Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 48-49 (27.11.1919)
- Date
- 1919-11-27
- Page
- Seite 1559-1560 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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1559 VOLK UNI) LAND 1560 schlossen worden, den Aerztedienst zu nationalisieren; es wurde eine spezielle Kommission gewählt, diesen Beschluß zu verwirklichen. „Haboneh“ Unter dem Titel „Haboneh“, Gesellschaft für Förderung von Bauunternehmungen in Palästina, ist die seinerzeit in Rußland gegründete jüdische Baugesellschaft „Haboneh“ nunmehr mit einem Kapital von 200 000 C in 200 Anteilen zu je 1000 C als englische Gesellschaft registriert worden. Die erste Aufgabe der Gesellschaft wird es sein, für Häuserbau in Palästina zu sorgen und Baumaterial dorthin zu beschaffen, dessen Mangel von nachteiligster Wirkung für den Fortschritt der Kolonisation und die Entwicklung der Industrie ist. Der „Board of Trade“ hat eine Lizenz zur Herausgabe aller Anteile der Gesellschaft erteilt, nachdem er davon Kenntnis genommen hatte, daß die Gesellschaft mit Wissen und Billigung der zionistischen Organisation gegründet worden ist. Der „Board of Trade“ hat an die Erteilung der Lizenz die Bedingung geknüpft, daß ungefähr 50 Prozent des Gewinns im Vereinigten Königreich von Großbritannien verwendet werden müssen. Die Geschäfte der Gesellschaft werden hauptsächlich von Palästina aus geleitet werden; das Hauptbüro ist in Jaffa errichtet worden, wohin bereits drei Direktoren der Gesellschaft übersiedelt sind. Zu den Gründern der Gesellschaft gehören unter anderen die bekannten zionistischen Führer U s s i s c hk i n, Isaak lind Boris Gold borg, Slatopolsky und Naiditsch. Weitere Informationen erteilt das Sekretariat der Gesellschaft, Adresse: Secretary „Haboneh“, 8, Draperis-garden, London E. C. Beamten-Wohnungen in Jerusalem Die Ueberführung des bisher vorhandenen jüdischen Verwaltungsapparates von Jaffa nach Jerusalem, die in diesen Tagen vollzogen wird, bedingt die Uebersiedlung einer größeren Anzahl von Beamtenfamilien nach der Hauptstadt, und da die Wohnungsnot auch in Jerusalem sehr groß ist, hat das zionistische Zentralkomitee beschlossen, Maßnahmen zu treffen, um den Bau von 500 modernen Häusern mit vollständig europäischer Inneneinrichtung in allernächster Zeit zu ermöglichen. Es wird ein neues Viertel entstehen, das sich zwischen dem Skopus und Oelberg, in der Umgebung der zu erbauenden Universität erstrecken und den Kern zum neuen Jerusalem bilden soll. Jüdische Eisenbahnarbeiter Die Zahl der jüdischen Berufs- und Nichtberufsarbeiter, die bei den palästinensischen Eisenbahnen beschäftigt sind, beträgt gegenwärtig 450. In der Zentralstation El-Kantara sind als Maschinisten und höhere Beamte zirka 150 Juden angestellt. Hotelwesen ln Palästina hat sich eine jüdische Gesellschaft gebildet zur Errichtung von Bahnhof-Restaurants und Hotels, in denen streng rituell (koscher) zubereitete Speisen serviert werden. In Lud, dem Hauptknotenpunkt Palästinas, ist von dieser Gesellschaft ein solches Restaurant bereits eröffnet worden; demnächst soll dort auch ein Bahnhofhotel errichtet werden. Pergamentfabrik Der Verband der Thoraschreiber in Jerusalem beabsichtigt demnächst eine Pergamentfabrik zu gründen. Durch die Errichtung dieser Fabrik wird eine größere Anzahl Arbeiter Beschäftigung finden und genügend Pergament an die Schreiber der Thorarollen, deren Zahl sich in Jerusalem auf mehrere Hundert beläuft,; geliefert werden können. Kriminalstatistik! Das Fehlen jüdischer Verbrecher unter türkischer! Herrschaft war ein charakteristisches Merkmal in , Palästina, und es ist interessant zu beobachten, daß i der gute Ruf der Juden als gesetzestreue und ehrj liehe Einwohner aufrechterhalten bleibt. Die offizielle | Kriminalstatistik für die Monate April, Mai und Juni dieses Jahres bringt keinen jüdischen Namen, obgleich das betreffende Gebiet alle jüdischen Zentren einschließt. SOZIALES Jüdische Emigrations - Organisation Eine übereinstimmende Preßnotiz, die sich in den jüngsten Tagen mehrfach in der jüdischen Presse fand*), besagte, daß die neugegründete Jüdische Emigrations- Organisation darum keinen originalen Zweck erfülle, weil die praktische Fürsorgetätigkeit für die osteuropäischen Juden in Deutschland bereits von einer genügenden Anzahl von Organisationen betrieben werde. Diese letztere Tatsache muß ohne weiteres als richtig anerkannt werden. Die Jüdische Emigrations-Organisation ist denn auch nicht gegründet worden, um in derselben Weise wie die älteren Organisationen praktische Hilfstätigkeit auszuüben, sondern sie stellt eine Studiengesellschaft dar, die sich fortlaufend mit den Grundlagen und Erscheinungen der gesamten jüdischen Wanderungsfrage befassen und die praktische Fürsorgetätigkeit den anderen Organisationen durch die Schaffung systematischer und wissenschaftlicher Grundlagen unterstützen will. Ihre Aufgabe ist ausschließlich die ideelle und prinzipielle Behandlung der Wanderfrage; sie gedenkt ihr Ziel zu erreichen vornehmlich durch fortlaufende Herausgabe geeigneter Publikationen, so eines Mitteilungsblattes „Die jüdische Wanderung“ und einer Emigrationsbücherei, d. h. einer wissenschaftlichen Schriftenfolge zur jüdischen Wanderungsfrage. Sie erfüllt demnach eine Aufgabe, die bisher nicht von einer der in Deutschland bestehenden Organisationen in Angriff genommen worden ist. gez. Prof. Kalischer. — gez. Dr. Marx. Organisation des jüdischen Proletariats in Frankreich Wie die „Humanite“ meldet, ist auf Anregung einiger jüdischer Intellektuellen in Paris eine Organisation des jüdischen Proletariats Frankreichs gegründet worden. Sie bekennt sich zu den Grundsätzen des internationalen Sozialismus radikaler Richtung und bezweckt die Sammlung und Aufmunterung der jüdischen Arbeiterschaft zum Kampf für die vollkommene soziale Befreiung der jüdischen Arbeiterklasse im Rahmen des internationalen Proletariats. Türkische Hilfsaktion Auf Einladung der „Bne-Brith“ fand in Konstantinopel am 22. November eine Konferenz aller jüdischen Organisationen, Institutionen, Vereine und Vertreter der jüdischen Presse statt, um über eine. Hilfsaktion zugunsten der russischen Juden zu beraten. Die Versammlung beschloß die Gründung eines Komitees, das eine großzügige Aktion einleiten wird. *) So auch in der Nr. 46/47 von „Volk und Land“. D. Sehr.