorteil gegenüber beiden (jegneni und ,vurde vom Publikum durch langandauernden Beifall belohnt. Wir sind in Stuttgart durch den Vortrag des Herrn Dr. Moses zweifellos einen grossen Schritt vorwärts gekommen, wofür ihm die Ortsgruppe Stuttgart sehr dankbar ist. Mit Hochrufen aut Dr. Th. Herzl schloss der Vorsitzende E. Kauf m ג n .t die Ver* Sammlung. Am 20. Dezember findet eine M a k k a b ״ e r t c i e r verbtmdcn mit einer bestrede \on Herrn J. Simon aus Manu־ heim statt. K. Krakau. Uns wird geschrieben: Wie in Ihrem geschätzten Blatte mit Recht her\orgehoben wird, mehren sich die An- Zeichen dafür, dass in den Logen des Bne-Brith-Ordcns sieh Interesse und Verständnis fiir die zionistische Bewegung zeigt. Von besonderem Wert ist das für uns in Galizien, wo in den Logen ein Teil der führenden Männer der Gemeinden sitzt. Zwischen den besitzenden Schichten und der inAmt urdWürden befindlichen Intelligenz einerseits und dem Volke andererseits ist leider vielfach eine Kluft entstanden. Das Volk fängt an. Selbstcmanzipation zu treibe:». auch• im kleinsten Mann wird der Gedanke immer lebendiger, dass es sein Geschick und das seines Volkes selbst mitbestinimen darf und muss, bür die führenden Kreise ist das Volk aber noch immer Objekt, die alte bevormundete Wohltätigkeitspolitik beginnt eben erst zur jüdischen Sozialpolitik sich zu entwickeln, ich denke u. a. an den Lembergcr Kongress zur Bekämpfung des Mädchenhandels. — Der Gedanke einer jüdischen Politik, deren Träger das Volk seihst ist, ist noch zu neu. Ls wäre e'iu: hocherfreuiichc Tat- Sache, wenn das wachsende Verständnis für den Zionismus auf beiden Seiten ausgieichend und versöhnend wirken würde. Wir begriissen cs deshalb, dass Herr Dr. Klee bei seinem Hiersein auch in unserer Krakauer Loge ״S o 1 i d a r 1־ tat” sprach und. dass Vortrag und Diskussion nicht in geschlosscntr Loge, sondern vor Herren und Damen statt!md. so dass wir in der Lage sind, über das Ergebnis zu berichten. Herr Dr. Klee sprach über den Werdegang der zionistischen Bewegung, ihren Stand nach dem diesjährigen Kongress und ihre Zukunftsaufgaben. Er betont nachdrücklich, d a s s .d i e Br iider des Ordens, der ja, wie der Zionismus, Juden ohne Unterschied der staatsbürgerlichen Zugehörigkeit und der Stellung des Einzelnen zur Religion einen wolle Dienste der Gesamtjudenheit auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Orden ganz besouders die Pflicht hätten, der zionistischen Bewegung näher zu treten. Die äusserst rege Dehatte, an der sich die Herrn Dr. Adler, Dr. Hirsch, Dr. St e i n f e 1 d, unser Freund Pelz. Dr. Prager, Dr. Gertlcr und der Logen Präsident Dr. Fischer beteiligten, war sehr interessant Es wurden mannigfache Bedenken im einzelnen laut, allseitig wurde jedoch die hohe Bedeutung der zionistischen Bewegung anerkannt. Von massgebendster Seiten wurde betont, dass kein Jude, vor allem kein BneBrith eine Bewegung bekämpfen dürfe, die darauf ausgehe. Juden eine rechtlich-gesicherte Heimat zu schaffen. Der Präsident erklärte unter herzlichen Dankesworten an den Vortragenden, dass nach den Ereignissen des Kongresses die zionistische Frage auch für die Logen ihm so aktuell erschiene, dass er die Absicht habe, auf dem nächsten österreichischen Lngentag über den Zionismus und namentlich auch über das Ostafrikaprojekt, zu sprechen. Hoffentlich bringt uns die Auf- ׳rollung unserer zionistischen Frage in den Kreisen der österreichischcn Logen, in denen sie, wenn v• it recht berichtet sind, eigentlich noch nie eingehender behandelt worden ist, neue Freunde. W* Der *bekannte Porträtmaler und Radierer Hermann Struck hat ein nach dem Leben gezeichnetes Bild Dr. Theodor Herzl’s ln Radierung hergestellt, das als das beste aller bishei erschienenen Herzt-Bilder bezeichnet werden kann und auf dem letzten Zionisten-Kongress allgemeines und berechtigtes Aufsehen erregt hat. Die Radierung ist zur Zeit um! der Ausstellung der Sezession in Berlin ausgestellt. Schriftdrucke auf Chinapapier (Grösse des Bildes mkl. weissem Papicrrr.nd 90 X 64 cm) zum Preise von 10 Mark und vom Künstler signierte Remarquedrucke auf holländischem Büttenpapier mit der eigenhändigen Unterschrift Dr. Theodor Herzl's zum Preise von 75 Mark sind in der Ex pedi tion der MJö dische.n Rundschau“ in Berlin, August- Strasse ■Da, zu haben.