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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1933-01-01 · 5 (1933) · page 263

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
5 (1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 263)
Language
German
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IRI
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neuerrichtete Schulgebäude. Im Festsaale fand die Feier der Schuleröffnung statt in Gegenwart der k. k. Schulkommission mit ihrem Präsidenten Grafen Karl Clary, des Probstes von Schulstein, des Schuldirektors Schindler. Die Judenschaft war durch den Oberrabbiner, die Juristen, den Stadtprimator Israel Simon Frankel und die Ältesten vertreten. Der Lehrer der Moral Pinkas Kolin hielt eine Rede über den Einfluß des Normalinstitutes auf die innerliche Bildung und äußerliche Wohlfahrt, „die dem Verfasser Ehre machte".80 Ein Feuerwerk schloß den festlichen Tag. An die Knabenschule wurde durch das Zusammenwirken Kindermanns mit den Schulaufsehern Gabriel Frankel und Lazar Grünhut später auch eine Mädchenschule angefügt. Am 10. November 1782 trat Moses Wiener mit einer bedeutsamen Rede sein Lehramt an dieser Schule an, an der er deutsche Sprache und schriftlichen Aufsatz zu unterrichten hatte.81 Er legte zunächst den Wert der Fähigkeit dar, richtig, vollständig und deutlich zu schreiben. Hierauf dankte er den Vorstehern der Gemeinde, wies auf die Pflicht wechselseitiger Hilfe auch in der moralischen Welt hin, auf die Verantwortung, die auch seine Tätigkeit ihm auferlege, und gab der Hoffnung auf Erfolg Ausdruck. Dann wandte er sich an die Schüler, sie an ihre Pflicht mahnend, ihnen die Liebe zu den Eltern, zum Kaiser ans Herz legend. „Hätte Er nicht gewollt, - stünde diese Schule nicht." - Seine eigene Stellung den Kindern gegenüber betrachtet er als die eines Freundes, von ihnen fordert er Aufmerksamkeit, Fleiß und Gehorsam.82 Die Schule wirkte sehr segensreich. In Wien war man mit ihrer Arbeit so zufrieden, daß der Kaiser sie schon wenige Monate nach ihrer Eröffnung den ungarischen Behörden als Muster empfahl.83 Von der Prüfung, die am 14. und 15. September 1783 stattfand, berichtet die Preßburger Zeitung (1783, Nr. 80): Zahlreiche hohe Herrschaften waren anwesend; eine Menge unparteiischer Zuschauer spendete Beifall für die Kinder aller vier Klassen. Ein Schüler der vierten Klasse deklamirte (!) eine von Moses Wiener verfaßte Dankrede.84 Böhm bezeichnet die Prager jüdische Hauptschule als eine der ansehnlichsten im ganzen Königreiche. Für ihre Leistungen besitzen wir u. a. auch ein sehr wertvolles Zeugnis eines vollkommen unbefangenen Beobachters, des Holländers J.Meermann, Freiherrn von Dalem, der im November 1791 nach Prag kam.85 In Begleitung des Gemeindevorstehers besuchte er die jüdische Schule. „Ich kann es nicht genug rühmen, mit welch einer Teilnahme und Freude der Älteste der Gemeinde der hier zugleich Aufseher ist, mich durch die vier Klassen führte, in welche die Schule geteilt ist, und ebensowenig vermag ich es, rühmlich genug von den Fortschritten zu sprechen, welche die Kinder alle in den genannten Kenntnissen gemacht hatten (Deutschlesen, Grammatik, Stil, Rechnen, Zeichnen, Anfangsgründe der Moral und des philosophischen Naturrechts); den größten Eifer und die sichtbarste Lernbegierde fand ich überall. Besonders 268 38

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