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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-07-01 · Heft 1 (Juli 1930) · p. Seite 14

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 14 (sequence 15)
Language
German
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Darüber hinaus darf noch ein bislang zu wenig eingeschätztes Moment nicht unberücksichtigt bleiben. Die Umwälzungen und mannigfachen Wandlungen der Nachkriegszeit auf allen Gebieten des staatlichen Lebens haben es bewirkt, daß der Andrang zu den Hochschulen in den nichtjüdischen Teilen der zu neuen Lebensformen erwachten neugeschaffenen oder erweiterten Länder in einem bedeutend stärkeren Tempo anstieg als m der jüdischen Bevölkerung. Die national eingestellten Regierungen dieser Länder erblicken natürlich eine ihrer vornehmsten Aufgaben in der .Förderung dieses in den nichtjüdischen Teilen der Bevölkerung rege gewordenen Dranges nach höherer Bildung und begönnern ihn. Dieser Umstand trug mit zur Abdrängung der jüdischen Studierenden bei, zumal die Aufnahmefähigkeit der fraglichen Hochschulen immerhin eine beschränkte ist. Eine ganz andere Frage ist es, ob die große Masse der studierenden jüdischen Jugend bei den heutigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen Aussicht hat auf praktische Anwendung und Auswirkung ihrer erworbenen Kenntnisse, und ob uns nicht die Gefahr droht, ein neues und lästiges Intelligenz-Proletariat heraufzubeschwören. Die Erörterung dieser Frage geht jedoch über die Schranken dieser Betrachtung hinaus. Die jüdischen Eheschließungen in Deutschland von 1919—192?. Nachdem im letzten Kriegsjahr 1918 die Zahl der rein jüdischen Ehen bis auf 2171 gesunken war, schnellte sie in dem ersten Nachkriegsjahr auf 6295 hinauf und erreichte ihren Höchststand im Jahre 1920 mit 7497. Von da ab datiert ein ununterbrochener, erst langsam, dann seit der Stabilisierung immer schneller vor sich gehender Abstieg. Während die Gesamtzahl der Eheschließungen seit 1919 um 36% abgenommen hat, beträgt der Rückgang bei den Juden 56%. Die Entwicklung der Mischehen verläuft nicht in gleicher Weise. Sie zeigen zwar auch eine sinkende 'lendenz, doch ist hier namentlich bei den Mischehen mit jüdischem Mann mehr eine Wellenbewegung vorhanden. Es wird in einer der nächsten Nummern dieser Zeitschrift eine eingehende Behandlung der Eheschließungen in den letzten 25 Jahren erfolgen, soviel kann aber schon jetzt gesagt werden, daß auf Grund der Tabelle ein innerer Zusammenhang zwischen ungemischten und Mischehen nicht angenommen werden kann. Statistisches Archiv. Jahr Eheschliessungen Jüd. ungemischie Mann jüdisch überhaupt Ehen Frau a. K. 844 339 6295 1080 894977 7497 1315 731 157 5617 896 681891 5025 1285 581277 4833 753 440 039 3310 1019 482792 2904 968 i 483198 2656 815 558 463 2769 969 Frau jüdisch Mann a. K. 1919 1920 1921 1922 1923 1924 1925 1926 1927 849 1126 764 1306 702 528 565 500 556 Quelle: Stat. Jahrbuch f. d. Deutsche Reich 1921/22 bis 1929. 14

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