• Der Versand erfolgt gegen Nachnähme. - - f S 1 . *. . I.I . .... « *״.,׳•* . .׳H *־-* ...* Jkf«# *. ,I- I. ...... v..«... JJJ. .V.V& AA Aif, AA .*״ % A7, A AWÄW t Ü 2 «׳ t ן Rundschau. (VlV'iV.J' _ äka Y>'1 י;» ץ f ץ׳? iß w'f4Vo י»*״י ü ~ läCrCt C4 Ci m!21C4 C. C4 w CiüCi C# Ü' JU Ü Zi O Ci Ci •S4 'ü'Zi CS C' Berli.-. fife >V?hIcr zur ״Akademischen Lesehalle“ endeten mit einem Siege der ״Nationalen“, d. h. der antisemitischen Partei. Sie eroberte mit £06 Stimmen (gegen 606 im Jahre 1902) acht Sitze. Pie katholischen Korporationen gewannen zwei mit 2-H (213), die Freie Wissenschaftliche Vereinigung zwei mit 263 (2$l) und der Verein Jüdischer Studenten zwei Sitze mit 221 (201) Stimmen. Während also die jüdische Assi* milationsgruppe wieder erheblich z.urückgegangcn ist. hat die netionaljüdische Gruppe ebenso erheblich gewonnen. Am Stcn vl. M. haben In der Posener Jüdischen Gemeinde Neuwahlen zum Repräsentanten ־ Kollegium stattgefunden, die weniger in ihrem Ergebnis als durch die Art ihrer Vorbercituiig interessant sind. Während bisher stets d׳e ün Amt verbleibenden Repräsentanten eine List.־ fiir die Ergän/.ungs* wählet! aufsteHtcn, die dann widerspruchslos bei ganz mini* malcr Wahlbeteiligung gewählt wurde, machten sich dieses Mal Anfänge eineririschen Wahlbewcguug hemcrklu ־. ' •ie bekannten Vorgänge im letzten Sommer, die eine schar:.• Kritik der Kraukenhausvcrwalumg zur Folge hatten, haben den Stein ins Rollen gebracht. Die Gründung der zionisfsche.1 Orts• gruppe und jene bekannte Zcntralvercins - Vcrsarm lung \;.ו Mitte November haben dafür gesorgt, dass ein Stillstand nicht cintreten konnte. So konnten denn ü7e verbleibende:; Reprä* sentanten nicht mehr wie zuvor der Gemeinde alle׳., ihre Kol* legen vorschreiben; man entschloss sich vielmehr von vorn* herein eine Versammlung cinzuberufen. Zwar wu: auch diese nicht öffentlicht: immerhin waren 70 Gemeindemitglieder geladen und erschienen, und zwar Mitglieder der verschiedenen Richtungen, so dass ein Fortschritt unverkennbar ist. In der Vorversammlung präsentierten die als Komitee auftretenden verbleibenden Repräsentanten eine Liste. Während sowohl zur Begründung dieser Liste als auch bei sonstigen Vorschlägen aus der Versammlung sachliche Gründe nicht angeführt wurden und der Sache ein rein persönlicher Charakter gegeben würde, brachten die Zionisten als einzige ein sachliches jüdische*; Ce nteindeprogramm. Sie haben ausgeführt, dass die Gerne nde* Vertretungen als einzige gesetzlich anerkannte jüdische Ver* tretungskörper sich nicht nur mit der Regelung des Kultus be* fassen mussten, sondern dass sie ein soziales und kulturelles Programm erfüllen müssten, das der sozialen Lage der Juden, dem sittlichen und kulturellen Gehalt des Judentums entspricht. Da wurde zunächst Oefientlichkcit der Sitzungen des Repräsentanten - Kollegiums verlangt, Hebung des geistigen und kör* pcrliehcn Niveaus der Juden durch gemeindliche Unterstützung von jüdischen Lesehallen, einer jüdischen Bibliothek, Volks* bildungskursen- Turn- und Sportvereinen. In sozialer Bez.ie* hung wurde Zentralisation der Armenpflege, Beseitigung der Klassengegensätze im Friedhof und Tempel und eine Reform des Krankenhauses verlangt. Die Versammlung konnte sich der Erkenntnis der Notwendigkeit aller dieser Reformen nicht verschlüsseln Die Vorschläge fanden auf vielen Seiten Zu* Stimmung, nirgends Widerspruch. Eine in der Versammlung vofgeuommetie Vorwahl ergab eine Kompromissliste, die auch bei der Wahl eine grosse Majorität fand. Die Junge Orts* gruppe kann mit ihrem Erfolg sehr zufrieden sein. Es ist Ihr gelungen, ihren Tendenzen in der Gemeindestube Gehör und Beifall zu verschaffen. Mehr konnte sie für dieses Mal nicht erreichen. Der Sitz zwischen zwei Stühlen scheint das unangenehme Teil derjenigen Juden zu sein, die sich an dem Treiben der ' politischen Parteien aktiv beteiligen. Selten aber dürfte das so Jß. r «r