Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 413)
- Language
- German
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7. Amtliche Relationen Siegfried Kapper suchte im Jahre 1856 für sich und seine Frau um die Ausfolgung eines Reisepasses für eine Reise ins Ausland an. Als Reisezweck führte er die Besichtigung von ausländischen Krankenhäusern und die mit der Reise verbundene Erholung an. Der Ausfolgung des Passes gingen eingehende Nachforschungen über Kapper voraus.8a Das Wiener Polizeiamt verlangte von der Prager Statthalterei einen „verläßlichen" Bericht über Kappers früheres und jetziges politisches Verhalten. Diese wendete sich an die Prager Polizeibehörde, welche über Kapper folgende Relation erstattete : „Mit Beziehung auf den hohen Erlaß vom 6. Juli 1856, Z. 6546, unterlasse ich nicht, Nachstehendes zur hohen Kenntnis zu bringen. Siegfried recte Salomon Kapper ist um das Jahr 1820 in Smichov bei Prag geboren, der Sohn eines armen jüdischen Handelsmannes, und hat seine Mutter, dann zwei Brüder, von denen der eine Schneidergeselle, der andere Hörer der Medizin ist, noch am Leben. Er hat die Gymnasialstudien am Prager Kleinseitner Gymnasium, die Philosophie ebenfalls in Prag absolviert; die medizinischen Studien vollendete er aber in Wien, woselbst er auch zum Med. Dr. promoviert worden ist. Im Juli 1854 verehelichte er sich mit einer Schwester des bekannten Literaten Moritz Hartmann aus Duschnik und lebt seit dieser Zeit in Dobfisch, wo er eine Anstellung als Stadtarzt erhalten hat. In Prag hat er sich, nachdem er studienhalber nach Wien übersiedelte, immer nur vorübergehend aufgehalten; gleichwohl ist es möglich gewesen, über seine literarische und politische Tätigkeit Nachstehendes in Erfahrung zu bringen: Seine ersten literarischen Bestrebungen fallen schon in seine früheste Jugend. Durch seinen Freund, den gegenwärtigen Museumssekretär Wenzel Nebesk^, wurde sein Talent frühzeitig auf die Bearbeitung slavischer Stoffe geleitet; doch sind seine ersten poetischen Arbeiten meist in deutscher Sprache geschrieben, da er der tschechischen Sprache nicht genug mächtig war. Einzelne Produkte seiner Muse erschienen in den Zeitschriften „Ost und West" und „Erinnerungen". Das Jahr 1848, welches ihn in Wien traf, verfehlte nicht, auch den Geist Kappers für die damals herrschenden Ideen zu entflammen. Ein von ihm nach den Märztagen verfaßtes Gedicht „Zur Feier der vier Tage im März"9 ist von dem bekannten Tonkünstler Sitolff in Musik gesetzt worden. Er wurde, eingedenk seiner Abstammung aus Prag, Mitglied des tschechisch-mährisch-schlesischen Vereines und hat als solcher die Adresse an die Stände Mährens de dato Wien 18. April 1848 mit unterfertigt . Etwas später ist er mit Dr. Jonak und mit Dolezälek als Deputierter nach Prag gesendet worden, um die Verbindung der in Wien lebenden Tschechen mit ihren Brüdern in Böhmen aufrechtzuerhalten. Den Sitzungen des Reichstages wohnte er als Berichterstatter bei. Seine Referate erschienen in der „Bohemia" und im „Constitutionellen Blatt aus Böhmen". Aus seiner Feder sollen auch die bekannten Skizzen „Federzeichnungen aus dem Reichstage" stammen AQ Er scheint jedoch bald der Politik den Rücken gekehrt und sich ganz der Literatur gewidmet zu haben. Im Jahre 1850 unternahm er eine größere Reise in die unteren Donaugegenden und soll bis Konstantinopel gekommen sein. Die auf dieser Reise gesammelten Erfahrungen wurden von ihm in mehreren sehr anziehenden Artikeln, in Feuilletons des „Constitutionellen Blattes" veröffentlicht. Für seinen größeren historischen Roman „Der letzte Serbenzar"** erhielt er von Seiner k. k. Apostolischen Majestät die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft. Von einem Mitglied des russischen Kaiserhauses soll er aus demselben Anlaß einen wertvollen Brillantring erhalten haben. Außer den bereits genannten Werken sind von ihm zu verschiedenen Zeiten erschienen: „Erinnerungen aus dem Schulzimmer",i2 zuerst als Feuilletonartikel im „Constitutionellen Blatte", später in drei Bändchen in Leipzig herausgegeben, „Cesk6 listy", Prag 1848, „Slavische Melodien", Leipzig 1844, „Gedichte",*3 Wien 1848, sehr freisinnig, „Fürst Lazar", „Christen und Türken". Außerdem sind Aufsätze und Dichtungen von ihm in der „Prager 402