Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde
- Volume
- 1901
- Issue
- 2 (1901) Heft VIII
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2642950-2642960-2642962--0787-2643719- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
177 welche auf dem Untersatze ruhen, sind ebenfalls gut und effektvoll modelliert, woraus man entnehmen kann, dass der Künstler gute Vorbilder gehabt hat. Der Untersatz schien unserm Künstler nicht reich genug an Ornamenten zu sein und nicht dem Massstabe des oberen Teiles zu entsprechen, deshalb fügte er einige Leuchter, welche aus dem Rachen der zwei seitlichen Löwen heraustreten, hinzu, wodurch er das Ganze noch verschönerte. Nachdem wir durch Worte der Anerkennung den hier erwähnten Arbeiten des Künstlers gerecht geworden sind, müssen wir auch seiner Persönlichkeit gedenken und dies auf Grund der Ermittelungen, welche uns zu sammeln gelungen sind. Der Verfertiger der Armleuchter war Israelit und seinen damaligen Glaubensgenossen unter dem Namen ״Boruch“ bekannt. Er war ein armer Handwerker, man weiss nicht aus welcher Gegend und bereits nach dem Wiederaufbau der alten Synagoge, also im Jahre 1690, nach Pohrebyszcze gekommen. Er beschäftigte sich mit dem Auffrischen von alten, abgenutzten Metallgefässen im Städtchen und in der Umgegend, und dieser Verdienst genügte ihm zu seinem einfachen Auskommen. Wo er sein Handwerk erlernte, ist unbekannt. Man sah ihn oft sich mit dem braven Pfarrer der durch Radziwiö gegründeten Holzkirche unterhalten, auch vertraute ihm derselbe verschiedene Arbeiten für Kirche und Sakristei an. Er konnte also bei diesem Pfarrer verschiedene Zeichnungen und Kunstmodelle gesehen haben, welche ihm, wie das Gerücht besagt, nachher bei seinen Arbeiten nützlich waren. Boruch fristete das Leben arbeitsam und elend; er pflegte in den Häusern und wo es sonst anging Messingabfälle verschiedenster Art zu sammeln und kaufte auch oftmals ebenfalls für seiue Sparpfennige zerbrochene und zum Gebrauch untaugliche Gefässe. Als eines Tages seine Bekannten ihn fragten, zu welchem Zwecke er so emsig die Messingstückchen sammelte, erklärte er seine Absicht dahin, dass, sowie er die nötige Anzahl des zu verwendenden Materials beisammen hätte, er für die alte Synagoge Armleuchter verfertigen wolle, welche einst allgemein würden bewundert werden. Acht Jahre lang sammelte er auf diese Weise das Material, worauf der arme Boruch daran ging, seine Absicht zu verwirklichen, und wie er selbst erzählte, arbeitete er sechs Jahre an der Fertigstellung der Armleuchter, da er zur schnelleren Ausführung weder entsprechende Werkzeuge noch Geld besass. Er ,wollte keinerlei Unterstützung annehmen. Dass die Armleuchter von Boruch bereits im Jahre 1735 in der Synagoge gewesen sind, ist That- Sache, da deren Erwähnung als einer Schenkung Boruchs in dem von uns schon früher genannten Buche von Arje Jehuda Lejb sich findet. Auf diese Weise haben wir die Gewissheit, dass die Armleuchter, welche hier abgebildet sind, aus dem Ende des 17• oder spätestens aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammen und das Werk des Juden Boruch sind. Zum Schlüsse müssen wir noch zwei kleine Überbleibsel erwähnen, welche in der eben von uns geschilderten Synagoge aufbewahrt sind und die aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammen, das ist die silberne Krone, welche zum Verzieren der Torarollen dient, und einen silbernen Zeiger, der beim Vorlesen der Tora in der Synagoge gebraucht