Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 4-5 (April 1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 67 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Männern der Krebs der Geschlechtsorgane durchaus kein seltenerer Befund ist als bei den nichtjüdischen Männern. Während bei den Nichtjuden 4,1 % der Todesfälle an Krebs die Geschlechtsorgane betreffen, geben die Juden 3,4% Krebs der Geschlechtsorgane. Übrigens setzten sich diese Fälle bei beiden Gruppen fast ausschließlich aus Erkrankungen der Vorstehdrüse zusammen. Krebs des Gliedes ist bei beiden Gruppen nur eine seltene Erscheinung. Bei der weiblichen Gruppe entwickelt sich das Bild vielfach anders. Wir finden hier eine andere Beteiligung der einzelnen Krebsformen und eine andere Korrelation zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Werten. Nur behauptet auch hier der Krebs der Verdauungsorgane den ersten Platz mit 30,1 % bei den jüdischen und 34,6 % bei den nicht jüdischen Frauen. Alle übrigen Formen haben ihre Plätze vertauscht. Bei den jüdischen Frauen gestaltet sich die Reihenfolge der Häufigkeit wie folgt: Verdauungsorgane, Darm- und Bauchfell, Brust und erst hinterher Geschlechtsorgane; bei den nicht jüdischen Frauen dagegen beansprucht der Krebs der Geschlechtsorgane bereits den zweiten Platz, dann erst folgen Darm¬ und Bauchfell an dritter und Brust an vierter Stelle. In der Gruppe «Krebs der Verdauungsorgane» gibt der Magenkrebs bereits niedrigere Werte auf jüdischer Seite. Die übrigen zwei Formen dieser Gruppe, Leber- und Speiseröhrenkrebs, sind bei den Juden stärker vertreten als bei den Nichtjuden. Besonders interessant sind auch in der weiblichen Gruppe die Verhältnisse beim Krebs der Geschlechtsorgane. Während bei den Männern die Werte in beiden Bevölkerungsgruppen sich so ziemlich das Gleichgewicht halten, finden wir dagegen bei den Frauen ein krasses Übergewicht auf der nichtjüdischen Seite. Von überaus großer Bedeutung ist die aus der Wiener Statistik hervorgehende Feststellung, daß das Verhältnis der Prozentsätze für beide Bevölkerungsgruppen nicht für alle Genitalienabschnitte das gleiche ist. Der Prozentsatz der Todesfälle an Uteruskrebs ist bei den nicht jüdischen Frauen dreimal so hoch wie bei den jüdischen (20,6 gegen, 6,7) an Krebs der Vagina fast zweimal so hoch (1,8 gegen 1,0). Wir erhalten somit eine sehr wichtige Korrektur der überlieferten und von allen Forschern wiederholten Ansicht über die Seltenheit des Krebses der Geschlechtsorgane bei den jüdischen Frauen. Ja, mehr als das. Die Wiener Statistik zeigt uns in überzeugender Weise, daß überhaupt keine Rede sein kann von einer Seltenheit dieser Krebsform bei jüdischen Frauen. An und für sich bildet schon der Krebs der weiblichen Geschlechtsorgane einen sehr bedeutsamen Bestandteil der jüdischen Sterblichkeit, der sehr empfindlich in die Wagschaie fällt. Er nimmt in der Wiener Statistik 15,4 % für sich in Anspruch, während der Krebs des Darms und des Bauchfells nicht viel mehr, und zwar nur 19,2 %, und die ganze Gruppe «Krebs der anderen Organe» ebenfalls nicht über 17,3 % aller weiblichen Krebsfälle ausmacht. Die&e Feststellungen werden auch durch die Budapester Statistik 1924/25 (Tabelle II) und in höherem Maße durch die erst in den Kriegsjahren veröffentlichen Zahlen für 1908/9 (Tabelle III) bestätigst. Es starben allein an Krebs der Gebärmutter bei den Juden in den Jahren 1924/25 10 % und in den Jahren 1908/09 10,2 % sämtlicher von Krebs betroffenen jüdischen Einwohner. Die Todesfälle an dieser Krebsform machten 1908/09 17,0 % sämtlicher an Krebs gestorbenen jüdischen Frauen aus, bildeten somit einen Prozentsatz, der höher war als der der Todesfälle an Darm- oder Brustkrebs in demselben Jahre. 6?