Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1904
- Issue
- 2 (1904) Heft XIV
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Dieses schöne Denkmal der früheren Holzbaukunst überragt durch das mit drei Abhebungen versehene Dach des Gotteshauses beinahe das ganze Städtchen und fällt durch seine Öriginalität ins Auge. Die Tradition besagt, dass diese Synagoge bereits vor 300 Jahren von einem jüdischen Baumeister, dessen Namen man leider nicht kennt, gebaut worden ist. Die Aufschriften auf einigen Gegenständen deuten darauf hin, dass ihre Errichtung in den Anfang des 17. Jahrhunderts fällt. Ein grosser Brand, welcher die Stadt vernichtete, hat auch das jüdische Gemeindehaus (Kahalhaus) nicht verschont, wobei alle Bücher und Archive verloren gingen. Die Brandstifter waren Schweden, und sie waren es auch, welche aus der Synagoge sämtliche kostbaren Gerätschäften, sowie die berühmten kunstvoll gearbeiteten silbernen, siebenarmigen Leuchter entwendeten, die kaum von drei Leuten hatten gehoben werden können. Die katholische Kirche und die Synagoge sind wunderbarer Weise von dieser Feuersbrunst verschont geblieben. Seit der Errichtung der Synagoge vor 300 Jahren hat sich in ihrem äusseren Aussehen nichts geändert, nur einmal um das Jahr 1781 wurden die Dächer repariert und das Gebäude im Innern gestützt. Die Synagoge hat 247׳., m Länge und 20 m Breite. In ihrer Mitte erhebt sich, gestützt auf vier riesige Pfeiler, eine achteckige Kuppel mit nach oben zu schmäler werdenden fünf Galerien, welche in gleichmässiger Entfernung die Kuppel von innen umringen. Diese Bailustraden sind aus schön geschnitztem Holze gefertigt. In der Mitte der Kuppel hängt an einer eisernen Kette eine, wie es scheint, eiserne Kugel; zu welchem Zwecke dieselbe angebracht wurde, war nicht möglich festzustellen. Die Wölbung der Kuppel ist dunkelblau gemalt, und auf diesem Grunde funkeln goldene Sterne. Die Höhe der Synagoge vom Fussboden ab gemessen bis zur Wölbung der Kuppel beträgt mehr als 30 m. Inmitten der vier Riesenpfeiler befindet sich eine künstlerisch und originell aus Holz gefertigte ״Bima“, welche unbedingt als ein Kunstwerk der früheren Tischlerkunst gelten kann. Die hier gegebene Zeichnung (Fig. 2) lässt uns die ganze Schönheit dieses Bauwerks erkennen. Das Originellste und ungleich Schönste in dieser Synagoge ist der ״Aron Hakodesch“ (Fig. 3). Ganz aus Eichenholz hergestellt, ist derselbe 10 m hoch und 4 72 m breit. Dieser Thoraschrank ist sicherlich das Werk eines Schnitzers aus dem 17. Jahrhundert: es sind daran so viele tierische und pflanzliehe Ornamente, so viele echt hebräische Motive angebracht, dass dieses Denkmal jetzt in seiner originellen Form zu betrachten, einen wahren Genuss bereitet. Der Thoraschrank steht auf einer Erhöhung, von einer Bailustrade umringt, es führen 1*