Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 349)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2644300-2644315--2753-2647099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gedicht, ein andermal vereinigte er Bilder, Gedanken und Gefühle mehrerer Gedichte zu einem neuen Ganzen.73 Kappers „Slavische Melodien" fanden bei ihrem Erscheinen eine ungeteilt freundliche Aufnahme und begründeten den Namen des jungen Autors in der deutschen Literatur. Zahlreiche Lieder daraus wurden von deutschen Komponisten in Musik gesetzt, z.B. von Dessauer, Nikolai, Proch, Barth, Walter von Goethe, Sulzer, Graf u. a., was für ihren großen musikalischen Wert spricht.74 Zu einer von den Sonntagsblättern" in Aussicht gestellten zweiten Auflage kam es nicht. Zwei Jahre nach den „Slavischen Melodien" erschienen Kappers „Öeske listy" (1846, bei Calve in Prag),75 gewidmet dem Grafen Leo Thun und dem Großindustriellen und Bankier Leopold Edlen von Laemmel.76 Sie bedeuten ein Novum in der tschechischen Literatur. Zum ersten Male erfährt der Tscheche in seiner Sprache von Judenelend und Judennot. Zum ersten Male wird der Wunsch nach einer Annäherung von Juden und Tschechen ausgesprochen. Die Juden mögen ihre Liebe dem tschechischen Volke nicht versagen und Böhmen als ihre wahre Heimat ansehen. Kapper, der Verkünder neuer Ideen, übersieht nicht die Kluft, die zwischen dem tschechischen Volke und seinen Glaubensgenossen besteht, und bemüht sich, sie zu überbrücken. Drei von den Gedichten („Srpen 1844", „Vernemu pfiteli W. N.", „Synum kmene meho v Cechach") waren bereits in den Kvety 1845 erschienen. Zum ersten schrieb Nebesky einige Begleitworte, in denen er auf Kappers bisherige Verdienste um die tschechische Literatur hinwies und das bevorstehende Erscheinen der „Ceske listy" ankündigte. Die Gedichtsammlung besteht aus drei Teilen: 1. Synum kmene meho v Cechach, 2. Milost und 3. Obrazy. Im ersten, weitaus interessantesten Teil, ist die Tendenz ganz klar: Emanzipation der Juden, Freiheit und Gleichheit werden darin verkündet. Die Klage über Bedrückung und Verfolgung der Juden ist ein darin häufig vorkommendes Motiv. So bildet „Ben-oni" (Sohn der Klage) gleichsam das zentrale Gedicht der ersten Gruppe: Der Lenz schmückte die Natur mit bunten und duftenden Blumen. Kinder, Knaben und Mädchen, spielen auf der Wiese. Abseits steht ein einsamer Junge; er darf an dem Spiel der übrigen Kinder nicht teilnehmen, denn-er ist ein Jude. „Syn zidüv on! to celä jeho vina. To pficina, ze o samote stoji, to pficina, ze odfeknuti syna i ti nepusti k veselosti zdroji." So erfährt der Jude schon in der Kindheit die Zurücksetzung, unter der er sein Leben lang zu leiden hat. „Nam zhofcen zluci pfedsudkü a zlosti z plen az k rubasi zivota jest pramen, zkrocena zfla kazde näm pruznosti, natiskem zmdlena sfla nasich ramen. Ach jeden at' jen chväli vyhostenstvi syn chvüi pouti sve - chvüi to smrti. Co pfed tou - bida jen a potupenstvi, jez kazdy ducha lepsi pokrok drti." Die Elegie 338