Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 9 (1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 47)
- Language
- German
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Vorwort Eine für die Geschichte der Juden im Mittelalter nicht unwichtige Quelle sind die Responsen und dezisorischen Werke der jüdischen Gelehrten. Wohl tritt das historische Moment bei der Behandlung des Geschichtsstoffes in den Hintergrund, denn es handelt sich sowohl dem Fragesteller, als auch demErteiler der Antwort, um die Entscheidung des Ritualgesetzes, um so w ertvoller aber hebt sich der geschichtliche Kern von dem behandelten Gesetzthema ab. (Ausführliches darüber im Jahrbuch der Gesellschaft, VIII, B. Suler ..Rabbinische Geschichtsquellen S. 27ff.) In dieser Hinsicht verdient das Werk des Rabbi Jizchak Or Sarua besondere Beachtung. Der Verfasser, der einen großen Teil seines Lebens auf Reisen verbrachte und die verschiedensten Länder kennen lernte, wurde dadurch ein geistig hochstehender Mann, den seine Bildung zur klaren Auffassung der Geschehnisse seiner Zeit befähigte. Da sein Werk vielfach frühere Responsen und andere Ritualentscheidungen enthält, die sonst der Vergessenheit anheimgefallen wären, besitzt es für die jüdische Gelehrtengeschichte außerordentlichen Wert; aber auch für die allgemeine Geschichte der Juden ist es von Bedeutung, behandelt es ja die verschiedenen Sitten zahlreicher Länder, besonders was die Selbstverwaltung und die Rechtsverhältnisse der Juden seiner Zeit betrifft. Von Schriften, die sich dieses Werk, bzw. seinen Autor zum Thema nahmen, sind zu erwähnen: Groß H. „R. Isaak b. Mose Or Sarua aus Wien", MGWJ. 1871, S. 248—264, der den damals bekannten Teil des Or Sarua in kurzer, skizzenhafter Weise behandelte. Wellesz L, ebenda, „Isak ben Mose Or Sarua", 1904, S. 129-144, 203-213, 361-371, 440-456, 710-712, mit Ergänzungen im Jahrbuch der jüdischen literarischen Gesellschaft, Frankfurt a. M., IV, 1906, S. 75-124. Vogelstein Hermann „Zu Wellesz' Isaak ben Mose Or Sarua", MGWJ. 1905, S. 701-706, der sich ausschließlich mit der Biographie des Autors beschäftigt, ebenso wie Tykocinski H. „Lebenszeit und Heimat des Isaak Or Sarua", ebenda, 1911, S. 478—500, Germania Judaica, Breslau 1934, S. 39, 400—410, ebenda Register, „Isak ben Mose Or Sarua". Speziell mit der Untersuchung der slawischen Glossen befassen sich: Harkavy, „Die Juden in den slawischen Sprachen" (hebr.), Wilna 1867, und Markon, MGWJ. 1905, „Die slawischen Glossen bei Isak b. Mose Or Sarua", S. 707-721. Die Aufgabe der vorliegenden Schrift ist es, die auf die Geschichte der Juden in Böhmen im späteren Mittelalter bezugnehmenden Quellen 3 45