Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 8 (1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 132)
- Language
- German
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Handwerkserzeugnissen beschäftigten. Die Emigration der Prager Judenschaft hat also den Prozentsatz ihres Anteiles an dem vom Boden oder vom festen Wohnsitz am wenigsten abhängigen Handwerke nur erhöht. Diese Vorliebe der Prager Juden für das Handwerk hat auch in den folgenden Jahrzehnten, von den christlichen Zünften ziemlich ungehindert, angedauert, sie flaute jedoch im XIX. Jahrhundert zugunsten des Handels ganz wesentlich ab. In der vorliegenden Darstellung konnten wir den Entwicklungsprozeß des Prager jüdischen Handwerkes bis zu seiner vollsten Entfaltung, wenn auch nicht immer in seinen Einzelheiten, drei Jahrhunderte hindurch verfolgen. Durch Fleiß, Energie, Anspruchslosigkeit und durch ihr oft selbstloses Entgegenkommen haben die Prager Juden alle in ihrem Existenzkampfe sich ihnen entgegentürmenden Hindernisse hinweggeräumt. Als Träger des kommerziellen Geistes haben die Prager Juden es verstanden, nicht nur das konsumierende Publikum für sich zu gewinnen, sondern schließlich auch die ihnen feindlich gesinnten christlichen Zünfte von dem Wert und Nutzen ihrer Existenz und ihrer Arbeitstätigkeit zu überzeugen. Ein Ausspruch Werner Sombarts70 hat sich schon damals im Bewußtsein aller Freunde und Feinde der Juden als Wahrheitsregel erwiesen: „Wie die Sonne geht Israel über Europa: wo es hinkommt, sprießt neues Leben empor, von wo es wegzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte". 75 131