Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 456 (sequence 462)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2644300-2644309--4264-2648613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der gelbe Fleck in Prag Von Dr. L. Moses. Tobias Jakobovits hat den Judenabzeichen in Böhmen eine eingehende Studie gewidmet.1 Unter diesen Abzeichen spielte der von Maria Theresia im Jahre 1750 anbefohlene gelbe Fleck am längsten seine diffamierende Rolle und erst im Jahre 1781 verschwand auch dieses Überbleibsel einer bösen Zeit. Jakobovits zeigt in den Einzelheiten die Plackereien, die den Prager Juden aus gelegentlichen Übertretungen der Verordnung erwuchsen, die sich vor allem gegen die ledigen Juden richtete, da die Verheirateten ohnehin an den Barten kenntlich waren. Außer den von ihm mitgeteilten Akten, die den gelben Fleck betreffen, befinden sich aber auch im Wiener Staatsarchiv des Innern und der Justiz2 einige Aktenstücke, die den Sachverhalt einiger Übertretungen dieser Art festhalten und darum als Ergänzung der Arbeit von Jakobovits hier im extenso mitgeteilt werden mögen. Constitution des den 24. Juli 1761 eingebrachten Juden Mordche Gerschels, 15 Jahre alt, allhiesiger Prager Jud, ernährt sich als Kürschner, in Arbeit beim Moyses Itzels, ist (weil derselbe auf eine besondere, neu erfundene Art den gelben Aufschlag mit angenähten Hefteln getragen und den zu diesem Rock gehörigen Aufschlag im Sack bei sich verborgen gehabt habe und dieses zwar anscheinend von darum getan zu haben, um damit derselbe in den Seitengassen diesen Aufschlag anheften und da er eine Bürgerwacht oder Stadtgericht, von welchen er von derentwegen angehalten zu werden sich besorgt, den oben tragenden Aufschlag herabzuziehen und selben in Sack zu stecken in der Geschwindigkeit zu können, bei dem Rathaus, weilen die Hafteln aus dem gelben Aufschlag verdächtig geschienen), angehalten, sogleich visitiert und auch der zum Rock gehörige Aufschlag in seinem Kleid verborgen gefunden worden. Die Angelegenheit läßt sich in dem nachstehenden „Extractus" weiterverfolgen, der noch viele andere Sünder dieser Art aufzählt. Extractus ex libro Arrestatorum Regiae antiquae Urbis Pragensis in Betreff derjenigen ledigen Juden, welche die gelben Aufschläge entweder nicht vollkommen oder aber gar keine gehabt haben und dessenwegen auf hohen Befehl einer hochlöbl. k. k. Sicherheitskommission in Verhaft gezogen worden. Ao 1760, 24. Aprilis, Salomon Rosenberg, 19 Jahre alt, ledigen Standes, ein Prager Jude, Eodem dato, Jacob Herschel, 15 Jahre alt, von Kolin geboren, ledig, Jude, 1 459