Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 6 (1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 345)
- Language
- German
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der Juden lag also im Rahmen ihres Strebens. Nebesky, der sich viel mit Lessing und Herder beschäftigt hatte, kam auf den Gedanken, die Juden für das tschechische Volk zu gewinnen, um ihm auf diese Weise neue § nützliche Kräfte zuzuführen. Von dem Gedanken ausgehend, daß sich Lessing und Herder große Verdienste erworben hatten, indem sie die Juden für das Deutschtum gewannen (er weist besonders auf Börne und j Heine hin), war er der Ansicht, daß auch die tschechische Literatur eine ähnliche Befruchtung aus jüdischen Kreisen erfahren sollte. Der Gedanke war nicht ganz von der Hand zu weisen. Zeigten doch die jungböhmischen Dichter, unter denen das jüdische Element stark überwog, großes Interesse für böhmische Sage, Geschichte und Volksart (Hartmanns „Kelch und Schwert", Meißners „Zizka", Kappers Beschäftigung $ mit slawischen Volksliedern und tschechischer Literatur) und ist doch aus diesem Interesse, wie wir sahen, die Zeitschrift „Ost und West" i hervorgegangen. Es wurde eine Zeitungskampagne eröffnet, die die k tschechisch-jüdische Bewegung ins Leben rufen sollte. Nebesky schrieb in einem Brief aus dem Jahre 1843: „Der Artikel, daß sich die Juden der Slawen annehmen sollen, ist bereits fertig. Er wird in der ,Zeitung des Judentums' erscheinen. Ein guter Artikel, famos geschrieben. Er wird vortrefflich wirken. Man spürt es schon jetzt ein wenig bei den Juden in Wien. Ich werde in dieser Richtung weiterarbeiten. Von den Juden könnten uns gute Kräfte zukommen; es ist das ein famoses, wunderbares Volk, voll von Geist und Tat. Den Deutschen haben sie vortrefflich geholfen. O, würden sie auch uns helfen!" Die Kampagne bestritten in der Hauptsache Nebesky, Kapper und David Kuh. Die Zeitschriften, die den Auseinandersetzungen Raum boten, waren jüdischerseits Fürsts t „Orient" und die „Allgemeine Zeitung des Judentums", tschechischerseits die „Kvety" und „Ceska vcela".55 Das wichtigste Produkt dieser ersten Phase der tschechisch-jüdischen Bewegung, die mit einem vollständigen Mißerfolg endete, sind Kappers „Ceske listy", von denen noch weiterhin die Rede sein wird, und die erste Übersetzung der jüdischen; Gebete ins Tschechische.56 In Wien setzte Kapper vor allem seine in Prag begonnene Tätigkeit als Übersetzer tschechischer Gedichte und Nachahmer slawischer Volkslieder fort. Jetzt standen ihm noch mehr Journale als früher zur Ver-? fügung. Im Jahre 1842 erschien der erste Band von Klaars „Libussa", die dieselben Tendenzen vertrat wie Glasers „Ost und West", ja diese wegen der gedrängten Form des Jahrbuches noch deutlicher zum Ausdruck brachte. Rein böhmische Interessen, wenn auch ohne einseitige deutsch- oder tschechischnationale Parteinahme, bildeten den Mittelpunkt. Die Libussa beschränkte sich aber nicht, wie andere Almanache, auf rein belletristische Beiträge, sondern brachte auch populärwissen- 334