Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 2 (1904) Heft XIV
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 rühmen kann, im Jahre 1781“. Es handelt sieh also um ein Manuskript aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das zweite, offenbar später eingeklebte Blatt enthält eine Feder- Zeichnung des Chaiin Maverowicz, welche wir hier (Fig. 6) wiedergeben. Auf diesem Blatte verewigt sich der Spender dieses Machsors; denn die hebräische Aufschrift, welche in der Mitte der Zeichnung^ sich beiindet. belehrt uns, dass es Hirsch und dessen Frau Debora gewesen, welche dieses Machsor im Jahre 1785 der Synagoge in Wolpa geschenkt haben. Dies ist dieselbe Familie, welche, wie wir bereits wissen, diesem Gotteshause den grossen Messing-Kron- ]dichter im Jahre 1781 gespendet hat. Erwähnen wollen wir noch, dass der Anfang eines jeden Hauptkapitels in diesem Gebetbuche mit schon in Gold und Farben gemalten Initialen verziert ist Auf einigen Blättern zeichnete der Künstler in der Mitte des Textes primitive Figuren, welche originell gestaltete, mythische Tiere, in den Pfoten Fähnchen haltend, darstellen. (Fig. 7). Zu Anfang des 15. Jahrhunderts haben sich die Juden, wenn auch in kleinen, so doch bereits gut organisierten Gemeinden, hauptsächlich in den am linken Ufer der Weichsel gelegenen Städten angesiedelt. Die Akten von Plock besagen, dass es Fürst Ziemowit auf Ma^ows^e war, der den Juden gleiche Rechte wie den übrigen Bürgern verlieh und ihnen erlaubte, Handel und Gewerbe zu treiben, eine Synagoge zu bauen, Schulen zu gründen, sowie ein Schlachthaus und ein Dampfbad zu errichten. Nachdem Ma^ows^e der Krone ein verleibt worden war, haben sich auch die Könige den Juden gewogen gezeigt. Im Jahre 15'21 erhalten sie vom Könige Sigismund I. in Petrikau das Privileg zum freien Kauf und Verkauf verschiedener Waren auf öffentlichen Märkten. Im Jahre 1576 gestattet der König Stefan Batory den Juden in Plock Häu ser sowie Platz für einen Kirchhof zu erstehen und <*ine Synagoge zu bauen. Im Jahre 1630 wurden diese Privilegien vom König Ladislaus IV. bestätigt, und in dieser Zeit bauten die reichen dortigen Juden eine schöne, gemauerte Synagoge. Im Jahre 1671 erteilt König Michael Korybut die Erlaubnis, die .während des schwedischen Krieges niedergebrannte Synagoge, wieder aufzubauen. König Johann III. (1677) sowie verschiedene .Bischöfe (1712) erlauben den Juden in Makow, Ciechanowo, Mlawa u. s. w., Synagogen zu bauen und freien Handel und Ge- :werbe zu betreiben, Privilegien, welche auch vom Könige Stanislaus August 1759 und vom Fürsten Poniatowski, Bischof von Plock, 1774 bestätigt wurden. Gestützt auf diese Privilegien, Rechte und Freiheiten, mit welchen die Juden von Fürsten, Königen und;Bischöfen ausgestattet wurden, erfreuten sie sich eines gewissen Wohlstandes umsomehr, da die Geschichte keinerlei Unzuträglichkeiten erwähnt, die sich zwischen ihnen und den christlichen