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Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde · 1902-01-01 · 2 (1902) Heft X · p. Seite 91

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Journal
Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
Volume
1902
Issue
2 (1902) Heft X
Date
1902-01-01
Page
Seite 91 (sequence 12)
Language
German
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91 Ein besonderes Kapitel verdient der Psalter, als Universalmittel in allen nur denkbaren Nöten heilsam und in dieser Eigenschaft nicht selten, da er gegen manches Leiden und zugleich gegen dessen Gegenteil gleich warm und zuversichtlich empfohlen wurde, humoristisch ausgebeutet. Ähnlich hat noch der Münchener Kliniker J. N. Ringseis, ein Vorläufer der modernsten Gesundbeter, alle Krankheiten als Resultate von Sünden aufgefasst und zu den Heilmitteln auch Gebete und Sakramente gerechnet (Jacubowski L., Der christliche Staat, Berlin 1894 S. 82). Andererseits ist eine Uebersicht über die mantische Bedeutung der einzelnen Psalmen unter dem Titel Öimmus thillim, auch ״Kawwanath thillim“ (so von Eljakim Getz aus Przemysl, Homburg 1724) oft gedruckt, auf den Index gekommen. Das Buch ist ins Lateinische und Französische übersetzt worden (Wolf, Biblioth. hebr. II 1060). Es ist im Folgenden mit S bezeichnet, ms bedeutet: Handschrift Nr. 605, A:Nr. 1023 und B: Nr. 1021 der Gesellseh. f. jüd. Volkskunde. Die Zahl daneben giebt die Nummer des Psalms an. In der Einleitung beruft sich der Verfasser auf Autoritäten, wie Sal. b. Adereth und Simon Duran. Es wird empfohlen: ip I gegen Fehlgeburt [Heim 320: I 3, dass die Bäume nicht die Frucht abwerfen]; II wie Jes. XLII 5, II 1, wenn man vor dem Herrscher erscheinen soll: B. 70b; lila) gegen Schmerzen in Kopfund Schultern, b) ms allgemeine Körperschwäche (Grünw.: Dämonen austreiben); IV a) wie Prov. XVIII!0, b) gegen Menschenfurcht; Va) gegen einen bösen Geist b) vor dem Richter [Kayser: b]; V 8 wurde als Mittel gegen den bösen Blick angewandt, indem man mit seinen zehn Worten die zum Gemeindegebet erforderlichen zehn Männer abzählte, um deren Namen oder Zahlen zu vermeiden (Harkavy, Responsen der Gaonim 157) Heut ist an seine Stelle ip 28,9 getreten. Ist die Zahl (das Minjan, vgl. M. II 27) voll, so sagt man, auf das letzte Wort des Verses hindeutend: ״Der Oulom ist datt. Ueber die Scheu vor dem Zählen von Menschen s. Rubin, Gesch. des Abergl. 138. VI: a) gegen Augenleiden und b) Gefahr zu Wasser und zu Lande; VII: a) gegen Feinde, b) vor Gericht, c)Mitt. V 36: gegen Räuber; VIII=Gen. XXV14;;IX: dass.und wieVII a); X: gegen Besessenheit; XI: a) wie V, b) (auch ms) gegen Menschen, c) sonstige Gefahr; [Grünw. wie III]; XII: a) gegen sündige Versuchung, b) bösen Rat c) ms. Vergeltung üben; XIII: a) gegen unnatürlichen Tod, b) VI a [Grünw. wie III]; XIV: a) gegen üble Nachrede, b) wenn man keinen Glauben findet; XV: X; XVI: VII a und Jos. I8 und (auch ms und A 55) Diebe entdecken. In Ungarn hängt man zu letzterem Zwecke ein Sieb an den Finger, dreht es und spricht dabei mehrere Male ip L18, dann bleibt das Sieb immer in der Richtung stehen, in der man den Dieb zu suchen hat (Rahmers Jüd. Familienblatt 1893 Nr. 28 S. 109). Vergl. Rubin 93. ln

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