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Jüdische Rundschau · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VIII (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I '1 \ Seite W- ^Jildisehe Rund^ohau. No; gebens andere gefragt, die hebräisch leichter lesen, als ich cs leider kann. -Nach seinen Schlusssätzen möchte cs scheinen, als werfe er dem Zionismus hauptsächlich vor, dass er zu rasch aibeite. ״Eine Renaissance des Judentums, die wirklich jüdisch und nicht negerhaft wäre“, (dieser Blödsinn soll ein Witz sein) ״kann nicht in einem Atemzug vollbracht werden.“ (Haben wir das ic behauptet? Wir kennen die Schwierigkeiten des Werkes . besser als Achad-Haam, der nie einen Finger dafür gerührt hat) ,.nicht‘allein mittels Aktiengesellschaften und Genossenschäften," (nicht damit allein, sondern mit der ernsten Mitarbeit des ganzen Volkes, das sich aller geeigneten Werkzeuge bed:enen muss, auch der Aktiengesellschaften und Genosscnscha:- ־ten) ״ein historisches Ideal bedarf einer historischen Entwickclung und die historische Entwickelung schreitet langsam." Diese Weisheit lernen wir nicht von Achad-Haam. Gewiss ״bedarf" - zwar nicht ״das historische Ideal", wie er sich in seiner qualmig unverständlichen Weise ausdrückt, aber die Verwirklichung eines geschichtlich gewordenen Ideals der Zeit und sie kommt durch natürliche Entwickelung der Verhältnisse zustande. Der Zionismus ist aber selbst ein Stück geschiehtj licher Entwickelung, er ist *eine Bewegung, die nicht der Laune; oder Willkür eines oder einiger Menschen entsprungen ist, son- : dern aus den Verhältnissen des jüdischen Volkes in der Zeri Streuung mit Naturnotwendigkeit organisch herausgewachsen 1 ist. Gerade sein Charakter einer geschichtlichen Erscheinung, | einer nicht zu unterdrückenden Entwickelungsphase der jüdi• I sehne Vorgeschichte ist d׳'e grosse, die elementare Stärke! des Zionismus, und wir wissen nicht, wie Achäd-Haam dazu j kommt, uns seinen Satz, der, wenn er in verständliche Menschenrede gefasst wird, selbstverständlich ist, gewissermassen als Entgegnung oder Widerlegung mit triumphierenden Mienen vordcklamieren kann. ״Die historische Entwickelung schreitet langsam.“ Gewiss, aber damit Sie, wenn auch noch so langsam, schreite, muss sie einmal beginnen. Die Zionisten haben sich entschlossen h Bewegung gesetzt. Wie lange sie unterwegs sein werden, das liängt nicht von ihnen allein ab. ״Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen,“ sagt Herz!. Wenn das jüdische Volk nicht will, . Ist es ein Märchen. Wenn das jüdische Volk halb will, flau will, unpraktisch will, so werden d׳e Verwirklichungen mühseliger, unvollständiger, zögernder sein. Der Abschluss des vom Zionismus begonnenen Werkes liegt in einer vielleicht fernen Zukunft,. Aber seinen Beginn sehen wir schon heute, i allen Achad-Ha'ams zum Trotz. ן Der Zionismus ist nicht die einzige Entwickelung der jü• dlschen Geschichte. Sie hat sich auch ausserhalb des Zionismus entwickelt: in Russland zur Gesetzgebung Alexanders III. und zu den Begebenheiten von 1881/82; in Rumänien zum jungsten Handwerkergesetz; in Deutschland von Stöcker über Ahlwardt zu Bindewald und dem Grafen Ptlckler-Klein-Tschirnc; in Oesterreich zu Lueger und seinem System; in Frankreich zum Dreyfus-Handcl und Bayados-Nationalismus; in England zur königlichen Kommission für die Fremdeneinwanderung. Diese Entwickelung war, finde ich, gar nicht langsam, sondern recht schnell. Wohin sic weiter führt, führen muss, wenn cs bei Achad-Haams Faseleien bleibt, das kann auch ein Tor erraten. Der Zionismus hat eine andere Entwickelungsreihe begönnen und diese führt zum Heile. Langsam, das mag sein, doch besser langsam als garnicht. Und sicher wird sie durch das Treiben der Achad-Haams nicht beschleunigt, sondern noch mehr verzögert, noch mehr aufgchaltcn. Acliad-Haam ist ein weltlicher Protestrabbiner. Dagegen haben wir nichts. Wir können ihm jedenfalls seine Oppositlon gegen den Zionismus ebensowenig verbieten wie den Protestrabbinern. Aber wir haben das Recht und die Pilich:. 