Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 4 (1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 362)
- Language
- German
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Anmerkungen. I Darüber vgl. die Arbeit von Dr. Jar. ProkeS .,Der Antisemitismus der Behörden und das Prager Ghetto in nachweißenbergischer Zeit" (Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschechoslowakischen Republik, I. Bd.; mit den Maßregeln der Regierung vom Jahre 1727 befaßt sich speziell der Beitrag von Dr. Frant. Roubik „Die Judensiedlungen in Böhmen auf den Ortsplänen vom Jahre 1727" a. a. 0., III. Bd. * Darüber vgl. Dr. Rieh. Feder: „Roudnictl zid6 po tficetilete välee" im Kalendäf ceskozidovsk^ 1924/25, S. 180—192. 3 Das Kreisamt hatte nämlich neben dieser Judenangelegenheit auch noch gegen die unangemessenen Titulaturen der Raudnitzer Obrigkeit einzuschreiten, deren sich diese im Briefwechsel mit den Behörden bediente, und namentlich gegen ihre Eingriffe in die gerichtliche Kompetenz des Raudnitzer Magistrats. Die Akten hierüber erliegen im Archiv des Ministeriums des Innern in Prag, Sign. R 12/7 st. m. 4 Die Bestätigung war zu dem Zwecke erteilt worden, um die jüdischen Kontribuenten, deren Stand im Kreise nach der Epidemie des Jahres 1713 um die Hälfte (auf 62 Ansässige) gesunken war, bei ihrem Ansuchen um Nachlaß der alten Steuerrückstände (5500 fl rhein.), die trotz des strengsten Vorgehens der Behörden uneinbringlich waren, zu unterstützen. 5 Darüber vgl. Dr. Rieh. Feder: „Zaverecnä, kapitola o zidech roudnickych" im Kalendäf ceskozidovsky 1926/27, S. 182—198. 6 In der betreffenden Eingabe verwahrte sich die Raudnitzer Judengemeinde gegen die Forderung der dortigen Fleischer, auch die Juden sollten das Fleisch von ihnen beziehen; was jedoch die Berufung auf kaiserliche Privilegien anlangt, so enthielten diese lediglich eine allgemeine Bewilligung für den Judenhandel; die Berufung darauf aber, daß ihnen von der Fürstin Polyxena von Lobkowitz und nach ihr neuerlich im Jahre 1652 (16. April) das freie Handelsrecht in Raudnitz erteilt worden sei, beruhte auf einer gewaltsamen Erklärung einer Verfügung, die gerade gegen die Juden in dieser Stadt abzielte. Die rechtliche Beweisführung hätte vermutlich nicht standgehalten, doch die ordentlich beglichenen obrigkeitlichen Zinse und landesfürötlichen Steuern verliehen dem Gesuche immerhin entsprechenden Nachdruck, so daß ihnen das Recht auf Viehschlachtung erneuert wurde. 7 Vgl. den zitierten Artikel von Dr. R. Feder im Kalendäf ceskozidovsky 1924/25. 8 Darüber handelt eingehender Dr. Richard Feder im Kalendäf ceskozidovsky 1926/27. e Die jüdischen Wirte hießen: Kozeny Jonas, Gumplitz Joachim, Michalü Elias, Sfastn^ Jakob, Mojzigü Lev, Sfastn^ Marek, Markü Daniel, Kantorü Lev, Peruc Salomon, Matyäsü Abraham, Sklenaf David, Konif Elias, Abrahamü Joachim, Kantor Raphael, ßtrendcky Josef, Vitü Marek, Muna Samuel. 10 In einem gleichzeitigen Bericht des Raudnitzer Oberamtes über eine ganz andere Angelegenheit von demselben Jahre 1726 ist von 28 Angesessenen die Rede. Die Lage der Judenstadt im Rahmen der Stadtanlage zeigt anschaulich eine Federzeichnung aus dem Jahre 1668 (Soupis pamätek historick^ch a umeleckych v krälovstvi Öeskem, Bd. IV., Pol. okres Roudnicky, von Dr. Bohumil Matejka, bei S. 156). II Davon waren jedoch 6 durch Teilung der alten Häuser hervorgegangen, so daß es eigentlich bloß 39 alte Ansässigkeitsgebäude gab. Ein ähnlicher Teilungsprozeß der Judenhäuser, jedoch mit einer viel höheren Bevölkerungs ziffer pro Haus spielte sich z. B. in B.-Leipa ab; vgl. Dr. Jos. Bergl: „Der Judenmord in Böhm.-Leipa am 9. Dezember 1744" im erwähnten Jahrbuch II. lf Die Abschaffung wurde mit wirtschaftlichen und sozialen Gründen motiviert: die Juden hätten durch unredlichen Handel viel Leute ruiniert, in erster Reihe spielten aber religiöse und politische Beweggründe mit: Lästerungen der Juden gegen Christus und die Jungfrau Maria könnten Unwillen in der Gemeinde erregen. Es war eine Abwandlung der landläufigen Schlagworte einer judenfeindlich eingestellten Öffentlichkeit (vgl. die Arbeit von Roubik, S. 283/4). 19 351