Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1926) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 1-3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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- 101 - Aus der tabellarischen Aufstellung ergibt sich im Hinblick auf die große Zunahme der besteuerten Mitglieder in der Gemeinde überhaupt und dem gleichzeitigen Anwachsen der Mitglieder der Synagogenverbände, daß die Zahl der Israeliten in Hamburg stark zugenommen haben muß. Dies kann unseres Erachtens allein auf bedeutende Einwanderung neuer jüdischer Elemente zurückzuführen sein, da die Bevölkerungsbilanz der Israeliten Hamburgs passiv ist (Siehe „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden* 1. Jahrgang. Neue Folge S 81, lieft 3/4). Zum Schluß sei noch auf die Tabelle 50 Seite 184 verwiesen, die eine Gegenüberstellung der Schlachtungen in den Hamburger Schlachthofanlagen, 1916 bis 1925, und der nach israelitischem Ritus geschlachteten und für koscher erklärten Tiere bringt. Herbert Phiüppsthal. Zur Frage der Vitalität und Morbidität der jüdischen Bevölkerung von Dr. Hans Ulimann. Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie einschließlich Rassen- und Geschlechtshygiene. 18. Band, Heft I, Mai 1926. Die statistischen Angaben des Verfassers bringen dem Leser der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" nichts Neues. Immerhin sind Aufbau und Folgerungen nicht uninteressant. Die Sterblichkeit der Juden wird zuerst im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung untersucht und die allgemeine Tatsache registriert, daß die Sterblichkeit unter den Juden geringer ist als bei der Gesamtbevölkerung. Dadurch wird die durchschnittliche Lebensdauer der Juden eine längere. Hierbei zeigt es sich, daß der Unterschied in der Sterblichkeit im Verhältnis zu der der Gesamtbevölkerung bei den westeuropäischen Juden bedeutend größer ist, als bei den osteuropäischen, im übrigen aber, daß die Juden den Rückgang der Sterblichkeit bezw. die Erhöhung der mittleren Lebensdauer der Gesamtbevölkerung im Laufe der Zeit hin ziemlich mitgemacht haben, daß sie dieser aber nicht ganz parallel geht insofern, als die Sterblichkeit bei der nichtjüdischen Bevölkerung schneller abnimmt als bei der jüdischen. — Dies tritt beim Altersaufbau deutlich in Erscheinung, in dem die Juden in allen Altersklassen eine geringere Sterblichkeit aufweisen als die Christen. Am größten ist der Unterschied zu Gunsten der Juden im Säuglings- und Kindesalter. Der Verfasser stellt weiter die Frage, ob die Langlebigkeit der Juden als Rasseneigenart aufzufassen ist. Die geringe Kindersterblichkeit ergibt sich, wie auch anderwärts schon des öfteren festgestellt wurde, aus der verhältnismäßig geringen Anzahl der jüdischen Geburten. Sehr eingehend behandelt Ullmann die Sterblichkeit nach Krankheitsgruppen und kommt so auf die einzelnen Krankheiten zu sprechen: Tuberkulosesterblichkeit, Infektionskrankheiten, Darmkatarrh, Krankheiten der Verdauungsorgane, Erkältungskrankheiten, Alkoholismus, Morphinismus, Herzkrankheiten, Arterioklerose, Stoffwechselkrankheiten, Diabetes, Karzinom usw. Auf diese mit großem Fleiß aufgestellten Krankheitsbilder können wir hier nicht weiter eingehen. Nachdem Ullmann noch kurz auf die Bevölkerungsbewegung und den Einfluß des Krieges hierauf eingegangen ist, spricht er über die Gründe der veränderten Absterbekurven, über die geringere Kinderzahl, über den veränderten Altersaufbau und über die Berufszusammensetzung. Ausführlich behandelt er die Bedeutung der guten wirtschaftlichen Lage der Juden und ihren besonderen Einfluß auf die Krankheitsfälle. Es muß betont werden, daß in Bezug auf die wirtschaftliche Situation nur Vorkriegsverhältnisse betrachtet sind; der Krieg und die Folgen auf den jüdischen Mittelstand sind übergangen. So ist das Bild, das Ullmann an dieser Stelle zeichnet, nicht unwesentlich verschieden von den augenblicklichen Verhältnissen. Die Bedeutung von Milieu und Familie wird stark hervorgehoben. Die geringe Tuberkulosesterblichkeit bei den Juden führt Verfasser am Schluß des Aufsatzes auf die Ausleseimmunität zurück, eine Ansicht, die auch von Strauß in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" vertreten ist. Herbert Philippsthal. Die Redaktion behält sich die Besprechung folgender Einsendungen vor: Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. 45. Jahrgang, 1926. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt Berlin. Statistik des Deutschen Reiches. Bd. 316. Die Bewegung der Bevölkerung und die Todesfälle, 1922, 1923. Berlin 1926. Preußische Statistik. Heft 282. Die Geburten, Eheschließungen, Sterbefälle und Ehescheidungen im Freistaat Preußen, Berlin 1926.