111\s dagegen zu verwahren, dass er sich einen Zionisten nennt. Er ist kein Zionist. Er ist das Gegenteil eines Zionisten. Es ist ein blosser Kniff, dass er von einem ״politischen" Zionismus spricht, um glauben zu machen, dass cs einen andern gibt, einen geheimnisvollen, nie erklärten, schien eigenen. ״Politischer" Zionismus ist Tautologie. Ein.Zionismus, der nicht poiitisch wäre, dass heisst, der nicht die Schaffung einer Heim- Stätte für den nicht anpassungsfähigen oder nicht anpassungswilligen Teil des jüdischen Volkes anstrebte, wäre überhaupt kein Zionismus, und wer sich dieses Wortes in einem andern Sinne als in dem vom Basier Programme definierten bedient, der macht sich gewöhnlicher Bauernfängerei schuldig. Das mussten wir unseren russischen Brüdern sagen, die gute Zionisten sind oder es doch sicherlich sein möchten und die im Spiele Achad-Haams nicht klar sehen. Aus der Bewegung. An unsere geschätzten Mitarbeiter! Durch die grössere Arbeitslast, die durch die bedeutende Vergrösscrung unserer Zeitung von .der Schriftleitung und der Druckerei zu leisten ist, sehen schreiben an die russischen Rabbiner, dem Rossarzt Sundel Leskin überall, wohin er komme, zur Ordnung seiner Angelegenheiten bchiilflich zu sein. Ich habe das Schreiben, mit verschiedenen anderen Pa- Pieren, damit sie nicht in Unrechte Hände gelangen möchten, dem Feuer übergeben. Die sonstigen Hab- Seligkeiten des Mannes wurden verkauft und dafür eine recht hübsche Summe Geldes erzielt. Ich bat die .iPflegerin das Geld den Kindern des Mannes zukommen zu lassen; die aber meinte, dass die sehr gut situtierten Kinder dessen nicht benötigt seien, das Geld sollte dem Wunsche des Verstorbenen gemäss unter die Armen verteilt werden. Und nicht nur das — bevor die Frau die heilige Stadt verliess — wohin sie sich wenden wolle, darüber gab sie keine Auskunft - brachte sie noch 300 Rubel mit der Bestimmung, dass dem Verstorbenen dafür ein Leidienstein gesetzt und jährlich sein Todestag in der bei den Juden üblichen Weise feierlicn begangen werde. Das, mein lieber Leser, ist die Lebensgeschichtc 1 des Rossarztes Sunde! von Anfang bis zu Ende. Litteraturbericht. (BQdwr der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion xugesandt werden, finden eingenende Besprechung.) g—w D r. Leo Pinsker: Autoemanzfpation. Mahnruf an seine Stainmcsgcnossen von einem russischen Juden. Mit einem Vorwort von M. T. S c h n i e r c r. 2. Aufl., veranstaltet von der akadern. Verbindung ״Kadimah“ (Wien) anlässlich ihres!Ü-semcstrigen Stiftungsfestes. Brünn: (Jüdischer Buch- und Kunstverlag) 1903. (31 S.) 8. Wenn Moses Hess der Romantiker des Zionismus war, der aus dem liistorcschen Geschick der Juden heraus seine tiefe Begeisterung für die Zukunft empfing, so war demgegenüber Pinsker der scheinbar kalte Rechner. ־- der Arzt, der «ich durch keine weichen und weiclmiütigen Gefühle beirren liess, die richtige Diagnose von der Krankheit seines Patienten, der in diesem Falle der Judcnstamni war, zu stellen. Mit der Autoemanzipation. die genau wie• später Herzls Judenstaat »ur ein völkerrechtlich gesichertes Judenasyl for• dort, ohne das Land zu neunen, w o die neue Heimat der Vertrlebenen gegründet werden sollte, wurde die Kolonisation Palästinas inauguriert wie durch Theodor Herzl der politische Zionismus. Auch darin ist eine Parallele zu konstatieren, dass cs schon einen Anfang per Kolonisation vor dem Erscheinen der Autoemanzipation gab, wie der politische Zionismus nicht auf das Erscheinen des Judenstaates gewartet hatte. Das schmälert weder das unsterbliche •Verdienst Pinskers, noch . .*tv ’־v f.

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