Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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207,9 % und 72,8 %. Selbstverständlich mußte der prozentuale Anteil der jüdischen Mitglieder infolgedessen allmählich sinken, wenn er auch nach wie vor höher ist als das Verhältnis der jüdischen Einwohnerschaft zu der Gesamtbevölkerung der Republiken. Einen Anhaltspunkt für einen solchen Vergleich liefern uns die zeitlich fast zusammenfallenden Volkszählung im Dezember 1926 und Parteizählung im Januar 1927. Die jüdischen Anteilsquoten in der Partei und der Bevölkerung verhalten sich in der Ukraina wie 12,1 :5,4, in Bialoruß wie 23,8 :8,2, in der RSFSR etc. wie 2,2 :0,6. Derselben Erscheinung des erhöhten Anteils an der Parteimasse im Vergleich mit der Bevölkerungsquote begegnen wir ebeDso bei den anderen Nationalitäten der Union. So sehen wir: Juden Letten Litauer Polen I2SSr7 Ukrainer SsienDeulsdie %-Anteil an der Partei . 4,5 1,2 0,24 1,1 64,9 11,6 3,1 0,5 %-Anteil a. d. Ges.-Bevölk 1,8 0,1 0,05 0,5 52,9 21,2 5,2 0,8 Partei-Index ..... 2,4 12,0 8,0 2,2 1,2 0,5 1,0 0,6 Mitglieder per 10000 Einw. 185 945 621 154 96 45 77 45 Sehen wir von den Großrussen, Ukrainern, Bialorussen und Deutschen ab, so weisen alle übrigen Nationalitäten eine gegenüber ihrer Populationsstärke erhöhte Beteiligung an der Partei. Bei den Letten beträgt das Verhältnis 12 :1, bei den Litauern 8:1. Diese Feststellung läßt sich unter eine Formel wie folgt bringen: die territorialen Nationalitäten geben eine niedrigere, die nationalen Minderheiten dagegen eine höhere Quote der Parteibeteiligung als es ihren Bevölkerungsanteil entspricht. Bezeichnen wir das Verhältnis beider Quoten als Index der Beteiligung an der Partei, so ist dieser Index für die territorialen Völker kleiner, für die Minderheiten größer als 1. In Ukraina und in Bialoruß tritt diese Gesetzmäßigkeit besonders plastisch hervor. In diesen Republiken stellen einmal die Großrussen eine Minorität dar und sie weisen hier in der Tat einen Parteiindex auf, der ein vielfaches von 1 ist: er beträgt in der Ukraine 5, in Bialoruß fast 2. In gleicher Weise ergibt sich für die Bialorussen in der Ukraine, wo sie eine Minorität sind, ein Parteiindex im Werte von 10 und für die Ukrainer in Bialoruß der Index 3,5. in der Dkraine in Bialorus Maiv°olk,S"Russrn >uden ^Säf^Russen Polen Juden %-Anteil an der Bevölkerung . 80,1 9,2 5,4 80,6 7,7 2,0 8,2 %-Anteil an der Partei . . . 52,0 27,5 12,1 52,5 14,8 5,1 25,8 Die Analyse dieser bemerkenswerten Tatsache gibt uns einen tiefgehenden Einblick in die Zusammenhänge. Es liegt kein Grund vor, zu behaupten, daß die nationalen Minderheiten in der Union generell stärker zur Kommunistischen Partei neigen, als die territorialen Nationalitäten. An und für sich wäre es nichts ungewöhnliches, daß die nationalen Minderheiten eines Landes ihre Sympathien denjenigen Parteien entgegenbrächten, die die bürgerlichen und nationalen Rechte der Minderheiten verteidigen, und sich in Opposition gegen die Parteien, die die Rechte der Minderheiten einzuschränken suchen, stellten. Ähnliches kann der Fall sein in Staaten, wo mehrere Parteien mit verschiedenen Programmen bezüglich der nationalen Minderheiten gegen einander stehen. Für die Sowjet-Union trifft aber diese Voraussetzung nicht zu, da es in diesem Staate nur eine einzige legale Partei gibt, deren Programm keine Unterschiede in der politischen Behand- 10